KI im Maschinenbau gewinnt deutlich an Bedeutung. VDMA-Experte Guido Reimann erklärt, warum Digitalisierung, Standards und Daten entscheidend für den breiten Rollout sind.
Summary: Guido Reimann vom VDMA ordnet anlässlich des Maschinenbau-Gipfel-Salons am 17.6.2026 im Siemens Gerätewerk Erlangen den Stand von KI im Maschinen- und Anlagenbau ein. Im April 2026 setzen laut VDMA-Umfrage rund 31 % der Unternehmen KI bereits produktiv ein, weitere Projekte laufen oder sind geplant. Entscheidend für die Skalierung sind Digitalisierungsstrategien, Interoperabilität, offene Standards und ein schneller Wissenstransfer.
Produktion:
Wo steht der Maschinenbau aus VDMA-Sicht beim produktiven Einsatz von KI –
jenseits einzelner Leuchtturmprojekte?
Guido Reimann: Der Maschinen- und
Anlagenbau befindet sich in einer Phase der wachsenden Relevanz und strategischen
Bedeutung von KI. Die VDMA-Umfrage zur Digitalen Transformation im Maschinen-
und Anlagenbau vom April 2026 zeigt, dass über 80 Prozent der
Maschinenbauunternehmen den KI-Technologien im eigenen Unternehmen bereits eine
größere Bedeutung zuschreiben. Rund 31 Prozent der Unternehmen setzen
KI-Lösungen sogar produktiv ein. Damit sprechen wir dann nicht mehr nur von
einzelnen Leuchtturmprojekten in der Branche. Darüber hinaus befinden sich
weitere 37 Prozent der Unternehmen aktuell in KI-Pilotprojekten und weitere 18
Prozent wollen noch bis Ende 2026 entsprechende KI-Projekte starten. Das Thema
ist in der Branche angekommen. Vorreiter bei den derzeitigen produktiven
betrieblichen Anwendungsbereichen sind die Softwareentwicklung und Entwicklung &
Konstruktion sowie Unternehmensführung, IT und Marketing & Kommunikation.
Aber auch im Vertrieb und bei
produktbegleitenden Dienstleistungen für die Kundinnen und Kunden des
Maschinenbaus kommen KI-Lösungen immer mehr zum Einsatz. Weniger intensiv wird
KI bisher in den Bereichen Finanzen & Controlling, Logistik oder Recht &
Compliance eingesetzt, was aber auch mit dem aktuell geringeren
Digitalisierungsgrad in diesen Anwendungsfeldern zusammenhängt. Hier zeigt sich
folglich noch Potenzial. Fehlen allerdings die digitalen Ausgangsdaten, dann
kann auch eine KI-Lösung nicht weiterhelfen. Um diese Potenziale zu nutzen,
müssen Unternehmen auch in diesen Bereichen die Digitalisierung weiter
voranbringen.
Produktion:
Was braucht die Breite der Branche jetzt am dringendsten, damit KI vom
Pilotprojekt in die Serienanwendung kommt?
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Guido Reimann: An erster Stelle, und das
haben schon sehr viele Unternehmen in der Branche umgesetzt, muss es eine
Digitalisierungsstrategie für das Unternehmen geben. Rund 60 Prozent der
Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus haben bereits eine
Digitalisierungsstrategie, wie die VDMA-Umfrage vom April 2026 ebenfalls zeigt
und weitere 19 Prozent planen die Umsetzung noch in diesem Jahr. Die
strategische Entscheidung und Umsetzung einer breitflächigen und nachhaltigen
Digitalisierung im Unternehmen ist Grundvoraussetzung für eine breite Anwendung
von KI-Technologien und anderen Digitaltechnologien. Ebenfalls weit oben stehen
aber auch Themen wie Changemanagement, Umsetzungsgeschwindigkeit und fehlende
Personalressourcen, wenn es um die Hürden bei der digitalen Transformation im
Unternehmen geht. Diese müssen ebenfalls bedacht und Lösungen dafür erarbeitet
werden.
Denn vielfach liegt es nicht an der rein
technischen Umsetzung, sondern an organisatorischen Herausforderungen,
Entscheidungsstrukturen, fehlender Einbindung der Beteiligten, unzureichendem
Wissen über Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen oder anderen nicht-technischen
Faktoren, dass Projekte sich in die Länge ziehen oder nicht in den
Produktivbetrieb überführt werden. Gerade bei KI-Projekten kommt aber auch
immer wieder ein Faktor dazu, der mitberücksichtigt werden muss: Nicht jedes
KI-Pilotprojekt ist zum Erfolg verurteilt. Wichtig ist es mit Blick auf ein
ausgewogenes Aufwand-Nutzenverhältnis rechtzeitig eine Entscheidung zu treffen,
wenn kein Vorankommen mehr möglich ist, damit die begrenzten finanziellen und
personellen Kapazitäten zielgerichtet für andere Digitalisierungsaktivitäten
eingesetzt werden können.
Produktion:
Welche Rolle muss ein Verband wie der VDMA spielen, damit KI im Maschinenbau
schneller, sicherer und praxisnäher skaliert?
Guido Reimann: Der VDMA nimmt als
industrieller Verband eine Schlüsselrolle in der Begleitung und Beschleunigung
der KI-Transformation im Maschinenbau ein. Wir setzen uns in der politischen
Interessenvertretung vor allem dafür ein, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland
und der EU, mit Blick auf den internationalen Wettbewerb, innovations- und KMU
freundlich sowie praxisnah für die Branche gestaltet werden. Des Weiteren
unterstützen wir vor allem mit Blick auf eine bessere Interoperabilität und
Verfügbarkeit von industriellen Daten auch die Entwicklung und Verbreitung von
offenen Standards wie OPC UA und den Aufbau von vertrauenswürdigen Datenräumen.
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Dazu beteiligen wir uns unter anderem an
Initiativen wie Manufacturing-X. Zudem forcieren wir seit vielen Jahren schon
den frühzeitigen Austausch zwischen Forschung, Startups, Technologievorreitern,
IT-Unternehmen sowie Unternehmen der Automatisierungstechnik und aus dem
Maschinenbau. Ein schneller Erfahrungs- und Wissenstransfer in etablierten
Netzwerken wird im Zuge der Entwicklungsgeschwindigkeit von KI-Technologien
immer wichtiger, um den Kompetenzaufbau im eigenen Unternehmen voranzubringen
und schnell geeignete Kooperationspartner zu finden. Durch unterschiedliche
Formate wie Studien, Whitepaper, Sammlung von Praxisbeispielen und den
unterschiedlichsten Veranstaltungs- und Weiterbildungsformaten bringen wir
zusammen mit den Mitgliedsunternehmen dieses Wissen in die Breite und geben die
Impulse für die nächsten KI-Projekte im Maschinenbau und der Industrie.
FAQ zu KI im Maschinenbau
• Was bedeutet KI im Maschinenbau aktuell? – KI im Maschinenbau hat laut VDMA deutlich an strategischer Bedeutung gewonnen und wird bereits in Teilen der Branche produktiv eingesetzt.
• Wie viele Unternehmen nutzen KI im Maschinenbau produktiv? – Laut VDMA-Umfrage vom April 2026 setzen rund 31 % der Maschinenbauunternehmen KI-Lösungen produktiv ein.
• Welche Bereiche nutzen KI im Maschinenbau besonders stark? – Besonders aktiv sind Softwareentwicklung, Entwicklung und Konstruktion sowie Unternehmensführung, IT und Marketing & Kommunikation.
• Warum braucht KI im Maschinenbau eine Digitalisierungsstrategie? – Digitale Ausgangsdaten und eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie sind Grundvoraussetzungen für den breiten Einsatz von KI-Technologien.
• Welche Rolle spielt der VDMA bei KI im Maschinenbau? – Der VDMA unterstützt die KI-Transformation durch Interessenvertretung, offene Standards, Datenräume, Wissenstransfer und Praxisformate.