Deutsche Wirtschaft: DIW hebt Prognose deutlich an
Die deutsche Wirtschaft könnte vor einer Trendwende stehen. Starke Exporte und staatliche Ausgaben treiben das Wachstum. DIW und Bundesbank werden für 2026 optimistischer, sehen aber weiterhin erhebliche Risiken.
Licht am Horizont? Die deutsche Wirtschaft schlägt sich besser als gedacht. DIW und Bundesbank werden beim Blick nach vorn optimistischer. Doch es gibt auch Warnungen.Symbolbild - KI-generiert
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Das DIW erwartet für die deutsche Wirtschaft 2026 ein Wachstum von 1,2 %, nach zuvor prognostizierten 0,5 %.
Rund 70 % des diesjährigen Wirtschaftswachstums gehen laut DIW auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück.
Auch die Bundesbank sieht Deutschland 2026 auf Kurs für ein Wachstum von etwa 1 %.
Private Investitionen, hohe Energiepreise sowie geopolitische und handelspolitische Unsicherheiten bleiben Risiken für die Erholung.
Warum das DIW die Wachstumsprognose anhebt
DIW-Präsident Marcel Fratzscher.DIW Berlin - Photothek
Nach Jahren schwacher Konjunktur verbessern sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet nach einer starken ersten Jahreshälfte für 2026 ein Wachstum von 1,2 %, wie das Institut in Berlin mitteilt. Für 2027 rechnen die Wirtschaftsforscher mit 1,0 %, für 2028 mit 0,7 %.
Damit hat das DIW seine Prognose aus dem Juni mehr als verdoppelt. Damals war für 2026 lediglich ein Wachstum von 0,5 % erwartet worden. Als Gründe nennt das Institut den überraschend starken Außenhandel und einen Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs, der geringer ausfällt als zunächst befürchtet.
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„Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Wesentlichen Anteil daran hat nach seiner Einschätzung der Staat. „Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gehen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück.“
Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente stützen demnach höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur.
Bundesbank wird für deutsche Wirtschaft optimistischer
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Bundesbank-Präsident Dr. Joachim NagelBundesbank - Oliver Rüther
Auch die Bundesbank erwartet für 2026 ein stärkeres Wachstum als bislang. Auf Grundlage der ersten beiden Quartale sei Deutschland „auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni“, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel der französischen Zeitung „Le Monde“.
Noch im Juni hatte die Bundesbank für das laufende Jahr preis- und kalenderbereinigt ein Plus von 0,5 % prognostiziert. Das Wachstum sei weiterhin nicht besonders hoch, räumte Nagel ein. Die Exportzahlen seien zuletzt jedoch solide und die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe zufriedenstellend gewesen.
Welche Indikatoren für eine Trendwende sprechen
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Das Bruttoinlandsprodukt legte in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres gegenüber dem jeweiligen Vorquartal um 0,4 % beziehungsweise 0,3 % zu. Rückenwind erhielt die deutsche Wirtschaft dabei von den Exporten, die im Juni Rekordwerte erreichten.
Bereits im Schlussquartal 2025 war die Wirtschaftsleistung gewachsen. Ein Wachstum von rund 1 % im Gesamtjahr wäre zwar noch kein kräftiger Aufschwung, aber deutlich mehr als das Plus von 0,2 % im Jahr 2025 nach zuvor zwei Jahren mit schrumpfender Wirtschaft.
Auch der Ifo-Geschäftsklima-Index signalisiert eine bessere Stimmung. Er stieg im August den vierten Monat in Folge.
Warum die Erholung der deutschen Wirtschaft fragil bleibt
Trotz der verbesserten Aussichten warnt das DIW vor strukturellen und konjunkturellen Risiken. „Die privaten Investitionen reichen weiterhin nicht aus, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken“, sagte Fratzscher.
Hinzu kommen globale Unsicherheiten. „Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen.“ Dennoch gebe es Anlass „zu vorsichtigem Optimismus“.
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Auch DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik sieht noch keine stabile Wachstumsphase: „Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen.“
Für das dritte Quartal erwartet das DIW lediglich eine Stagnation. Teure Energie und Niedrigwasser belasten unter anderem die Chemie- und Metallindustrie. Insbesondere die hohen Gaspreise bleiben dem Institut zufolge ein Risiko für den Winter.
Bundesbank-Präsident warnt vor Euro-Ausstieg
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Neben dem konjunkturellen Ausblick äußerte sich Bundesbank-Präsident Nagel zum Erstarken populistischer Parteien. Mit Blick auf die AfD sagte er: „Es gibt Menschen in Deutschland, die vorgeben, Patrioten zu sein, und gleichzeitig vorschlagen, den Euro aufzugeben. Ich muss daran erinnern, dass Deutschland dank der Einheitswährung enormen Wohlstand erlangt hat - genau wie Frankreich und die gesamte Währungsunion.“
Ein Schritt in Richtung einer Auflösung der Währungsunion wäre nach Nagels Einschätzung unverantwortlich und extrem gefährlich. „Ich bin aufrichtig besorgt, dass Menschen in Deutschland - und anderswo - einen solchen Weg in Betracht ziehen.“
Warum Sewing vor wirtschaftlicher Abschottung warnt
Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank.Deutsche Bank
Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dem Aufstieg populistischer Parteien. „Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben“, sagte Sewing beim „Handelsblatt-Bankengipfel“ in Frankfurt.
„Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.“
Mit Blick auf die AfD bezeichnete Sewing einen Kurs von Abschottung und Nationalismus als falsch für Deutschland. Ein Ausstieg aus dem Euro wäre „Gift für den deutschen Wohlstand“. Zudem warnte der Deutsche-Bank-Chef: „Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme.“
Ohne Wachstum würden nach seiner Einschätzung Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer.
Mit Material der dpa
Was Sie zum Thema deutsche Wirtschaft wissen müssen
• Warum hebt das DIW die Prognose für die deutsche Wirtschaft an? – Das DIW verweist vor allem auf den überraschend starken Außenhandel und einen geringer als befürchtet ausgefallenen Energiepreisschock.
• Wie stark soll die deutsche Wirtschaft 2026 wachsen? – Das DIW prognostiziert ein Wachstum von 1,2 %. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht Deutschland auf Kurs für etwa 1 %.
• Welche Rolle spielen staatliche Ausgaben für die deutsche Wirtschaft? – Laut DIW gehen rund 70 % des Wirtschaftswachstums 2026 auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück.
• Welche Risiken bestehen für die deutsche Wirtschaft? – Das DIW nennt zu geringe private Investitionen, hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und mögliche neue Handelskonflikte.
• Wie entwickeln sich die Exporte der deutschen Wirtschaft? – Die Exporte lieferten zuletzt wichtigen Rückenwind für die Konjunktur und erreichten im Juni Rekordwerte.