Spectrum-Rakete setzt Last ab              

Historischer Erfolg: Isar Aerospace bringt Satelliten in den Orbit

Isar Aerospace erreicht mit der Spectrum-Rakete beim zweiten Testflug den Orbit und setzt Satelliten aus. Für das deutsche Raumfahrtunternehmen ist der Erfolg zugleich der Startschuss für den Ausbau seiner Start- und Produktionskapazitäten.

Isar Aerospace ist der Sprung in den Orbit gelungen. Beim zweiten Spectrum-Flug setzt das Unternehmen Satelliten aus und plant die Serienproduktion.
Isar Aerospace ist der Sprung in den Orbit gelungen. Beim zweiten Spectrum-Flug setzt das Unternehmen Satelliten aus und plant die Serienproduktion.

  • Isar Aerospace aus Ottobrunn hat mit seiner Spectrum-Rakete beim zweiten Flug Satelliten erfolgreich in den Orbit gebracht.

  • Der Start erfolgte am 5. September um 22.12 Uhr vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen.

  • Spectrum passierte die Kármán-Linie, absolvierte Stufentrennung und Zündung der zweiten Stufe und setzte anschließend die Nutzlasten aus.

  • Isar Aerospace will weitere Starts durchführen und die Produktion auf eine Kapazität von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr ausbauen.

Historischer Erfolg für Isar Aerospace

Das deutsche Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat beim zweiten Flug seiner Spectrum-Trägerrakete erfolgreich Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht. Die Mission „Onward and Upward“ startete am 5. September um 22.12 Uhr vom firmeneigenen Startkomplex am Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen.

Nach Angaben des Unternehmens ist Isar Aerospace damit das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen aus Europa, das Satelliten erfolgreich in den Orbit gebracht hat. Beim ersten Testflug im März 2025 war die Rakete bereits nach rund 30 Sekunden abgestürzt.

„Heute hat Isar Aerospace den Zugang zum Weltraum von Kontinentaleuropa aus eröffnet. Der Start stellt nach wie vor den größten Engpass für die globale Raumfahrtindustrie dar, doch ab heute gibt es eine echte Alternative für kommerzielle und institutionelle Kunden“, sagte Daniel Metzler, CEO und Mitgründer von Isar Aerospace. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit den Kunden daran, den Status der Satelliten zu bestätigen.

Wie erreichte Spectrum den Orbit?

Während des Flugs durchlief Spectrum mehrere entscheidende Missionsphasen. Wie Isar Aerospace mitteilt, passierte die Rakete erfolgreich MaxQ, schloss den Main Engine Cut-Off (MECO) sowie die Stufentrennung ab und zündete anschließend planmäßig die zweite Stufe.

Die Rakete überquerte in 100 Kilometern Höhe die Kármán-Linie und warf die Nutzlastverkleidung ab. Nach dem Manöver zur Zirkularisierung der Umlaufbahn erfolgte die Trennung der Raumfahrzeuge erfolgreich.

Nach Angaben der dpa erreichte die 28 Tonnen schwere Rakete knapp vier Minuten nach dem Start eine Höhe von rund 100 Kilometern. Die wissenschaftlichen Satelliten mehrerer Universitäten wurden demnach später in erdnahen Umlaufbahnen gut 500 Kilometer über der Erde ausgesetzt.

Die Nutzlasten der Mission waren über den Microlauncher-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ausgewählt worden. Das Programm ermöglicht Bildungseinrichtungen und Start-ups einen kostengünstigen Zugang zum Weltraum und wird über ESA Boost! finanziert.

Isar Aerospace sieht neuen Zugang zum Weltraum

Für Isar Aerospace hat die erfolgreiche Mission weit über den technischen Nachweis der orbitalen Startfähigkeit hinaus Bedeutung. Das Unternehmen bezeichnet den Flug in seiner Mitteilung als historischen Wendepunkt für Europa.

Daniel Metzler erklärt: „Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat. Europa hat jetzt souveränen Zugang zum Weltraum. Wir haben ein neues Kapitel für die europäische Raumfahrt aufgeschlagen. Ich bin unglaublich stolz auf unser Team, das diese europäische Erfolgsgeschichte möglich gemacht hat. Wir werden uns nun darauf konzentrieren, die Produktion der Trägerraketen schnell zu skalieren, unsere Auftragspipeline abzuarbeiten und die stark steigende globale Nachfrage zu bedienen.“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre gratulierten zum erfolgreichen Flug. „Das ist der Beginn einer neuen Ära“, erklärte Merz. Metzler betonte nach dem Start: „Europa kann schnell sein und liefern.“

Warum Isar Aerospace die Produktion hochfährt

Der erfolgreiche zweite Flug trifft bei Isar Aerospace auf bereits laufende Vorbereitungen für eine höhere Produktionsrate. Die Spectrum-Trägerraketen drei bis sieben befinden sich laut Unternehmen bereits in Produktion.

Dafür setzt Isar Aerospace auf ein vertikal integriertes Fertigungsmodell und einen hohen Automatisierungsgrad. Das Unternehmen spricht von der „machine behind the machine“: Neben der Entwicklung der Trägerrakete soll auch die industrielle Infrastruktur für skalierbare Startkapazitäten aufgebaut werden.

Eine neue Produktionsstätte mit 40.000 m² Fläche soll Isar Aerospace nach vollständiger Inbetriebnahme eine Kapazität von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr ermöglichen. Auch weitere Starts in Norwegen sind für dieses und das kommende Jahr vorgesehen.

Welche Rolle spielt Isar Aerospace für Europa?

Die strategische Bedeutung des Projekts liegt auch im europäischen Zugang zum Weltraum. „Strategischer Zugang zum Weltraum und nicht abhängig zu sein von einem Monopol, ist offen gesprochen extrem wichtig für unsere Sicherheit, für unsere Wirtschaft, für unsere strategische Autonomie“, sagte Metzler am Sonntagmorgen.

Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa lediglich acht. Das Unternehmen hat bislang mehr als eine halbe Milliarde EUR von Investoren eingeworben. Hinzu kommt ein Vertrag über 200 Mio. EUR mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen eines Programms zur Beschleunigung der Entwicklung europäischer Trägerraketen.

Rund 60 % der Anfragen an Isar Aerospace stammen laut Metzler aus dem militärischen Bereich. Das Unternehmen verfügt den Angaben zufolge bereits über Aufträge im Umfang von mehreren hundert Millionen USD bis 2028.

Isar Aerospace baut internationales Startnetz aus

Parallel zur Produktion erweitert Isar Aerospace seine Infrastruktur für künftige Missionen. Neben dem bestehenden Startplatz in Andøya entsteht ein weiterer Startkomplex in Nova Scotia in Kanada. Dieser soll mittlere bis hohe Bahnneigungen abdecken, die unter anderem für Erdbeobachtung und Kommunikation relevant sind.

Ab Anfang 2028 sollen Spectrum-Raketen nach Angaben der dpa auch von der geplanten kanadischen Startbasis abheben. Zudem sind laut Isar-Aerospace-Missionschef Alexandre Dalloneau Starts vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana im Gespräch.

Spectrum soll nach Erreichen der Serienreife zivile und militärische Satelliten in niedrige Erdumlaufbahnen transportieren. Für schwerere Nutzlasten und geostationäre Umlaufbahnen bleibt die Ariane 6 vorgesehen. Die französisch-deutsche ArianeGroup plant für dieses Jahr insgesamt sieben bis acht Starts dieses Raketentyps.

Mit Material von Isar Aerospace und der dpa

Was Sie zum Thema Isar Aerospace wissen müssen

• Was hat Isar Aerospace beim zweiten Spectrum-Flug erreicht? – Die Spectrum-Rakete erreichte den Orbit und setzte Satelliten in der Erdumlaufbahn aus.

• Wo startete Isar Aerospace seine Spectrum-Rakete? – Der Start erfolgte vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen.

• Wie will Isar Aerospace die Produktion ausbauen? – In einer neuen 40.000 m² großen Produktionsstätte soll langfristig eine Kapazität von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr entstehen.

• Welche weiteren Startplätze plant Isar Aerospace? – Neben Andøya baut das Unternehmen einen Startkomplex in Nova Scotia in Kanada auf. Auch Kourou in Französisch-Guayana ist im Gespräch.

• Warum ist Isar Aerospace für Europas Raumfahrt strategisch relevant? – Das Unternehmen will einen europäischen Zugang zum Weltraum für kommerzielle und institutionelle Kunden bereitstellen und damit die Abhängigkeit von anderen Startanbietern reduzieren.