Der Maschinenbau sieht den Standort Deutschland unter wachsendem Druck. Auf der Hannover Messe fordert der VDMA tiefgreifende Reformen und warnt vor Verlagerungen.
Fertigung einer großen Dampfturbine in einer Hightech-Fabrik. Der VDMA macht sich angesichts der großen Standortprobleme und dem Reformstau Sorgen um die Zukunft der Branche.Industrieblick - stock.adobe.com
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Summary: Der VDMA hat auf der Hannover Messe vor den Folgen von Regulierung, hohen Belastungen und fehlenden Reformen für den Maschinenbau gewarnt. Gleichzeitig meldet die Branche Fortschritte bei Digitalisierung und KI sowie Chancen bei humanoider Robotik, Defence und im Brasilien-Geschäft. Trotz schwachen Jahresauftakts hält der Verband an seiner Produktionsprognose von real +1 % für 2026 fest.
Der Maschinenbau drängt auf eine politische Kehrtwende. Wie aus der Presseinformation des VDMA hervorgeht, zeigen ausbleibende Wirtschaftsreformen und eine anhaltende Regulierungswelle zunehmend Wirkung im Maschinen- und Anlagenbau. Auf der Verbands-Pressekonferenz der Hannover Messe machte VDMA-Präsident Bertram Kawlath deutlich, dass viele Unternehmen am Standort Deutschland zwar festhalten wollen, neue Investitionen aber zunehmend anderswo prüfen.
„Wir hören von immer mehr Mitgliedsfirmen, dass sie am Standort Deutschland zwar festhalten wollen, neue Investitionen aber in anderen Ländern mit besseren Bedingungen tätigen“, sagte Kawlath. Als besonders belastend nennt der Verband den CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der EU, der viele industrielle Mittelständler vor erhebliche bürokratische Probleme stelle und die Wettbewerbsfähigkeit auf Drittmärkten verschlechtere. „Laut aktueller VDMA-Erhebung sagen 40 Prozent der befragten Firmen, dass sie aufgrund der CBAM-Regeln über Unternehmensverlagerungen in Länder außerhalb der EU nachdenken. Mehr als ein Drittel der Befragten rechnet zudem mit einem Stellenabbau wegen CBAM. Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht; wenn die Politik in Brüssel und Berlin jetzt nicht umsteuert, wird der langfristige Schaden in unserer Industrie nicht mehr behebbar sein“, betonte Kawlath.
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Warum fordert der Maschinenbau eine politische Kehrtwende?
Der Verband begründet seine Forderungen mit einer Vielzahl an Belastungen, die zuletzt durch die Folgen des Iran-Kriegs und der US-Zollpolitik nochmals verschärft worden seien. Aus Sicht des VDMA braucht es statt kurzfristigem Krisenmanagement strukturelle Reformen, die dauerhaft Wachstumsimpulse ermöglichen.
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„Eine gute Politik zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts muss breitenwirksam angelegt sein. An die Stelle von kurzfristigem Krisenmanagement müssen durchdachte, strukturelle Reformen treten, die dauerhafte Wachstumsimpulse schaffen“, forderte Kawlath. Für die deutsche Politik nennt der Verband dabei mehrere Ansatzpunkte: weniger Bürokratie, einfachere administrative Prozesse, schnellere Genehmigungen und einen stärkeren Digitalisierungsschub in der Verwaltung.
Zudem fordert der VDMA eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40 %, eine stärkere Kopplung der Arbeitszeit an die steigende Lebenserwartung sowie eine höhere durchschnittliche Wochenarbeitszeit. Auch bei den Unternehmenssteuern sieht der Verband Handlungsbedarf. Das Niveau müsse auf international wettbewerbsfähige 25 % sinken. Hinzu kämen Forderungen nach besseren Abschreibungsbedingungen, steuerlichen Erleichterungen bei Verlustvorträgen und -rückträgen sowie einer Ausweitung der steuerlichen Forschungsförderung.
Positiv bewertet Kawlath die Arbeit der Gesundheits-Kommission und die Aufnahme mehrerer Vorschläge zur Ausgabenbremsung. Kritik äußert er dagegen an einer möglichen Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. „Kein Verständnis haben wir jedoch für eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze – das ist eine zusätzliche Belastung für Unternehmen in schwieriger Zeit. Die Politik muss den Mut haben, allen etwas abzuverlangen“, sagte Kawlath. Seine Einschätzung zur Kosten- und Flexibilitätslage des Standorts formuliert er noch deutlicher: „Unser Standort ist zu teuer und unflexibel, das lässt sich mit keinem Fleiß und keinem Erfindergeist mehr kompensieren.“
Wie bewertet der Maschinenbau die EU-Politik?
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Auch auf europäischer Ebene sieht der Maschinenbau Fehlentwicklungen. Zwar habe die EU-Kommission mit ihrem Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit grundsätzlich den richtigen Weg eingeschlagen, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Nach Ansicht des VDMA bleibt die Umsetzung jedoch zu zaghaft und wird durch neue Belastungen konterkariert.
„Aber leider wird dieser ,Wind of Change‘ gerade wieder zu einem lauen Lüftchen und manchmal sogar zu Gegenwind für die Industrie“, bemängelte der VDMA-Präsident. Besonders kritisch sieht der Verband die Digitalgesetzgebung und die Umweltpolitik der EU. „Im Bereich der Digitalgesetzgebung und auch in der Umweltpolitik sind die Vereinfachungsvorschläge viel zu zaghaft und erleichtern das Leben der Unternehmen kaum. Hinzu kommen neue Belastungen, die unsere Mitglieder zur Verzweiflung bringen.“
Im Fokus stehen dabei neben CBAM auch der Critical Raw Materials Act, der Digitale Produkt Pass und die neue EU-Verpackungsverordnung. Nach Darstellung des VDMA verursachen diese Regelwerke zusätzliche Kosten und mehr Bürokratie, ohne die Wettbewerbsposition der Unternehmen zu verbessern. „Mit derartigen Maßnahmen erreicht die EU das genaue Gegenteil dessen, was sie eigentlich erreichen möchte: Sie schwächt den Industriestandort Europa!“, warnte Kawlath.
Maschinenbau zwischen Digitalisierung und KI
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Neben der politischen Kritik stellt der VDMA auf der Hannover Messe auch die technologischen Fortschritte der Branche heraus. Im Mittelpunkt stehen dabei Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Laut Verbandsumfrage setzen bereits 31 % der Unternehmen KI produktiv ein, weitere 37 % arbeiten mit Pilotprojekten. Insgesamt beschäftigen sich 87 % der Unternehmen intensiv mit den Möglichkeiten von KI.
Zugleich zeigt die Umfrage, dass Digitalisierung in vielen Unternehmen strategisch verankert ist. 59 % verfügen bereits über eine Digitalisierungsstrategie, weitere 19% planen diese bis Ende des Jahres. Bei 88 % ist die Digitalisierungsstrategie mit der Unternehmensstrategie abgestimmt. Drei von vier Unternehmen sehen sich digital mindestens auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb, 31 % sogar besser positioniert.
„Die Branche hat in den vergangenen Jahren eine solide digitale Basis aufgebaut und ist international wettbewerbsfähig – die Realität ist auf diesem Feld deutlich besser als ihr Ruf“, betonte der VDMA-Präsident. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei nun die Umsetzungsgeschwindigkeit. Als größte Herausforderungen nennt der Verband nicht die Technologie selbst, sondern IT-Sicherheit, Change Management und verfügbare Ressourcen. Damit entwickelt sich KI laut VDMA zur zentralen Schlüsseltechnologie im Maschinenbau.
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Welche neuen Märkte sieht der Maschinenbau?
Als weiteres Zukunftsfeld hebt der Verband humanoide Robotik hervor. Laut der VDMA Future Business Studie „Humanoid Robotics 2040“ eröffnet dieses Segment der europäischen Maschinen- und Anlagenbauindustrie große Marktchancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Erwartet werden bis 2040 Milliardenumsätze und verkaufte Stückzahlen in Millionenhöhe pro Jahr.
Die Grundlage dafür bilden Fortschritte in Sensorik und Aktorik, bei Energiesystemen und insbesondere in der Nutzung physischer Künstlicher Intelligenz. Humanoide Roboter könnten dadurch vielfältige Aufgaben übernehmen, ohne dass Arbeitsumgebungen umgestaltet werden müssten. „Humanoide Roboter sind gerade für industrielle Produktionsprozesse eine große Chance, weil sie der Gestalt und den Fähigkeiten des Menschen nachempfunden sind und somit in allen Umgebungen einsetzbar sind, die für den Menschen gemacht sind“, erläuterte Kawlath. Zugleich sieht der Verband hier eine industriepolitische Richtungsentscheidung: „Jetzt entscheidet sich, ob Europa Gestalter eines neuen industriellen Ökosystems wird – oder vor allem Anwender fremder Technologien.“
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Zusätzliche Chancen sieht der Maschinenbau zudem im Geschäftsfeld Defence. Dabei gehe es, wie der Verband erklärt, nicht um eine Transformation zur Rüstungsindustrie, sondern um die Rolle als Zulieferer. „Bei der Herstellung von Rüstungsgütern in hoher Stückzahl, die möglichst preisgünstig sein müssen, kann mit Hilfe des Maschinen- und Anlagebaus eine automatisierte und damit effiziente Produktion aufgebaut werden“, erläuterte Kawlath. Aktuell entfallen laut VDMA geschätzt 2 bis 5 % des Branchenumsatzes auf Defence. Innerhalb von 3 bis 5 Jahren könnte sich dieser Anteil verdoppeln. Bereits für dieses und das kommende Jahr wird mit zweistelligem Wachstum gerechnet.
Wie ist die Lage im Maschinenbau 2026?
Trotz technologischer Fortschritte bleibt die konjunkturelle Lage angespannt. Der Maschinenbau in Deutschland verzeichnete in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 einen realen Produktionsrückgang von 2,0 % gegenüber dem Vorjahr. Die Bestellungen sanken im selben Zeitraum real um 9 %. Die technischen Kapazitäten waren im Januar im Branchendurchschnitt nur zu 77,1 % ausgelastet.
„Die Stimmung in unseren Unternehmen hatte sich im Jahr 2025 sukzessive verbessert, im ersten Quartal 2026 drehte sich der Wind dann aber wieder. Die Risiken des Iran-Krieges, US-Zölle, dauerhaft erhöhte Energiepreise, eine allgemein höhere Inflation und Störungen in den Lieferketten heizen die nach wie vor hohe Unsicherheit weiter an“, erläuterte der VDMA-Präsident. Gleichwohl verweist Kawlath auf ein robustes Wachstum der Weltwirtschaft von gut 3 %. Eine Erholung des Maschinenbaus im laufenden Jahr hänge jedoch wesentlich von der weiteren Entwicklung in der Golfregion ab. „Trotz des schwachen Jahresauftakts gehen wir für 2026 unverändert von einer leichten Erholung der Produktion in Deutschland aus und bestätigen unsere Produktionsprognose von real plus 1 Prozent.“
Der Druck zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Ende 2025 waren im deutschen Maschinenbau in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten knapp 1 Million Menschen tätig. Das entsprach einem Rückgang von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr. „Und die Ergebnisse der VDMA-Konjunkturumfrage zeigen an, dass sich der Abbau der Beschäftigung in unserer Industrie am Standort Deutschland weiter fortsetzen wird – umso wichtiger sind jetzt entschlossene Reformen“, betonte Kawlath.
Was bedeutet der internationale Wettbewerbsdruck für den Maschinenbau?
Der VDMA verweist zudem auf den wachsenden Druck aus China. Nach Aussage des Verbands haben chinesische Wettbewerber technologisch stark aufgeholt und liegen preislich häufig 30 bis 50 % unter europäischen Anbietern. Hinzu kämen staatliche Subventionen und eine künstlich schwach gehaltene Währung. „Chinesische Wettbewerber setzen den europäischen Maschinen- und Anlagenbau zunehmend weltweit unter Druck. Sie haben technologisch stark aufgeholt und liegen preislich häufig 30 bis 50 Prozent unter europäischen Anbietern, auch begünstigt durch staatliche Subventionen und eine künstlich schwach gehaltene Währung“, sagte Kawlath.
Auch der wichtigste Exportmarkt USA wird in der Mitteilung als Belastungsfaktor genannt. Die wirtschaftliche Situation habe sich dort durch neue US-Zölle weiter verschlechtert. Gleichzeitig hebt der Verband Brasilien als wichtigen Partner in Lateinamerika hervor. Auf der Hannover Messe sei der Auftritt des Gastlands Brasilien mit großer Freude aufgenommen worden. „Brasilien und Deutschland verbindet eine lange Tradition guter wirtschaftlicher Beziehungen. Und das Mercosur-Abkommen sollte den Marktzugang für europäische Hersteller spürbar verbessern“, sagte Kawlath.
Allerdings verweist der Verband zugleich auf lange Übergangsfristen von 10 bis 15 Jahren bis zur vollständigen Umsetzung des Abkommens. Schnelle, signifikante Exportzuwächse seien deshalb kurzfristig nicht zu erwarten. Brasilien rangiert beim Weltmaschinenumsatz mit rund 50 Milliarden Euro auf Platz 11. Als Exportmarkt für deutsche Maschinenbaufirmen lag das Land 2025 mit einem Ausfuhrvolumen von circa 2,7 Milliarden Euro auf Platz 19. Besonders gefragt sind dort laut VDMA Maschinen der Antriebstechnik, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Fördertechnik sowie Fluidtechnik.
Quelle: VDMA
Fokus Anlagen- und Maschinenbau
• Warum fordert der Maschinenbau laut VDMA Reformen? – Der Maschinenbau sieht den Standort Deutschland durch Bürokratie, Regulierung, hohe Kosten und fehlende Strukturreformen belastet.
• Welche Rolle spielt KI im Maschinenbau? – KI entwickelt sich laut VDMA zur Schlüsseltechnologie im Maschinenbau; 31 % der Unternehmen setzen sie bereits produktiv ein.
• Wie bewertet der Maschinenbau die Konjunktur 2026? – Der Jahresauftakt ist schwach, dennoch hält der VDMA an einer Produktionsprognose von real +1 % für 2026 fest.
• Welche Chancen sieht der Maschinenbau bei humanoiden Robotern? – Der Maschinenbau erwartet große neue Märkte entlang der Wertschöpfungskette und verweist auf das Potenzial industrieller Anwendungen.
• Was belastet den Maschinenbau im internationalen Wettbewerb? – Der Maschinenbau steht laut VDMA unter Druck durch chinesische Wettbewerber, neue US-Zölle und sinkende Beschäftigung am Standort Deutschland.