Bitkom warnt

Industriespionage: Geheimdienste greifen häufiger Unternehmen an

Industriespionage und Sabotage beschäftigen deutsche Unternehmen zunehmend. Laut Bitkom werden ausländische Geheimdienste häufiger als Urheber wahrgenommen, während KI neue Angriffsmöglichkeiten eröffnet.

Industriespionage nimmt zu. Deutsche Firmen registrieren mehr Geheimdienstaktivitäten und KI-gestützte Angriffe.
Industriespionage nimmt zu. Deutsche Firmen registrieren mehr Geheimdienstaktivitäten und KI-gestützte Angriffe.

  • 37 % der betroffenen Unternehmen vermuten ausländische Nachrichtendienste hinter Angriffen – nach 28 % im Vorjahr.

  • 67 % der rund 1.000 befragten Führungskräfte und IT-Verantwortlichen berichteten von Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage.

  • China und Russland werden besonders häufig als Ausgangspunkt von Angriffen genannt.

  • KI-gestützte Methoden wie Robo Calls und Deepfakes gewinnen an Bedeutung, während Ransomware mit 25 % die häufigste Cyberangriffsmethode bleibt.

Wie stark nimmt die Industriespionage zu?

Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten deutlich häufiger Angriffe wahrgenommen, hinter denen sie ausländische Geheimdienste vermuten. Von den Firmen, die Sabotage, Spionage oder Diebstahl erlebt haben, sahen 37 % einen ausländischen Nachrichtendienst am Werk. Im Vorjahr waren es 28 %.

Das geht aus dem aktuellen Wirtschaftsschutzbericht des IT-Branchenverbands Bitkom hervor. Rund 1.000 Führungskräfte und IT-Verantwortliche wurden dafür im Frühjahr befragt. 67 % berichteten von entsprechenden Vorfällen innerhalb eines Jahres. Weitere 29 % erklärten, das eigene Unternehmen sei „vermutlich betroffen“ gewesen.

Kriminelle Banden wurden von 62 % der betroffenen Unternehmen als Angreifer genannt. Das entspricht einem Rückgang um sechs Prozentpunkte gegenüber 2025. Jeweils 8 % registrierten Angriffe durch Kunden beziehungsweise Lieferanten. Mehrfachnennungen waren möglich.

Kritische Infrastruktur rückt in den Fokus

Die Wahrnehmung der Unternehmen deckt sich mit der Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), das bereits seit einigen Monaten auf eine erhöhte Gefährdung hinweist. Besonders im Fokus steht die Rüstungsindustrie.

Sicherheitsbehörden beobachten zudem häufiger als in der Vergangenheit, dass Verkehrswege, Energieunternehmen und andere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur ausgespäht werden.

Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen zufolge hatte sich China früher vor allem auf Industriespionage konzentriert. Inzwischen setze das Land stärker auch auf „das Abziehen von Informationen im politischen Raum“. Russland, das traditionell durch Desinformation und Sabotage in Erscheinung getreten sei, versuche wiederum vermehrt, mit Spionage Fähigkeitslücken zu schließen.

Woher kommen die Angriffe auf Unternehmen?

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst erklärt, „dass die Spur immer weiter nach Osten führt“. 52 % der betroffenen Unternehmen gaben an, der jeweilige Angriff sei von China aus gestartet worden. In 49 % der Fälle gehen die Firmen davon aus, dass sich der Angreifer in Russland aufhielt.

Dabei wird nicht zwischen kriminellen Angreifern und Akteuren im Auftrag von Geheimdiensten unterschieden. Der Verfassungsschutz weist darauf hin, dass eine Abgrenzung oftmals schwierig ist. Einige staatliche Akteure, insbesondere in Russland, bedienen sich demnach krimineller Hacker oder lassen diese gewähren.

34 % der befragten Führungskräfte berichteten von Angriffen aus osteuropäischen Nicht-EU-Staaten. In 12 % der Fälle wurde der Angreifer in Deutschland verortet. Angriffe aus anderen EU-Ländern nannten 26 %, aus den USA 27 %.

Zugleich nahm laut Bitkom die Zahl der Fälle zu, bei denen Unternehmen durch eine Behörde auf einen Angriff hingewiesen wurden.

KI-gestützte Angriffe gewinnen an Bedeutung

Mit den technologischen Möglichkeiten verändern sich auch die Angriffsmethoden. Unternehmen nehmen nach Angaben des Bitkom mehr KI-gestützte Angriffe wahr.

14 % der Unternehmen erklärten beispielsweise, dass sogenannte Robo Calls bei ihnen einen Schaden verursacht hätten. Im Vorjahr waren es 3 %. Dabei wählt ein Computer automatisiert Telefonnummern und spielt aufgezeichnete Nachrichten ab.

Auch Deepfakes verursachen häufiger Schäden. Der Anteil der betroffenen Firmen verdoppelte sich von 4 auf 8 %. Bitkom-Präsident Wintergerst nennt als Beispiel für schädliche KI-generierte Fälschungen manipulierte Instruktionen für die Inbetriebnahme eines Systems.

Welche Rolle spielt Ransomware weiterhin?

Ransomware-Attacken gingen zwar von 34 auf 25 % zurück, blieben im betrachteten Zeitraum aber die häufigste Methode bei Cyberangriffen. Dabei werden Daten verschlüsselt. Für deren Freigabe verlangen die Angreifer Geld, meist in Kryptowährung.

Gleichzeitig ist die Unsicherheit bei der Erkennung von Angriffen gestiegen. In den beiden Jahren zuvor lag der Anteil der Führungskräfte, die einen Angriff lediglich vermuten und nicht mit Sicherheit erkennen konnten, jeweils bei 10 %.

Schäden für die Wirtschaft sinken auf 211 Mrd. EUR

Die Schadenssumme für die deutsche Wirtschaft durch Angriffe im digitalen und analogen Raum liegt laut Bitkom bei mindestens 211 Mrd. EUR und damit unter den Werten der Vorjahre. 2025 waren es rund 289 Mrd. EUR, 2024 lag die Summe bei 266,6 Mrd. EUR.

Erfasst werden unter anderem Kosten für Ermittlungen und Ersatzmaßnahmen, Betriebsausfälle, Umsatzeinbußen durch Plagiate sowie der Verlust von Wettbewerbsvorteilen.

Bitkom-Präsident Wintergerst sieht dabei grundsätzlich zwei Arten von Unternehmen: „Die, die gehackt worden sind und die, die es noch nicht wissen.“

Warum lässt sich der Schaden durch Industriespionage schwer beziffern?

Aus Sicht des Verfassungsschutzes lässt sich der Schaden durch staatliche Akteure häufig nicht finanziell exakt bestimmen. Beschaffen sich Angreifer illegal Informationen, von denen sie sich strategische Vorteile versprechen, entsteht dem betroffenen Unternehmen zunächst möglicherweise kein unmittelbar messbarer finanzieller Schaden. Langfristig können die erbeuteten Daten jedoch dem Angreifer Nutzen bringen.

Erleichtert werden Angriffe nach den vorliegenden Angaben vor allem durch Fehlkonfigurationen von Software, eine mangelnde Vorbereitung zur schnellen Erkennung von Angriffen sowie ein defizitäres Identitäts- und Zugangsmanagement.

Mit Material des Bitkom

Was Sie zum Thema Industriespionage wissen müssen

• Wie häufig vermuten Unternehmen Geheimdienste hinter Industriespionage? – 37 % der von Sabotage, Spionage oder Diebstahl betroffenen Firmen sehen einen ausländischen Nachrichtendienst als Angreifer. Im Vorjahr waren es 28 %.

• Welche Länder werden bei Industriespionage besonders häufig genannt? – 52 % der Betroffenen verorten den Start eines Angriffs in China, 49 % gehen von einem Angreifer in Russland aus.

• Welche Bedeutung hat KI für Industriespionage und Cyberangriffe? – Unternehmen nehmen mehr KI-gestützte Angriffe wahr. Schäden durch Robo Calls und Deepfakes haben gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

• Welche Angriffsmethode bleibt bei Industriespionage und Cyberangriffen besonders relevant? – Ransomware bleibt mit 25 % trotz eines Rückgangs die häufigste Methode bei Cyberangriffen.

• Welche Schwachstellen erleichtern Industriespionage? – Genannt werden Fehlkonfigurationen von Software, eine mangelnde Vorbereitung auf die schnelle Angriffserkennung sowie Defizite beim Identitäts- und Zugangsmanagement.