Ein Mann mit Maske, dahinter die Fahne der USA

Die USA sind derzeit stark von der Corona-Pandemie betroffen. - Bild: Adobe Stock/MQ-Illustrations

| von Anja Ringel

Historischer Konjunktureinbruch, Millionen Infizierte sowie Arbeitslose und tausende Unternehmenspleiten: Die schlechten Nachrichten aus den USA reißen nicht ab. Von der beispielslosen wirtschaftlichen Talfahrt sind nicht nur amerikanische, sondern auch deutsche Firmen betroffen, die in den Vereinigten Staaten aktiv sind.  „Deutsche Unternehmen betreiben Standorte und Produktionsstätten in allen 50 US-Bundestaaten und schaffen landesweit fast 800.000 Arbeitsplätze, davon knapp 40 Prozent allein im verarbeitenden Gewerbe“, erklärt Daniel Andrich, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in der Hauptstadt Washington, gegenüber PRODUKTION.

Deutsche Investitionen in die US-Wirtschaft seien in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. 2019 lag die Bundesrepublik an dritter Stelle der ausländischen Investoren, so Andrich weiter. Durch die Coronakrise ist nun alles anders. 43 Prozent der deutschen Tochtergesellschaften in den USA rechnen laut dem AHK World Business Outlook von April mit einem Personalabbau im kommenden Jahr.

Vor allem Automobil- und Luftfahrtzulieferer betroffen

„Die Corona-Pandemie hat leider zusammen mit der handelspolitischen Agenda der derzeitigen US-Regierung für spürbare Unsicherheiten gesorgt, vor allem mit Blick auf die Planungen der global aufgestellten deutschen Unternehmen“, erklärt Andrich. Einen weiteren Grund haben die Steuerberater der USA-Niederlassung von Rödl und Partner ausgemacht: Längere Unterbrechungen in der Lieferkette hätten oft zu Produktionsproblemen geführt. Vor allem klassische Industrien wie die Automobil- und Luftfahrtzulieferer und der Maschinenbau seien betroffen gewesen, konnten aber inzwischen oft wieder aufholen.

So auch bei Bosch: Der Zulieferer hat nach temporären Unterbrechungen und Einschränkungen in der Produktion Mitte des Jahres mit dem schrittweisen Wiederhochlauf der Produktion an den US-Standorten begonnen – „in enger Abstimmung mit Kunden, Lieferanten und Arbeitnehmervertretern und unter Einhaltung der lokalen Vorgaben“, wie eine Sprecherin auf Nachfrage erklärt. Inzwischen produzieren alle amerikanischen Bosch-Werke wieder. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen belasten dennoch das Nordamerika-Geschäft des Unternehmens stark, so die Sprecherin.

Auch beim Reifenzulieferer Continental sind die USA-Geschäfte betroffen. So sind die Büros weiter geschlossen. Die betroffenen Administrations-Mitarbeiter sollen bis auf weiteres von zu Hause aus arbeiten, erklärt ein Sprecher gegenüber PRODUKTION. An den Produktions-Standorten gelten strikte Hygieneregeln. Zu den zusätzlichen Maßnahmen gehören unter anderem häufigeres Reinigen der Werke, tägliche Vorsorgeuntersuchungen und das ständige Tragen von Mund-Nasen-Masken.

Reisebeschränkungen sind großes Problem

Zu Beginn der Krise klappte außerdem die Abstimmung zwischen Bundes- und bundesstaatlichen US-Behörden nicht immer. Joe Peilert, CEO der amerikanischen Niederlassung des Kunststoffherstellers Veka erklärt in einer „Listening Session“ der Delegierten der Deutschen Wirtschaft (RGIT), sein Unternehmen habe erst kurz vor dem Wochenende erfahren, dass es als systemrelevant eingestuft wurde und deshalb den Betrieb in Pennsylvania aufrechterhalten durfte. Aufgrund neuer Vorschriften habe man sich aber kurzfristig mit den Mitarbeitern über neue Schichten austauschen müssen.

Allgemein seien die negativen Auswirkungen stark branchenbezogen, erklären die Steuerexperten von Rödl und Partner.

Ein weiteres Problem für die Wirtschaft sind die Reisebeschränkungen. Durch die Einschränkungen des Flugverkehrs sind die transatlantischen Lieferketten „deutlich unter Druck geraten“, sagt Andrich. Dazu kommen die Hindernisse bei Geschäftsreisen und firmeninterne Mitarbeiterentsendungen.

Für Unternehmen des Maschinenbaus sei es wichtig, hochqualifizierte Mitarbeiter zur Inbetriebnahme und Montage von Maschinen in die USA schicken zu können, erklärt der Delegierte der Deutschen Wirtschaft Daniel Andrich. US-Präsident Donald Trump hat die Vergabe von sogenannten H1B- und L-Visa, die vor allem für Fachkräfte gedacht sind, bis Ende des Jahres blockiert. Damit will er den US-Arbeitsmarkt vor Zuwanderern und Ausländern schützen. 

Auch Mitarbeiter, die aus Berufsgründen zwischen den USA und Deutschland pendeln, haben Schwierigkeiten, berichten die Experten von Rödl und Partner. Das sei inzwischen zwar teilweise wieder möglich – allerdings mit einem hohen administrativen Aufwand.

Deutsche Unternehmen profitieren von Hilfsprogrammen

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. Es gebe auch positivere Signale aus bestimmten Bereichen, wie der Verpackungsindustrie, die der Krise bisher gut standhalten konnte, sagt Andrich. Und: „Nach anfänglichen Unklarheiten konnten deutsche Tochterunternehmen in den USA an gewissen Hilfsprogrammen, die durch das CARES-Gesetz des US-Kongresses eingeführt wurden, partizipieren.“

Allerdings seien die Mittel für viele dieser Programme inzwischen erschöpft. „Es ist nun wichtig, dass sich die US-Regierung zusammen mit dem Kongress auf weitere Unterstützungsmaßnahmen einigt“, erklärt Andrich. Rödl und Partner berichten, dass viele ihrer Kunden zudem das milliardenschwere Paycheck Protection Program in Anspruch genommen haben. Dadurch habe sich die Cashflow Situation stabilisiert.

Auch vor Covid-19 war das transatlantische Wirtschaftsverhälntis durch die bereits eingeführten und angedrohten US-Zölle auf europäische und deutsche Importe belastet. „Die Corona-Pandemie verstärkt diese protektionistischen Tendenzen leider noch, mit der Begründung die heimische US-Wirtschaft zu schützen“, erklärt Andrich.

Dadurch entstehe Unsicherheit für die Geschäftstätigkeit transatlantisch aktiver Unternehmen. „Gerade in Zeiten der globalen Pandemie ist es ausschlaggebend, dass die Politik auf beiden Seiten des Atlantiks verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen schafft und tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse abbaut, damit eine wirtschaftliche Erholung rasch eintritt“, so der Delegierte der Deutschen Wirtschaft Andrichs.  

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