Reformen gefordert

Investitionsgipfel: IW warnt vor hohen Erwartungen

Der Investitionsgipfel in Berlin soll privates Kapital nach Deutschland locken. Doch das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor überzogenen Erwartungen und verweist auf hohe Standortkosten sowie fehlende Reformen.

«Wir eröffnen die Hannover Messe 2026 als Tage der Zukunft, als Tage der Zukunftszuversicht»: Mit diesem Appell hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Industrieschau eröffnet.
Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor überzogenen Erwartungen an den Investitionsgipfel mit Bundeskanzler Friedrich Merz (im Bild bei der Eröffnung der Hannover Messe) am Montag und Dienstag in Berlin

Der Investitionsgipfel der Bundesregierung soll Deutschland für private Investoren attraktiver machen. Doch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dämpft die Erwartungen an das Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Nach Einschätzung von IW-Direktor Michael Hüther sind grundlegende Verbesserungen der Standortbedingungen wichtiger als eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung.

„Seit sechs Jahren kommt nahezu das gesamte Wirtschaftswachstum aus öffentlichen Impulsen. Man sollte nicht so naiv sein zu glauben, dass der Gipfel daran kurzfristig etwas ändert. Unternehmen entscheiden sich nicht wegen einer Werbeveranstaltung für Deutschland. Entscheidend ist, ob sie am Standort Geld verdienen“, sagte Hüther der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Warum das IW den Investitionsgipfel kritisch sieht

Aus Sicht des Wirtschaftsinstituts leidet Deutschland unter erheblichen strukturellen Standortnachteilen. Insbesondere die hohen Kosten für Arbeit und Energie sowie die bürokratischen Belastungen erschweren Investitionsentscheidungen.

Indikatoren zeigten, dass Deutschland bei diesen Faktoren seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verliere. Hüther fordert deshalb konkrete politische Maßnahmen statt kurzfristiger Erwartungen an den Gipfel.

„Effektiver wäre deshalb, wenn die Bundesregierung ihre Reformagenda zügig umsetzt.“

Der Investitionsgipfel beginnt am Montagabend in einem stillgelegten Kraftwerk in Berlin. Bundeskanzler Merz empfängt dort zahlreiche Unternehmensvertreter aus Deutschland und dem Ausland. Am Dienstag wird das Treffen fortgesetzt. Ziel der Bundesregierung ist es, die privaten Investitionen am Standort Deutschland zu steigern.

Private Investitionen deutlich unter Vorkrisenniveau

Besonders kritisch bewertet das IW die Entwicklung der Investitionen in Maschinen und Anlagen. Diese seien entscheidend für die künftige industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung.

„Investitionen in Maschinen und Anlagen entscheiden heute darüber, wie viel Wertschöpfung und wie viele Arbeitsplätze es morgen in Deutschland gibt“, sagte Hüther. „Denn wer investiert, erhöht die Produktivität und sichert damit Wachstum und Wohlstand.“

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Investitionsschwäche: Im zweiten Quartal 2026 lagen die privaten Investitionen preisbereinigt weiterhin 10 % unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Hüther sieht darin ein ernstes Problem für den Wirtschaftsstandort. „Sie lagen im zweiten Quartal 2026 preisbereinigt immer noch zehn Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Das liegt teils an geopolitischen Unsicherheiten und Handelskonflikten, vor allem aber an den hohen Kosten in Deutschland.“

Warum deutsche Unternehmen verstärkt im Ausland investieren

Während die privaten Investitionen im Inland schwächeln, haben deutsche Unternehmen ihre Auslandsinvestitionen seit 2010 mehr als verdoppelt.

Diese Entwicklung bewertet das IW differenziert. „Das ist nicht per se schlecht, wenn sie damit neue Märkte erschließen“, erklärte Hüther.

Allerdings gewinnen Kostengründe bei Investitionsentscheidungen zunehmend an Bedeutung. Darauf deutet eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hin. Demnach nennen Unternehmen immer häufiger die Kosten als Motiv für Investitionen im Ausland.

„Das spricht für ein Strukturproblem“, so Hüther.

Damit rücken neben dem Investitionsgipfel vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt. Nach Einschätzung des IW sind niedrigere Standortbelastungen und die Umsetzung der Reformagenda entscheidend, um Deutschland für private Investitionen wieder attraktiver zu machen.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Investitionsgipfel wissen müssen

Wann und wo findet der Investitionsgipfel statt? – Der Investitionsgipfel beginnt am Montagabend in einem stillgelegten Kraftwerk in Berlin und wird am Dienstag fortgesetzt. Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt Unternehmensvertreter aus dem In- und Ausland.

Warum kritisiert das IW den Investitionsgipfel? – Das Institut der deutschen Wirtschaft bezweifelt kurzfristige Effekte. Hohe Arbeits-, Energie- und Bürokratiekosten belasten weiterhin die Investitionsbedingungen in Deutschland.

Wie entwickeln sich die privaten Investitionen vor dem Investitionsgipfel? – Im zweiten Quartal 2026 lagen die privaten Investitionen preisbereinigt noch 10 % unter dem Vor-Corona-Niveau.

Welche Bedeutung hat der Investitionsgipfel für den Maschinenbau? – Investitionen in Maschinen und Anlagen sind laut IW entscheidend für Produktivität, industrielle Wertschöpfung und zukünftige Arbeitsplätze.

Welche Maßnahmen fordert das IW zum Investitionsgipfel? – IW-Direktor Michael Hüther fordert eine zügige Umsetzung der Reformagenda der Bundesregierung, um die strukturellen Standortnachteile Deutschlands zu verringern.