Artemis 2 auf dem Weg zum Mond

Artemis 2: Orion hebt mit vier Astronauten ab

Artemis 2 ist gestartet: Vier Astronauten sind von Cape Canaveral aus auf dem Weg zum Mond. Die Mission markiert die bemannte Rückkehr der Nasa in den Mondraum nach mehr als 50 Jahren.

Die Nasa schickt erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen in den Mondraum.
Die Nasa schickt erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen in den Mondraum.

Summary: Die Nasa hat "Artemis 2" um 18:35 Uhr Ortszeit in Cape Canaveral gestartet und vier Astronauten mit der "Orion"-Kapsel auf eine rund zehntägige Mondmission geschickt. Die Crew soll mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen, Systeme und Gesundheit überwachen und auf Erfahrungen aus "Artemis 1" von 2022 aufbauen. Zugleich steht die Mission für neue Programmpläne, internationale Beteiligung und den verschärften Wettlauf der Raumfahrtnationen.

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. Wie aus der dpa-AFX-Meldung hervorgeht, hob die Crew um 18:35 Uhr Ortszeit, entsprechend 00:35 Uhr MESZ, an Bord der "Orion"-Kapsel mit dem Raketensystem "Space Launch System" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Der Start der krisengeplagten Mission "Artemis 2" war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden.

Für die Nasa hat der Flug eine besondere Tragweite. Nasa-Chef Jared Isaacman sagte: "Der heutige Start ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und für alle, die an Erforschung glauben". Zudem erklärte er: ""Artemis 2" ist der Start von etwas, das größer ist als nur eine Mission. Es ist der Beginn unserer Rückkehr zum Mond, nicht nur zum Besuchen, sondern irgendwann auch zum Bleiben in unserer Mond-Station." Zugleich betonte er, man lege die Basis für die nächsten "gigantischen Schritte".

Kurz nach dem Start kam es laut Isaacman vorübergehend zu einem Kommunikationsabbruch zwischen den Astronauten an Bord der "Orion"-Kapsel und dem Kontrollzentrum auf der Erde. Das Problem sei aber schnell wieder gelöst worden und werde nun aufgearbeitet.

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Historischer Flug mit politischer Strahlkraft

Schon vor dem Abheben wurde der Start als Zäsur für die Raumfahrt eingeordnet. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst sprach im Vorfeld gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einem "historischer Tag". Sein Astronautenkollege Matthias Maurer nannte die Mission den Beginn eines "ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt".

Auch politisch wurde der Start unmittelbar aufgegriffen. US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social geschrieben: "Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen - wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus." Nach dem erfolgreichen Abheben gratulierte er der Nasa und den "mutigen" Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation. Sein Kommentar: "Das war ganz schön beeindruckend."

Die Mission entfaltet damit nicht nur wissenschaftliche und technologische Wirkung, sondern auch erhebliche symbolische Kraft. Das zeigt sich auch daran, dass Kanadas Premierminister Mark Carney US-Präsident Trump laut Mitteilung telefonisch zum erfolgreichen Start gratulierte.

Wie die Mission um den Mond verlaufen soll

"Artemis 2" baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission "Artemis 1" von 2022 auf. An Bord der "Orion"-Kapsel soll die Crew etwa zehn Tage lang um den Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufkommen soll. Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond.

Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer um Mond und Erde zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370.000 Kilometer von der Erde entfernt und etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie Erde und Mond gleichzeitig sehen. Zugleich könnten sie sich weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor.

Die "Orion"-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten jedoch immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie sämtliche Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Wer an Bord der Orion-Kapsel ist

Zur Crew von "Artemis 2" gehören die US-Astronautin Christina Koch, ihre US-Kollegen Victor Glover und Reid Wiseman sowie der kanadische Raumfahrer Jeremy Hansen. Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste.

Die Zusammensetzung der Besatzung markiert zugleich mehrere Premieren. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mond-Mission der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier. Die Mission steht damit auch für eine neue personelle Dimension der amerikanischen Mondrückkehr.

Warum Artemis 2 mehr ist als ein Testflug

Die historische Fallhöhe der Mission ergibt sich aus der langen Pause in der bemannten Mondfahrt. Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der "Apollo 17"-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

Das milliardenschwere "Artemis"-Programm wurde von der Nasa 2017 verkündet. Es ist nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie benannt. Ursprünglich sah das Programm eine bemannte Mondlandung mit "Artemis 3" bis 2024 vor. Seitdem kam es jedoch mehrfach zu Verschiebungen.

Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die "Artemis"-Pläne inzwischen noch einmal grundlegend verändert. Die Mission "Artemis 3", mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen. Stattdessen solle die "Orion"-Kapsel sich bei dieser Mission im Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche geben, "Artemis 4" und "Artemis 5". Außerdem werde eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert.

Welche Rolle Europa bei Artemis 2 spielt

An dem Programm sind auch viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner beteiligt, darunter die europäische Raumfahrtbehörde Esa. Die Esa steuert unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die "Orion"-Kapsel bei. Auch die Teilnahme eines deutschen Astronauten ist für die Zukunft angedacht.

Esa-Chef Josef Aschbacher sagte bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral: "Wir stehen an der Schwelle einer historischen Rückkehr". Außerdem erklärte er: "Die Nasa wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle."

Auch Alexander Gerst verband mit dem Programm eine europäische Perspektive. Er sagte, er glaube daran, dass es eines Tages eine europäische Forschungsstation auf den Mond geben werde. Wörtlich formulierte er: "Der Mond ist einfach unser nächster Begleiter. Das ist unser achter Kontinent im Prinzip. Wir müssen den erforschen, einfach nur, weil er da ist schon mal."

Darüber hinaus hob Gerst die symbolische Bedeutung der Mission hervor. Er sagte: "Die Faszination, dass man auch den nächsten Generationen zeigen kann: Wir können nicht nur Kriege führen hier auf der Erde, sondern wir können auch wieder was richtig Großartiges zusammen machen. Diese Perspektive einzufangen und zurückzubringen, das ist so unendlich wichtig für unser Selbstverständnis. Was sind wir eigentlich? Was machen wir mit unserer Erde? Was machen wir mit uns? Wie behandeln wir uns gegenseitig auf diesem Planeten? Das wird alles nochmal kristallklarer, wenn man das von außen sieht."

Wettlauf der Raumfahrtnationen verschärft sich

Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es laut Vorlage auch als persönlichen Erfolg.

Schon seit Jahren läuft ein neuer Wettlauf der Raumfahrtnationen zum Mond. Als größter Konkurrent der USA gilt China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat jedoch mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen. Damit steht "Artemis 2" nicht nur für einen einzelnen Flug, sondern für den nächsten operativen Schritt in einem geopolitisch aufgeladenen Raumfahrtprogramm.

Mit Material von dpa.

FAQ zu Artemis 2

• Was ist Artemis 2? – Artemis 2 ist die erste bemannte Mondmission der Nasa seit mehr als 50 Jahren und baut auf "Artemis 1" von 2022 auf.

• Wie verläuft Artemis 2? – Artemis 2 führt die Crew in einer rund zehntägigen Mission um den Mond und zurück zur Erde, mit einer Flugbahn in Form einer Acht.

• Wer fliegt mit Artemis 2? – Artemis 2 bringt Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und Jeremy Hansen in den Mondraum.

• Welche Technik steht hinter Artemis 2? – Artemis 2 nutzt die "Orion"-Kapsel und das Raketensystem "Space Launch System", wobei die Kapsel größtenteils vollautomatisch fliegt.

• Warum ist Artemis 2 strategisch relevant? – Artemis 2 steht für die Rückkehr der USA zum Mond, neue Programmpläne der Nasa und den internationalen Wettlauf der Raumfahrtnationen.