Die Präzisionswerkzeug-Branche wartet dringend auf klare politische Signale
für bessere Rahmenbedingungen.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
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Auf der Jahres-Pressekonferenz des VDMA Fachverbands Präzisionswerkzeuge berichtete der Vorsitzende Stefan Zech über die aktuelle Lage der Branche. Nach drei schwierigen Jahren sieht er ein Ende der Talsohle.VDMA Präzisionswerkzeuge)
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„Wir haben drei schwierige Jahre hinter uns – aber die Talsohle scheint erreicht.“ Mit diesen Worten beschreibt Stefan Zecha, Vorsitzender des VDMA Fachverbands Präzisionswerkzeuge, die Lage der Branche zum Jahresbeginn 2026. „Trotz rückläufiger Produktion und gedämpfter Nachfrage erkennen wir erste Signale der Stabilisierung. Doch die Wirtschaft kämpft nach wie vor mit Standortnachteilen. Entscheidend ist nun, dass die Politik endlich für verbesserte Standortbedingungen sorgt – durch schlankere Verfahren, weniger Bürokratie und eine resilienzfördernde Digitalisierung.“
Produktion erneut im Minus
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Die Präzisionswerkzeugindustrie verzeichnete im vergangenen Jahr ein Produktionsminus von rund 7 Prozent auf etwa 8,5 Milliarden Euro. Viele Unternehmen mussten Personal abbauen und Investitionen zurückfahren. Der Inlandsmarkt blieb schwach, insbesondere aufgrund rückläufiger Produktion im Maschinenbau und anhaltender Unsicherheit in der Automobilindustrie. Zwar stiegen die Bedarfe in Luftfahrt, Medizintechnik und Verteidigungsindustrie, diese konnten jedoch die Verluste nicht ausgleichen. In Europa gingen die Exporte um 4 Prozent zurück. China verzeichnete einen deutlichen Rückgang um 9 Prozent, während die USA trotz Handelsrisiken mit einem Plus von 2 Prozent erneut wichtigster Auslandsmarkt blieben. Für 2026 erwartet die Branche insgesamt eine Konsolidierung auf heutigem Niveau, sofern keine größeren geopolitischen Verwerfungen eintreten.
Ruinöser Bürokratiedruck – Unsicherheiten wachsen
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Die zentralen Herausforderungen der Hersteller von Präzisionswerkzeuge bleiben unverändert gravierend. Die Bürokratie belastet Unternehmen erheblich, insbesondere durch die Vielzahl von Berichtspflichten. Hinzu kommen die zunehmende weltpolitische Unsicherheit sowie schwache heimische Kundenbranchen, die Investitionen verzögern oder ganz aussetzen. Zecha formuliert es deutlich: „Die Unternehmen seien technologisch bestens aufgestellt, bräuchten aber endlich politische Entscheidungen, die Planbarkeit und Entlastung schaffen!“ Die Hersteller von Zerspanwerkzeugen mussten 2025 überwiegend kleinere Umsatzrückgänge hinnehmen. Sowohl das Inlandsgeschäft als auch der Export lagen 5 Prozent unter Vorjahr. Die Unternehmen kämpften mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und zunehmend kritischen Rohstoffmärkten.
Besonders spürbar war die Verschärfung der Wolfram-Restriktionen in China, die zu Knappheit, prekären Lieferketten und enormen Kostensteigerungen führten. Gleichzeitig gewinnen Recyclinglösungen an Bedeutung: Rücknahmesysteme und Aufbereitung von Hartmetall in Europa sowie die effiziente Wiederaufbereitung von Werkzeugen haben sich seit Jahren etabliert. Zecha: „Daher müssen wir alles daransetzen, den Hartmetallschrott in Europa zu belassen. Jedes Gramm zählt! Hartmetall in Europa sichert unsere Souveränität.“ Für 2026 rechnen die Unternehmen mit einer allmählichen Verbesserung im Jahresverlauf und hoffen auf ein leichtes Umsatzwachstum.
In der Spanntechnik blieb das Jahr 2025 ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Umsätze gingen im hohen einstelligen Bereich zurück, insbesondere in der Werkstückspannung, die stark an Investitionen in neue Maschinen gekoppelt ist. Das Auslandsgeschäft entwickelte sich negativ. Einziger nennenswerter Lichtblick war Indien mit einem Plus von 10 Prozent, das erstmals unter die zehn größten Absatzmärkte aufstieg. Für das Jahr 2026 erwartet die Branche zwar eine leichte Belebung, aber insgesamt nochmals einen leicht rückläufigen Umsatz.
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Werkzeugbau kämpft ums Überleben
Der Werkzeugbau sah sich 2025 erneut mit deutlichen Produktionsrückgängen konfrontiert. Viele Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Besonders das Inlandsgeschäft blieb schwach, während chinesische Anbieter mit massiv verschärftem Wettbewerbsdruck den deutschen Anbietern spürbar zusetzten. Gleichzeitig verschlechterten sich die Rahmenbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zumindest blieb das Exportgeschäft stabil. Quelle: VDMA Präzisionswerkzeuge