zwei Ford Bronco stehen auf dem Gelände

Die Dächer der Neuauflage des Ford Bronco sind von Webasto. (Bild: Ford)

Eigentlich wollte Webasto 2021 zurück in die schwarzen Zahlen. Eigentlich. Nach einem verlustreichen Jahr 2020 rechnete der Konzern mit einem besseren Jahr. Doch dann hat ein einziger Auftrag das komplette Ergebnis verhagelt. „2021 war ein schwieriges Jahr für die Unternehmensgruppe“, sagte CEO Holger Engelmann heute auf der Bilanzpressekonferenz, auf der er einen Verlust melden musste.

Aber von vorne: Mit der Neuauflage des Geländewagens Bronco von Ford entwickelte sich ein regelrechter Hype in Amerika. Die 3.500 Fahrzeuge der „First Edition“ waren innerhalb eines Tages ausverkauft. Zwischenzeitlich verbuchte Ford mehr als 200.000 Reservierungen für den Geländewagen. Den Auftrag für die Dächer der Fahrzeuge konnte sich Webasto sichern.

Innerhalb von acht Jahren sollte der Zulieferer sechs verschiedene Arten von Dächern liefern – insgesamt eine Million. Der Auftrag sollte künftig 20 Prozent des jährlichen Umsatzes in den USA ausmachen. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz sind in den acht Jahren eingeplant.

Es sei ein komplexes, umfangreiches Projekt und eine enorme Chance gewesen, sagte Engelmann. Der Auftrag sei von Anfang an anspruchsvoll gewesen. Die Herausforderung: Mit den Bronco-Dächern setzt Webasto erstmals in den USA eine neue Technologie ein. Deshalb mussten dafür erst Kapazitäten und eine Lieferantenstruktur aufgebaut werden.

Holger Engelmann
Webasto-CEO Holger Engelmann bei der heutigen Pressekonferenz. (Bild: Webasto)

Mitarbeitende konnten nicht zum US-Werk reisen

Doch kaum war der Spatenstich für das neue US-Werk gesetzt, kam die Corona-Pandemie. Den Bau zu vollenden und neue Mitarbeitende zu finden habe Webasto deshalb „viel Energie, Nerven und Geld gekostet“, berichtete Engelmann. Und es kam zu weiteren Verzögerungen. Denn als das Werk fertig war, durften keine Servicemitarbeitenden – auch nicht von Webasto selbst – in die USA einreisen.

Es sei außerdem extrem aufwändig gewesen, ein solches Werk in so kurzer Zeit aufzubauen, so Engelmann. „Da passieren natürlich Fehler.“

Was er damit meint: Ford musste vergangenes Jahr tausende Broncos zurückrufen. „Im Rahmen unserer umfangreichen Qualitätskontrollen vor der Auslieferung haben wir festgestellt, dass die von unserem Zuliefererpartner Webasto hergestellten farbigen Dächer nicht unseren Qualitätsstandards entsprechen“, sagte Ford-Sprecher Said Deep gegenüber ‚Free Press‘. Das Problem beeinträchtige nicht die Funktionalität des Daches, könne aber zu einem „unbefriedigenden Erscheinungsbild“ führen, wenn es extremer Wasser- und Feuchtigkeitseinwirkung ausgesetzt sei.

Engelmann zeigte sich mit Verweis auf Vereinbarungen bedeckt was den Qualitätsfehler betrifft, betonte aber, dass der Austausch der Dächer aufgrund optischer Themen stattfand. Das Dach sei zu jeder Zeit sicher gewesen. Die Kosten für den Austausch sei in den Zahlen mit eingerechnet. Die Gesamtbelastung durch den Bronco bezifferte er auf 200 Millionen Euro.

Ohne Bronco sei das Geschäft 2021 deshalb positiv ausgefallen. Inzwischen läuft das Projekt laut Engelmann gut. Demnächst soll ein weiteres Werk in den USA eröffnet werden. Deshalb werde es auch dieses Jahr wieder Belastungen durch den Bronco-Auftrag geben, allerdings geringere. Er sei zuversichtlich, dass das Projekt Webasto in Zukunft Freude machen werde.

Webasto in Zahlen: So verlief 2021 für den Zulieferer

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12,2 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Damit konnte Webasto wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen (2020: 3,3 Milliarden Euro). Davon entfallen 83 Prozent auf das Kerngeschäft mit Dächern, 13 Prozent auf Heiz- und Kühlsysteme und vier Prozent auf Lösungen für die Elektromobilität.

 

Die Umsatzrendite lag bei -3,9 Prozent und -146 Millionen Euro (2020: -2,1 Prozent und -69 Millionen Euro).

 

Das meiste Geschäft machte Webasto in Asien (42 Prozent), gefolgt von Europa (36 Prozent) und den USA (22 Prozent).

E-Mobilität wird für Webasto immer wichtiger

Neben den Dächern investiert Webasto seit einigen Jahren auch in die Elektromobilität. Im laufenden Jahr zeigt sich nun, dass diese immer mehr zum weiteren Standbein wird. So hat das Unternehmen zu Beginn des Jahres zwei neue Aufträge von einem deutschen und einem südkoreanischen Automobilhersteller mit einem Volumen von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro erhalten. Webasto plant deshalb ein neues Batteriewerk in der Slowakei.

Damit lag der Auftragseingang bei der Elektromobilität im ersten Quartal erstmals höher als das Kerngeschäft. Die Doppelstrategie – Kerngeschäft und Elektromobilität – sei deshalb weiterhin wichtig, so Engelmann.

Warum Webasto so auf die E-Mobilität setzt, hat Engelmann auch im Podcast Industry Insights erklärt:

Podcast: Webasto-Chef Engelmann über E-Mobilität

Webasto: Keine Prognose für 2022

Für das laufende Jahr wollte Engelmann keine Prognose machen. Die schwierigen Rahmenbedingungen erhöhen derzeit den Druck, sagte er. Webasto habe zwar keine eigenen Standorte in der Ukraine, aber die Supply-Chain-Probleme der Kunden bekomme das Unternehmen auch zu spüren. Das Russlandgeschäft wurde im Übrigen gestoppt. Laut Engelmann liegt hat es einen Anteil von unter einem Prozent am Gesamtumsatz.

Ein weiteres Problem: Die Lockdowns in China beeinträchtigen die Produktionen vor Ort erheblich, so der CEO. An einigen Standorten können die Beschäftigten zwar inzwischen wieder zur Arbeit kommen, allerdings seien die Lieferketten weiter massiv gestört, berichtete Engelmann. So sind die Transportwege zwischen vielen Städten unterbrochen.

Alles zu den Beschränkungen in China erfahren Sie auch in diesem Artikel: „Lockdowns in China: Die Auswirkungen für die Industrie“

Dazu kommen noch der Halbleitermangel und gestiegene Materialkosten. Das Unternehmensergebnis spiegelt die Herausforderungen wider: Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,4 Prozent, aber das Ebit lag weiterhin im negativen Bereich (-28 Millionen Euro). Als Konsequenz hat sich Webasto einen strikten Sparkurs auferlegt. Zudem stehen die Investitionen auf dem Prüfstand.

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