Unternehmen und Verbände erklären

So bleibt der Maschinenbau international wettbewerbsfähig

Wirtschaftlicher Druck, globale Konkurrenz und politische Trägheit – Deutschlands Maschinenbau steht 2026 unter Zugzwang. Industriegrößen zeigen, welche Strategien jetzt den Unterschied machen.

Veröffentlicht
Wie bleibt die Industrie wettbewerbsfähig in 2026? Unternehmen und Verbände sprechen über ihre Lösungen.
Wie bleibt die Industrie wettbewerbsfähig in 2026? Unternehmen und Verbände sprechen über ihre Lösungen.

Energiepreise, Bürokratie, langsame Digitalisierung: Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands steht derzeit im Mittelpunkt. Doch was genau muss geschehen, damit Deutschland im globalen Wettbewerb nicht zurückfällt? Wie hilft KI dem Maschinenbau? Und wie schätzen die Unternehmen die Große Koalition ein? Für unsere Industrietrends 2026 haben wir beim VDMA, VDW, ZVEI sowie Grob, Horn und Lapp nachgefragt.

Das Thema Wettbewerbsfähigkeit steht dabei dieses Jahr weiter ganz oben. Wir wollten im ersten Teil der Industrietrends deshalb wissen, was passieren muss, damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt und was die Firmen konkret unternehmen, um mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten zu können.

Dabei gibt es noch einiges zu tun: „Deutschland ist meines Erachtens aktuell als Staat nicht wettbewerbsfähig“, sagt Markus Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH. Trotzdem schaffen es seiner Ansicht nach einzelne Unternehmen, sich gegen diese mangelnde Unterstützung zu stellen. „Getreu dem Motto: ‚Wenn es der Staat nicht schafft, dann machen wir es einfach selbst‘. Für uns bedeutet das, Technologie und Automatisierung voranzutreiben“, so Horn weiter.

Markus Horn

Deutschland ist meines Erachtens aktuell
als Staat nicht wettbewerbsfähig.

Markus Horn, CEO Paul Horn GmbH

Christian Müller
Christian Müller

Grob: Deutschland braucht Investitionen in Bildung

Damit Deutschland konkurrenzfähig bleibt, braucht es laut Christian Müller, Chief Sales Officer (CSO) der Grob Werke vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare Energie und weniger Bürokratie. „Ebenso wichtig sind Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur“, erklärt er. 

Grob setze unter anderem auf Innovation, internationale Präsenz, eigene Produktionswerke sowie auf neue, zukunftsfähige Geschäftsfelder. „So erschließen wir zusätzliche Märkte und diversifizieren unsere Produktbereiche gezielt – damit wir langfristig stark bleiben und unseren Kunden weltweit innovative Lösungen bieten können“, sagt der CSO.

Lapp: Digitalisierung muss konsequent vorangetrieben werden

Matthias Lapp
Matthias Lapp

„Deutschland braucht dringend mehr Geschwindigkeit“, meint Matthias Lapp, CEO von Lapp. Auch er spricht von einem Bürokratieabbau. Zudem sollten Lapp zufolge die Genehmigungsprozesse vereinfacht und die Digitalisierung konsequent vorangetrieben werden. „Wenn wir international mithalten wollen, dürfen wir nicht länger über Regeln reden, sondern müssen Innovation ermöglichen“, so der CEO. Dazu gehöre auch eine klare Strategie für Energie und Fachkräfte.

Das Familienunternehmen setzt auf drei zentrale Punkte: Lapp als Lösungsanbieter. „Alle Bedarfe rund um Verbindungslösungen aus einer Hand – von der Produktentwicklung über das fertige Produkt bis zur maßgefertigten Harnessing Lösung. Das können so nur wir“, ist der CEO überzeugt.

Kommen Sie zum European Summit nach Rom! Mehr Informationen und Tickets gibt es hier!

Ein weiterer Punkt ist Nachhaltigkeit. „Wir haben einen klaren strategischen Fokus auf Lösungen für nachhaltige Industrien, beispielsweise Wind- und Solarparks, Batteriespeichersysteme oder Zugverkehr“, so Lapp. Das Unternehmen zeige außerdem Innovationskraft bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte, zum Beispiel Kabel und Stecker aus biobasiertem Kunststoff.

Der dritte Punkt ist ein globales Netzwerk. „Wir stärken unsere Präsenz in Wachstumsregionen und bauen lokale Lieferketten aus, um resilient und nah am Kunden zu sein“, sagt Lapp.

VDMA: Wettbewerber haben spürbar aufgeholt

Und was sagen die Verbände? „Deutschland hat ein großes Standortproblem - die Kosten sind im internationalen Vergleich deutlich zu hoch“, meint VDMA-Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt. „Unsere Wettbewerber, insbesondere China, haben technologisch spürbar aufgeholt; wir sind nicht mehr um so viel besser, wie wir teurer sind.“ Deshalb müssen laut Gernandt die Kosten für die Firmen runter.

Dafür gebe es einige Hebel: die Absenkung der Körperschaftsteuer auf 25 Prozent vorziehen, die Unternehmen von Berichtspflichten entlasten und die veralteten Regelungen am Arbeitsmarkt aufbrechen.

Johannes Gernandt, VDMA
Johannes Gernandt, VDMA

Daneben brauche es neue Handelsabkommen der EU. „Damit werden Grundlagen geschaffen, auf denen die Maschinenbauindustrie ihre Hausaufgaben machen kann.“ Das heißt für die Unternehmen vor allem, die Digitalisierung und den Einsatz von KI in der Forschung und Produktion zu beschleunigen, sich in den Lieferketten breiter aufzustellen und neue Märkte aktiv anzugehen, so der VDMA-Chefvolkswirt weiter.

ZVEI: Arbeitsmarkt und Sozialsysteme stehen vor großen Herausforderungen

ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann sagt: „Unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wird heute von mehreren Seiten bedroht: Handelsstreitigkeiten und Protektionismus setzen dem Export zu.“ Auch in der Elektrobranche sind die Themen Bürokratie und Energiekosten Hemmnisse. Zudem sei die Belastung mit Steuern und Abgaben hoch.

Andreas Gontermann, ZVEI
Andreas Gontermann, ZVEI

Arbeitsmarkt und Sozialsysteme stehen vor großen demografischen und strukturellen Herausforderungen. „Die staatlichen Ausgaben setzen zu sehr auf konsumtive und zu wenig auf investive Zwecke.“ Um diese und weitere Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bedarf es endlich Strukturreformen, sagt der ZVEI-Chefvolkswirt: „Wir brauchen einen massiven Bürokratieabbau, eine Unternehmenssteuerreform, eine Anpassung der Lebensarbeitszeit an die gestiegene Lebenserwartung, eine Abschaffung sämtlicher Anreize zur Frühverrentung, eine flexiblere Arbeitszeitregulierung sowie sinkende Strompreise.“

Angesichts der Aushöhlung der globalen liberalen regelgebundenen Weltwirtschaftsordnung müsse der Binnenmarkt, das eigentliche Asset der EU, gestärkt werden. Zudem müsse die Digitalisierung in sämtlichen Bereichen vorangetrieben werden.

Gontermann erklärt, die deutsche Elektro- und Digitalindustrie setze seit jeher auf Innovationen und technologischen Fortschritt, um die Position im internationalen Wettbewerb zu behaupten und zu stärken. „Zur Entfaltung des Potenzials sind aber eben auch günstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen erforderlich, und die haben wir derzeit so nicht“, analysiert er.

VDW: Unternehmen bauen Lieferketten resilienter auf

Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des VDW erklärt, die notwendigen Schritte wie Steuerreform und eine umfassende Reform der Sozialsysteme seien schon vielfach beschrieben worden. „Was fehlt, sind Geschwindigkeit und Flexibilität. Was fehlt, sind die Zeichen aus der Politik, dass sie den Ernst der Lage verstanden hat und die Probleme anpackt.“

Markus Heering, VDW
Markus Heering, VDW

Die Unternehmen seien gefangen zwischen Investitionshemmnissen hierzulande und sich wandelnden Märkten und Unsicherheiten im Welthandel. Sie investieren Heering zufolge in Forschung und Entwicklung, um ihre Stellung als Hightech-Anbieter zu behaupten und ihr Produktportfolio der Nachfrage anzupassen. 

Daneben bauen sie ihre Lieferketten resilienter auf. „Und teils investieren sie auch im Ausland, um den handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China zu entgehen, aber auch ihre Kosten zu senken“, berichtet der VDW-Geschäftsführer.

Teil 2 der Industrietrends erscheint am Mittwoch. Das Thema: Die Große Koalition. 

FAQ: Wettbewerbsfähigkeit im Maschinenbau 2026

1. Warum steht der Maschinenbau in Deutschland 2026 unter Druck?

Die Branche kämpft mit hohen Energiepreisen, übermäßiger Bürokratie und einer schleppenden Digitalisierung. Zusätzlich verschärfen globale Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und wachsender technologischer Wettbewerb – insbesondere aus China – die Lage.

2. Welche politischen Maßnahmen fordern die Industrieverbände zur Stärkung des Standorts?

VDMA, ZVEI und VDW fordern unter anderem:

  • Senkung der Unternehmenssteuern auf 25 %
  • Radikalen Bürokratieabbau
  • Flexibilisierung des Arbeitsmarkts
  • Investive statt konsumorientierte Staatsausgaben
  • Neue Handelsabkommen
  • Digitalisierung sämtlicher staatlicher und wirtschaftlicher Prozesse

3. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für die Zukunft der Branche?

KI gilt als zentraler Hebel zur Effizienzsteigerung und zur Entwicklung innovativer Produkte. Laut VDMA ist sie ein entscheidender Faktor, um den technologischen Rückstand gegenüber internationalen Wettbewerbern aufzuholen. Voraussetzung dafür ist eine bessere digitale Infrastruktur und die Ausbildung entsprechender Fachkräfte.

4. Mit welchen Strategien begegnen führende Unternehmen wie Grob, Horn und Lapp den Herausforderungen?

  • Horn: Investiert in Technologie und Automatisierung, um unabhängig von staatlicher Unterstützung zu bleiben.
  • Grob: Setzt auf Diversifikation, eigene Werke im Ausland und neue Geschäftsfelder zur Risikostreuung.Lapp: Fokussiert sich auf Komplettlösungen, Nachhaltigkeit mit biobasierten Produkten und den Aufbau eines globalen Liefernetzwerks.

5. Warum wird Tempo bei Reformen als entscheidend angesehen?

Viele Unternehmen und Verbände bemängeln das langsame Reagieren der Politik. Reformen seien bekannt, aber würden nicht umgesetzt. Laut VDW und ZVEI fehlt es an Geschwindigkeit und Flexibilität – zwei Faktoren, die im globalen Wettbewerb essenziell sind, um nicht den Anschluss zu verlieren.