TKMS will Werftstandort Kiel stärken

TKMS gibt Angebot für Nachbarwerft German Naval Yards ab

Ein überraschender Vorstoß elektrisiert die Werftenlandschaft: TKMS reicht ein Kaufangebot für die benachbarte Werft German Naval Yards ein – und damit für ein Stück gemeinsame Geschichte.

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Deutschlands größter Marineschiffbauer TKMS – im Bild der Werftstandort Kiel – bietet für seine Nachbarwerft German Naval Yards.
Deutschlands größter Marineschiffbauer TKMS – im Bild der Werftstandort Kiel – bietet für seine Nachbarwerft German Naval Yards.

Strategischer Vorstoß in Kiel

Deutschlands größter Marineschiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat ein unverbindliches Kaufangebot für die Kieler Werft German Naval Yards (GNYK) abgegeben. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Gespräche über eine mögliche Übernahme seien aktuell ergebnisoffen, hieß es weiter. Finanzielle Details zum Angebot wurden nicht genannt.

Zunächst hatte das auf Militärthemen spezialisierte Portal „Hartpunkt“ über den Vorstoß berichtet. TKMS bekräftigte die Information im Nachgang. Der Schritt wirft ein neues Licht auf die strategische Ausrichtung des Konzerns, der in den vergangenen Jahren deutlich an wirtschaftlicher Stärke gewonnen hat.

Zwei Werften, eine gemeinsame Herkunft

German Naval Yards und TKMS sind mehr als nur geografische Nachbarn in Kiel. Beide Unternehmen teilen sich Teile des Werftgeländes und sind aus der traditionsreichen HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft AG) hervorgegangen, deren Wurzeln bis ins Jahr 1838 zurückreichen. Der Überwasserschiffbau der HDW wurde später ausgegliedert und firmiert heute unter dem Namen German Naval Yards.

Der Standort Kiel war lange Zeit ein Symbol deutscher Marineschiffbautradition. In seiner Hochzeit prägte die HDW entscheidend die Entwicklung militärischer und ziviler Schiffe. Mit der Zerschlagung in verschiedene Einheiten wurde diese Tradition auf zwei Unternehmen verteilt, die nun möglicherweise wieder unter einem Dach zusammenfinden könnten.

Stabile wirtschaftliche Basis bei TKMS

Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem TKMS wirtschaftlich gefestigt dasteht. Im Geschäftsjahr 2024/25 steigerte das Unternehmen zentrale Kennzahlen deutlich. Der Auftragsbestand erreichte 18,2 Milliarden Euro – ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (11,6 Milliarden Euro). Gleichzeitig stieg der Umsatz um 9,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Auch das Nettoergebnis fiel positiv aus: Mit 108 Millionen Euro weist der Marinespezialist einen klaren Gewinn aus. Der Auftragseingang summierte sich auf 8,8 Milliarden Euro – ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage.

Für diese Entwicklung sind mehrere Großprojekte verantwortlich: Unter anderem die Nachbestellung von vier U-Booten im Rahmen des deutsch-norwegischen 212CD-Programms, der Bau des neuen Forschungseisbrechers „Polarstern“, die Modernisierung von sechs U-Booten der Klasse 212A sowie ein Exportauftrag über zwei weitere 218SG-U-Boote nach Asien.

Fokus auf Marineschiffbau

TKMS beschäftigt weltweit mehr als 9.100 Menschen, davon rund 3.300 in Kiel. Weitere Standorte befinden sich in Wismar und Itajaí (Brasilien). Als Mehrheitsaktionär fungiert der Industriekonzern Thyssenkrupp.

Das Unternehmen positioniert sich seit Jahren als reiner Marineschiffbauer – ein Schritt, der mit der Veräußerung des zivilen Geschäftsbereichs einherging. Der Fokus liegt klar auf U-Booten, Fregatten und anderen militärischen Spezialschiffen. Die mögliche Übernahme von GNYK würde diesen Kurs weiter untermauern.

Bedeutung von German Naval Yards

German Naval Yards gehört zur französischen CMN Naval Group und ist in Kiel auf große Marineschiffe spezialisiert – darunter Fregatten, Korvetten und hochseetaugliche Yachten. Im August 2025 waren dort rund 400 Beschäftigte tätig. Das Unternehmen spielt damit eine wichtige Rolle im deutschen Marineschiffbau, auch wenn es in den vergangenen Jahren nicht dieselbe öffentliche Sichtbarkeit wie TKMS erreicht hat.

Eine mögliche Integration in den TKMS-Verbund könnte Synergien schaffen – sei es in der Fertigung, Entwicklung oder auch im Personalbereich. Die gemeinsame Historie und der geteilte Standort würden eine Zusammenführung organisatorisch erleichtern.

Markt- und Wettbewerbssituation

Die deutsche Werftenlandschaft ist in den letzten Jahren in Bewegung geraten. Fusionen, Übernahmen und Insolvenzen haben das Bild geprägt. Mit der Übernahme von GNYK könnte TKMS seine Position im nationalen und internationalen Wettbewerb weiter stärken. Die Konzentration auf Marineschiffbau gilt als zukunftsträchtig – nicht zuletzt durch steigende Verteidigungsetats in Europa und wachsende sicherheitspolitische Herausforderungen.

Die Gespräche befinden sich aktuell noch in einem frühen Stadium. Ein Unternehmenssprecher betonte, dass das Angebot „non binding“ sei, also keine rechtliche Verpflichtung nach sich ziehe. Offen bleibt, wie die Eigentümerseite – insbesondere die französische CMN Naval – auf das Interesse reagiert.

Perspektiven für den Standort Kiel

Ein Zusammenschluss der beiden Werften am Standort Kiel würde nicht nur industrielle Kompetenzen bündeln, sondern könnte auch eine stärkere Stimme im maritimen Sektor schaffen. Die Region Schleswig-Holstein hat sich als Zentrum für Hochtechnologie im Schiffbau etabliert. Mit einer gemeinsamen Werftstruktur wäre eine höhere Schlagkraft im Wettbewerb um internationale Großaufträge möglich.

Welche konkreten Auswirkungen ein solcher Schritt auf die Belegschaft von GNYK hätte, bleibt bislang offen. Auch die Frage nach möglichen kartellrechtlichen Aspekten dürfte in einem späteren Stadium eine Rolle spielen.

Mit Material der dpa

FAQ zum TKMS-Angebot an German Naval Yards

Wer hat das Kaufangebot abgegeben? - TKMS (Thyssenkrupp Marine Systems) hat ein unverbindliches Kaufangebot für German Naval Yards abgegeben.

Wem gehört German Naval Yards derzeit? - Die Werft gehört zur französischen Werftengruppe CMN Naval.

Was produziert German Naval Yards? - Das Unternehmen baut große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten sowie hochseetaugliche Yachten.

Wie viele Mitarbeiter sind bei TKMS und GNYK beschäftigt? - TKMS beschäftigt rund 9.100 Menschen weltweit, davon etwa 3.300 in Kiel. GNYK zählt rund 400 Beschäftigte (Stand August 2025).

Welche wirtschaftlichen Kennzahlen weist TKMS auf? - Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Umsatz bei 2,2 Mrd. Euro, der Auftragsbestand bei 18,2 Mrd. Euro und der Nettogewinn bei 108 Mio. Euro.

Was bedeutet „non binding offer“? - Es handelt sich um ein unverbindliches Angebot ohne rechtliche Verpflichtung. Die Gespräche sind aktuell ergebnisoffen.