Bosch ordnet Konzern neu

Bosch stellt Konzernstruktur grundlegend neu auf

Der Konzernumbau bei Bosch betrifft rund 62.500 Beschäftigte in Deutschland. Der Technologiekonzern gliedert mehrere Geschäftsbereiche in eigene Gesellschaften aus. Ziel sind mehr Wettbewerbsfähigkeit und eine höhere Ertragskraft.

Dr. Stefan Hartung legt auf eigenen Wunsch in enger Abstimmung mit den Gesellschaftern sein Mandat zum 30. Juni 2026 als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder und scheidet aus der Geschäftsführung aus.
62.500 Beschäftigte bei Bosch wechseln in neue Gesellschaften. Die Mobilitätssparte bleibt größter Bereich.

  • Bosch überführt in Deutschland rund 62.500 Beschäftigte in neue Tochtergesellschaften. Der Umbau soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

  • Betroffen sind die Mobilitätssparte, zentrale interne Servicebereiche, IT und Immobilien. Arbeitsverträge und Bezahlung sollen unverändert bleiben.

  • Bosch Mobility bleibt mit 55,8 Milliarden EUR Umsatz im Jahr 2025 der größte Unternehmensbereich und soll künftig schneller auf Marktveränderungen reagieren.

  • Der Konzern reagiert auf wirtschaftlichen Druck und verschärften Wettbewerb. Ein zusätzlicher Stellenabbau ist durch die Neuordnung nicht vorgesehen.

Der Technologiekonzern Bosch stellt seine Organisation in Deutschland neu auf. Im Zuge des Bosch-Konzernumbaus werden die Mobilitätssparte, zentrale interne Servicebereiche, die IT sowie der Immobilienbereich in eigenständige Tochtergesellschaften ausgegliedert. Insgesamt betrifft die Neuordnung rund 62.500 Beschäftigte, wie das Stiftungsunternehmen mitteilte.

Den größten Anteil der betroffenen Mitarbeiter stellt die Mobilitätssparte, die derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Für die Beschäftigten sollen sich durch den Wechsel in die neuen Gesellschaften weder die Arbeitsbedingungen noch die Vergütung verändern. Bestehende Arbeitsverträge werden auf die jeweiligen Tochtergesellschaften übertragen.

Bosch-Chef Christian Fischer begründet den Schritt mit dem Ziel, die Ertragskraft des gesamten Konzerns nachhaltig zu verbessern. Damit soll Bosch auch künftig in der Lage sein, technologische Durchbrüche aus eigener Kraft zu finanzieren.

„Klar ist: Alle Einheiten bleiben auch in ihrer neuen Rechtsform ein integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe.“

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Die neue Struktur soll bis Ende 2027 umgesetzt werden. In anderen Geschäftsfeldern ist eine vergleichbare Organisation bereits etabliert. So bestehen für die Unternehmensbereiche Industrietechnik, Konsumgüter sowie Energie- und Gebäudetechnik schon heute eigene Tochtergesellschaften.

Bosch Mobility bleibt größter Unternehmensbereich

Eine zentrale Rolle beim Konzernumbau spielt Bosch Mobility. Die Mobilitätssparte wird künftig als eigenständige Tochtergesellschaft innerhalb der Bosch-Gruppe geführt. Dadurch sollen die verschiedenen Geschäftsaktivitäten stärker integriert und bereichsübergreifend gesteuert werden.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Bereichs bleibt unverändert hoch. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete Bosch Mobility einen Umsatz von 55,8 Milliarden EUR und steuerte damit rund 60 % zum Gesamtumsatz des Konzerns bei.

Mit der neuen Rechtsform verbindet die Unternehmensführung insbesondere organisatorische und strategische Ziele. Bosch Mobility soll schneller auf Veränderungen der Märkte reagieren und seine Aktivitäten stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten können.

Fischer sieht darüber hinaus zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten:

„Zugleich schaffen wir neue Spielräume für strategische Partnerschaften und zukünftige Wachstumsfelder.“

Nach Einschätzung des Bosch-Chefs gehört das Unternehmen zu den wenigen Zulieferern, die in allen wesentlichen Weltregionen eine führende Rolle spielen.

Was bedeutet der Konzernumbau für die Beschäftigten von Bosch?

Während das Management mit der Neuorganisation auf mehr Geschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit setzt, richtet sich der Blick der Arbeitnehmervertretung insbesondere auf die Auswirkungen für die Belegschaft.

Frank Sell, Gesamtbetriebsratschef der Mobilitätssparte, verweist auf die Erwartungen der Unternehmensführung an die neue Struktur. Entscheidend sei jedoch, dass die Neuaufstellung nicht zulasten der Beschäftigten gehe.

„Für uns ist jedoch entscheidend, dass dieser Umbau nicht zu Lasten der Kolleginnen und Kollegen geht. Das Unternehmen und die Beschäftigten müssen gestärkt daraus hervorgehen.“

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers ist mit der gesellschaftsrechtlichen Neuordnung kein zusätzlicher Personalabbau verbunden. Die bereits angekündigten Stellenstreichungen bleiben davon allerdings unberührt.

Zuletzt hatte Bosch mitgeteilt, am Standort Nürnberg die Hälfte der rund 1.800 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Diese Maßnahmen kommen zu dem bereits angekündigten Abbau von konzernweit rund 25.000 Stellen in Deutschland hinzu.

Wirtschaftlicher Druck und verschärfter Wettbewerb

Der Konzernumbau erfolgt in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Eine schwache Weltkonjunktur, geopolitische Unsicherheiten und ein zunehmend intensiver Wettbewerb belasten die Geschäftsentwicklung.

Besonders deutlich zeigt sich der Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie. Dort liegt das Produktionsvolumen unter dem Niveau früherer Jahre. Gleichzeitig hat sich die Konkurrenz insbesondere durch chinesische Anbieter verschärft.

Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs, die Bosch im laufenden Jahr zusätzlich belasten dürften.

Der Konzern hatte bereits zuvor eingeräumt, in zahlreichen Geschäftsfeldern nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig zu sein. Die neue Organisationsstruktur soll deshalb dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit und Ertragskraft der Bosch-Gruppe zu verbessern.

Wie entwickeln sich Umsatz und Ergebnis bei Bosch?

Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen die wirtschaftlichen Herausforderungen. Zwar konnte Bosch seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,6 % auf 46,4 Milliarden EUR steigern. Das Wachstum beruhte jedoch überwiegend auf Unternehmenszukäufen.

Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Übernahme des Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäfts von Johnson Controls und Hitachi im vergangenen Jahr.

Bei der Profitabilität verzeichnete Bosch dagegen einen Rückgang. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das der Konzern als operatives Ebit bezeichnet, sank von 2,3 Milliarden EUR auf 2,2 Milliarden EUR.

Mit der Neuaufstellung seiner Konzernstruktur verfolgt Bosch somit das Ziel, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit langfristig zu stärken. Die Mobilitätssparte bleibt dabei der größte Geschäftsbereich und erhält als eigenständige Gesellschaft zusätzliche organisatorische und strategische Handlungsspielräume.

Mit Material von dpa.

Was Sie zum Konzernumbau bei Bosch wissen müssen

  • Wie viele Bosch-Beschäftigte sind vom Konzernumbau betroffen? Rund 62.500 Beschäftigte in Deutschland wechseln im Zuge der Neuordnung in eigenständige Tochtergesellschaften.

  • Welche Geschäftsbereiche betrifft der Bosch-Konzernumbau? Ausgegliedert werden die Mobilitätssparte, zentrale interne Servicebereiche, die IT sowie der Immobilienbereich.

  • Wann soll der Konzernumbau bei Bosch abgeschlossen sein? Die Umsetzung der neuen Konzernstruktur ist bis Ende 2027 vorgesehen.

  • Welche Auswirkungen hat der Bosch-Konzernumbau auf Arbeitsplätze und Gehälter? Arbeitsbedingungen, Vergütung und bestehende Arbeitsverträge sollen unverändert bleiben. Ein zusätzlicher Stellenabbau ist durch die Neuordnung nicht geplant.

  • Warum setzt Bosch auf den Konzernumbau? Der Konzern will seine Ertragskraft nachhaltig steigern, schneller auf Marktveränderungen reagieren und zusätzliche Spielräume für strategische Partnerschaften sowie künftige Wachstumsfelder schaffen.