Leoni-Mitarbeiter arbeiten an einem Legebrett

Die Komplexität heutiger Bordnetze verhindert den Einsatz innovativer Automatisierungsansätze. Der Paradigmenwechsel im Bordnetz hin zu zonalen Architekturen ist Grundvoraussetzung für neuartige Automatisierungslösungen in der Produktion, wie Leoni sie im IIC entwickelt. (Bild: Leoni AG)

Herr Spengler, im Podcast haben Sie schon angekündigt, dass es bei Leoni im zweiten Halbjahr etwas Neues geben wird. Heute dürfen Sie es verraten: Was steckt hinter dem Geheimnis?

Ingo Spengler: Wir eröffnen heute in Kitzingen unser Innovation Industrialization Center, kurz IIC. Es ist ein Think-Tank für das Bordnetz-Geschäft der Leoni Wiring Systems Division (WSD). Hier werden unsere Experten aus der gesamten Leoni-Welt, von Kunden, Lieferanten oder auch Hochschulen zusammenkommen, um über alle Funktionen und Fachbereiche hinweg die Bordnetze der nächsten Generation zu entwickeln. Für das IIC haben wir eine Halle, die früher für Büros genutzt wurde, komplett leergeräumt, rund 3000 Quadratmeter Fläche. Das Kernteam bilden 15 hochqualifizierte Mitarbeitende aus Kitzingen, flexibel, quasi atmend ergänzt um die jeweiligen internationalen Projektteams.

Welche Ziele verfolgen Sie genau mit dem IIC?

Spengler: Das IIC ist ein Campus, ein Think-Tank, auf und in dem Experten zusammenarbeiten, und das disziplinübergreifend. Das Besondere ist: Wir synchronisieren im IIC Produkt- und Prozessentwicklung. Mit dem Ziel, parallel zur nächsten Generation Bordnetze auch die nächste Generation an Prozessstandards zu entwickeln. Und – man könnte fast sagen: wie in einer kleinen Hexenküche – Innovationen voranzutreiben. Schon im Podcast war ja Thema, wie sehr sich die Branche verändert. Zum Beispiel durch die Elektromobilität. Damit steigen natürlich auch die Ansprüche an das Bordnetz-System als Nervensystem eines Autos. Genauso die Chancen, gerade in der Produktion. Denken Sie nur an das Thema Automatisierung.

Können Sie das konkretisieren?

Spengler: In einem Auto müssen Sie heute immer mehr Funktionen und Daten beherrschen. Und das natürlich bitte auf immer weniger Platz bei immer weniger Gewicht. Eine Antwort der Leoni-Entwickler darauf: Miteinander intelligent vernetzte kleinere Bordnetz-Systeme im Fahrzeug statt des gewohnten einen zentralen Kabelstrangs. Mein Kollege Walter Glück, CTO der Leoni WSD, nennt das zonale Architektur.

Das Spannende für mich als COO ist, dass es mit der zonalen Architektur möglich wird, mehr und mehr Schritte in der Produktion zu automatisieren. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte des Bordnetz. Klar, dass wir dieses Thema vorantreiben wollen, um noch produktiver zu werden. Ebenso das Thema Digitalisierung. Deshalb ist es so wichtig, dass mit dem IIC bei uns Produkt und Produktion noch enger zusammenrücken. Klar auch, dass wir die Früchte dieser engen Verzahnung mit Patenten absichern werden.

Das alles werden wir dann auf den Markt bringen – „ready to use“ und „time to market”. Zudem kostengünstiger und flexibler in der Produktion, ohne bei der Qualität nachzulassen. Vorteile, die sicher auch unsere Kunden, also die OEM, schätzen werden.

Podcast: Leoni-COO Ingo Spengler zur Zukunft des Zulieferers

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Sie haben es schon angedeutet: Gibt es einen bestimmten Bereich aus dem Leoni-Portfolio auf den Sie sich mit dem IIC besonders fokussieren wollen? Oder geht es viel weiter als die Bereiche, die Leoni bisher behandelt hat?

Spengler: Der Fokus liegt auf den Themen Automatisierung und Digitalisierung. Wie sieht eine smarte Automatisierung aus? Was lässt sich vielleicht schon kurzfristig automatisieren? Was in einem nächsten Schritt, wenn mehr und mehr Autobauer auf Bordnetze mit zonaler Architektur schwören? Sie wissen, die Fertigung von Bordnetzen ist heute sehr personalintensiv. Personal, das auf dem Arbeitsmarkt sowohl in Osteuropa, aber mittlerweile auch in Nordafrika, immer begehrter ist. Auch hier kann uns Automatisierung helfen.

Und natürlich sind wir immer offen für Möglichkeiten, unser Angebot rund um das Kernprodukt Bordnetze zu erweitern. Gerade mit Blick auf die sich wandelnde Mobilität hin zu Alternativen Antrieben und Autonomem Fahren.

Lassen Sie es uns noch weiter herunterbrechen: Was wird in dem Center ganz konkret entstehen, was Leoni seinen Kunden bisher nicht bieten konnte?

Spengler: Das IIC ist zum Erleben, Anfassen, Mitmachen. Es ist keine trockene PowerPoint-Präsentation, sondern ich kann den Kunden an die Hand nehmen und in das Werk gehen. Im IIC kann er mit eigenen Augen sehen, wie wir das Bordnetz für ihn entwickeln und dann produzieren werden.

Und wir werden schneller. Nehmen Sie die ersten Anlagen, die schon in das IIC eingezogen sind. Als ein großer Kunde kürzlich schon mal hier war, haben wir ihm direkt hier im IIC Prototyp-Teile nach seiner Zeichnung produziert. Innerhalb von 48 Stunden.

Also ist es einfach die Geschwindigkeit, die dann zunimmt?

Spengler: Wir werden schneller. Und wir können es dem Kunden gleich zeigen. Und das nicht bloß als PowerPoint-Grafik. Im IIC sieht der Kunde zudem direkt, wie wir diese Teile für ihn fertigen können.

Das ist Ingo Spengler

Ingo Spengler, COO von Leoni
(Bild: Leoni AG)

Ingo Spengler ist seit Februar COO des Zulieferers Leoni. Er ist seit Anfang 2021 im Unternehmen und hat zunächst das Ressort "Operations" im Bordnetz-Bereich verantwortet.

Vor seiner Tätigkeit bei Leoni war Ingo Spengler bei Fauresia, Magna und Volkswagen.

Im Podcast erklären wir es genauer: Leoni ist ein sehr internationales Unternehmen und hat in vielen verschiedenen Ländern Standorte. Als Ergänzung nun die Frage: Wo und wie ist das neue IIC im Konzern eingegliedert? Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Spengler: Das IIC arbeitet mit allen Standorten der Leoni-Welt zusammen. Das Know-how ist in den Werken. Zum Beispiel beim Techniker in Ägypten, der tagtäglich auf dem Shopfloor arbeitet. Gehört er oder sie für ein bestimmtes Projekt zu unseren Experten, setzt er sich hier im IIC mit seinen Kollegen aus anderen Ländern zusammen, um im Team zum Beispiel den neuen Standard zu definieren.

Und wie setzt sich das Team, das sie permanent im IIC haben, zusammen? Wurden die Mitarbeitenden extra für das IIC neu eingestellt? Oder wurden sie aus den verschiedenen Werken zusammengebracht?

Spengler: Wir haben die Besten zusammengebracht. Das IIC wird eine Basis haben von 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das ist das Kernteam. Das sind Techniker, Ingenieure, Doktoren, Experten aus allen Leoni-Bereichen. Und: Wir arbeiten im IIC auch mit Universitäten zusammen. Zum Beispiel mit Studierenden, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit schreiben. Im Bereich KI arbeiten wir etwa mit der TU München zusammen.

Können Sie uns einen Einblick geben, welche konkreten Projekte es schon für das IIC gibt? Und wann wollen Sie das erste IIC-Produkt vorstellen?

Spengler: Wir haben eine Liste, auf der stehen mehr als zwei Hände voll Projekte. Dazu eine sehr harte Zeitschiene: Die ersten Projekte und Anwendungsstandards sollen 2023 veröffentlicht werden.

Leonis neues Innovation Industrialization Center von außen
Am Standort Kitzingen investiert Leoni in die Zukunft der Bordnetze: Im IIC sollen Produkt- und Produktionsentwicklung optimal miteinander verzahnt werden. (Bild: Leoni AG)

Und wie hoch waren die Investitionskosten für das IIC?

Spengler: Die Halle war, wie gesagt schon da, auch die Mitarbeitenden waren da. Neu sind die Anlagen, da reden wir bis jetzt von einem hohen einstelligen Millionenbetrag. Aber der Mehrwert des IIC bemisst sich nicht an dieser Summe. Der Mehrwert ist der Think-Tank, der hier entsteht, dazu die enge Verzahnung von Produkt und Produktion. Das IIC wird der „rocket start“ für Leoni sein: mit vollem Schub zum Bordnetz der nächsten Generation.

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