Maschinenbau-Gipfel: 3 Fragen an

Wie Prozessdaten den Maschinenbau resilienter machen

Prozessintelligenz im Maschinenbau erfordert nicht zwingend eine vollständig harmonisierte IT-Landschaft. Hendrik Hackmann von Infor erklärt, wie Transparenz, Kennzahlen und Standardprozesse die Resilienz erhöhen.

Transparente Prozessdaten helfen Maschinenbauunternehmen, Engpässe, Risiken und Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Auf dem Maschinenbau-Gipfel 2026 erklärt der Infor-Experte Dr. Hendrik Hackmann, was Entscheider dazu wissen müssen.
Transparente Prozessdaten helfen Maschinenbauunternehmen, Engpässe, Risiken und Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Auf dem Maschinenbau-Gipfel 2026 erklärt der Infor-Experte Dr. Hendrik Hackmann, was Entscheider dazu wissen müssen.

Summary: Dr. Hendrik Hackmann, Senior Director Central Europe bei Infor, erläutert im Interview mit Produktion, wie Maschinenbauer Prozessintelligenz aufbauen können. Entscheidend sind die Zusammenführung vorhandener ERP-Daten, belastbare Kennzahlen und klar definierte Standardprozesse. Dadurch lassen sich Risiken früher erkennen und Handlungsoptionen für Krisensituationen vorbereiten. Ein Thema, zu dem er auch auf dem Maschinenbau-Gipfel 2026 sprechen wird.


Dr. Hendrik Hackmann, Senior Director Central Europe bei Infor
Dr. Hendrik Hackmann, Senior Director Central Europe bei Infor

Viele Maschinenbauunternehmen verfügen über gewachsene ERP-Landschaften, unterschiedliche Prozessvarianten und zahlreiche Insellösungen. Wie lässt sich unter diesen Bedingungen eine belastbare Prozessintelligenz aufbauen, ohne zunächst ein mehrjähriges Harmonisierungsprogramm starten zu müssen?

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass sie zunächst ihre Systemlandschaft harmonisieren müssen, bevor sie Prozessintelligenz aufbauen können. In der Praxis muss beides jedoch nicht zwingend nacheinander erfolgen.

In Zeiten volatiler Lieferketten und derart disruptiven Veränderungen wie wir sie gerade erleben, hat niemandem die Zeit für ein solches mehrjähriges Transformationsprogramm. 

Der erste Schritt zur Resilienz ist Sichtbarkeit. Heute lassen sich Prozessdaten über unterschiedliche ERP-Systeme, Werke und Prozesse hinweg zusammenführen und analysieren, ohne die bestehenden Systeme sofort auszutauschen oder zu vereinheitlichen. Dadurch werden Engpässe, Medienbrüche und Risiken sichtbar. 

Transparenz benötigt weniger Harmonisierung als viele Unternehmen glauben. Für belastbare Benchmarking- und Optimierungsprogramme ist jedoch ein gewisses Maß an Standardisierung langfristig unverzichtbar. 

Kurz gesagt: Robuste Prozesse entstehen nicht durch Standardisierung allein, sondern durch Transparenz über Abhängigkeiten, Engpässe und Risiken. 

Resilienz bleibt häufig ein abstraktes Ziel. An welchen Kennzahlen und Prozessdaten lässt sich konkret erkennen, ob ein Unternehmen schneller auf Lieferengpässe, Nachfrageschwankungen oder kurzfristige Kapazitätsveränderungen reagieren kann?

Resilienz zeigt sich nicht daran, ob ein Unternehmen störungsfrei arbeitet. Sie zeigt sich daran, wie stark oder wie wenig diese Prozesskennzahlen unter Stress vom Sollwert abweichen.

Deshalb benötigen Unternehmen Prozesse, die die Kennzahlen messen und deren Veränderungen bewerten:

  • Steigt die Durchlaufzeit plötzlich an?

  • Nimmt die Liefertreue ab?

  • Werden kritische Bestände schneller verbraucht als geplant?

  • Weicht die tatsächliche Kapazitätsauslastung zunehmend von der Planung ab?


Diese Signale erkennt man häufig Tage oder sogar Wochen vor einer operativen Eskalation und wenn Prozesse implementiert sind, die hieraus Handlungen ableiten, können die operativen Eskalationen häufig verhindert werden.

Ein robustes Prozessmodell zeichnet sich dadurch aus, dass diese Kennzahlen auch unter veränderten Rahmenbedingungen beherrschbar bleiben.

Die gute Nachricht ist: Die meisten Maschinenbauer besitzen diese Daten bereits im ERP-System. Das Problem ist selten die Datenerfassung, sondern die fehlende Echtzeittransparenz über Werke, Standorte und Lieferketten hinweg.

 

Resiliente Unternehmen erkennen Abweichungen früh genug, um noch Handlungsoptionen zu haben. Standardisierte Prozesse erhöhen Effizienz und Skalierbarkeit, können aber die notwendige Flexibilität im Maschinenbau einschränken. Wie finden Unternehmen die richtige Balance zwischen Harmonisierung, standortspezifischen Anforderungen und der Fähigkeit, in Krisen schnell vom Regelprozess abzuweichen?

Der größte Irrtum lautet: Standardisierung und Flexibilität seien Gegensätze. Tatsächlich braucht man Standardisierung, um in Ausnahmesituationen flexibel handeln zu können.

Ohne klar definierte Standardprozesse, dass am besten direkt in ein industrie-spezifisches ERP System wie dir Infor CloudSuite Industrial Enterprise grundlegend verankert ist - weiß niemand, wann überhaupt eine Ausnahme vorliegt.

Erfolgreiche Unternehmen arbeiten deshalb mit klaren Regeln, welche Systemgestützt implementiert werden:

  • Standardprozess als Regel

  • definierte Ausnahmen für besondere Anforderungen

  • vorbereitete Eskalationspfade für Krisensituationen

Beispielsweise können alternative Lieferanten, Ersatzmaterialien oder Kapazitätsverlagerungen zwischen Werken bereits im Voraus modelliert werden.

Dadurch entsteht keine starre Organisation. Im Gegenteil: Sie wird handlungsfähiger.

Flexibilität darf nicht spontan entstehen. Sie muss bewusst konstruiert werden.

Der Umgang mit Prozessdaten als Thema auf dem Maschinenbau-Gipfel 2026

Transparente Prozessdaten helfen Maschinenbauunternehmen, Engpässe, Risiken und Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Entscheidend ist dabei nicht allein die vollständige Harmonisierung der ERP-Landschaft. Vielmehr müssen vorhandene Daten systemübergreifend ausgewertet, relevante Kennzahlen kontinuierlich überwacht und klare Eskalationspfade vorbereitet werden.

Dr. Hendrik Hackmann, Senior Director Central Europe bei Infor und Interviewpartner von Produktion, greift das Thema auch beim 16. Deutschen Maschinenbau-Gipfel 2026 auf. Sein Vortrag „Digitalisierung – Prozessintelligenz als Resilienzstrategie: Wie harmonisierte und gemessene Prozesse Maschinenbauunternehmen krisenfest machen“ ist für den 10. November 2026 um 16:40 Uhr angekündigt.

• Wann: 10. und 11. November 2026
• Vortrag von Dr. Hendrik Hackmann: 10. November 2026, 16:40 Uhr
• Wo: Vienna House Andel’s Berlin
• Website: www.maschinenbau-gipfel.de

FAQ zur Prozessintelligenz im Maschinenbau

• Was bedeutet Prozessintelligenz im Maschinenbau? – Prozessintelligenz im Maschinenbau schafft Transparenz über Abläufe, Abhängigkeiten, Engpässe und Risiken.

• Benötigt Prozessintelligenz im Maschinenbau eine einheitliche ERP-Landschaft? – Nein. Prozessdaten können auch über unterschiedliche ERP-Systeme, Werke und Prozesse hinweg zusammengeführt werden.

• Welche Kennzahlen sind für Prozessintelligenz im Maschinenbau relevant? – Dazu zählen unter anderem Durchlaufzeit, Liefertreue, Bestandsentwicklung und Kapazitätsauslastung.

• Wie unterstützt Prozessintelligenz im Maschinenbau die Resilienz? – Abweichungen werden früher sichtbar, sodass Maßnahmen vor einer operativen Eskalation eingeleitet werden können.

• Welche Rolle spielt Standardisierung für Prozessintelligenz im Maschinenbau? – Standardisierte Prozesse schaffen eine belastbare Grundlage, um Ausnahmen zu erkennen und in Krisen flexibel zu handeln.