Mit dem Volkswagen Zukunftsplan 2030 stellt der Konzern die Weichen für einen tiefgreifenden Umbau. Geplant sind weniger Stellen, Modelle und Beteiligungen. Für vier Werke bleibt die Zukunft offen.
Der Volkswagen-Konzern steht vor einem einschneidenden Umbau.nmann77 - stock.adobe.com
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Volkswagen will mit dem Zukunftsplan 2030 den Konzern grundlegend umbauen und rund 50.000 weitere Stellen streichen.
Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist ab 2031 bis 2034 aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleistet.
Bis 2035 soll die Modellpalette um rund 50 % und die Angebotskomplexität um rund 75 % sinken. Das Beteiligungsportfolio soll um rund ein Drittel schrumpfen.
VW verweist auf Wettbewerbsfähigkeit und eine Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa. Werksschließungen sind bislang nicht beschlossen.
Chairman of the Volkswagen Group Board of Management and Chairman of the Executive Board of Porsche AG.Volkswagen
Der Volkswagen-Konzern steht vor einem einschneidenden Umbau. Der Aufsichtsrat billigte am Donnerstagabend nach wochenlangen Auseinandersetzungen einstimmig weite Teile des Sanierungskonzepts des Vorstandes um Konzernchef Oliver Blume. Eine drohende weitere Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichem Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite ist damit zunächst vom Tisch.
Mit der Zustimmung zum Zukunftsplan 2030 stelle Volkswagen die Weichen für einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg des Unternehmens, wie der Konzern mitteilt. "Der Zukunftsplan 2030 schafft die Voraussetzungen, um die Volkswagen Group und ihre Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen."
Konzernchef Blume sprach von einem starken Signal für die Zukunft. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, der Aufsichtsrat sei überzeugt davon, "dass mit dessen Umsetzung die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns gesichert wird".
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Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf enorme Herausforderungen für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie. "Umso wichtiger ist, dass wir jetzt einen gemeinsamen Weg für die notwendige Transformation gehen", sagte der SPD-Politiker.
Volkswagen bezeichnet den Zukunftsplan 2030 als das "strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group". Für die europäischen Werke soll bis Ende Juni 2027 ein "Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden".
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Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass im Volkswagen-Konzern in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen besteht. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne "aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden".
Volkswagen hält sich für diese Standorte weitere Optionen offen: "Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft."
Die wichtigsten Punkte des VW-Sparplans:
• Stellenabbau: Volkswagen will weltweit rund 50.000 weitere Stellen abbauen, darunter auch Management-Posten. Eine genaue Verteilung auf Marken, Länder und Standorte wurde bislang nicht genannt.
• Werke unter Druck: Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm fehlen ab 2031 bis 2034 derzeit wettbewerbsfähige Folgebelegungen. Konkrete Werksschließungen sind jedoch noch nicht beschlossen.
• Produktion: Volkswagen will den Konzern auf eine Jahresproduktion von neun Millionen Fahrzeugen ausrichten. Das wären rund eine Million Fahrzeuge weniger als derzeit.
• Renditeziel: Bis 2030 soll die operative Umsatzrendite auf 9 % steigen. Zum Halbjahr lag sie bei 3,8 %.
• Investitionen: Von 2027 bis 2031 plant Volkswagen Investitionen von 135 Mrd. EUR. Das Geld soll in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung fließen.
• Kernmarke: Eine Ausgliederung von Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist laut IG Metall und Betriebsrat vorerst vom Tisch. Die Arbeitnehmervertreter sehen damit auch die bestehenden Mitbestimmungsstrukturen gesichert.
Wie der Volkswagen Zukunftsplan 2030 Stellen abbaut
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Neben bestehenden Programmen hält Volkswagen eine weitere grundlegende Anpassung der weltweiten Personalkapazitäten für erforderlich. Eine konsequente Anpassung an die wirtschaftliche Realität sei unabdingbar, heißt es zum geplanten Abbau von rund 50.000 Stellen.
Auch die Führungsstrukturen sollen schlanker und die Entscheidungswege kürzer werden. Damit umfasst der Konzernumbau neben der Produktion und den Beschäftigten auch die Organisation des Unternehmens.
Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, betonte: "Mit dem nun verabschiedeten Zukunftsplan stellen wir uns gemeinsam mit Vorstand und Anteilseignern den riesigen Herausforderungen."
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Konzern-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete den Zukunftsplan als "eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen".
Der Umbau reicht bis in das Produktportfolio. Bis 2035 will die Volkswagen Group ihre Modellpalette um rund 50 % reduzieren. Die Angebotskomplexität soll sogar um rund 75 % sinken. Der Fokus werde auf die attraktivsten Fahrzeuge gelegt.
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Auch das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte steht auf dem Prüfstand. Es werde "konsequent auf ihren strategischen und wirtschaftlichen Beitrag zum Kerngeschäft reduziert". Vorgesehen ist eine Straffung um rund ein Drittel.
Was der Volkswagen Zukunftsplan 2030 für die Werke bedeutet
IG Metall und Konzernbetriebsrat sehen mit der Einigung eine Eskalation verhindert. Zugleich fordern sie den Vorstand auf, seine Hausaufgaben zu machen. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente sei aus ihrer Sicht vom Tisch. Kein Werk sei aufgegeben und keine Werksschließung besiegelt worden.
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Kritik am bisherigen Vorgehen des Managements bleibt jedoch bestehen. Benner und Cavallo erklärten: "Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstandes in den vergangenen Wochen war nicht zielführend."
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht ebenfalls noch keine endgültige Lösung und bezeichnete den Zukunftsplan als Light-Version. "Die Werkschließungen sind nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt", sagte er. Der Kompromiss sei immerhin besser als die quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate.
In den kommenden Monaten gehe es nun um Verbesserungen, Produktpläne oder mögliche Werkschließungen. Aus Sicht Dudenhöffers dürfte damit eine gewisse Entspannung einkehren, aber noch lange kein "Frieden".
Mit Material der dpa
Was Sie zum Thema Volkswagen Zukunftsplan 2030 wissen müssen
• Was ist der Volkswagen Zukunftsplan 2030? – Volkswagen bezeichnet ihn als das "strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group".
• Wie viele Stellen betrifft der Volkswagen Zukunftsplan 2030? – Über bestehende Programme hinaus sollen rund 50.000 weitere Stellen abgebaut werden.
• Welche Werke betrifft der Volkswagen Zukunftsplan 2030? – Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab 2031 bis 2034 gewährleistet.
• Was passiert mit der Modellpalette durch den Volkswagen Zukunftsplan 2030? – Bis 2035 soll die Modellpalette um rund 50 % und die Angebotskomplexität um rund 75 % reduziert werden.
• Sind im Volkswagen Zukunftsplan 2030 Werksschließungen beschlossen? – Nein. Nach Angaben von IG Metall und Konzernbetriebsrat ist kein Werk aufgegeben und keine Werksschließung besiegelt worden.