Wirtschaft

EU und Indien besiegeln Freihandelsabkommen: Rückenwind für den Maschinenbau

Die EU und Indien haben sich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Für den Maschinenbau bedeutet das: weniger Zölle, weniger Hürden, mehr Marktzugang. Der VDMA spricht von einem „Feiertag“ für den exportorientierten Maschinen- und Anlagenbau.

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Ziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren und Zölle schrittweise abzubauen, den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu erleichtern und die wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich auszubauen.

Die Europäische Union und Indien haben ihre Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi bei einem Treffen in Neu-Delhi mit. Für den deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbau gilt die Einigung als strategisch wichtiger Schritt – wirtschaftlich wie geopolitisch.

Ziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren und Zölle schrittweise abzubauen, den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu erleichtern und die wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich auszubauen. Gleichzeitig soll die Abhängigkeit von einzelnen Handelspartnern reduziert werden. Vor dem Hintergrund der zunehmend protektionistischen Handelspolitik der USA und des wachsenden Einflusses Chinas erhält das Abkommen zusätzliche geopolitische Bedeutung.

„Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt“, sagte von der Leyen. Mit der geplanten Freihandelszone entstehe ein Wirtschaftsraum mit rund zwei Milliarden Menschen. Zugleich sende Europa ein klares Signal, dass regelbasierte Zusammenarbeit weiterhin funktioniere.

Großer Markt, großes Potenzial für die Industrie

Auch wenn das Abkommen weniger umfassend ausfällt als der zuletzt vereinbarte Mercosur-Deal, zählt es angesichts der Marktgröße zu den bedeutendsten Freihandelsvereinbarungen der EU. Indien ist mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern inzwischen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Zusammen mit der EU repräsentieren beide Partner rund ein Viertel der Weltbevölkerung und der globalen Wirtschaftsleistung.

Für die Industrie – insbesondere für den Maschinen- und Anlagenbau – eröffnet das Abkommen neue Perspektiven. Nach Angaben der EU sollen Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen weitgehend abgeschafft werden. Auch technische Handelshemmnisse sollen reduziert werden. Das senkt Kosten, vereinfacht Markteintritte und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) begrüßt die Einigung ausdrücklich. VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann spricht von einem Meilenstein: „Der exportorientierte Maschinen- und Anlagenbau braucht regelbasierten Handel wie die Luft zum Atmen. Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU bringt dringend benötigten Sauerstoff in eine Welt, die zunehmend von Handelskonflikten dominiert wird.“

Rückenwind für deutsche Exporteure

Indien gehört zu den wachstumsstärksten und strategisch wichtigsten Absatzmärkten der Branche. Allein 2024 exportierte Deutschland Maschinen im Wert von über 4,3 Milliarden Euro nach Indien. Der Abbau der im Schnitt 7,5 Prozent hohen Zölle sowie der Abbau technischer Handelshemmnisse verschaffe europäischen Herstellern einen „dringend notwendigen Schub im Wettbewerb“, so Brodtmann.

Auch andere Industriezweige dürften profitieren. Für die Automobilindustrie ist vorgesehen, Importzölle von bislang bis zu 110 Prozent auf Fahrzeuge für ein begrenztes Kontingent schrittweise auf zehn Prozent zu senken. Zölle auf Autoteile sollen innerhalb von fünf bis zehn Jahren vollständig entfallen. Auch Abgaben auf Chemikalien und Pharmazeutika werden deutlich reduziert.

Signal für regelbasierten Welthandel

Aus Sicht des VDMA geht das Abkommen über wirtschaftliche Effekte hinaus. „Die EU hat geliefert. Mit dem Abkommen setzt Europa ein unübersehbares Signal für regelbasierten Handel und gegen das Recht des Stärkeren. Heute ist ein Feiertag für den exportorientierten Maschinenbau“, betont Brodtmann.

Tatsächlich gewinnt die Einigung auch vor dem Hintergrund der angespannten transatlantischen Handelsbeziehungen an Bedeutung. Die USA verfolgen unter Präsident Donald Trump erneut eine aggressive Zollpolitik. Die EU setzt dagegen bewusst auf Diversifizierung und neue Partnerschaften. „Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle“, hatte von der Leyen zuletzt erklärt.

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Ratifizierung steht noch aus

Bis das Abkommen in Kraft treten kann, dürfte jedoch noch Zeit vergehen. Der Vertragstext muss rechtlich geprüft, in alle Amtssprachen der EU übersetzt und anschließend vom Europäischen Parlament sowie den Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Frühere Anläufe für ein EU-Indien-Abkommen waren zwischen 2007 und 2013 gescheitert und erst 2022 wieder aufgenommen worden.

Für die Industrie ist der politische Durchbruch dennoch ein starkes Signal. Mehr als 6.000 europäische Unternehmen sind bereits heute in Indien aktiv, darunter über 2.000 aus Deutschland. Das Freihandelsabkommen könnte den wirtschaftlichen Austausch in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen – insbesondere für den Maschinen- und Anlagenbau.

mit Material von dpa und VDMA

Freihandelsabkommen EU–Indien – die wichtigsten Fragen

Warum ist das Abkommen für den Maschinenbau so wichtig? Indien zählt zu den wachstumsstärksten Industriemärkten weltweit. Der Abbau durchschnittlich 7,5 Prozent hoher Zölle auf Maschinen und der Abbau technischer Handelshemmnisse verbessern die Wettbewerbsposition europäischer Hersteller deutlich. Der VDMA spricht von „dringend benötigtem Sauerstoff“ für die Branche.

Welche konkreten Vorteile bringt das Abkommen für deutsche Unternehmen? Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen sollen weitgehend entfallen. Das senkt Kosten, erleichtert Investitionen und stärkt den Marktzugang. Allein 2024 exportierte Deutschland Maschinen im Wert von über 4,3 Milliarden Euro nach Indien – mit deutlich weiterem Potenzial.

Welche Rolle spielt Indien für die europäische Industrie strategisch? Indien ist mit über 1,45 Milliarden Einwohnern ein Schlüsselmarkt und eine Alternative zu einseitigen Abhängigkeiten von China oder den USA. Der VDMA bezeichnet Indien als „strategisch einen der wichtigsten Wachstumsmärkte“ für den europäischen Maschinen- und Anlagenbau.

Welche geopolitische Bedeutung hat das Abkommen? In Zeiten zunehmender Handelskonflikte setzt die EU ein Signal für regelbasierten Handel. VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann betont: Das Abkommen stehe „gegen das Recht des Stärkeren“ und für verlässliche Rahmenbedingungen im Welthandel.

Wann tritt das Freihandelsabkommen in Kraft? Noch nicht sofort. Der Vertragstext muss juristisch geprüft, übersetzt und von EU-Parlament sowie Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Der politische Durchbruch gilt jedoch bereits jetzt als starkes Signal an Industrie und Investoren.