Schaeffler zwischen Stabilisierung und Wandel

Schaeffler setzt auf E-Mobility und neue Wachstumsfelder

Schaeffler behauptet sich 2025 in einem anspruchsvollen Umfeld und treibt die Transformation zur „Motion Technology Company“ voran. Während E-Mobility deutlich wächst, bleibt der Ausblick für 2026 vorsichtig.

Schaeffler meldet für 2025 'solide' Zahlen.
Wie positioniert sich Schaeffler nach 2025? E-Mobility wächst stark, neue Geschäftsfelder rücken strategisch in den Fokus.

Nach einem schwierigen Jahr 2025 blickt Schaeffler mit Vorsicht auf das neue Jahr. Der Zulieferer hat im Geschäftsjahr 2025 Umsatzerlöse von 23,5 Milliarden Euro erzielt und damit währungsbereinigt nahezu Vorjahresniveau erreicht, wie das Unternehmen mitteilt . Im Pro-Forma-Vergleich entspricht dies einem leichten Rückgang um 0,6 Prozent.

Während die Regionen Americas und Asien/Pazifik währungsbereinigte Zuwächse von 2,4 beziehungsweise 5,1 Prozent verbuchten, blieben Europa und Greater China mit minus 2,3 beziehungsweise minus 4,2 Prozent hinter dem Vorjahr zurück.

Das EBIT vor Sondereffekten stieg auf 936 Millionen Euro (Pro-Forma-Vorjahr: 842 Millionen Euro). Die EBIT-Marge vor Sondereffekten verbesserte sich auf 4,0 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorjahr.

„In einem anspruchsvollen Umfeld hat die Schaeffler Gruppe ihre Transformation zur weltweit führenden ‚Motion Technology Company‘ mit vier produktorientierten Sparten und acht Produktfamilien erfolgreich fortgesetzt", erklärte CEO Klaus Rosenfeld auf einer Pressekonferenz. Der Zulieferer möchte weg von einer stark sektororientierten hin zu einer produktorientierten Aufstellung.

"Wir erfunden uns neu, ohne das aufzugeben, wofür wir seit Jahrzehnten stehen", so Rosenfeld weiter. Das Unternehmen nutze seine Kerntechnologie, um neue Dinge anzugehen.

Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG
Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG

Im vergangenen Jahr ist vor allem die E-Mobility-Sparte stark gewachsen. "Darüber hinaus erschließen wir schrittweise neue Wachstumsfelder in den Bereichen humanoide Robotik sowie Verteidigung mit der strategischen Zielsetzung, bis 2035 bis zu zehn Prozent unseres Umsatzes in neuen Wachstumsfeldern zu generieren", erklärte Rosenfeld. 

E-Mobility mit deutlicher Outperformance

Aber zurück zum Kerngeschäft: Die Sparte E-Mobility steigerte ihre Umsatzerlöse währungsbereinigt um sieben Prozent auf fünf Milliarden Euro. Treiber waren insbesondere Produkthochläufe im Zuge steigender Produktionszahlen elektrifizierter Fahrzeuge. Besonders dynamisch entwickelte sich die Region Asien/Pazifik mit einem Plus von 22,5 Prozent.

Der Auftragseingang summierte sich 2025 auf rund 15,5 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 2,0 Milliarden Euro auf batterieelektrische Antriebe und 8,8 Milliarden Euro auf Hybridantriebe.

Starke Ergebnisbeiträge aus etablierten Sparten

Powertrain & Chassis verzeichnete währungsbereinigt einen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Ursächlich waren die schwache Nachfrage westlicher OEMs in Europa sowie Portfolioeffekte. 

Vehicle Lifetime Solutions steigerte den Umsatz währungsbereinigt um 5,0 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro. 

Bearings & Industrial Solutions erhöhte das operative Ergebnis deutlich: Die Marge verbesserte sich auf 7,5 Prozent. Positive Impulse kamen unter anderem aus dem Windsektor und dem Bereich Aerospace Bearings.

Wachstumsfelder strategisch gebündelt

Neue Geschäftsfelder außerhalb des Kerngeschäfts werden seit 2025 in der Sparte Others gebündelt und start-up-ähnlich geführt. Ziel ist es, flexibel und innovationsgetrieben zusätzliche Wachstumspotenziale zu erschließen.

Bis 2035 sollen bis zu zehn Prozent des Umsatzes aus neuen Aktivitäten stammen, darunter die schon genannte humanoide Robotik und Verteidigung. In diesen Feldern wurden zuletzt Partnerschaften mit Agility Robotics, Neura Robotics, Humanoid, Leju Robotics sowie dem deutschen Verteidigungsunternehmen Helsing bekannt gegeben.

Vor allem im Bereich Verteidigung sieht Rosenfeld viel Potenzial. "Das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten weiter positiv entwickeln", erklärte er. Schaeffler führe derzeit viele interessante Gespräche und sei in einer guten Ausgangslage. Schaefflers Verteidigungsgeschäft soll in München angesiedelt werden. 

Vom im November 2024 angekündigten Stellenabbau von 4.700 Jobs sei inzwischen knapp die Hälfte erledigt, sagte Rosenfeld auf der Pressekonferenz. In diesem Jahr soll noch der Abbau von rund 1.800 Jobs erfolgen, etwas weniger als 2025.

Naher Osten: Das sagt Schaeffler zur Lage

Selbstverständlich beschäftigt sich Schaeffler auch mit der Lage im Nahen Osten. In der Region hat das Unternehmen keine Produktion, lediglich eine „kleine Einheit“ in Dubai. Der unmittelbare Einfluss sei deshalb überschaubar, so Rosenfeld.

Eine mögliche Auswirkung auf die Lieferketten sei jedoch kein neues Phänomen. Der Suezkanal ist für die Lieferketten von Schaeffler wichtig, sagt der CEO. Derzeit beobachtet der Konzern, dass die Frachtraten steigen.

Derzeit fehlen dem Unternehmen keine Teile, berichtete der CEO. Schaeffler hat bei der Lagerhaltung konservativ geplant und ist deshalb momentan versorgt.

Im schlimmsten Fall müssten die Schiffe um das Horn von Afrika umgeleitet werden, was zu Verzögerungen führen würde. „Damit kann man aber umgehen“, sagte Rosenfeld.

Die indirekten Effekte müsse man natürlich im Auge behalten, so Rosenfeld. Keiner wisse, wie es weitergehe.

Konservativer Ausblick auf 2026

Insgesamt blickt Schaeffler mit Vorsicht auf das laufende Jahr.  Beim Umsatz sind den Einschätzungen des Vorstands zufolge keine Sprünge zu erwarten, bei der Profitabilität zeigte sich Rosenfeld ebenfalls zurückhaltend. Er erklärte, die Prognose sei aufgrund der aktuellen Lage eher konservativ. 

Schwierig bleibt vor allem das Geschäft mit den herkömmlichen Auto-Antrieben. Von der E-Mobilität hingegen und der Ersatzteilsparte rechnen sich die Franken Schub aus.  Rosenfeld peilt im neuen Jahr bei einem geplanten Umsatz von 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro eine bereinigte operative Marge vor Zinsen und Steuern (ber Ebit-Marge) von 3,5 bis 5,5 Prozent an.

Man müsse nun die Situation im Nahen Osten abwarten und sehen, wie sich das auf Schaeffler auswirke, so Rosenfeld.

Mit Material von Schaeffler und dpa

FAQ zum Schaeffler Geschäftsjahr 2025

Wie hat sich Schaeffler 2025 entwickelt?

Der Umsatz lag bei 23,5 Milliarden Euro, währungsbereinigt nahezu auf Vorjahresniveau. Die bereinigte EBIT-Marge stieg auf 4,0 Prozent.

Welche Sparte wuchs besonders stark?

E-Mobility legte währungsbereinigt um sieben Prozent auf fünf Milliarden Euro zu, mit besonders hoher Dynamik in Asien/Pazifik.

Welche Rolle spielen neue Geschäftsfelder?

Bis 2035 sollen bis zu zehn Prozent des Umsatzes aus neuen Feldern wie humanoider Robotik und Verteidigung stammen.

Wie fällt der Ausblick für 2026 aus?

Schaeffler erwartet einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro und eine bereinigte EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent.