VDMA warnt

Maschinenbau verlagert Forschung und Entwicklung ins Ausland

Forschung und Entwicklung wandert im deutschen Maschinen- und Anlagenbau zunehmend ins Ausland. Laut VDMA forschen bereits 43 % der befragten Unternehmen außerhalb Deutschlands.

Forschung und Entwicklung im Maschinenbau wandert ins Ausland. Der VDMA sieht darin ein Alarmsignal für den Standort Deutschland.
Forschung und Entwicklung im Maschinenbau wandert ins Ausland. Der VDMA sieht darin ein Alarmsignal für den Standort Deutschland.

  • Gut 400 VDMA-Mitgliedsfirmen wurden zur Entwicklung ihrer FuE-Aktivitäten befragt; 39 % erwarten 2026 steigende Aufwendungen in Deutschland.

  • Mehr als 40 % der Unternehmen forschen bereits im Ausland, bei Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten sind es neun von zehn.

  • 69 % bauen ihre FuE-Aktivitäten außerhalb Deutschlands aus; China, Indien und die USA sind wichtige internationale Standorte.

  • Der VDMA sieht Standortkosten, Förderbedingungen und den wachsenden Innovationsdruck insbesondere aus China als zentrale Faktoren.

Trotz schwacher Konjunktur entwickeln sich die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) im Maschinen- und Anlagenbau moderat positiv. Wie aus einer aktuellen Erhebung unter gut 400 VDMA-Mitgliedsfirmen hervorgeht, rechnen 39 % der Befragten für 2026 mit steigenden FuE-Aufwendungen in Deutschland.

Hartmut Rauen, Stellv. Hauptgeschäftsführer des VDMA.
Hartmut Rauen, Stellv. Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Gleichzeitig gewinnen Forschungsaktivitäten außerhalb Deutschlands an Dynamik. Mehr als 40 % der Unternehmen forschen bereits im Ausland. Unter den Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten setzen sogar neun von zehn Firmen auf Forschung außerhalb Deutschlands.

Insgesamt geben 69 % der Befragten an, ihre FuE-Aktivitäten jenseits der deutschen Grenzen auszubauen. Von den bereits international forschenden Unternehmen erwarten 40 %, dass der Auslandsanteil innerhalb der kommenden fünf Jahre um etwa 10 Prozentpunkte steigt. Weitere knapp 40 % rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs.

"Das ist ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland - auch weil wir mit 190.000 Ingenieuren wichtigster Wertschöpfungspartner für neue Produkte und Prozesse der Wirtschaft sind", sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen.

Standortkosten begrenzen Zukunftsinvestitionen

Der Maschinenbau investiert nach Angaben des VDMA auch unter schwierigen Bedingungen in seine Zukunftsfähigkeit am Stammsitz. Zusätzliche Mittel fließen vor allem in neue Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Sinken die FuE-Aufwendungen, nennen die Unternehmen insbesondere Umsatzrückgänge und hohe Standortkosten als Ursachen.

"Innovation findet nicht im luftleeren Raum statt. Eine angespannte Ergebnissituation und strukturelle Standortnachteile begrenzen den finanziellen Spielraum auch für Zukunftsinvestitionen", betont Rauen.

"Deutschland steht am Scheideweg: Wer den Industriestandort und Hightech hierzulande sichern will, muss jetzt die Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen schaffen."

Warum spielt die Forschungszulage eine wichtige Rolle?

Der VDMA verweist auf die Forschungszulage als das mit Abstand meistgenutzte staatliche Förderinstrument für Forschung und Entwicklung im Maschinenbau. 48 % der befragten Unternehmen haben die Zulage innerhalb der vergangenen drei Jahre genutzt.

Jedes vierte Unternehmen mit steigenden FuE-Aufwendungen nennt Fördermöglichkeiten als einen Grund für die Ausweitung. "Das zeigt: passfähige, technologieoffene und unbürokratische Förderung wirkt", sagt Rauen. "Ein kräftiger Ausbau solcher Instrumente hilft unseren Unternehmen im harten globalen Technologiewettbewerb."

Industrielle Gemeinschaftsforschung unter Druck

Die geplante Kürzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) im Bundeshaushalt 2027 bezeichnet Rauen vor diesem Hintergrund als fatales Signal.

"Es gibt kein besseres Instrument für die Brückenbildung zwischen Wissenschaft und Industrie, den vielbeschworenen Transfer", betont der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer. "Unter der Kürzung leiden gerade jene Unternehmen, die noch stark auf den FuE-Standort Deutschland setzen."

Nach Auffassung des VDMA sei eine Innovationspolitik gefragt, die wesentlich stärker auf "Research for Industry" und starke Produktionstechnologien als notwendige Voraussetzung für die Skalierung neuer Technologien setzt.

Wo baut der Maschinenbau Forschung im Ausland aus?

Forschung und Entwicklung außerhalb Deutschlands findet vor allem an internationalen Unternehmensstandorten statt. Im Mittelpunkt stehen China, Indien und die USA. China und Indien dürften laut Erhebung weiter an Bedeutung gewinnen, während Deutschland und andere europäische Standorte bestenfalls stagnieren.

"Wenn dieser Trend ungebremst anhält, gefährdet er schon bald den innovativen Kern unserer Industrie", warnt Rauen.

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf den internationalen Innovationswettbewerb. 71 % der Befragten sehen ihren innovationsstärksten Wettbewerb inzwischen in China, 65 % in Deutschland. Bis 2024 lag Deutschland noch vorne.

"Auch hier sehen wir, wie stark der Druck aus China mittlerweile ist", sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer. Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Innovationsprozess werden China und die USA ebenfalls deutlich besser bewertet als Deutschland.

Warum bleibt Grundlagenforschung näher am Stammsitz?

Anders sieht das Bild bei der Grundlagenforschung aus. Diese bleibt weitgehend eine heimische Domäne. An den wichtigsten ausländischen FuE-Standorten in China, Indien und den USA findet sie nur selten statt. Dort dominieren markt- und produktionsnahe Aufgaben.

"Gerade bei sensiblem Wissen, das über die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, halten Unternehmen ihre Grundlagenforschung bewusst näher am Heimatstandort", erläutert Rauen.

"Damit das so bleibt und unser Innovationsraum nicht erodiert, muss Deutschland an allen Stellschrauben seiner Wettbewerbsfähigkeit drehen und auch ungewollten Wissensabfluss aus der Wissenschaft vermeiden."

Mit Material des VDMA

Was Sie zum Thema Forschung und Entwicklung wissen müssen

• Wie entwickelt sich Forschung und Entwicklung im deutschen Maschinenbau? – 39 % der befragten Unternehmen rechnen für 2026 mit steigenden FuE-Aufwendungen in Deutschland.

• Wie stark verlagert sich Forschung und Entwicklung ins Ausland? – Mehr als 40 % der Unternehmen forschen bereits außerhalb Deutschlands. Insgesamt bauen 69 % ihre internationalen FuE-Aktivitäten aus.

• Welche Länder gewinnen bei Forschung und Entwicklung an Bedeutung? – Besonders China, Indien und die USA dienen als internationale FuE-Standorte. China und Indien dürften weiter an Bedeutung gewinnen.

• Welche Rolle spielt die Förderung für Forschung und Entwicklung? – 48 % der befragten Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren die Forschungszulage genutzt.

• Wo sieht der Maschinenbau den stärksten Wettbewerb bei Forschung und Entwicklung? – 71 % der Befragten verorten ihren innovationsstärksten Wettbewerb in China, 65 % in Deutschland.