Digitales Risikomanagement im Einkauf

Digitales Risikomanagement gewinnt an Bedeutung

Digitales Risikomanagement wird für europäische Unternehmen wichtiger. Lieferengpässe, geopolitische Konflikte und volatile Kosten erhöhen den Druck auf Einkauf und Lieferketten.

Digitales Risikomanagement stärkt die Resilienz: Eine Inverto-Studie zeigt Engpässe, volatile Kosten und digitale Defizite.

Summary: Die Inverto-Studie 2026 untersucht das Risikomanagement von mehr als 400 europäischen Führungskräften. 83 Prozent melden Lieferengpässe, 89 Prozent nutzen digitale Werkzeuge. Häufig kommen diese jedoch erst zum Einsatz, wenn eine Störung bereits eingetreten ist.

Europäische Unternehmen bewegen sich zunehmend in einem dauerhaften Krisenszenario. Geopolitische Spannungen, Lieferkettenengpässe und Kostendruck überlagern sich. Das zeigt die Risk & Resilience Study 2026 von Inverto, der auf Einkauf und Lieferkettenmanagement spezialisierten Tochter der Boston Consulting Group. Grundlage ist eine Befragung von mehr als 400 Führungskräften aus Europa.

„Das prägende Merkmal heute ist nicht die Schwere eines einzelnen Schocks, sondern die Tatsache, dass mehrere Risiken gleichzeitig auftreten“, betont Patrick Lepperhoff, Managing Director bei Inverto und Experte für Lieferkettenmanagement. „Unternehmen müssen ihre Lieferketten- und Risikostrategien kontinuierlich neu gestalten, um resilient und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gelingt nur durch proaktives Risikomanagement.“

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Risiken treten zunehmend gleichzeitig auf

Unter 18 untersuchten Risiken gibt es keinen eindeutigen Spitzenreiter. Jedes wird nur von 14  bis 21 Prozent der Befragten genannt. Dazu zählen Lieferantenausfälle, geopolitische Spannungen, Handelszölle, Cybersicherheit und Preisvolatilität. Unternehmen müssen daher nicht mehr nur einzelne Gefahren, sondern deren Wechselwirkungen steuern.

Warum bleiben Lieferengpässe ein Kernproblem?

83 Prozent der Unternehmen berichten von anhaltenden Versorgungsengpässen. Ursachen sind Kapazitätsprobleme bei Lieferanten, Logistikstörungen, Insolvenzen und geopolitische Konflikte. Gleichzeitig fehlt häufig Transparenz über die Lieferkette jenseits der direkten Lieferanten. „Die Vielzahl an Störungen in globalen Liefernetzwerken erhöht die Summe der Risiken enorm. Doch lückenlose Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg ist für Unternehmen eine Herausforderung. Unternehmen müssen diese Aufgabe lösen, denn wer potenzielle Risiken frühzeitig erkennt, kann Schwachstellen identifizieren, bevor sie die Produktivität beeinträchtigen und damit die eigene Lieferfähigkeit gefährden“, erklärt Lepperhoff.

Kostenmanagement unter Druck: Preisstabilität sinkt

Auch das Kostenmanagement wird schwieriger. Zuverlässigkeit und Liefertreue der Lieferanten stiegen
im Jahresvergleich jeweils um fünf Prozentpunkte. Die Preisstabilität sank dagegen um acht Punkte auf
34 Prozent. Qualität und Cybersicherheit zählen ebenfalls zu den wichtigsten Prioritäten.

Lieferketten werden auf Resilienz ausgerichtet

46 Prozent der Unternehmen konsolidieren ihre Lieferantenbasis. Rund ein Drittel verfolgt Nearshoring- oder Reshoring-Strategien. Als wesentlichen Treiber nennen die Befragten Handelszölle. Resilienz gewinnt gegenüber der reinen Kostenoptimierung an Gewicht. „Für Unternehmen sind das schwierige Abwägungen. Viele definieren gerade, wie viel ihnen die zusätzliche Resilienz wert ist, also wie viel sie bereit sind dafür zu zahlen“, beschreibt Lepperhoff.

Wie digital ist Risikomanagement?

89 Prozent der Unternehmen setzen digitale Tools ein, 67 Prozent davon in großem Umfang. Das entspricht einem Anstieg um 21 Prozentpunkte gegenüber der Vorgängerstudie. Task Forces nutzen digitale Werkzeuge vor allem bei bereits eingetretenen Risiken. Frühwarnsysteme und KI-gestütztes Lieferantenmonitoring sind weniger verbreitet. „Der entscheidende Schritt ist der Wechsel von reaktiven Antworten zu proaktivem Risikomanagement – mit Daten und KI, um eine Krise zu antizipieren, bevor sie eintritt. Das ermöglicht es Unternehmen, auch dann lieferfähig zu sein und Kundenerwartungen zu erfüllen, wenn andere es nicht mehr können“, erläutert Lepperhoff. Resilienz wird damit zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor. Digitale Lösungen sollen Risiken nicht nur überwachen, sondern frühzeitig Gegenmaßnahmen ermöglichen.

Quelle: Mit Material von Inverto

FAQ zum digitalen Risikomanagement

1. Warum wird digitales Risikomanagement wichtiger? 

Weil mehrere Risiken gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

2. Wie viele Unternehmen nutzen digitales Risikomanagement? 

89 Prozent setzen digitale Tools ein, 67 Prozent davon in großem Umfang.

3. Welche Rolle spielt KI im digitalen Risikomanagement?

KI unterstützt das Lieferantenmonitoring und kann helfen, Krisen frühzeitig zu erkennen.

4. Wie beeinflusst digitales Risikomanagement die Lieferfähigkeit? 

Früh erkannte Risiken ermöglichen rechtzeitige Gegenmaßnahmen und stabilere Lieferketten.

5. Warum sinkt die Preisstabilität im Risikomanagement? 

Laut der Studie belasten anhaltende Lieferengpässe, geopolitische Konflikte und volatile Kosten die Preisstabilität, während Qualität und Cybersicherheit an Bedeutung gewinnen.