Rüstungsprojekt wächst weiter

Norwegen bestellt weitere U-Boote 212CD bei TKMS

Ein milliardenschwerer Rüstungsauftrag gewinnt weiter an Umfang: Mit der Bestellung Norwegens von zwei zusätzlichen U-Booten 212CD bei TKMS wächst eines der ambitioniertesten U-Boot-Programme der letzten Jahrzehnte weiter.

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Designskizze des neuen U-Bootes U212 CD mit untergetauchtem Rumpf. Norwegen hat nun wei weitere dieses hochmodernen Boote bei TKMS bestellt.

Erweiterung des norwegischen Auftrags

Norwegen treibt den Ausbau seiner U-Boot-Flotte weiter voran und setzt dabei erneut auf den Kieler Marineschiffbauer TKMS. Wie das Unternehmen mitteilte, hat die norwegische Regierung dem Kauf von zwei weiteren U-Booten zugestimmt. Damit wächst der bestehende Auftrag im Rahmen des gemeinsamen deutsch-norwegischen 212CD-Programms auf insgesamt sechs Einheiten für Norwegen. Bereits zuvor waren vier Boote fest beauftragt worden, nun folgen die Zusagen für die Boote fünf und sechs.

Strategische Bedeutung des 212CD-Programms

TKMS bewertet die Erweiterung des Programms als strategisch bedeutsam. Vorstandschef Oliver Burkhard erklärte: «Mit diesem strategisch wichtigen und nun weiterwachsenden Projekt tragen wir entscheidend zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Europas und der Beziehung beider Länder bei». Das Unternehmen spricht in diesem Zusammenhang von einem der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte. Die Bedeutung des Projekts reicht damit deutlich über den reinen Schiffbau hinaus und unterstreicht die sicherheitspolitische Dimension der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit.

Gemeinsame Beschaffung von Deutschland und Norwegen

Die Grundlage für den aktuellen Ausbau wurde bereits vor einigen Jahren gelegt. Deutschland und Norwegen hatten 2021 einen gemeinsamen Vertrag zur Beschaffung von zunächst insgesamt sechs U-Booten der neuen Klasse 212CD geschlossen. Die nun bestätigten zusätzlichen Einheiten sind Teil dieser langfristig angelegten Kooperation. Auch auf deutscher Seite wurde das Programm zuletzt ausgeweitet: Ende 2024 bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags den Bau von vier weiteren U-Booten für die Deutsche Marine. Damit ergibt sich eine klare Struktur, denn TKMS baut nun für jedes der beiden Länder jeweils sechs Boote des neuen Typs.

Blick auf mögliche Exportaufträge

Parallel zu den laufenden Projekten in Europa richtet sich der Blick des Kieler U-Boot-Bauers auch auf mögliche neue Exportaufträge. Besonders Kanada gilt als potenzieller Großkunde für die 212CD-Klasse. Dort geht es um den Bau von bis zu zwölf U-Booten. Allerdings ist TKMS in diesem Verfahren nicht allein, da ein Wettbewerber aus Südkorea ebenfalls im Rennen ist. Eine Entscheidung über den kanadischen Auftrag wird für das Jahr 2026 erwartet.

Wirtschaftliche Entwicklung von TKMS

Die aktuelle Auftragslage spiegelt sich auch in den wirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens wider. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 konnte TKMS zentrale Kennzahlen deutlich verbessern. Der Auftragsbestand lag bei 18,2 Milliarden Euro und damit um 55 Prozent höher als ein Jahr zuvor, als er noch 11,6 Milliarden Euro betrug. Diese Entwicklung unterstreicht die starke Position des Unternehmens im militärischen Schiffbau.

Standorte und Beschäftigtenzahl

Auch personell ist TKMS breit aufgestellt. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen mehr als 9.100 Menschen. Rund 3.300 davon arbeiten am Standort Kiel, der als Zentrum des U-Boot-Baus gilt. Weitere Standorte befinden sich in Wismar sowie im brasilianischen Itajaí. Mehrheitsaktionär von TKMS ist Thyssenkrupp.

Mit der Entscheidung Norwegens, den Auftrag zu erweitern, festigt sich die Rolle von TKMS als zentraler Lieferant moderner konventioneller U-Boote in Europa. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Kanada, dass das Unternehmen seine Ambitionen über den europäischen Markt hinaus klar definiert hat.

Mit Material der dpa

FAQ zur Bestellung von U-Booten der Klasse 212 CD durch Norwegen

Wie viele U-Boote hat Norwegen bei TKMS bestellt? – Norwegen hat insgesamt sechs U-Boote der Klasse 212CD bestellt, nachdem zwei weitere Einheiten genehmigt wurden.

Wie viele U-Boote baut TKMS insgesamt für Deutschland und Norwegen? – TKMS baut jeweils sechs U-Boote für Deutschland und Norwegen, insgesamt also zwölf Einheiten.

Welche Aussage machte der TKMS-Vorstandschef zu dem Auftrag? – Oliver Burkhard sagte: «Mit diesem strategisch wichtigen und nun weiterwachsenden Projekt tragen wir entscheidend zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Europas und der Beziehung beider Länder bei».

Gibt es weitere potenzielle Aufträge für die 212CD-Klasse? – TKMS hofft auf einen Auftrag aus Kanada über bis zu zwölf U-Boote, eine Entscheidung wird 2026 erwartet.

Wie hoch war der Auftragsbestand von TKMS im Geschäftsjahr 2024/25? – Der Auftragsbestand lag bei 18,2 Milliarden Euro, 55 Prozent mehr als im Vorjahr.

Fakten zum U Boot 212CD

U-Boote der Klasse 212CD (Common Design) sind die nächste Generation konventioneller, außenluftunabhängiger Unterseeboote für Deutschland und Norwegen.

Grunddaten: 

  • Länge: rund 73 m.
  • Breite: rund 10 m.
  • Verdrängung: ca. 2.500 t aufgetaucht, ca. 2.800 t getaucht.
  • Besatzung: ähnlich 212A, ausgelegt für Langzeiteinsätze in Nord- und Nordostatlantik; genaue Zahlen nicht veröffentlicht.
  • Betreiber: Deutsche Marine und Königliche Norwegische Marine, je sechs Einheiten geplant.

Antrieb und Energie

  • Antriebsart: dieselelektrischer Antrieb mit weiterentwickeltem außenluftunabhängigem System (AIP) auf Brennstoffzellenbasis.
  • Komponenten: zwei Dieselmotoren der MTU‑4000‑Serie, Brennstoffzellenmodul, Lithium‑Ionen‑Batteriesystem.
  • Effekt: deutlich vergrößerte Reichweite und Tauchdauer, höhere Transitgeschwindigkeit und verbesserte Schleichfahrt.

Sensorik und Aufklärung

  • Sonaranlage: Conformal‑Sonararray im Bugbereich und Flank‑Arrays zur breitbandigen passiven Ortung.
  • Navigations‑ und Minenvermeidungssonar: SA9510S MKII.
  • Fächerecholote: EM2040 MIL und EA640 für Bodennavigation und hochauflösende Vermessung.
  • Optronik: zwei nicht‑durchdringende optronische Masten (OMS150 als Such‑ und Überwachungsmast, OMS300 als „Angriffsmast“).

Führungs- und Waffeneinsatzsystem

  • Führungs‑ und Waffeneinsatzsystem: ORCCA (Kongsberg/Atlas Elektronik) als zentrale Plattform für Sensorfusion, Lagebilderstellung und Waffeneinsatz.
  • Vernetzbarkeit: ausgelegt für enge Einbindung in nationale und multinationale Verbünde mit erweiterten Datenlink‑Fähigkeiten.

Bewaffnung und Schutz

  • Hauptbewaffnung: schwere Seeziel- und U‑Jagd‑Torpedos der DM2A4‑Familie; Weiterentwicklung zum DM2Ax für U212CD vorgesehen.
  • Weitere Wirkmittel: Fähigkeit zum Ausbringen von Seeminen, Integration zusätzlicher Wirkmittel (z.B. IDAS‑Flugkörper zur Abwehr von Luftbedrohungen) geplant.
  • Eigenschutz: Torpedo‑Abwehrsystem SEASPIDER (Hardkill) zur Bekämpfung anlaufender Torpedos.

Tarnung und Signaturmanagement

  • Rumpfdesign: vergrößerte Plattform mit optimiertem, gegen aktive und passive Sensorik geschütztem Oberflächendesign.
  • Signaturreduktion: minimierte akustische, magnetische und infrarote Signaturen; nichtmagnetischer Werkstoffverbund, vibrationsarme AIP‑Technologie.
  • Ziel: auch gegenüber hochentwickelten Ortungsverfahren schwer detektierbar.