Leckagerate im Vakuumsystem

Leckagerate ist mehr als nur ein Messwert

Die Leckagerate ist kein konstanter Wert. Druck, Temperatur, Gasart und Position eines Lecks bestimmen, wie viel Gas in ein Vakuumsystem gelangt – und beeinflussen damit Prozessstabilität und Auslegung.

Die Leckagerate wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter Druck, Temperatur, Stelle der Leckage und Gasart.

  • Die Leckagerate beschreibt die Gasmenge, die unter definierten Bedingungen pro Zeit durch ein Leck strömt.

  • Üblich ist die Einheit mbar·l/s; entscheidend sind Druck, Volumen und Zeit.

  • Druck, Temperatur, Gasart und Leckposition verändern den tatsächlichen Leckagefluss.

  • Steigende Leckageraten können Prozessschwankungen verursachen und die Auslegungsreserve eines Vakuumsystems reduzieren.

Normen wie die EN ISO 20484 definieren die Leckagerate als die Menge eines bestimmten Fluids, die unter festgelegten Bedingungen durch ein Leck strömt. Wie Pfeiffer Vacuum+Fab Solutions erläutert, ist sie deshalb kein einzelner, unveränderlicher Wert. Betriebsbedingungen wie Druck und Temperatur können den Leckagefluss verändern.

Das ist für Vakuumprozesse relevant: Ein unter bestimmten Bedingungen unkritisches Leck kann bei veränderten Betriebsbedingungen Ineffizienzen oder Prozessinstabilität verursachen.

Die häufig verwendete Einheit lautet mbar·l/s. Da Gase kompressibel sind, reichen Volumen oder Druck allein nicht zur Beschreibung einer Gasmenge aus. Verwendet wird deshalb das Produkt aus Druck und Volumen, ergänzt um die Zeit: p·V/t.

Wie beeinflusst das Systemvolumen die Leckagerate?

Bei einer Druckanstiegsprüfung gilt entsprechend: Leckagerate = (ΔP × V) / t. Das Systemvolumen ist dabei entscheidend. Derselbe Druckanstieg innerhalb derselben Zeit entspricht in einer großen Kammer einer größeren Gasmenge als in einer kleinen. Neben mbar·l/s werden auch Pa·m³/s, Torr·l/s und sccm verwendet. Beim Vergleich verschiedener Spezifikationen müssen die jeweiligen Einheiten berücksichtigt werden.

Druckdifferenz treibt den Gasfluss an

Die Druckdifferenz zwischen Innen- und Außenseite eines Systems treibt den Gasfluss an. Grundsätzlich steigt die Leckagerate mit zunehmender Druckdifferenz. Ab dem Bereich der sogenannten „verblockten Strömung“ führt eine weitere Druckreduzierung jedoch nicht mehr zu einem höheren Durchfluss.

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Temperatur wirkt auf Gas und Systemkomponenten

Gasmoleküle bewegen sich bei höheren Temperaturen schneller. Gleichzeitig können sich O-Ringe, Dichtungen oder Polymerschläuche ausdehnen, zusammenziehen oder verformen. Bei Elastomeren kann zudem die Permeabilität mit steigender Temperatur deutlich zunehmen.

Position des Lecks spielt eine Rolle

Während des Pumpbetriebs entsteht ein Druckgradient. Ein Defekt nahe dem Pumpeneinlass kann deshalb bei gleicher Größe eine höhere Leckagerate aufweisen als ein Leck in einem Bereich mit höherem Systemdruck.

Warum beeinflusst die Gasart die Leckagerate?

Bei höherem Druck beeinflusst insbesondere die Viskosität, wie leicht ein Gas durch ein Leck strömt. Bei niedrigerem Druck gewinnt das Molekulargewicht an Bedeutung: Leichtere Moleküle können leichter durch einen Leckpfad gelangen. Das ist bei Prozessen mit Stickstoff, Argon, Kältemitteln, Wasserstoff oder anderen Inertgasen relevant. Die tatsächliche Leckagerate kann von einem mit Luft ermittelten Prüfergebnis abweichen.

Wie wirkt sich die Leckagerate auf Prozesse aus?

Da Druck und Temperatur während des Betriebs variieren können, verändert sich auch die effektive Leckagerate. Bei der Wärmebehandlung können dadurch Unterschiede in der Kammeratmosphäre sowie bei Oxidation und Oberflächenqualität entstehen. In chemischen Prozessen können veränderte Vakuumbedingungen Reaktionsgeschwindigkeit und Produktkonsistenz beeinflussen.

Wie Leckagen die Auslegungsreserve verringern

Gleichzeitig beansprucht ein Leck die Auslegungsreserve des Vakuumsystems. Das System kann zunächst weiterarbeiten, verfügt aber über weniger Reserve für zusätzliche Belastungen oder Verschleiß. Ein Leck führt nicht zwangsläufig zu einem Ausfall. Doch es zehrt an der Sicherheitsreserve, bis ein Ausfall unvermeidbar wird.

Mit Material der Busch Group

Was Sie zur Leckagerate wissen müssen

1. Was beschreibt die Leckagerate?

Sie gibt an, welche Gasmenge unter definierten Bedingungen innerhalb einer bestimmten Zeit durch ein Leck strömt.

2. Welche Einheit hat die Leckagerate?

Häufig wird sie in mbar·l/s angegeben.

3. Welche Faktoren beeinflussen die Leckagerate?

Entscheidend sind unter anderem Druck, Temperatur, Gasart und Position des Lecks.

4. Warum ist die Leckagerate für Vakuumprozesse wichtig?

Veränderungen können Prozessstabilität, Produktqualität und verfügbare Systemreserve beeinflussen.

5. Wie beeinflusst die Leckagerate die Auslegungsreserve?

Ein Leck beansprucht das Reserve-Saugvermögen des Vakuumsystems und verringert damit die Toleranz gegenüber zusätzlichen Belastungen und Verschleiß.