Schwerlast und Kulturbau

Gigantischer Kran baut Zayed National Museum

Mit einem der weltweit größten landgestützten Krane realisierte Mammoet die modularen Kernbauteile des Zayed National Museum in Abu Dhabi – sicher, effizient und ohne den laufenden Baustellenbetrieb zu beeinträchtigen.

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Nach eingehender Analyse der Hebeanforderungen und Standortbedingungen schlugen die Ingenieure von Mammoet daher den Einsatz eines Krans der SK-Serie vor – einem der leistungsstärksten landgestützten Krane weltweit.

Als Herzstück des Saadiyat Cultural District in Abu Dhabi würdigt das Zayed National Museum das Vermächtnis von Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan und erzählt die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate. Entwickelt vom Department of Culture and Tourism Abu Dhabi stärkt das Museum die internationale Strahlkraft des Kulturviertels und setzt zugleich ein architektonisches Ausrufezeichen auf Saadiyat Island.

Modularer Ansatz für mehr Sicherheit und Tempo

Um die komplexe Struktur sicher und effizient umzusetzen, setzte das Projektteam auf eine modulare Bauweise. Ziel war es, Arbeiten in großer Höhe zu reduzieren, Bauzeiten zu verkürzen und den laufenden Baustellenbetrieb mit mehreren Gewerken und Turmdrehkranen möglichst wenig zu beeinträchtigen. Im ersten Obergeschoss bilden vier kapselartige Galerieeinheiten die Basis der Flügelkonstruktion. Sie befinden sich oberhalb einer zentralen, von oben belichteten Lobby, die zur Verbesserung der thermischen Eigenschaften in den Boden eingelassen wurde. Die sogenannten Pods wurden vor Ort auf Bodenniveau vorgefertigt und anschließend innerhalb der Museumsstruktur auf ihre Fundamente gehoben. Dieser Ansatz erhöhte Sicherheit und Ausführungsqualität – und hielt zugleich den Gesamtbauablauf stabil.

Vom Raupenkran zur SK-Serie

Das Joint Venture aus BESIX und Trojan General Contracting suchte frühzeitig nach der optimalen Hebelösung für die vorgefertigten Module und Flügelkomponenten. Eine zunächst geprüfte Variante mit einem großen Raupenkran erwies sich angesichts der erhöhten Baufläche und der beengten Platzverhältnisse als problematisch. Umfangreiche Aufschüttungen wären notwendig gewesen, um ausreichend Arbeitsraum inklusive Superlift-Konfiguration zu schaffen. Zudem hätten laufende Tiefbauarbeiten und die Bewegungen der Turmdrehkrane erheblich beeinträchtigt werden können.

Große Reichweite, minimale Eingriffe

Ikonische Architektur für
Abu Dhabi

Die Türme sind inspiriert von der Falknerei – einem zentralen Bestandteil der emiratischen Kultur. Ihre Form erfüllt nicht nur eine symbolische Funktion, sondern unterstützt auch die Klimaperformance des Gebäudes, indem kühlere Luft durch das Museum geleitet wird. Bild: Mammoet

Dank hoher Tragfähigkeit und enormer Ausladung konnte der SK-Kran außerhalb der am stärksten frequentierten Baustellenbereiche positioniert werden. So blieb er außerhalb des Aktionsradius der Turmdrehkrane und erreichte dennoch die Anschlagpunkte tief im Baukörper. Das reduzierte die Baustellenverdichtung, erhöhte die Sicherheit der Hebevorgänge und erlaubte parallele Bauarbeiten mit minimalen Unterbrechungen. Kritische Hübe blieben auf dem Zeitplan – ein entscheidender Faktor für die Beschleunigung des Gesamtprojekts. Der große Arbeitsradius ermöglichte zudem, die Pods direkt von ihrer Fertigungsposition aufzunehmen und mit deutlich weniger Umsetzungen zu installieren. Das steigerte die Effizienz und reduzierte zusätzliche Risiken.

Flexible Konfiguration für komplexe Hübe

Der schwerste Hub betrug 612 Tonnen bei einem Arbeitsradius von über 150 Metern.

Um den örtlichen Gegebenheiten gerecht zu werden, wurde der SK-Kran an zwei Standorten eingesetzt: zunächst in der Konfiguration SK350, anschließend umgesetzt und in die kompaktere SK190-Konfiguration umgerüstet. Diese benötigte eine geringere Stellfläche und demonstrierte die Flexibilität des SK-Systems bei wechselnden Baustellenbedingungen. In beiden Positionen war der Kran mit einem 135 Meter langen Hauptausleger ausgerüstet. Die Hebevorgänge erfolgten bei Windgeschwindigkeiten von maximal 14 m/s und ausschließlich bei fallender Windprognose – gemäß den strengen Vorgaben des projektspezifischen Hebeplans zum Schutz von Personal, Last und Bauwerk. Gleichzeitig wurde die Bodenpressung kontrolliert begrenzt: Mit einer maximalen Flächenpressung von 26,9 t/m² konnte der Kran stabil betrieben werden, ohne aufwendige Bodenertüchtigungen vornehmen zu müssen.

Präzision durch maßgeschneiderte Anschlagtechnik

Für die Installation der unregelmäßig geformten Module entwickelte Mammoet eine speziell angepasste, verstellbare Anschlaglösung mit Litzenhebern (Strand Jacks). Diese erlaubte ein kontrolliertes Neigen, Feinjustieren und Drehen der Bauteile von der Fertigungs- in die endgültige Einbauposition. Vergleichbare Lösungen kommen auch bei komplexen Dachkonstruktionen und architektonischen Modulen von Stadien oder Flughäfen zum Einsatz – und tragen dazu bei, ambitionierte Entwürfe technisch realisierbar zu machen.

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Beitrag zu einem nationalen Symbol

Dank der frühzeitigen ingenieurtechnischen Einbindung von Mammoet und der Leistungsfähigkeit der SK-Serie konnte das Joint Venture BESIX–Trojan die zentralen modularen Komponenten effizient und mit minimalen Störungen des Baustellenbetriebs installieren. Heute ist das Zayed National Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Dauerausstellungen, Sonderpräsentationen und Außenbereichen verbindet es Besucherinnen und Besucher mit dem kulturellen Erbe der Vereinigten Arabischen Emirate – und steht zugleich als Symbol für die Verbindung von technischer Innovationskraft und architektonischer Vision.

Quelle: Mammoet

FAQs zur Schwerlastmontage am Zayed National Museum

1. Warum wurde ein Kran der SK-Serie eingesetzt?

Die SK-Serie von Mammoet zählt zu den leistungsstärksten landgestützten Kranlösungen weltweit. Aufgrund der hohen Tragfähigkeit und großen Ausladung konnte der Kran außerhalb stark frequentierter Baustellenbereiche positioniert werden und dennoch Lasten über mehr als 150 Meter Radius sicher heben.

2. Warum kam kein großer Raupenkran zum Einsatz?

Ein Raupenkran hätte umfangreiche Aufschüttungen und zusätzliche Arbeitsflächen erfordert. Zudem wären laufende Tiefbauarbeiten und Turmdrehkrane beeinträchtigt worden. Die SK-Lösung reduzierte Eingriffe in den Baustellenablauf deutlich.

3. Was bedeutet der modulare Bauansatz in diesem Projekt?

Zentrale Bauteile – insbesondere die podförmigen Galerieeinheiten – wurden auf Bodenniveau vorgefertigt und anschließend als komplette Module installiert. Das reduzierte Arbeiten in großer Höhe, erhöhte die Sicherheit und beschleunigte den Bauprozess.

4. Wie schwer waren die größten Bauteile?

Der schwerste Hub betrug 612 Tonnen bei einem Arbeitsradius von über 150 Metern. Damit gehörten die Hübe zu den anspruchsvollsten Schwerlastoperationen im Projekt.

5. Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden bei den Hebevorgängen getroffen?

Die Hebearbeiten erfolgten nach einem detailliert ausgearbeiteten Hebeplan. Sie wurden nur bei Windgeschwindigkeiten bis maximal 14 m/s und ausschließlich bei fallender Windprognose durchgeführt. Zudem wurde die Bodenpressung exakt berechnet und kontrolliert.

6. Warum wurde der Kran in zwei Konfigurationen eingesetzt?

Der SK-Kran wurde zunächst in der SK350-Konfiguration aufgebaut und später in die kompaktere SK190-Version umgerüstet. Dadurch konnte er an unterschiedliche Platzverhältnisse angepasst werden – ein Vorteil bei beengten Baustellenbedingungen.

7. Welche Rolle spielte die spezielle Anschlagtechnik?

Mammoet entwickelte eine maßgeschneiderte, verstellbare Anschlaglösung mit Litzenhebern. Diese ermöglichte ein präzises Neigen, Drehen und Positionieren der unregelmäßig geformten Module – entscheidend für die sichere Installation innerhalb der komplexen Architektur.