Eine Hand im Arbeitshandschuh hält die US-Flagge in der Mitte

Die überwiegende Mehrheit der deutschen Firmen in den USA haben auch 2020 Gewinn gemacht. - Bild: Leigh Prather - stock.adobe.com

| von Anja Ringel

„Wir werden mit Geschwindigkeit und Dringlichkeit vorwärtsdrängen, denn wir haben in diesem Winter der Gefahren und Möglichkeiten viel zu tun. Viel zu reparieren. Vieles wiederherzustellen. Vieles zu heilen. Viel zu bauen. Und viel zu gewinnen.“ Mit diesen Worten hat sich der neue US-Präsident Joe Biden bei seiner Inauguration an die Amerikaner gewandt.  Viele US-Bürger erwarten viel von ihrem neuen Präsidenten. Aber auch die deutschen Unternehmen in den Vereinigten Staaten verknüpfen den Machtwechsel mit Hoffnung.

Die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern haben für den „German Business Outlook 2021“ zusammen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG deutsche Tochterfirmen in den USA gefragt: Wie wird die wirtschaftliche Landschaft für deutsche Unternehmen in den USA aussehen?

Die gute Nachricht: Trotz der besonders starken Corona-Pandemie in den USA waren die deutschen Unternehmen weiter erfolgreich. Neun von zehn Firmen (90 Prozent) konnten 2020 einen Gewinn erwirtschaften. Im Vergleich zum Vorjahr sind das nur drei Prozent weniger. 23 Prozent konnten sogar einen Gewinn von mehr als zehn Prozent verbuchen (Vorjahr: 25 Prozent). Jedes dritte befragte Unternehmen hat mehr als 20 Prozent des gesamten Umsatzes in den USA erwirtschaftet.

„Diese positiven Zahlen zeigen, dass die USA für deutsche Unternehmen weiterhin einer der wichtigsten globalen Märkte sind, wenngleich der Gewinnanteil des US-Geschäfts im Jahr 2020 leicht gesunken ist“, sagt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG. Auch wenn die Coronakrise für eine wirtschaftliche Eintrübung sorgt, habe sie den generellen Optimismus deutscher Unternehmen in den USA nicht stoppen können.

Und die guten Nachrichten reißen nicht ab: Mehr als 90 Prozent rechnen auch in diesem Jahr mit einem Wachstum des US-Geschäfts. Der Wert blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil. „Der etwas geringere Optimismus in diesem Jahr ist auf die Unsicherheit zurückzuführen, wann die Corona-Pandemie vorbei sein wird“, erklärt Peter Riehle, Chairman der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHKs).

Amerikanische Wirtschaft wird 2021 wachsen

Grund für Optimismus ist auch der Ausblick der US-Wirtschaft, den Matthew Luzzetti, Chief US-Economist der Deutschen Bank, bei der Veranstaltung der AHKs und KPMG gab. Er rechnet durch fiskalische Anreize und einem Impfstoff mit einem robusten Wachstum der US-Wirtschaft (plus 6,3 Prozent). Er rechne mit einer Normalisierung der Situation, sobald der Impfstoff verteilt wurde, so Luzzetti. Die Arbeitslosenquote sollte bis zum Jahresende auf 4,3 Prozent sinken.

Ein Datum sei für die US-Wirtschaft besonders wichtig gewesen: Der 5. Januar 2021. Denn dann sei klar gewesen, dass die beiden Sitze Georgias im Senat an die Demokraten gehen und diese dann de facto eine Mehrheit in beiden Kammern haben. Die Folge: Die Ökonomen der Deutschen Bank haben ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum nach oben korrigiert.

Ullrich Umann schreibt in seinem Wirtschaftsausblick für den GTAI, er rechne mit einer vollständigen Wiederherstellung des Vorkrisenniveaus für 2022.

Schon dieses Jahr sollen dagegen die Investitionen wieder höher ausfallen. „Die niedrigen Durchschnittszinsen, die zu erwartende Wiederaufnahme staatlicher Hilfszahlungen, aber auch die Normalisierung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens nach Einsatz eines wirksamen Coronaimpfstoffes werden 2021 die Investitionen stimulieren“, erklärt Umann. Die neue US-Regierung werde außerdem einen schrittweisen Technologiewechsel zur Dekarbonisierung von Verkehr und Wirtschaft einleiten.

Auch die deutschen Unternehmen folgen dieser Prognose und wollen 2021 kräftig investieren. 82 Prozent (Vorjahr: 85 Prozent) planen Investitionen in den USA. 17 Prozent planen Investments von mehr als zehn Millionen US-Dollar.

Die USA und die deutsche Industrie

Bild: polack - stock.adobe.com
  • In unseren exklusiven Industrietrends haben wir Verbände und Unternehmen gefragt: Was erwarten Sie von der neuen US-Regierung für die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen. Die Antworten gibt es hier.
  • Wirtschaftsprofessor Matthias Fifka erklärt außerdem, warum Joe Biden kein transatlantischer Messias ist. Zum Artikel geht es hier.
  • Und wie es Bosch und Continental während der ersten Welle in den USA ging, lesen Sie hier.

Fachkräftemangel ist ein großes Problem für deutsche Firmen in den USA

Dennoch gibt es natürlich auch Herausforderungen. Für 65 Prozent gehört dazu die Corona-Pandemie. Auf Platz zwei folgt der Fachkräftemangel, der laut Glunz schon im vergangenen Jahr ein Problem war. Trotz kontinuierlicher Bemühungen in der Personalentwicklung haben nur 14 Prozent der befragten Unternehmen keine Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Dem gegenüber erklären 64 Prozent, dass sie in gewissem oder sogar großem Maße Schwierigkeiten haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

„Dem Fachkräftemangel muss entgegengewirkt werden“, sagte Riehle. Die Zahlen würden unterstreichen, wie wichtig Investitionen in Ausbildungsprogramme seien. „Das kostet zwar Geld, ist aber eine notwendige Investition, um ein erfolgreiches Wachstum der Unternehmen in den USA sicherzustellen“, erklärt er.  „Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen aller Art sowie des Vertriebs erfordern ganz andere Qualifikationsprofile als die vorhandenen. Im Einklang mit den ehrgeizigen Plänen für den Ausbau der Belegschaft gewinnt der Fachkräftemangel zusätzlich an Dynamik“, ergänzt Glunz.

Diese Entwicklungen bestätigen auch CEOs. So erklärt Peter Riehle, President und CEO des Antriebsspezialisten Wittenstein in den USA, geeignetes Personal – vor allem für den Hightech-Bereich – zu finden sei eine Herausforderung. Deshalb habe Wittenstein ein Akquirierungsprogramm aufgestellt, das sehr gut funktioniere.

Beim Chemie-Konzern Lanxess versucht man, junge Menschen durch die Zusammenarbeit mit lokalen Colleges und Praktika für die Arbeit im Unternehmen zu begeistern, berichtet CEO Antonis Papadourakis.

Was die weiteren Herausforderungen für die deutschen Unternehmen sind, erfahren Sie in der Grafik:

Neben der Coronakrise und dem Fachkräftemangel haben die deutschen Unternehmen in den USA noch weitere Herausforderungen. - Grafik: Anja Ringel, Quelle: German American Business Outlook 2021
Neben der Coronakrise und dem Fachkräftemangel haben die deutschen Unternehmen in den USA noch weitere Herausforderungen. - Grafik: Anja Ringel, Quelle: German American Business Outlook 2021

Wittenstein und Lanxess: So kann Joe Biden unterstützen

Doch zurück zu Joe Biden und seinen Plänen für die USA. Denn auch die Mitglieder der AHKs in den USA haben konkrete Vorstellungen, wie die neue Regierung sie unterstützen kann. 64 Prozent der befragten Unternehmen ist es wichtig, Zugang zu offenen Märkten und Handelsabkommen zu haben. Ebenfalls eine Voraussetzung für Wachstum (47 Prozent): Zugang zu Arbeitsvisa für ausländische Fachkräfte. Infrastrukturinvestitionen wünschen sich 38 Prozent der deutschen Firmen.

Das bestätigt auch Papadourakis von Lanxess. Er begrüßte außerdem, dass die USA wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen beigetreten sind. Der CEO hofft zudem, dass sich durch die neue Regierung der Handel wieder normalisiert. Peter Riehle ergänzt: In der Vergangenheit habe es bei den internationalen Beziehungen Unsicherheiten gegeben, was schlecht gewesen war. Er hofft deshalb auf neue Multilevel-Dialoge.

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