Das Industrial Metaverse wird in Erlangen zur industriellen Praxis: Siemens investiert rund 500 Mio EUR und verbindet Software, Shopfloor und Nachhaltigkeit.
Wie verändert Digital Enterprise die Produktion? Siemens zeigt in Erlangen, wie Lean, KI und digitale Zwillinge zusammenspielen.Stephan Minx
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Summary: Siemens zeigt am 17. Juni 2026 beim Maschinenbau-Gipfel-Salon im Gerätewerk Erlangen, wie das Industrial Metaverse im Betrieb genutzt wird. Im Mittelpunkt stehen Führungen, eine Panel-Diskussion sowie der Green-Lean-Digital-Ansatz. Das Werk gilt als digitale Leuchtturmfabrik und soll zeigen, wie Produktion in Deutschland flexibler, produktiver und nachhaltiger werden kann.
Siemens investiert massiv in Erlangen und macht den
Standort zum Technologiecampus für Leistungselektronik, Digitalisierung und
Industrial Metaverse. Dahinter steht eine Botschaft, die weit über Siemens
hinausweist: Die Zukunft industrieller Produktion in Deutschland entscheidet
sich an der Verbindung von Software und Shopfloor.
Wenn über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland
gesprochen wird, geht es oft um Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel und
internationale Wettbewerbsfähigkeit. All das ist wichtig. Doch manchmal zeigt
ein konkreter Standort besser als jede Grundsatzrede, worum es im Kern geht.
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Das Siemens Gerätewerk Erlangen ist ein solcher Ort. Hier
wird nicht nur produziert. Hier wird sichtbar, wie sich industrielle
Wertschöpfung verändert. Aus einem traditionsreichen Produktionsstandort mit
mehr als 50 Jahren Geschichte entsteht ein Hochtechnologiecampus, der
Entwicklung, Produktion, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kundenerlebnis
enger zusammenführt.
500 Millionen für die Transformation
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Siemens investiert rund 500 Millionen Euro in die
Transformation des Standorts Erlangen. Bis 2027 soll zunächst ein Zentrum für
Logistik, Service und flexible Automation entstehen, bis 2030 folgen ein
Zentrum für Entwicklung und Innovation für Leistungselektronik sowie
zusätzliche Produktionsflächen. Siemens beschreibt Erlangen als künftigen
Vorzeigestandort für das industrielle Metaverse und als starkes Zeichen für den
Wirtschaftsstandort Deutschland.
Das industrielle Metaverse klingt für manche noch immer nach
Zukunftsmusik. In Erlangen wird daraus industrielle Praxis. Der Kern ist nicht
eine virtuelle Spielerei, sondern ein handfester Produktivitätsansatz: Reale
Prozesse, Produkte und Anlagen werden digital simuliert, getestet und
optimiert, bevor sie physisch umgesetzt werden. Digitale Zwillinge und KI
sollen Entwicklungs- und Produktionsprozesse schneller, sicherer und
effizienter machen.
Genau darin liegt die strategische Bedeutung. Moderne
Fabriken sind nicht mehr nur physische Orte. Sie sind cyber-physische Systeme.
Ihre Leistungsfähigkeit hängt davon ab, wie gut Engineering, Produktion,
Automatisierung, Datenanalyse, Software und der Mensch zusammenspielen. Wer
diese Verbindung beherrscht, kann Variantenvielfalt besser steuern, Qualität
früher absichern, Anläufe beschleunigen und Ressourcen effizienter einsetzen.
Flexible Automation ermöglicht Wirtschaftlichkeit
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Im Gerätewerk Erlangen ist diese Logik bereits im laufenden
Betrieb sichtbar. Digitale Zwillinge unterstützen nicht nur Simulationen,
sondern Produktdesign, Manufacturing Engineering und Inbetriebnahmen. KI hilft
bei Qualitätssicherung, Robotik und Prozessoptimierung. Flexible Automation
ermöglicht wirtschaftliche Automatisierung auch dort, wo klassische Konzepte an
mittleren Volumen oder variantenreichen Aufträgen scheitern.
Damit adressiert Siemens eine Kernfrage der deutschen
Industrie: Wie kann Hightech-Produktion an einem Hochlohnstandort erfolgreich
bleiben? Die Antwort lautet: indem sie nicht versucht, alte Effizienzlogiken
endlos auszureizen, sondern neue Technologien implementiert und die
Mitarbeitenden die digitale Transformationsreise
mitnimmt. Geschwindigkeit, Flexibilität, Nachhaltigkeit und
Steuerungsintelligenz werden zu Wettbewerbsfaktoren.
Bemerkenswert ist auch, dass Siemens die Transformation mit
einem klaren Nachhaltigkeitsanspruch verbindet. Der neue Technology Campus wird
nach Siemens-Angaben konsequent in Richtung Null-Emissionen-Standort
entwickelt. Bereits in der Konzeptionsphase wurden Gebäude virtuell geplant und
simuliert, um Nachhaltigkeitsziele früh zu berücksichtigen. Beim Rückbau
bestehender Gebäude setzte Siemens auf vollelektrische Baumaschinen und hohe
Wiederverwertung von Materialien; 96 Prozent des Bauschutts sollen für den
Neubau wiederverwendet werden.
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Das ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein
industriepolitisches Statement. Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden nicht
als Gegensätze behandelt, sondern als zwei Seiten derselben Transformation. Wer
Energie, Material, Flächen und Prozesse intelligent steuert, produziert nicht
nur effizienter, sondern auch ressourcenschonender.
Für Siemens erfüllt Erlangen künftig mehrere Rollen
zugleich. Der Standort bleibt Produktionswerk für Schlüsselkomponenten der
industriellen Automatisierung und Digitalisierung. Er ist Lead Factory, weil
dort entwickelte Standards und Blueprints auf andere Werke übertragen werden
können. Er ist Customer Zero, weil Siemens neue Technologien im eigenen
Produktionsumfeld erprobt. Und er ist Referenzstandort, an dem Kunden und
Partner erleben können, wie Green Lean Digital und der Weg zur autonomen
Fertigung konkret aussehen.
Zusammenspiel aus realer Produktion und digitaler Intelligenz
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Gerade deshalb ist der Maschinenbau-Gipfel-Salon an diesem
Ort besonders spannend. Der Salon bringt die Diskussion dorthin, wo die Fragen
des Maschinenbaus praktisch sichtbar werden: Wie kommt das Industrial Metaverse
aus der Vision in den Betrieb? Wie lassen sich KI, digitale Zwillinge und
Robotik produktionswirksam einsetzen? Wie wird aus Digitalisierung ein
messbarer Beitrag zu Qualität, Time-to-Market, Flexibilität und Produktivität?
Die Botschaft aus Erlangen ist klar: Die Fabrik der Zukunft
entsteht nicht durch den Austausch einzelner Maschinen. Sie entsteht durch ein
neues Zusammenspiel aus realer Produktion und digitaler Intelligenz. Und sie
verlangt Flexibilität sowie die Weiterbildung der Mitarbeitenden - einen
Kulturwandel. Denn wenn Prozesse zunehmend datengetrieben, KI-gestützt und
autonomer werden, verändern sich auch Rollen, Entscheidungen und
Verantwortlichkeiten im Werk.
Für den Industriestandort Deutschland liegt darin eine große
Chance. Erlangen zeigt, dass Hightech-Produktion hierzulande möglich ist – wenn
Unternehmen bereit sind, tiefgreifend zu transformieren, Softwarekompetenz mit
Produktionswissen zu verbinden und Nachhaltigkeit als operative Führungsgröße
zu verstehen. Genau darüber muss der Maschinenbau jetzt sprechen. Und genau
deshalb gehört diese Diskussion an einen
Produktionsstandort.
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Industrial Metaverse in Erlangen
• Was bedeutet Industrial Metaverse in Erlangen? – Das Industrial Metaverse beschreibt dort die digitale Simulation, Prüfung und Optimierung realer Prozesse, Produkte und Anlagen vor der physischen Umsetzung.
• Warum investiert Siemens in das Industrial Metaverse in Erlangen? – Siemens will den Standort zu einem Technologiecampus für Leistungselektronik, Digitalisierung und Industrial Metaverse weiterentwickeln.
• Welche Rolle spielt das Industrial Metaverse für die Produktion? – Es soll Entwicklungs- und Produktionsprozesse schneller, sicherer und effizienter machen und digitale Zwillinge, KI sowie Shopfloor-Prozesse verbinden.
• Wie hängt das Industrial Metaverse mit Nachhaltigkeit zusammen? – In Erlangen werden Gebäude virtuell geplant und simuliert, Materialien wiederverwendet und der Technology Campus in Richtung Null-Emissionen-Standort entwickelt.
• Warum ist das Industrial Metaverse für den Maschinenbau relevant? – Es zeigt, wie Digitalisierung, KI, digitale Zwillinge und Robotik produktionswirksam eingesetzt werden können, um Qualität, Flexibilität und Produktivität zu verbessern.