Eine menschliche Hand und eine Roboterhand berühren sich.

Das Hightech-Forum hat seine zentralen Empfehlungen für die künftige Innovationsstrategie in Deutschland veröffentlicht. - Bild: ipopba - stock.adobe.com

Wie kann Deutschland innovativer werden? Und wie können Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten? Mit diesen Fragen hat sich das Hightech-Forum, das zentrale Beratungsgremium der Bundesregierung beschäftigt. Heute hat das Gremium, bestehend aus 21 Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, seine Ergebnisse und Empfehlungen für die künftige Innovationsstrategie Deutschlands vorgestellt.

„Das Hightech-Forum hat deutlich wie nie zu mehr Mut und Umsetzungsgeschwindigkeit für nachhaltige Innovationen aufgerufen“, erklärte Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und Co-Vorsitzender des Hightech-Forums. „Technologische Kernkompetenzen sind entscheidend, um globale Märkte strategisch gestalten zu können. Technologische und politische Souveränität gehen Hand in Hand.“

Das Gremium dringt in seinem Bericht auf die Förderung und Forderung von mehr Mut und Umsetzungsstärke im Dienst der Nachhaltigkeitsziele. Wichtig sei eine Stärkung des missionsorientierten Ansatzes. Ein breiter Innovationspakt solle helfen, mehr Ergebnisse der Spitzenforschung im großen Maßstab in die Anwendung zu bringen. Start-ups aus der Wissenschaft müssten ermutigt und erleichtert werden. Gezielte Deregulierung und mehr Experimentierräume seien ebenso notwendig wie effektive Beteiligungsformate.

Mithilfe von technologischen und sozialen Innovationen kann und muss Deutschland seine ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele erreichen, seine Widerstandsfähigkeit stärken und seine Zukunftskompetenzen ausbauen. Die 2018 begonnene missionsorientierte Innovationspolitik sieht das Hightech-Forum hierfür als wichtig an, erklärte Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, in einem Pressegespräch.

Katharina Hölzle, Lehrstuhlinhaberin für Entrepreneurship an der Universität Potsdam ergänzte: „Die Forschung in Deutschland ist in vielen Bereichen Weltklasse. Viel zu häufig finden aber die Forschungsergebnisse nicht ihren Weg in Wirtschaft und Gesellschaft. Damit aus hochklassigen Ideen echte Innovationen werden, braucht es Anreize und ermutigende Rahmenbedingungen für Ausgründungen sowie mehr Anerkennung für anwendungsnahe Forschung.“.

PRODUKTION fasst zusammen, was die Experten auf der Ergebniskonferenz zu den Themen technologische Souveränität und Innovationsfähigkeit diskutiert haben:

Warum technologische Souveränität so wichtig ist und wie sie gelingen kann

Neugebauer ist sich sicher: „Ohne technologische Souveränität gibt es keine Resilienz und ohne technologische Souveränität gibt es auch keine wirkliche politische Souveränität.“ Er sieht die technologische Souveränität auch als eine der größten Herausforderungen, um weiter Innovationen vorantreiben zu können.

Dabei gehe es nicht nur darum, sich politisch mit anderen technologisch orientierten Nationen wettbewerbsfähig aufzustellen, sondern auch mit bestimmten Situationen – wie einer Krise – technisch souverän umzugehen. Deshalb sei es wichtig, dass Deutschland bei den führenden aktuellen Technologien ganz vorne mitspiele, um auch die politische Souveränität wahren zu können.

Der Ergebnisbericht des Hightech-Forums 2021, gespeichert auf synthetischer DNA.
Der Ergebnisbericht des Hightech-Forums 2021, gespeichert auf synthetischer DNA. Bild: BILDSCHÖN/Boris Trenkel

Neugebauer erklärte in einem Pressegespräch außerdem: „Technologische Souveränität beginnt auch mit Urteilsfähigkeit.“ Soll heißen: Deutschland kaufe Dinge ein, die sicherheitsrelevant für die Bundesrepublik seien, aber könne nicht mehr selbst beurteilen, ob das Eingekaufte wirklich die aktuellste Version ist.

Deutschland lebe vom Know-How durch innovationsgetriebene Produkte, die einen Qualitätsstandard haben, so Neugebauer weiter. Dieser Lebensstandard könne nur gehalten werden, wenn auf Innovationen im Hightech-Bereich gesetzt werde – zum Beispiel KI, Wasserstoff und Quantentechnologie.

Wie können diese Entwicklungen nun unterstützt und beschleunigt werden? Damit technologische Souveränität gelingt, müsse Deutschland in den Systemen, die es gibt, agiler und schneller werden – auch im Transfer, sagte Neugebauer. Das Hightech-Forum habe viel diskutiert, wie das in anderen Ländern wie den USA, Japan und Israel passiere. Das Ergebnis: Viele Anwendungen wie beispielsweise Navigationssysteme und Touchscreen konnten so entwickelt werden, weil die USA bei den Innovationen als Erstanwender aufgetreten seien. Erst wenn das erste große Risiko vorbeigewesen sei, seien auch Unternehmen nachgezogen.

Deshalb schlägt das Hightech-Forum vor, dass Deutschland als Leitanwender auftritt. In der Bundesrepublik werden jährlich 350 Milliarden Euro für öffentliche Beschaffungen ausgegeben, so Neugebauer. Wenn davon nur ein Prozent – also 3,5 Milliarden Euro – bei der öffentlichen Beschaffung für den Einkauf von Zukunftstechnologien ausgegeben werde, „würde das der Wirtschaft einen maßgeblichen Schub geben“.

Weitere Punkte, die bei technologischer Souveränität helfen werden

  • Mehr Forschungsfabriken
  • Eine europäische Cloud. Gaix sei der Weg dahin, so Neugebauer.
  • Als Exportnation müsse Deutschland in Zukunft auch weiter Standards setzen, um seine Interessen zu sichern. Das gehe nur gemeinsam mit der EU.

Beispiel für Zukunftstechnologie: Quantentechnologie

Bild: DP - stock.adobe.com

Quantentechnologie erlebt gerade einen Hype, erklärte Peter Leibinger, CTO bei Trumpf, auf der Ergebniskonferenz des Hightech Forums. Alle forschungsintensiven Nationen, aber auch die Venture Capital Szene arbeite an der Thematik.

Um ein erfolgreiche Standort zu werden, müsse es eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Industrie geben, sagte Oliver Ambacher, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik. Ein interdisziplinäres Netzwerk, das genau das vorhat, ist die Quantum Alliance.

Aber was ist Quantentechnologie eigentlich? Auf welchen Phänomenen der Quantenphysik basiert die Technik? Warum sind Quantentechnologien so relevant? Wie kann Deutschland Technologieführer werden? Antworten auf all diese Fragen lesen Sie im Artikel „Quantentechnologie: Warum Deutschland jetzt handeln muss“.

Sie wollen lieber lesen, wie ein Quantencomputer genau funktioniert und wofür sie eingesetzt werden, dann lesen Sie unseren Zweiteiler zum Thema: „Quantencomputer Teil 1: Wie die Technik funktioniert“ und „Quantencomputer Teil 2: Wo sie gebraucht werden“.

Welche jungen Unternehmen an der Quantentechnolgie der Zukunft arbeiten, lesen Sie hier.

Ob und wie Deutschland auch in zehn Jahren noch innovativ sein wird

Deutschland sei „überraschend gut“ durch die Krise gekommen, sagte Frank Riemensperger, CEO von Accenture Deutschland und Mitglied des Hightech-Forums. Das gelte für 85 Prozent der deutschen Wirtschaft, vor allem das produzierende Gewerbe. Der Grund dafür ist laut Riemensperger, dass sich die Industrie in der Krise noch digitale aufgestellt habe. Dadurch habe man die Krise auch als Chance begriffen.

Damit Deutschland auch künftig bei Innovationen ganz weit vorne ist, müsse diese Geschwindigkeit nun beibehalten werden. Denn: „In Deutschland mangelt es nicht an Innovationen.“ Wichtig sei es nun, auch beim Innovationstransfer Gas zu geben, so der Experte.

Das sah auch Henning Vöpel so. Er ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut und Professor für Volkswirtschaftslehre. Deutschland könne viel mehr tun und müsse vor allem mehr in transformative Resilienz investieren, sagte er. Und weiter: „Was wir in den nächsten zwei bis drei Jahren machen, davon ist abhängig, wie wir in zehn Jahren dastehen.“

Martin Brudermüller, CEO von BASF und auch Teil des Hightech-Forums, erklärte, China werde viel kritisiert, Deutschland könne aber in Sachen Agilität einiges von der Volksrepublik lernen. Um Innovationen auf beiden Seiten zu fördern, sei eine Partnerschaft auf Augenhöhe wichtig. Klimaschutz ist laut Brudermüller ein gutes Thema, um als gleichwertige Partner zusammenzuarbeiten. Danach könne man auch andere Themen, die schwieriger sind, zusammen gestaltet werden.

Online-Sitzung des Hightech-Forums
Das Hightech-Forum während seiner sechsten, virtuellen Sitzung . Bild: Hightech-Forum/Lars Hübner

Deutschland müsse sich bei der Wettbewerbsfähigkeit steigern, um nicht der Juniorpartner in einer Partnerschaft zu werden, erklärte Tanja Rückert, CEO von Bosch Building Technologies. Das gehe nur über digitale Souveränität – was nicht Abschottung, sondern Pluralität heißt, so Rückert. Sie setzt deshalb auf eine gemeinsame europäische Lösung wie Gaia-X.

Wichtig sind für Rückert und Sabina Jeschke, Vorstand Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn, auch eine gute Förderkulisse, die nicht nur in die selben Strukturen wie Universitäten und Forschungseinrichtungen investiert, sondern auch in Innovationsökosystemme.

Eine große Rolle spielen bei den Innovationen auch Familienunternehmen, sagte Robert Lacher, Gründungspartner des Visionaries Club. Diese würden langfristig denken und schneller Entscheidungen treffen. Bei Großkonzernen habe er in den vergangenen Jahren die Entschlossenheit und den Mut dazu vermisst.  

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