Wende in den Chefetagen: Deutsche Firmenchefs blicken wieder optimistisch auf Wachstum und KI
Deutsche Firmenchefs blicken erstmals seit Jahren wieder optimistischer in die Zukunft: Laut einer KPMG-Studie erwarten 86 % Wachstum. Treibstoff dafür sind vor allem Investitionen in Künstliche Intelligenz und gezielte Übernahmen.
Firmenchefs in Deutschland schauen erstmals seit Jahren optimistischer auf die Aussichten für ihr Unternehmen.
Symbolbild - KI-generiert
Key Takeaways
Starker Anstieg des Optimismus: 86 Prozent der deutschen Firmenchefs rechnen in den kommenden drei Jahren mit Wachstum für ihr Unternehmen – ein Plus von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Höhere Gewinnerwartungen: Fast 70 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten ein Gewinnwachstum von mindestens 2,5 Prozent; auch die Zuversicht für den Standort Deutschland stieg auf 78 Prozent.
Fokus auf Künstliche Intelligenz: Für 77 Prozent der Manager hat KI höchste Priorität bei Investitionen, und 94 Prozent erwarten binnen drei Jahren eine Rendite auf ihre KI-Ausgaben oder haben diese bereits realisiert.
Hohe M&A-Bereitschaft: 90 Prozent der Unternehmenslenker ziehen in den nächsten drei Jahren strategische Übernahmen in Betracht.
Gedämpfter Blick auf das globale Umfeld: Die größte Wachstumsbedrohung sehen deutsche Führungskräfte in externen Risiken wie Regulierung (30 %), geopolitischer Instabilität (29 %) und einer schwachen Weltwirtschaft (27 %).
Vorerst das Ende der Skepsis: Deutsche Firmenchefs blicken wieder nach vorn
Die Eckdaten der KPMG-Erhebung
Befragungszeitraum: 11. August bis 21. September
Umfang: 1.400 CEOs großer Unternehmen aus 12 Ländern (darunter 125 Befragte aus Deutschland)
Kriterium: Jahresumsatz der Unternehmen von mehr als 500 Millionen US-Dollar (über 445 Millionen Euro)
Konjunktureller Kontext: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 zuletzt auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt.
In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft setzt sich nach Jahren der Zurückhaltung wieder spürbare Zuversicht durch. Eine aktuelle Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG offenbart einen deutlichen Stimmungsumschwung: 86 Prozent der Top-Manager in Deutschland erwarten für ihr eigenes Unternehmen in den kommenden drei Jahren ein nachhaltiges Wachstum. Dies entspricht einem Zuwachs von 14 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. In den Jahren 2023 und 2024 lag der Anteil der Optimisten mit 80 beziehungsweise 77 Prozent noch spürbar niedriger.
Auch die konkreten Finanz- und Standortausblicke spiegeln die gestiegene Zuversicht wider. Fast 70 Prozent der heimischen Firmenchefs kalkulieren in den nächsten drei Jahren mit einem Gewinnwachstum von 2,5 Prozent oder mehr – im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei verhaltenen 42 Prozent. Parallel dazu bewerten die Manager sowohl die Aussichten der eigenen Branche (Anstieg von 71 auf 78 Prozent) als auch die Zukunft des Standorts Deutschland (Anstieg von 75 auf 78 Prozent) optimistischer als im Vorjahr.
Technologie und Transformation: KI und M&A als Wachstumsbeschleuniger
Der neu gewonnene Optimismus speist sich dabei nicht aus Hoffnungen auf externe Schübe oder globale Konjunkturpakete. Wie Mattias Schmelzer, Deutschlandchef von KPMG, erläutert, suchen die Führungskräfte ihr Heil in der aktiven Gestaltung des eigenen Geschäftsmodells. Die Unternehmen investieren gezielt in neue Technologien, stärken damit ihre Wettbewerbsfähigkeit und treiben die interne Transformation voran.
Zentraler Pfeiler dieser Zukunftsstrategie ist die Künstliche Intelligenz (KI). Für 77 Prozent der befragten Chefs stellt KI die oberste Investitionspriorität dar. Das Vertrauen in den ökonomischen Nutzen der Technologie ist hoch: 94 Prozent der Manager erwarten spätestens innerhalb von drei Jahren eine positive Rendite auf ihre KI-Investitionen oder konnten diese bereits verbuchen. Neben technologischen Innovationen setzen die Firmenlenker auf externes Wachstum: 90 Prozent der Befragten planen in den kommenden drei Jahren gezielte Übernahmen.
Strategische Hebel der Unternehmenslenker
Top-Priorität KI: 77 % stellen Künstliche Intelligenz an die Spitze ihrer Investitionsliste.
KI-Rendite: 94 % erzielen bereits einen ROI aus KI-Projekten oder erwarten diesen binnen 3 Jahren.
M&A-Aktivitäten: 90 % ziehen in den kommenden drei Jahren Zukäufe und Übernahmen in Erwägung.
Externe Bremsklötze: Geopolitik und Regulierung trüben den globalen Blick
Während die Erwartungen an das eigene Haus steigen, bleibt die Einschätzung der weltweiten Wirtschaftslage verhalten. Lediglich 62 Prozent der deutschen Manager rechnen mit einem globalen Wachstum, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr (64 Prozent) bedeutet. Damit zeigen sich deutsche Führungskräfte gegenüber dem weltweiten Umfeld etwas zurückhaltender als ihre internationalen Kollegen.
Die Zuversicht muss sich zudem in einem nach wie vor anspruchsvollen Rahmen behaupten. Das Ausbleiben globaler Rückenwinde zwingt die Firmen, sich gegen externe Gefahren abzusichern. Als vordringlichste Risiken für die Wachstumspläne identifizieren die Chefs vor allem strukturelle und geopolitische Hemmnisse.
Mit Material der dpa
Die größten Wachstumsrisiken für deutsche Unternehmen
Regulierung (30 %): Externe Vorschriften und bürokratische Auflagen stellen das größte Risiko dar.
Geopolitische Instabilität (29 %): Internationale Spannungen gefährden die Planungssicherheit.
Schwache Weltwirtschaft (27 %): Die verhaltene globale Nachfrage dämpft den Außenhandel.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie optimistisch blicken deutsche Firmenchefs aktuell auf die Wirtschaft? Laut der KPMG-Befragung erwarten 86 Prozent der deutschen Unternehmensleiter in den kommenden drei Jahren ein Wachstum für ihr eigenes Haus. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023 (80 Prozent) und 2024 (77 Prozent).
Was unterscheidet den Optimismus der Führungskräfte von früheren Jahren? Der Optimismus basiert nicht auf der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen oder Rückenwind aus dem Welthandel. Stattdessen stärken die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit aktiv aus eigener Kraft – durch Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, betriebliche Transformation sowie gezielte Übernahmen.
Welchen Stellenwert hat Künstliche Intelligenz für die Firmen? Künstliche Intelligenz ist für 77 Prozent der deutschen Manager die wichtigste Investitionspriorität. Fast alle Befragten (94 Prozent) geben an, bereits eine Rendite aus ihren KI-Investitionen zu ziehen oder diese spätestens innerhalb der nächsten drei Jahre zu erwarten.
Wie schätzen die Unternehmenslenker den Standort Deutschland ein? Die Erwartungen an den Standort Deutschland haben sich leicht verbessert: 78 Prozent der Chefs beurteilen die Aussichten positiv (Vorjahr: 75 Prozent). Auch für die eigene Branche stieg der Optimismus von 71 auf 78 Prozent. Zudem rechnet knapp 70 Prozent der Chefs mit einem Gewinnwachstum von mindestens 2,5 Prozent.
Welche Gefahren sehen die Firmenchefs für ihr weiteres Wachstum? Als größte Risiken für ihre Wachstumsziele nennen die Führungskräfte externe Einflüsse: An erster Stelle steht die Regulierung mit 30 Prozent, gefolgt von geopolitischer Instabilität mit 29 Prozent und der schwachen Weltwirtschaft mit 27 Prozent.