Wirtschaftsanalyse 2026: Insolvenzen und Neugründungen
Rekord bei Firmeninsolvenzen 2026: Über 19.000 Verfahren erwartet
53 Insolvenzen pro Tag: In Deutschland droht 2026 mit über 19.000 Pleiten ein neuer Höchststand. Zwar wachsen auch Neugründungen, doch meist dominieren Holding-Strukturen. Der Mittelstand gerät zunehmend unter Druck.
Firmeninsolvenzen 2026: Gestiegene Finanzierungskosten, hohe Betriebsausgaben und der laufende Strukturwandel setzen vor allem den deutschen Mittelstand unter enormen Druck.Symbolbild - KI-generiert
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Key Takeaways
Rekordstand bei Pleiten: In den ersten neun Monaten 2026 stiegen die Firmeninsolvenzen um 12 Prozent auf 14.341 Fälle; für das Gesamtjahr werden über 19.000 Verfahren erwartet (nach 17.100 im Jahr 2025).
Mittelstand im Fokus: Besonders stark betroffen sind Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten mit einem drastischen Anstieg von +63,2 Prozent (3.082 Verfahren).
Gründungswachstum mit Haken: Rund 121.000 Neugründungen (+4 %) stehen im Raum, allerdings entfallen knapp 40 Prozent auf reine Holding-, Beteiligungs- und Immobilienstrukturen.
Flächendeckender Trend: Insolvenzanstiege gibt es in 15 von 16 Bundesländern (Spitzenreiter Brandenburg mit +28,6 %); Thüringen bildet mit -2,5 % die einzige Ausnahme.
Spreizung der Branchen: IT-Dienstleistungen boomen bei Neugründungen (+50,6 %), während konsumnahe Bereiche wie Autogewerbe (+12,8 %), Gastgewerbe (+9,9 %) und Handwerk hohe Insolvenzzahlen verzeichnen.
Wirtschaft unter Dauerdruck: 53 Firmenpleiten pro Tag
Insolvenzentwicklung nach Unternehmensgröße (Jan. – Sept. 2026)
Über 250 Beschäftigte: 0,6 % Anteil am Gesamtaufkommen | -6,5 % (einzige Kategorie mit Rückgang)
Der wirtschaftliche Druck auf deutsche Unternehmen verschärft sich weiter. Nach aktuellen Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet meldeten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 insgesamt 14.341 Firmen Insolvenz an. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (12.803 Fälle). Im Vergleich zum Jahr 2022 hat sich das Insolvenzgeschehen damit nahezu verdoppelt.
Mit durchschnittlich 53 Insolvenzanträgen pro Tag setzt sich die Dynamik aus dem ersten Halbjahr unvermindert fort (2022 lag der Schnitt noch bei 27 Fällen pro Tag). Hält dieses Tempo im vierten Quartal an, wird das Gesamtjahr 2026 die Marke von 19.000 Verfahren überschreiten und einen neuen Höchststand markieren – nach 17.100 Fällen im Jahr 2025.
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„Die schwache Konjunktur erklärt das nur zum Teil“, erläutert Dirk Radetzki, Senior Vice President Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet. Neben gestiegenen Finanzierungskosten belasteten vor allem höhere Personal- und Energiekosten sowie eine unsichere Nachfrage die Betriebe. Hinzu komme der wachsende Wettbewerbsdruck durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle.
Der Mittelstand gerät ins Wanken
Die Analyse zeigt eine deutliche Verschiebung bei den Betroffenen: Der Anstieg der Insolvenzen konzentriert sich massiv auf den klassischen Mittelstand. Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten verzeichneten mit 3.082 Anträgen ein Plus von 63,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern stellen mit 6.550 Fällen zwar weiterhin das größte Segment dar, wuchsen jedoch langsamer (+19,2 Prozent). Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten verzeichneten hingegen als einzige Kategorie einen Rückgang um 6,5 Prozent.
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Diese Entwicklung birgt Gefahren für die gesamte Volkswirtschaft. Mittelständische Betriebe tragen erhebliche Betriebskosten, verfügen aber selten über die Finanzreserven großer Konzerne. Geraten sie in Schieflage, zieht das oft auch Zulieferer, Kreditgeber und regionale Arbeitsmärkte in Mitleidenschaft.
Gründungsboom mit Haken: Holdings statt Arbeitsplätze
Auf den ersten Blick zeigt der Gründungsmarkt ein dynamisches Bild: Von Januar bis September 2026 wurden in Deutschland rund 121.000 Unternehmen neu gegründet – ein Plus von 4 Prozent gegenüber 2025 und der höchste Neunmonatswert seit vier Jahren. Gegenüber 2023 beträgt der Zuwachs sogar knapp 55 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 sind etwa 160.000 Neugründungen zu erwarten (nach 105.800 im Jahr 2023, 157.000 im Jahr 2024 und knapp 150.000 im Jahr 2025).
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Der zweite Blick offenbart jedoch eine strukturelle Besonderheit: Ein Großteil des Wachstums entfällt nicht auf operative Firmen.
Struktur der Neugründungen 2026
Von den rund 121.000 Neugründungen entfallen etwa 40 Prozent auf zwei Kategorien:
Holding- und Investitionsgesellschaften: 25.138 Gründungen
Immobilienmakler und -verwaltungen: 23.842 Gründungen
Fazit: Diese Strukturen schaffen in der Regel kaum direkte Arbeitsplätze, Produktionskapazitäten oder operative Innovationen.
Regionale Dynamik: Thüringen schwimmt gegen den Strom
Der Insolvenzanstieg erfasst fast das gesamte Bundesgebiet: In 15 von 16 Bundesländern nahmen die Verfahren zu. Die prozentual stärksten Zuwächse verzeichneten Brandenburg (+28,6 Prozent), Schleswig-Holstein (+24,6 Prozent), Hessen (+19,3 Prozent) und Hamburg (+18,2 Prozent). In absoluten Zahlen führt Nordrhein-Westfalen die Statistik mit 3.309 Fällen an, gefolgt von Bayern (2.136) und Baden-Württemberg (1.661).
Einzig Thüringen bricht den Trend: Hier sanken die Insolvenzen um 2,5 Prozent, während das Land gleichzeitig das stärkste Gründungswachstum aller Bundesländer aufwies (+11,7 Prozent), vor Berlin (+8,4 Prozent) und Bayern (+7,0 Prozent). Rückläufig war die Gründungsdynamik hingegen in Brandenburg und Niedersachsen (jeweils unter -1 Prozent) sowie in Bremen (-2,69 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (-5,02 Prozent).
Die Polarisierung der Wirtschaft spiegelt sich auch in den Branchen wider. Das Gründungswachstum wird vor allem vom Technologiesektor getrieben: Die Informatikdienstleistungen legten um 50,6 Prozent auf 8.556 Gründungen zu. Auch Finanzen/Versicherungen (+38,2 Prozent) sowie Landverkehr/Logistik (+22,3 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse.
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Bei den Insolvenzen konzentriert sich der Anstieg auf 12 von 37 beobachteten Branchen, vor allem im konsumnahen Sektor. Das Autogewerbe (+12,8 Prozent), das Gastgewerbe (+9,9 Prozent) und der Einzelhandel (+8,9 Prozent) stehen unter erheblichem Druck. Die meisten Insolvenzen verzeichnet in absoluten Zahlen weiterhin das Handwerk mit 1.256 Fällen, gefolgt vom Großhandel (1.102) und der Unternehmens- sowie Steuerberatung (1.023).
Wie viele Firmeninsolvenzen werden für das Gesamtjahr 2026 erwartet? - Auf Basis der Daten der ersten neun Monate mit durchschnittlich 53 Insolvenzanträgen pro Tag prognostiziert Dun & Bradstreet für das Gesamtjahr 2026 mehr als 19.000 Pleiten. Das wäre ein neuer Höchststand im Vergleich zu den 17.100 Fällen im Jahr 2025.
Welche Unternehmensgrößen sind besonders stark vom Insolvenzanstieg betroffen? - Der stärkste Anstieg zeigt sich bei mittelständischen Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten. Hier kletterten die Insolvenzen um 63,2 Prozent auf 3.082 Fälle. Kleinstbetriebe bis neun Mitarbeiter stellen mit 6.550 Fällen (45,7 Prozent aller Verfahren) die größte Gruppe.
Warum spiegeln die hohen Gründungszahlen kein reines Wirtschaftswachstum wider? - Rund 40 Prozent aller Neugründungen entfallen auf Holding- und Investitionsgesellschaften (25.138) sowie Immobilienverwaltungen (23.842). Bei diesen handelt es sich überwiegend um Vermögens- und Beteiligungsstrukturen, die kaum operative Innovationen, Produktionskapazitäten oder Arbeitsplätze schaffen.
In welchen Bundesländern steigen die Insolvenzen am stärksten? - Die höchsten prozentualen Anstiege verzeichnen Brandenburg (+28,6 %) und Schleswig-Holstein (+24,6 %). Die einzigen Ausnahmen bilden Thüringen mit einem Insolvenzrückgang von 2,5 % sowie ein starkes Plus bei den Neugründungen (+11,7 %).
Welche Branchen verzeichnen die meisten Pleiten und Neugründungen? - Ein starkes Gründungswachstum gibt es in der IT-Branche (+50,6 %) sowie in Finanzen und Logistik. Unter Insolvenzdruck stehen vor allem konsumnahe Bereiche wie das Autogewerbe (+12,8 %), das Gastgewerbe (+9,9 %) und der Einzelhandel (+8,9 %). Die meisten Insolvenzen insgesamt verzeichnet das Handwerk (1.256 Fälle).