Wirtschaft

Ifo: Geschäftsklima in der Chemie leicht verbessert

Das Geschäftsklima der Chemie steigt im Januar leicht auf -23,5 Punkte. Erwartungen hellen sich auf, doch die Lage rutscht weiter ab. Aufträge ziehen erstmals seit Monaten an – bei nur 72,7% Auslastung und weiterem Sparkurs.

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Die Chemie-Industrie blickt weniger pessimistisch in die Zukunft, doch die aktuelle Lage ist schwach, so Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Das Geschäftsklima in der Chemischen Industrie hat sich im Januar geringfügig verbessert: Der Index kletterte auf -23,5 Punkte (Dezember: -24,6). Treiber sind bessere Erwartungen – sie steigen von -19,3 auf -11,4 Punkte. Gleichzeitig trübte sich die aktuelle Lage deutlich ein (-34,9 nach -29,7). „Die Chemie blickt etwas weniger pessimistisch in die Zukunft, doch die laufenden Geschäfte bleiben schwach“, sagt Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Ein Lichtblick kommt aus den Auftragsbüchern: Nach Monaten der Flaute legte der Auftragsbestand erstmals wieder zu. Der Indikator sprang von -23,7 auf +3,4 Punkte, die Auftragsreichweite liegt bei 1,8 Monaten (Oktober: 1,4). Dennoch bewerten die Unternehmen den gesamten Auftragsbestand weiterhin als sehr niedrig (-47,1 Punkte). Die Kapazitätsauslastung liegt mit 72,7 % deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 80,9 %. Vor diesem Hintergrund planen viele Betriebe, Produktion und Personal weiter zurückzufahren. Belastend bleiben laut Ifo der anhaltende Preisdruck sowie Unsicherheiten im Außenhandel – auch mit Blick auf drohende Zölle.

Rückblick: So lief es in den vergangenen zwei Jahren

2024 gelang der Chemie-/Pharmabranche zwar ein kleines Produktionsplus, doch von Normalität war sie weit entfernt: Der Output lag laut VCI immer noch rund 16 % unter 2018, die Anlagen waren im Schnitt nur zu 75 % ausgelastet; zugleich sank der Umsatz auf 221 Mrd. Euro (-2 %) – auch wegen rückläufiger Preise.

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2025 blieb die Lage angespannt und verschärfte sich in der Chemie teils erneut: Produktion und Erzeugerpreise lagen leicht im Minus (-0,5 %), in der Chemie selbst fiel die Produktion laut VCI um 2,5 %. Die Kapazitätsauslastung rutschte auf rund 70 % (historischer Tiefpunkt), Beschäftigung ging zurück (-0,5 % bzw. 2.400 Stellen). Passend dazu zeigte auch eine Ifo-Auswertung im Herbst 2025 extrem schwache Aufträge und eine Auslastung um 71 % – deutlich unter dem langjährigen Schnitt.

mit Material vom Ifo Institut

Auf einen Blick : Die Lage in der Chemieindustrie

Warum verbessert sich das Geschäftsklima, obwohl die aktuelle Lage schlechter wird? Weil sich die Erwartungen deutlich aufgehellt haben: Unternehmen sehen die kommenden Monate weniger düster als noch im Dezember. Gleichzeitig bleiben die laufenden Geschäfte schwach – das drückt die Lagekomponente. Unterm Strich reicht der Erwartungs-Impuls für ein kleines Plus beim Gesamtklima, ohne dass die Gegenwart schon „gesund“ wäre.

2) Sind die steigenden Aufträge der Wendepunkt? Es ist ein positives Signal, aber noch kein Befreiungsschlag. Zwar steigt der Auftragsbestand erstmals seit Monaten und die Reichweite verbessert sich auf 1,8 Monate. Gleichzeitig wird der Gesamtauftragsbestand weiterhin als sehr niedrig bewertet, und die Auslastung bleibt klar unter dem langjährigen Durchschnitt. Das spricht eher für eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau als für eine schnelle Trendwende.

3) Was bedeutet das für Produktion und Beschäftigung bis ins Frühjahr 2026? Kurzfristig stellen sich viele Betriebe weiter auf Rückgänge ein: Die Planungen deuten auf Produktionskürzungen und weiteren Personalabbau. Hauptgründe sind Preisdruck und Unsicherheiten im Außenhandel, etwa durch drohende Zölle. Erst wenn Auftragseingänge nachhaltig anziehen und die Auslastung wieder Richtung Normalniveau läuft, dürfte sich der Kostendruck spürbar entspannen.