KI in Deutschland: Ifo-Analyse

KI in Deutschland: Warum das Ifo Alarm schlägt

KI in Deutschland trifft auf erhebliche strukturelle Defizite. Laut Ifo Institut bremsen eine schwache Hightech-Branche, eine wenig digitalisierte Verwaltung und fehlende Kompetenzen das wirtschaftliche Potenzial.

Künstliche Intelligenz bietet der deutschen Wirtschaft Wachstumspotenzial. Doch laut Ifo Institut bremsen Defizite bei Digitalisierung, Hightech-Branche und Fachkompetenzen den produktiven KI-Einsatz.

  • Das Ifo Institut sieht Deutschland unzureichend auf den KI-Boom vorbereitet. Grundlage ist eine Analyse im Auftrag der IHK für München und Oberbayern.

  • Der IKT-Sektor trägt lediglich 4,6 % zur deutschen Bruttowertschöpfung bei. Bei IKT-Dienstleistungen besteht ein erhebliches Importdefizit.

  • Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung kommt kaum voran. Andere EU-Länder sind bei digitalen Dienstleistungen deutlich weiter.

  • Fehlende digitale Kompetenzen erschweren den produktiven KI-Einsatz. Für Unternehmen ist mangelnde Fachkompetenz der häufigste Grund, geplante KI-Projekte nicht umzusetzen.

Deutschland ist nach Einschätzung des Ifo Instituts nur unzureichend auf den wirtschaftlichen Aufschwung durch Künstliche Intelligenz vorbereitet. Eine Analyse im Auftrag der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern zeigt erhebliche Defizite in der Digitalwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und im Bildungssystem. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in Kürze veröffentlicht werden, wie das Ifo Institut am 2. November 2026 mitteilt.

„Die Hightech-Branche ist noch zu klein, die Verwaltung ist zu wenig digitalisiert, das Bildungssystem passt sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an“, sagt Oliver Falck, Leiter des Ifo Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation.

Warum ist KI in Deutschland wirtschaftlich gefährdet?

Ein zentrales Problem ist die vergleichsweise geringe Bedeutung der heimischen Digitalwirtschaft. Der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) trägt lediglich 4,6 % zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei. Damit liegt die Bundesrepublik im unteren Mittelfeld der EU.

Hinzu kommt eine ausgeprägte Abhängigkeit von ausländischen IKT-Dienstleistungen. Im Jahr 2025 überstieg der Wert der deutschen Importe in diesem Bereich die Exporte um 11 Milliarden USD.

„Kein anderes EU-Land ist im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland“, sagt Ifo-Forscher Christian Pfaffl.

Die Zahlen verdeutlichen die strukturellen Schwächen, die das Ifo Institut bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen für den KI-Boom identifiziert.

Digitalisierung der Verwaltung bleibt zurück

Neben der Digitalwirtschaft sehen die Forschenden erheblichen Nachholbedarf in der öffentlichen Verwaltung. Trotz umfangreicher verfügbarer Verwaltungsdaten und der Möglichkeiten durch KI-Anwendungen sind bei der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen kaum Fortschritte erkennbar.

Dabei könnte der Einsatz Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen zu verbessern.

Wie groß der Rückstand ist, zeigt das Beispiel vorausgefüllter Formulare. Während Deutschland bei deren Bereitstellung noch experimentiert, ist diese Form der digitalen Verwaltungsdienstleistung in Ländern wie den Niederlanden, Dänemark, Polen und Österreich bereits weitgehend umgesetzt.

Welche Kompetenzen fehlen für KI in Deutschland?

Ein weiteres Hindernis für den erfolgreichen KI-Einsatz ist nach Einschätzung des Ifo Instituts das Bildungssystem. Bei digitalen Kompetenzen oberhalb des Grundniveaus liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt.

Besonders deutlich werden die Defizite bei Schülerinnen und Schülern: 40 % der Achtklässler erreichen nicht die Stufe 2 der Computer- und Informationskompetenz.

„KI-Anwendungen verbreiten sich rasant, aber zu vielen fehlt das Wissen, sie produktiv zu nutzen”, sagt Falck.

Die Auswirkungen zeigen sich auch in der Wirtschaft. Mangelnde Fachkompetenz ist laut der Analyse der häufigste Grund, weshalb Unternehmen geplante KI-Projekte nicht realisieren.

Damit stehen nicht nur die technologischen Voraussetzungen, sondern auch die Qualifikationen für den produktiven Einsatz von KI im Mittelpunkt der Untersuchung. Aus Sicht des Ifo Instituts fehlen Deutschland somit wesentliche Grundlagen, um die wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten der Künstlichen Intelligenz auszuschöpfen.

mit Material des Ifo Institut

Was Sie zum Thema KI in Deutschland wissen müssen

  • Warum ist KI in Deutschland laut Ifo Institut ein Problem? – Deutschland fehlen wichtige Voraussetzungen, um das Wachstumspotenzial Künstlicher Intelligenz auszuschöpfen. Besonders betroffen sind Digitalwirtschaft, Verwaltung und Bildung.

  • Welche Bedeutung hat der IKT-Sektor für KI in Deutschland? – Der IKT-Sektor trägt 4,6 % zur deutschen Bruttowertschöpfung bei. Gleichzeitig ist Deutschland bei IKT-Dienstleistungen stark vom Ausland abhängig.

  • Wie weit ist die öffentliche Verwaltung bei KI in Deutschland? – Laut Ifo Institut kommt die Verwaltungsdigitalisierung kaum voran. Selbst vorausgefüllte Formulare befinden sich noch in der Experimentierphase.

  • Warum fehlen Unternehmen Kompetenzen für KI in Deutschland? – Digitale Fähigkeiten sind nicht ausreichend verbreitet. Mangelnde Fachkompetenz ist der häufigste Grund, warum Unternehmen geplante KI-Projekte nicht umsetzen.