Arabische Investoren

Übernahme von Covestro durch arabische Adnoc-Tochter fix

Ein Börsengang, der zum Auslaufmodell wird: Mit der Genehmigung aus Berlin steht fest, dass Covestro bald unter Kontrolle eines Staatskonzerns aus Abu Dhabi steht.

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Früher war es der Geschäftsbereich MaterialScience von Bayer, seit zehn Jahren ist Covestro eigenständig an der Börse notiert. Das ist wohl bald vorbei - die neuen Eigentümer kommen aus Arabien.
Früher war es der Geschäftsbereich MaterialScience von Bayer, seit zehn Jahren ist Covestro eigenständig an der Börse notiert. Das ist wohl bald vorbei - die neuen Eigentümer kommen aus Arabien.

Was steckt hinter der Übernahme von Covestro?

Covestro, vormals Teil der Bayer AG, hat seit seiner Abspaltung 2015 eine eigenständige Rolle in der globalen Chemiebranche eingenommen. Mit Fokus auf die Herstellung von Polyurethanen und Polycarbonaten beliefert der Konzern unter anderem die Möbel-, Automobil- und Kühlgeräteindustrie. Der nun bevorstehende Eigentümerwechsel bedeutet eine bedeutende Verschiebung auf dem internationalen Chemieparkett.

Mit der Investition durch XRG – dem Investmentzweig der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) – steht nicht nur ein rein finanzielles Engagement im Raum. Es handelt sich vielmehr um eine strategische Entscheidung mit langfristigem Ziel. Wie beide Unternehmen bekannt gaben, ist die regulatorische Genehmigung durch das Bundeswirtschaftsministerium inzwischen erfolgt. Zuvor hatte bereits die EU-Kommission ihre Zustimmung signalisiert.

Welche Bedeutung hat die Übernahme für den Industriestandort Deutschland?

Laut Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche stellt die Übernahme ein „starkes Signal des Vertrauens in den Industriestandort Deutschland“ dar. Die CDU-Politikerin verweist darauf, dass durch das langfristige Engagement von Adnoc neue Perspektiven für Wachstum, Beschäftigung und die Transformation der Chemiebranche entstehen könnten.

Diese Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Industrie in Deutschland insgesamt unter Druck steht: Hohe Energiepreise, ein schwaches konjunkturelles Umfeld und zunehmende protektionistische Maßnahmen – unter anderem durch US-Zölle – lasten schwer auf der Branche.

Wie positioniert sich Covestro unter dem neuen Eigentümer?

Covestro-CEO Markus Steilemann sieht in der Übernahme vor allem Chancen: „Mit XRG als starkem und langfristig orientiertem Partner werden wir Innovation und digitale Transformation ausbauen, die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben und neue Maßstäbe in der chemischen Industrie setzen können.“ Der strategische Fokus soll dabei nicht nur auf wirtschaftlichem Wachstum liegen, sondern auch auf der Weiterentwicklung zukunftsorientierter Technologien und Nachhaltigkeitsthemen.

Auch Rainer Seele, Manager bei XRG, skizziert ambitionierte Pläne: Man wolle sich in den Kreis der drei führenden Investoren der globalen Chemiebranche einreihen. Dieses Ziel geht über ein rein finanzielles Interesse hinaus und deutet auf eine aktive Rolle im operativen Geschäft hin.

Welche wirtschaftlichen Herausforderungen belasten Covestro aktuell?

Die Rahmenbedingungen für Covestro waren zuletzt alles andere als stabil. Im dritten Quartal 2025 meldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang um 12 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro. Unterm Strich ergab sich ein Verlust von 47 Millionen Euro. Diese Zahlen spiegeln die Belastungen wider, mit denen viele Chemieunternehmen derzeit kämpfen: ein schwaches globales Wirtschaftswachstum, hohe Energiekosten und Handelsbarrieren.

Für einen Investor wie Adnoc, der über erhebliches Kapital verfügt, ergibt sich daraus die Gelegenheit, in eine angeschlagene, aber technologisch führende Industrie zu investieren – mit dem Potenzial, bei erfolgreicher Restrukturierung erhebliche Renditen zu erzielen.

Wie ist Covestro in Deutschland aufgestellt?

Von den weltweit rund 17.500 Beschäftigten des Konzerns sind mehr als 7.000 in Deutschland tätig. Neben der Zentrale in Leverkusen betreibt Covestro Standorte in Dormagen, Krefeld-Uerdingen und Brunsbüttel. Diese regionale Verankerung macht das Unternehmen zu einem bedeutenden industriellen Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Mit der Übernahme gehen deshalb nicht nur strategische und wirtschaftliche Fragen einher, sondern auch Überlegungen zur Arbeitsplatzsicherheit und regionalen Wertschöpfung. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass XRG an den Standorten rütteln will.

Was bedeutet der Deal für die internationale Chemieindustrie?

Die Übernahme von Covestro markiert eine weitere Etappe in der globalen Expansionsstrategie arabischer Staatsfonds. Mit dem Fokus auf Diversifizierung jenseits des Öl- und Gassektors setzen die Vereinigten Arabischen Emirate zunehmend auf strategische Beteiligungen in Technologie und Industrie.

Die Chemieindustrie – als Grundpfeiler vieler Wertschöpfungsketten – bietet dabei einen attraktiven Hebel. Der Einstieg bei Covestro könnte Signalwirkung haben: Nicht nur für andere Investoren, sondern auch für die Wettbewerber, die nun mit einem kapitalstarken Rivalen rechnen müssen.

Wie geht es jetzt weiter?

Das letzte technische Hindernis ist mit der Zustimmung des Bundeswirtschaftsministeriums beseitigt. Was noch aussteht, ist das sogenannte „technische Closing“. Dabei handelt es sich um eine Formalität – der tatsächliche Abschluss der Transaktion. Sobald dieser erfolgt, wird Covestro offiziell unter das Dach von XRG fallen.

Mit Material der dpa

FAQ – Übernahme Covestro durch Adnoc

Was ist Covestro?
Ein Chemieunternehmen mit Fokus auf Polyurethane und Polycarbonate, ehemals Teil der Bayer AG.

Wer übernimmt Covestro?
XRG, ein Investmentzweig des arabischen Staatskonzerns Adnoc.

Warum erfolgt die Übernahme?
Strategische Investition zur Stärkung der Position in der globalen Chemiebranche.

Wie reagiert die Politik?
Die Übernahme wurde als Vertrauensbeweis in den Industriestandort Deutschland gewertet.

Was bedeutet das für die Mitarbeiter?
Konkrete Veränderungen sind derzeit nicht bekannt. Die Standorte bleiben bestehen.

Wie steht es wirtschaftlich um Covestro?
Das Unternehmen kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten, unter anderem durch die schwache Konjunktur und hohe Energiepreise.

Wann wird die Übernahme abgeschlossen sein?
Nach dem technischen Closing, das in den nächsten Tagen erwartet wird.