10.000 Stück für Schindler Aufzüge AG: Idee wird Industrie
700 Franken pro Stück, 10.000 Bestellungen im Jahr: Dieses Angebot wurde für CEDES zum Wendepunkt. Aus einer Herausforderung entstand ein internationales Industriegeschäft – und eine Lektion darüber, was Hightech zum Wachsen braucht.
Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
Die SMD-Bestückung in einem Reinraum der CEDES AG in LandquartAmt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
700 Schweizer Franken pro Stück. Mehr durfte das System nicht kosten. Dafür stellte Schindler den Kauf von 10.000 Lichtvorhängen pro Jahr in Aussicht. Für die junge CEDES war das eine enorme Chance. Nur wusste damals niemand, ob sich das System zu diesem Preis bauen liess. Firmengründer und Vollblutunternehmer Beat De Coi sagte trotzdem zu.
Christian-Erik Thöny, heute Verwaltungsratspräsident der CEDES Group, erinnert sich: «Er hatte keine Ahnung, ob er das schaffen würde, sagte aber Ja.» De Coi ging zurück zu seinen Ingenieuren – und sie fanden eine Lösung.
Aus der Zusage wurde ein Produkt, aus dem Produkt ein weltweiter Industriestandard. Später belieferte CEDES praktisch alle grossen Aufzugshersteller. Zeitweise erreichte das Unternehmen in diesem Segment einen Weltmarktanteil von rund 20 bis 25 Prozent.
Die Geschichte zeigt, was Hightech-Unternehmen brauchen: Eine Idee muss nicht nur funktionieren. Sie muss produziert, getestet, vermarktet und tausendfach zuverlässig eingesetzt werden können. Und mit dem Erfolg stellt sich eine weitere Frage: Kann der Standort mitwachsen?
Skalierung gross geschrieben: Aus Entwicklung wird Industrie
CEDES wurde 1986 gegründet und entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem führenden Anbieter optoelektronischer Sensoren, ein Photonics-Unternehmen in Reinkultur. Mit dem Unternehmen wuchs der Platzbedarf. Die Mitarbeitenden verteilten sich zeitweise auf mehrere Gebäude, bis in Landquart eine eigene Fabrik entstand.
Optoelektronisches Messgerät des Schweizer Zentrums für Elektronik und Mikrotechnik CSEMAmt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
Heute liegen dort Entwicklung, Test und Produktion eng beieinander. Zum Science Park gehört ein eigener Aufzugsturm, in dem neue Systeme unter realen Bedingungen erprobt werden. Aus dem klassischen Lichtvorhang wurden intelligente Sensorsysteme, die in einer Sensorfusion zusätzliche Daten erfassen und für Zustandsanalysen nutzbar machen.
Die Entwicklung verweist auf einen Standortfaktor, der leicht unterschätzt wird: Ein Unternehmen benötigt nicht nur Platz für heute, sondern Optionen für morgen. Graubünden verfügt über rund 300.000 Quadratmeter verfügbares und erschlossenes Industrieland – Raum für zusätzliche Forschung und Entwicklung, ein grösseres Labor oder eine weitere Produktionslinie. Graubünden bietet ideale Voraussetzungen, um Firmen anzusiedeln, Startups zu gründen und neue Firmen aufzubauen.
Produktionshalle der TRUMPF Schweiz AG in GrüschAmt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
Gute Ideen brauchen Nachbarn
Wachstum braucht allerdings mehr als Fläche. Graubünden besitzt keine technische Universität von der Grösse einer ETH Zürich oder TU München. Die Erfahrung von CEDES zeigt jedoch: Für industrielle Innovation zählt nicht allein die Grösse der Forschungslandschaft. Entscheidend ist auch, wie schnell Unternehmen auf Wissen zugreifen und es in Anwendungen überführen können.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Fachhochschule Graubünden (FHGR). CEDES arbeitete über Jahre mit ihr bei Semester- und Diplomarbeiten, Tests und konkreten Entwicklungsfragen zusammen. Mitarbeitende bildeten sich dort weiter und brachten neues Wissen ins Unternehmen zurück. Lehrabgänger absolvieren ein Fachhochschul-Studium und kehren nachher als hochqualifizierte Ingenieure wieder zurück. Thöny bezeichnet die FHGR ausdrücklich als starke Forschungs- und Innovationsinstitution: In der Grundlagenforschung sei sie nicht mit einer ETH vergleichbar, in der angewandten Forschung und Innovation aber sehr stark.
Ergänzt wurde diese Zusammenarbeit durch das CSEM, das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik, dessen Wurzeln in der Schweizer Uhren- und Präzisionsindustrie liegen. Benötigte CEDES für ein Projekt Kompetenzen, die intern fehlten, konnte das Unternehmen auf dessen Forschungsnetzwerk zurückgreifen. Fachleute entwickelten Teilaspekte, CEDES integrierte das entstandene Wissen anschliessend in die eigenen Produkte.
Produktion der Hamilton AG in BonaduzAmt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
Hightech mit Bergblick: Nicht Jena. Nicht München. Graubünden.
Jena, München oder Eindhoven verfügen über etablierte Hightech-Cluster, grosse Netzwerke und bekannte Talentpools. Graubünden bietet dagegen noch Gestaltungsspielraum. Eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung schafft die Rahmenbedingungen, um den Photonics-Standort im Bündner Rheintal gezielt weiterzuentwickeln. Neue Unternehmen treten damit nicht nur einem bestehenden Netzwerk bei – sie können dessen nächste Phase mitprägen. Hinzu kommt eine hohe Lebensqualität, die gerade für Fachkräfte attraktiv ist: Skipisten und Bikerouten beginnen vielerorts direkt vor der Haustüre.
Auch technologisch setzt die Region eigene Akzente. Thöny sagt: «Wir sind eher End-to-End aufgestellt, beziehen die Anwendung viel stärker mit ein und sind tendenziell weniger komponentenorientiert als Jena.»
Was er damit meint, zeigt sich im Tech-Alpenrheintal: Hier treffen Unternehmen wie HILTI, Inficon, Ivoclar, CEDES, TRUMPF, Hamilton und Integra Biosciences auf Forschungspartner wie die FHGR und das CSEM sowie auf unterschiedliche Anwendungen in Life Sciences, Medizintechnik und Automation. Photonics wird damit nicht isoliert betrachtet. Entscheidend ist, was sich daraus bauen lässt.
Panorama des Bündner RheintalsAmt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden
Vom Erfolgsmodell zum nächsten Kapitel
Was bei CEDES mit einer mutigen Zusage begann, und zu einem internationalen Industriegeschäft wurde, soll im Bündner Rheintal kein Einzelfall bleiben. Christian-Erik Thöny will seine Erfahrung aus dem Aufbau und der Internationalisierung von Technologieunternehmen sowie sein persönliches Netzwerk nutzen, um weitere Unternehmen für die Region zu gewinnen.
Dabei geht es sowohl um Start-ups, die den Schritt von der Entwicklung in die industrielle Produktion wagen, als auch um etablierte Technologieunternehmen, die einen zusätzlichen Standort suchen. Was CEDES über Jahrzehnte beim eigenen Wachstum nutzen konnte, steht auch Ihnen zur Verfügung: Industrieflächen, Forschungspartner, international tätige Unternehmen und ein wachsendes Photonics-Netzwerk.
CEDES hat vorgemacht, wie aus einer Idee in Graubünden ein international erfolgreiches Industrieunternehmen werden kann. Thönys Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass weitere diesen Weg gehen.
Wirtschaftsstandort Graubünden
Raum für Hightech-Wachstum: Rund 300.000 m² erschlossenes Industrieland, attraktive Standortkosten und ein starkes Photonics-Netzwerk bieten ideale Voraussetzungen, um aus Innovation industrielle Produktion zu machen.
Von der Idee zum Weltmarkt: Seit 1986 entwickelt CEDES in Graubünden optische Sensorlösungen. Was mit Lichtvorhängen für Aufzüge begann, ist heute ein international erfolgreiches Hightech-Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden weltweit.