Knapp 60 cm groß war der Top-Speaker, den der geschäftsführende Gesellschafter/CEO Henrik A. Schunk zum Auftakt der 'Schunk Expert Days on Service Robotics' auf der Bühne begrüßte: NAO heißt der hochentwickelte, humanoide Roboter, der über 25 Freiheitsgrade verfügt und Hände, Arme, Beine, Kopf und Rumpf beinahe wie ein Mensch bewegen kann.

Was auf den ersten Blick wie ein Spielzeug für Technologiefreaks anmutet, entpuppte sich als sympathischer Demonstrator künstlicher Intelligenz. Angebunden an IBM Watson ist NAO in der Lage, natürliche Sprache zu analysieren und selbstständig Antworten zu geben. In Hotels wird der sympathische Assistent eingesetzt, um Gästen auf spielerische Art und Weise Fragen zu beantworten.

Die intelligente Technologie dahinter ist in der Lage, systematisch Texte zu analysieren, gezielte Fragestellungen abzugleichen und die Ergebnisse komprimiert wiederzugeben. Über Visual Recognition Tools können zudem Gesichter, aber auch Gegenstände erkannt und auf spezifische Merkmale analysiert werden.

In seiner Keynote machte Prof. Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer IPA am Beispiel der ARENA 2036 deutlich, wie wichtig die Kooperation der unterschiedlichen Disziplinen künftig sein wird, um die komplexen Aufgabenstellungen der Produktion von morgen zu lösen.

Open Source Communities gefragt

Als führende Forschungsplattform für Mobilität in Deutschland hat sich ARENA 2036 zum Ziel gesetzt, die gesamte Wertschöpfungskette der in Zukunft volldigitalisierten Fahrzeuge neu zu denken und umzusetzen. Über 30 Partner, vom Zulieferer über IT-Dienstleister bis hin zum Automobilhersteller und verschiedenen Forschungseinrichtungen, arbeiten gemeinsam an den Themenwelten Mobilität, Produktion, Arbeit und Digitalisierung.

Themen sind unter anderem die Nutzung von Schwarmintelligenz in der Intralogistik, der Einsatz mobiler Plattformen zur Bestückung von Maschinen, aber auch die Substitution von Materialfluss durch Informationsfluss. Dazu zähle auch, die Prozesskomplexität dorthin zu verlagern, wo sie am effizientesten gehandelt werden kann, so Bauernhansl.

Vor allem Open Source Communities, wie das Software-Framework ROS, digitale Zwillinge oder deren Vorstufe, die digitalen Schatten, aber auch der Einsatz von Systemen für Data Analytics seien wichtige Enabler neuartiger Produktionsszenarien.

Den Weg hin zu autonom operierenden Greifern und Handlingsystemen beschrieben unter anderem Prof. Sami Haddadin, Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2017, Prof. Jiping He, vom Beijing Institute of Technology (China), Dr. Minas Liarokapis, von New Dexterity, und Prof. Torsten Kröger vom KIT.

Immer wieder ging es dabei auch um ein autonomes Lernen der Greif- und Handhabungssysteme, sodass diese in die Lage versetzt werden, Gegenstände selbständig zu greifen und exakt zu positionieren. Vor allem der Bereich der Intralogistik erlebt derzeit einen Boom der Servicerobotik und arbeitet intensiv an intelligenten Lösungen.

So verdeutlichten die Vorträge von Magazino, DHL, Robert Bosch Startup und Fetch Robotics, wie die Effizienz in großen Warenlagern mithilfe autonomer Transportplattformen und Cloudsystemen erhöht werden kann und wie der Entwicklungsprozess von der Idee zum marktreifen kollaborierenden System gelingt.

Yvonne Straube von BMW gab einen Einblick in die Forschungsaktivitäten des Automobilherstellers, die vom Einsatz virtueller Assistenten und Exoskelette bis hin zum Einsatz von Robotern als handgeführte Werkzeuge reichen.

Darum sichern (Service)-Roboter in Zukunft Arbeitsplätze

Ähnlich wie im Vortrag von Søren Peter Johansen vom Danish Technological Institute wurde auch bei BMW deutlich, dass die Servicerobotik in Zukunft ein höchst effektiver Weg sein wird, um den Mensch in der Produktion beispielsweise beim Teilehandling oder bei Montageaufgaben zu unterstützen und zu entlasten, ohne ihn zu ersetzen.

Im Gegenteil: Roboter sichern und schaffen sogar Arbeitsplätze, da Prozesse wesentlich effizienter gestaltet werden können. So gebe es nach Aussagen von Søren Peter Johansen in Dänemark mittlerweile eine regelrechte bottom-up-Bewegung: Werker, die die Vorteile kollaborierender Systeme erkannt haben, fordern deren Einführung, statt sie aus unbegründeten Ängsten heraus abzulehnen.

BMW: Exoskelette entlasten Werker in Spartanburg