Kanzlerin Angela Merkel zieht mit Schweden an einem Strang - oder besser Kabel: Eifrig rollt sie zusammen mit Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven aus einer hölzernen, auf den ersten Blick wenig digital wirkenden Kabeltrommel ein paar Meter Kabel ab. "Fleißig heute", kommentiert Andreas Lapp, Vorstandschef der Lapp-Gruppe, an dessen Stand die Kabeltrommel auf den Einsatz wartet. Der Clou: die Trommel meldet über die Cloud, wie viel Kabel übrig ist - dies soll für mehr Effizienz bei der Nachbestellung sorgen.

Zusammen die Zukunft angehen

Um Details geht es bei der traditionellen Messetour kaum, dazu bleibt keine Zeit. Los geht es beim Partnerland Schweden. Dessen Ministerpräsident macht klar, wie wichtig ihm Zusammenarbeit ist: "Was wir Schweden mögen, ist Kooperation." Oder: "Wir gehen die Zukunft auf die einzige Art an, wie sie angegangen werden sollte - zusammen." Da kann Merkel nicht widerstehen - sie unterschreibt mit Löfven ein Abkommen, das die 2017 begründete Innovationspartnerschaft mit Schweden "auf eine neue Stufe" hebe. Es geht um Künstliche Intelligenz und Batteriezellen für E-Autos.

Eigentlich aber geht es auf der Messe um Digitalisierung - und Roboter. Sie sind allgegenwärtig - in allen Größen, immer schneller, immer lernfähiger und immer besser dazu in der Lage, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Schutzzäune in Fabriken, hinter denen Roboter werkeln, sollen bald der Vergangenheit angehören. Merkel zeigt denn auch wenig Berührungsängste, lässt sich am Ericsson-Stand von einem Roboter eine Packung Pfefferminzbonbons geben. Der ziert sich erst etwas. Enttäuschung bei der Kanzlerin. Aber als Merkel beide Hände unter den Greifarm hält, lässt er los.

Wie soll 6G aussehen?

Zurückhaltender bleibt sie beim Automatisierungsexperten Omron: Dessen Tischtennisroboter "Forpheus" bleibt dem Nachwuchsspieler Leon Hintze nichts schuldig. "Macht das Spaß?", will Merkel wissen. Und: "Aggressivere Bälle spielt er nicht?" Nein, tut er nicht. Selbst ausprobieren mag sie es dennoch nicht, auch Löfven lehnt ab.

Dabei sind sie feinfühlig geworden, die Roboter: Am ABB-Stand befestigt ein Roboter mit höchster Präzision ein Uhren-Armband, ein zweiter legt die Uhr in eine Schachtel. Früher hätte ein solcher Automat die Uhr zerdrückt, meint ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.

Ein anderes großes Thema der Messe ist 5G, der neue, superschnelle Mobilfunkstandard. So gut wie überall schwärmt man davon, was mit dem neuen Standard alles möglich werden soll. Merkel will nun von Ericsson wissen, wie es denn mit der nächsten Stufe, mit 6G, aussieht. "Sie werden es sehen", lautet die verheißungsvolle Antwort.

Siemens digitaler Klon bleibt stumm

Wo immer Merkel auftaucht, sind nicht nur Fernsehkameras - auch die Arme von Hunderten von Messe-Besuchern und Ausstellern mit Smartphones recken sich in die Höhe. Zwar ist der Ausflug in die Welt der "Industrie 4.0" für die Kanzlerin Routine. Aber sie interessiert sich, stellt Fragen, schüttelt Hände und hört geduldig zu.

Auch wenn nicht alles auf Anhieb klappt: Bei SAP soll Augenkontakt zum Bildschirm genügen, um einen Roboter zu starten. Doch ohne etwas manuelle Nachhilfe geht es nicht.

Und Siemens schickt zum Besuch der Kanzlerin den digitalen Klon eines Mitarbeiters auf einen Bildschirm. Als der virtuelle Mitarbeiter aber etwas sagen soll, bleibt er stumm. "Der Kollege war so begeistert von seinem digitalen Zwilling, dass es ihm die Sprache verschlagen hat", scherzt Vorstandschef Joe Kaeser.

Auch mit dem Netz ist es bei aller 5G-Begeisterung so eine Sache: Bei Witte Automotive führt ein Mitarbeiter vor, wie er per App ein Auto öffnet oder verschließt. Doch das dauert: "Das Netz ist schlecht", sagt er kritisch.

Menschen spielen trotz Automatisierung eine wichtige Rolle

Merkel ist sicher: trotz aller Roboter und Automatisierung spielen Menschen auch künftig eine wichtige Rolle. Nur benötigten sie eine andere Ausbildung. Im schwedischen Pavillon machen es zwei 17-Jährige vor. Sie stehen neben einem Roboter - besser gesagt einer Robotin. "It's a she", sagt eine der beiden. Die beiden haben "Yumi", so heißt das Gerät, selbst programmiert.

Neben dem Fleiß, den der Lapp-Chef der Kanzlerin attestierte, gibt es auch den Ordnungssinn: Nachdem Merkel das Kabel aus der Trommel gezogen hat, will sie es auch wieder aufrollen. Das System nimmt es dankend zur Kenntnis und zeigt brav die ursprüngliche Länge an.

Automatisierungsquote: Wo arbeiten die meisten Roboter?

Global betrachtet arbeiten im Schnitt 74 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie. Das gab die International Federation of Robotics (IFR) in der jüngsten Statistik bekannt. Klicken Sie sich durch und sehen Sie, wie die Roboterdichte laut IFR weltweit verteilt ist.