Digitaler Zwilling und Daten: So digitalisiert Autodesk Werke
Der digitale Zwilling soll bestehende Werke transparenter machen. Autodesk zeigt in Birmingham, wie Scans, BIM-Modelle, Sensorik, Daten und KI dabei zusammenspielen.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Wie hilft der digitale Zwilling im Brownfield? Autodesk zeigt, wie Werke gescannt, vernetzt und digital geplant werden.Autodesk
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Summary:
Autodesk zeigt in seinem Technology Center in Birmingham, wie ein digitaler Zwilling für ein bestehendes Werk aufgebaut wird. Grundlage sind Scans, Point Clouds, BIM-Modelle, Sensorik und vernetzte Daten. Das Ziel: Umbauten, Erweiterungen, Energieverbräuche, Materialflüsse und spätere Betriebsprozesse belastbarer planen.
Die Digitalisierungsvision der Industrie klingt oft nach
Neubau, grüner Wiese und perfekt geplanten Fabriken. Die Realität sieht oft anders
aus. Viele Produktionsstandorte sind über Jahrzehnte gewachsen. „Ein Neubau ist
natürlich ideal, um den digitalen Zwilling von Anfang an mitzuziehen“, sagt Jan
Niestrath, Manager Industrial Machinery bei Autodesk. „In der Praxis dominieren
jedoch Brownfield-Projekte.“
Wie Digitalisierung in bestehenden Werken möglich ist, zeigt
Autodesk in seinem Technology Center in Birmingham. Die „Advanced Manufacturing
Facility“ wurde 2018 als erste Einrichtung dieser Art in Europa eröffnet. Der
Standort dient als reale Testumgebung, um neue Fertigungstechnologien praktisch
zu testen. Die Facility wurde unter anderem mit Maschinen von DMG Mori, Hermle,
Steifelmeyer und Hamuel sowie Robotern von ABB und Kuka ausgestattet.
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Niestrath erklärt im Gespräch mit Produktion, der Standort
sei „unsere eigene kleine Fabrik“. Dort verprobe Autodesk seine CAM- und
Additive-Manufacturing-Software an einem echten Maschinenpark.
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Vom Maschinenpark zum digitalen Zwilling
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Auch der digitale Zwilling kommt in Birmingham zum Einsatz.
So wurde aus dem Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren ein vollständiger
digitaler Zwilling erstellt. „Da häufig keine aktuellen Pläne existieren, haben
wir das Gebäude gescannt, also eine Point Cloud erzeugt, und diese in ein
BIM-Modell überführt“, sagt Niestrath. Dieses Modell werde anschließend durch
Sensorik ergänzt; zum Beispiel für Temperaturregelung, Maschinenzustände und
Sicherheitsaspekte wie Feuerlöscher-Standorte. Denn wer eine bestehende Fabrik
umbauen oder erweitern will, braucht belastbare Informationen.
Jan Niestrath, Manager Industrial Machinery bei Autodesk.Autodesk
Digitale Scans können zum Beispiel auch dabei helfen,
Kollisionen bei der Planung zu vermeiden und in dynamische Modelle überführt
werden. Zudem lassen sich „Materialflüsse sowie die Bewegungen der Mitarbeiter
in der Fabrik simulieren, um Engpässe zu identifizieren und Bestände zu
optimieren“, erklärt der Autodesk-Experte.
Wie gelingt aber der Einstieg? Vor allem für Unternehmen mit
begrenztem Budget? Niestrath plädiert für einen pragmatischen Ansatz. „Man darf
kein technologisches ‚Biest‘ erschaffen, das keiner versteht“, sagt er. Stattdessen
gehe es darum, vorhandene Daten zu nutzen, gegebenenfalls mit einem Scan zu
starten und die Sensorik über Tools anzubinden. So könne man schnell erste
Anwendungsfälle realisieren, wie etwa das Monitoring von Energieverbräuchen, um
bei hohen Kosten sofort gegenzusteuern. „Wichtig ist, anzufangen, auch wenn man
nicht alles auf einmal machen kann“, so Niestrath.
BMW-Projekt zeigt den Nutzen durchgängiger Daten
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Ideale Voraussetzungen, um digitale Modelle von Anfang an
mitzudenken, sind natürlich Neubauten. Ein Beispiel dafür ist das Greenfield-Projekt
von BMW in Irlbach-Straßkirchen für Hochvoltbatterien. Dort wurde die
Inbetriebnahme, Abnahme und Übergabe des Werks für die Montage von
Hochvoltbatterien mit der Autodesk Construction Cloud digitalisiert. Dabei
kamen unter anderem automatisierte Übergabeprozesse sowie Drohnen für Scans und
Kollisionsprüfungen zum Einsatz.
Planung, Realisierung und Betrieb werden nicht als getrennte
Phasen betrachtet, sondern über Daten miteinander verbunden. Autodesk zufolge wurden
62 Fachmodelle in einem Koordinationsmodell zusammengeführt. Rund 25.000 bisher
manuelle Workflows zur Datenübergabe seien entfallen, etwa 450 Arbeitsstunden
seien eingespart worden. Zudem sollen Übergabedaten systemgestützt für
nachgelagerte IT-Systeme aufbereitet worden sein.
Auch Künstliche Intelligenz spielt in der Autodesk-Strategie
eine Rolle, allerdings derzeit eher unterstützend als autonom. „Wir setzen KI
schon lange in assistierender Funktion in unseren Produkten wie Inventor,
Fusion oder AutoCAD ein“, sagt Niestrath.
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KI findet sich inzwischen in nahezu allen Autodesk-Lösungen und
wird eingesetzt, um Designvarianten zu generieren, Prozesse zu automatisieren,
Simulationen zu optimieren sowie Projektrisiken vorherzusagen. Der Autodesk
Assistant dient ergänzend dazu als zentrale Assistenzfunktion, an die
Konstrukteure Befehle für Workflows oder Automatisierungen in natürlicher
Sprache geben können.
Perspektivisch geht es bei Autodesk jedoch weiter. Stichwort
„Physical AI“. Autodesk arbeitet dazu mit World Labs zusammen. Das Ziel sei,
„dass die KI die Welt ‚versteht‘, ohne dass jede physikalische Simulation
rechenintensiv einzeln durchlaufen werden muss“, erklärt Niestrath.
Für industrielle Anwendungen könnte das relevant werden,
wenn KI nicht nur Texte erzeugt oder Bedienfunktionen erleichtert, sondern
Geometrien, räumliche Zusammenhänge und physikalische Abhängigkeiten einordnen
kann.
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Nicht die Technik ist das größte Problem
Trotz aller technologischen Ansätze bleibt die Umsetzung der
kritische Punkt. Auf die Frage, ob Digitalisierung häufig weniger an der
Technik als am Change Management scheitere, antwortet Niestrath klar: „Leider
ja, oft haben wir kein Technologieproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Die beste Technik nütze nichts, „wenn die Mitarbeiter sie
nicht akzeptieren oder das Commitment des Managements fehlt“. Deshalb setzt
Autodesk nach eigenen Angaben stark auf Implementierungspartner, die Trainings
und Onboarding-Services rund um die Produkte anbieten.
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Denn der Mangel an Fachkräften zwinge die Unternehmen zur
Digitalisierung. Früher habe es Experten gegeben, „die am Geräusch einer
Maschine hörten, was fehlte“. Dieses Wissen sei oft nicht dokumentiert gewesen.
Wenn solche Erfahrungsträger fehlen, müssen Unternehmen Wege finden, Wissen
systematisch zu sichern.
• Was leistet der digitale Zwilling im Brownfield? – Der digitale Zwilling macht bestehende Werke planbarer, indem Scans, BIM-Modelle, Sensorik und Betriebsdaten zusammengeführt werden.
• Wie startet Autodesk den digitalen Zwilling in Birmingham? – Autodesk hat das Bestandsgebäude gescannt, eine Point Cloud erzeugt und diese in ein BIM-Modell überführt.
• Welche Rolle spielt KI beim digitalen Zwilling? – KI unterstützt bei Autodesk unter anderem Designvarianten, Automatisierung, Simulationen, Risikoprognosen und Assistenzfunktionen.
• Warum ist der digitale Zwilling für Fabrikumbauten relevant? – Er liefert belastbare Informationen zu Gebäuden, Maschinen, Sicherheitsaspekten und Materialflüssen.
• Welche Hürde gibt es beim digitalen Zwilling? – Laut Autodesk scheitert Digitalisierung häufig weniger an der Technik als an Akzeptanz, Management-Commitment und Umsetzung.