Nach der gestrigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schlägt der VDMA Alarm. Der Verband fordert Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und stellt Fachkräfte, Investitionen und Energie in den Mittelpunkt.
Der VDMA sieht im Wahlausgang in Sachsen-Anhalt einen deutlichen Handlungsauftrag an die Bundespolitik, ihre großen Reformpakete umzusetzen, sagte Präsident Bertram Kawlath.VDMA - Salome Roessler
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Der VDMA bezeichnet den gestrigen Wahlausgang in Sachsen-Anhalt als "alarmierend" und sieht einen Handlungsauftrag für die Bundespolitik.
Bürokratieabbau, Energie, Steuern und Sozialabgaben zählen zu den zentralen Reformfeldern.
In neun Jahren könnten Sachsen-Anhalt rund 12 % weniger Erwerbspersonen zur Verfügung stehen.
Fachkräftegewinnung, Investitionen, Innovationen, schnellere Genehmigungen und eine sichere Energieversorgung sollen den Standort stärken.
Einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt richtet der VDMA deutliche Forderungen an die Politik. "Der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt ist alarmierend und auch ein deutlicher Handlungsauftrag an die Bundespolitik. Die Bundesregierung muss jetzt ihre großen Reformpakete umsetzen", erklären VDMA-Präsident Bertram Kawlath und VDMA-Vizepräsident Alexander Jakschik laut einer Mitteilung des Verbands.
Kawlath und Jakschik stellen dabei die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts in den Mittelpunkt: "Die Menschen und Unternehmen im Land brauchen einen klaren wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Kurs, der die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in einem starken Europa an erste Stelle setzt."
Nach Ansicht der beiden VDMA-Vertreter reicht es nicht, Reformen lediglich anzukündigen. "Wichtige Reformen sind zwar angekündigt oder eingeleitet, doch bei Bürokratieabbau, Verwaltungsverschlankung und -modernisierung, Energie, Steuern und Sozialabgaben klaffen Anspruch und Umsetzung weiterhin auseinander. Entscheidend sind konkrete Verbesserungen, die Unternehmen und Beschäftigte tatsächlich spüren."
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Welche Standortfaktoren für Sachsen-Anhalt entscheidend werden
Alexander Jakschik, Vorstandsvorsitzender des VDMA Landesverbands Ost und Vizepräsident des VDMA.VDMA - Salome Roessler
Alexander Jakschik, Vorstandsvorsitzender des VDMA Landesverbands Ost, richtet den Blick auf die wirtschaftspolitischen Aufgaben der kommenden Legislaturperiode. Dabei stehen aus Sicht des Verbands zentrale Rahmenbedingungen für die Industrie im Vordergrund.
"Die kommenden fünf Jahre entscheiden maßgeblich darüber, wie wettbewerbsfähig der Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt künftig sein wird. An den Fortschritten bei Fachkräften, Investitionen, Innovationen, schnelleren Genehmigungen und einer leistungsfähigen, digitalen Verwaltung wird sich die Arbeit der neuen Landesregierung messen lassen."
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Damit verbindet der VDMA den Ausgang der gestrigen Wahl mit konkreten industriepolitischen Handlungsfeldern. Neben Investitionen und Innovationen spielen insbesondere die Verfügbarkeit qualifizierter Beschäftigter und schnellere Verwaltungsprozesse eine Rolle.
Fachkräftemangel wird zur akuten Standortfrage
Besonders dringlich ist für Jakschik die Entwicklung des Arbeitsmarkts. "Besonders dringlich ist die Fachkräfte- und Bildungsfrage. Sachsen-Anhalt hat die älteste Bevölkerungsstruktur in Deutschland. In neun Jahren werden dem Arbeitsmarkt rund zwölf Prozent weniger Erwerbspersonen zur Verfügung stehen. Altersbedingt freiwerdende Stellen lassen sich vielerorts bereits heute nicht oder nur verzögert nachbesetzen. Fachkräftesicherung auch aus dem Ausland ist nicht nur eine langfristige Zukunftsfrage, sondern eine akute Aufgabe zur Standortsicherung."
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Der VDMA setzt deshalb auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen. "Sachsen-Anhalt braucht eine Fachkräftestrategie, die Bildung, Berufsorientierung, Ausbildung, Hochschule und internationale Fachkräftegewinnung zusammendenkt. Wir unterstützen die Fortführung des Profilfachs Technik und plädieren für mehr reale Einblicke in MINT-Berufe, verbindliche Praktika, eine bessere Verzahnung von Bildungssystem und Unternehmen sowie für einen international attraktiven Studienstandort."
Auch die Energieversorgung zählt für den Maschinen- und Anlagenbau zu den zentralen Standortfaktoren. Jakschik verweist dabei zugleich auf die Rolle der Industrie als Ausrüster der Energiewende.
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"Die Unternehmen benötigen eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Gleichzeitig liefern sie zentrale Technologien für die Energiewende, von Komponenten für Windkraftanlagen über Wasserstofftechnologien bis zu Speicherlösungen und kompletten Anlagen. Deshalb sollten Energie- und Industriepolitik zusammen gedacht werden. Das Land muss erneuerbare Energien, Netze und Speicher schneller ausbauen sowie verlässliche, technologieoffene Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen."
Damit reicht das vom VDMA beschriebene Aufgabenspektrum von der Verfügbarkeit von Fachkräften über Genehmigungen und Verwaltung bis zu Investitionsbedingungen und Energieversorgung.
Warum Siemens Energy vor Standortnachteilen warnt
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Siemens-Energy-Chef Christian Bruch.Siemens Energy
Nach den Forderungen des VDMA rücken auch Warnungen aus der Industrie in den Blick. Wie die dpa berichtet, sieht Siemens-Energy-Vorstandschef Christian Bruch Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland durch das AfD-Programm. Er bezeichnete Teile des Programms als schlecht für den Standort und sagte mit Blick auf Angriffe auf demokratische Strukturen: "Das halte ich für absolut kritisch."
Für den Dax-Konzern verbindet Bruch die politische Entwicklung unmittelbar mit Exportgeschäft, Personalgewinnung und Investitionen. "Unser Unternehmen und unsere deutschen Arbeitsplätze sind davon abhängig, dass wir exportieren, dass wir auch internationale Fachkräfte nach Deutschland holen und dass sich ausländische Investoren auf politische Stabilität verlassen können. Und wenn das nicht passiert, dann ist es für den Wirtschaftsstandort Deutschland nachteilig."
Damit steht auch bei Siemens Energy die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Bruch hatte bereits vor dem gestrigen Wahltag mit großer Sorge auf die Abstimmung in Sachsen-Anhalt geblickt.
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Zugleich mahnt der Siemens-Energy-Chef eine größere Veränderungsbereitschaft an. Mit Blick auf die AfD sagte er: "Ich sehe die AfD nicht veränderungsaffin, sondern nostalgisch, um es mal freundlich auszudrücken."
Bruch verweist dabei auf den internationalen Wettbewerb: "Die Menschen unterschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich andere Länder verändern. Wir müssen Veränderung endlich als Chance begreifen. Nostalgische Politik wirft uns immer weiter zurück."
Auch energiepolitisch äußert der Manager Kritik. Diskussionen über eine Rückkehr zur Nukleartechnologie bezeichnete er in einem energiepolitisch eng vernetzten Europa als "müßig in einem energiepolitisch hervorragend vernetzten Europa, in dem es nun mal Kernkraftwerke in Frankreich gibt oder in Tschechien oder anderswo gebaut werden". Die energiepolitischen Aussagen im AfD-Programm halte er "nicht für sinnvoll".
Was Fachkräfte und Investitionen miteinander verbindet
Monika Schnitzerbundesfoto / Bernd Lammel
Auch Ökonomen sehen die Verfügbarkeit von Arbeitskräften als entscheidenden Faktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer verweist laut dpa darauf, dass in den kommenden Jahren viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen.
"Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde."
Schnitzer stellt zudem einen direkten Zusammenhang zwischen Arbeitskräfteangebot und Investitionsbereitschaft her: "Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus."
Auch IW-Direktor Michael Hüther warnt vor den demografischen Folgen fehlender Zuwanderung. "Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen deren Ausweisung fordert."
Nach Prognosen des IW könnte die Erwerbsbevölkerung Sachsen-Anhalts ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel sinken. Hüther sagt dazu: "Wegen seiner ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel."
Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte vor dem Wahltag die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt gestellt. "Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben", sagte Sewing. "Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit."
Bahlsen-Chef Alexander Kühnen hatte ebenfalls die Anforderungen von Unternehmen hervorgehoben: "Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen offenen Handel in Europa, wir brauchen stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen." Seine Schlussfolgerung: "Vor diesem Hintergrund ist die AfD für mich keine Alternative - weder unternehmerisch noch persönlich."
Mit Material des VDMA und der dpa
Was Sie zum Thema VDMA zu Sachsen-Anhalt wissen müssen
• Wie bewertet der VDMA den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt? – Kawlath und Jakschik bezeichnen den Ausgang der gestrigen Landtagswahl als "alarmierend" und sehen einen Handlungsauftrag an die Bundespolitik.
• Welche Reformen fordert der VDMA für Sachsen-Anhalt? – Im Mittelpunkt stehen unter anderem Fachkräfte, Investitionen, Innovationen, schnellere Genehmigungen, eine digitale Verwaltung sowie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
• Warum sind Fachkräfte laut VDMA für Sachsen-Anhalt so wichtig? – Nach Angaben des Verbands werden dem Arbeitsmarkt in neun Jahren rund 12 % weniger Erwerbspersonen zur Verfügung stehen.
• Welche Rolle spielt Energie beim VDMA für Sachsen-Anhalt? – Gefordert werden eine sichere und bezahlbare Versorgung, der schnellere Ausbau von erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern sowie technologieoffene Investitionsbedingungen.
• Welche Risiken sehen Industrievertreter neben dem VDMA für Sachsen-Anhalt? – Siemens Energy warnt insbesondere vor Nachteilen bei internationalen Fachkräften, ausländischen Investitionen, Exporten und politischer Stabilität.