Siemens Gerätewerk Erlangen

Wie Siemens Erlangen zum Hightech-Campus macht

Das Industrial Metaverse wird in Erlangen zur industriellen Praxis: Siemens investiert rund 500 Mio EUR und verbindet Software, Shopfloor und Nachhaltigkeit.

Wie verändert Digital Enterprise die Produktion? Siemens zeigt in Erlangen, wie Lean, KI und digitale Zwillinge zusammenspielen.

Summary: Siemens zeigt am 17. Juni 2026 beim Maschinenbau-Gipfel-Salon im Gerätewerk Erlangen, wie das Industrial Metaverse im Betrieb genutzt wird. Im Mittelpunkt stehen Führungen, eine Panel-Diskussion sowie der Green-Lean-Digital-Ansatz. Das Werk gilt als digitale Leuchtturmfabrik und soll zeigen, wie Produktion in Deutschland flexibler, produktiver und nachhaltiger werden kann. 

Siemens investiert massiv in Erlangen und macht den Standort zum Technologiecampus für Leistungselektronik, Digitalisierung und Industrial Metaverse. Dahinter steht eine Botschaft, die weit über Siemens hinausweist: Die Zukunft industrieller Produktion in Deutschland entscheidet sich an der Verbindung von Software und Shopfloor.

Wenn über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland gesprochen wird, geht es oft um Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel und internationale Wettbewerbsfähigkeit. All das ist wichtig. Doch manchmal zeigt ein konkreter Standort besser als jede Grundsatzrede, worum es im Kern geht.

Das Siemens Gerätewerk Erlangen ist ein solcher Ort. Hier wird nicht nur produziert. Hier wird sichtbar, wie sich industrielle Wertschöpfung verändert. Aus einem traditionsreichen Produktionsstandort mit mehr als 50 Jahren Geschichte entsteht ein Hochtechnologiecampus, der Entwicklung, Produktion, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kundenerlebnis enger zusammenführt.

500 Millionen für die Transformation

Siemens investiert rund 500 Millionen Euro in die Transformation des Standorts Erlangen. Bis 2027 soll zunächst ein Zentrum für Logistik, Service und flexible Automation entstehen, bis 2030 folgen ein Zentrum für Entwicklung und Innovation für Leistungselektronik sowie zusätzliche Produktionsflächen. Siemens beschreibt Erlangen als künftigen Vorzeigestandort für das industrielle Metaverse und als starkes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Das industrielle Metaverse klingt für manche noch immer nach Zukunftsmusik. In Erlangen wird daraus industrielle Praxis. Der Kern ist nicht eine virtuelle Spielerei, sondern ein handfester Produktivitätsansatz: Reale Prozesse, Produkte und Anlagen werden digital simuliert, getestet und optimiert, bevor sie physisch umgesetzt werden. Digitale Zwillinge und KI sollen Entwicklungs- und Produktionsprozesse schneller, sicherer und effizienter machen.

Genau darin liegt die strategische Bedeutung. Moderne Fabriken sind nicht mehr nur physische Orte. Sie sind cyber-physische Systeme. Ihre Leistungsfähigkeit hängt davon ab, wie gut Engineering, Produktion, Automatisierung, Datenanalyse, Software und der Mensch zusammenspielen. Wer diese Verbindung beherrscht, kann Variantenvielfalt besser steuern, Qualität früher absichern, Anläufe beschleunigen und Ressourcen effizienter einsetzen.

Flexible Automation ermöglicht Wirtschaftlichkeit

Im Gerätewerk Erlangen ist diese Logik bereits im laufenden Betrieb sichtbar. Digitale Zwillinge unterstützen nicht nur Simulationen, sondern Produktdesign, Manufacturing Engineering und Inbetriebnahmen. KI hilft bei Qualitätssicherung, Robotik und Prozessoptimierung. Flexible Automation ermöglicht wirtschaftliche Automatisierung auch dort, wo klassische Konzepte an mittleren Volumen oder variantenreichen Aufträgen scheitern.

Damit adressiert Siemens eine Kernfrage der deutschen Industrie: Wie kann Hightech-Produktion an einem Hochlohnstandort erfolgreich bleiben? Die Antwort lautet: indem sie nicht versucht, alte Effizienzlogiken endlos auszureizen, sondern neue Technologien implementiert und die Mitarbeitenden die digitale Transformationsreise mitnimmt. Geschwindigkeit, Flexibilität, Nachhaltigkeit und Steuerungsintelligenz werden zu Wettbewerbsfaktoren.

Klarer Nachhaltigkeitsanspruch

Bemerkenswert ist auch, dass Siemens die Transformation mit einem klaren Nachhaltigkeitsanspruch verbindet. Der neue Technology Campus wird nach Siemens-Angaben konsequent in Richtung Null-Emissionen-Standort entwickelt. Bereits in der Konzeptionsphase wurden Gebäude virtuell geplant und simuliert, um Nachhaltigkeitsziele früh zu berücksichtigen. Beim Rückbau bestehender Gebäude setzte Siemens auf vollelektrische Baumaschinen und hohe Wiederverwertung von Materialien; 96 Prozent des Bauschutts sollen für den Neubau wiederverwendet werden.

Das ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein industriepolitisches Statement. Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden nicht als Gegensätze behandelt, sondern als zwei Seiten derselben Transformation. Wer Energie, Material, Flächen und Prozesse intelligent steuert, produziert nicht nur effizienter, sondern auch ressourcenschonender.

Für Siemens erfüllt Erlangen künftig mehrere Rollen zugleich. Der Standort bleibt Produktionswerk für Schlüsselkomponenten der industriellen Automatisierung und Digitalisierung. Er ist Lead Factory, weil dort entwickelte Standards und Blueprints auf andere Werke übertragen werden können. Er ist Customer Zero, weil Siemens neue Technologien im eigenen Produktionsumfeld erprobt. Und er ist Referenzstandort, an dem Kunden und Partner erleben können, wie Green Lean Digital und der Weg zur autonomen Fertigung konkret aussehen.

Zusammenspiel aus realer Produktion und digitaler Intelligenz

Gerade deshalb ist der Maschinenbau-Gipfel-Salon an diesem Ort besonders spannend. Der Salon bringt die Diskussion dorthin, wo die Fragen des Maschinenbaus praktisch sichtbar werden: Wie kommt das Industrial Metaverse aus der Vision in den Betrieb? Wie lassen sich KI, digitale Zwillinge und Robotik produktionswirksam einsetzen? Wie wird aus Digitalisierung ein messbarer Beitrag zu Qualität, Time-to-Market, Flexibilität und Produktivität?

Die Botschaft aus Erlangen ist klar: Die Fabrik der Zukunft entsteht nicht durch den Austausch einzelner Maschinen. Sie entsteht durch ein neues Zusammenspiel aus realer Produktion und digitaler Intelligenz. Und sie verlangt Flexibilität sowie die Weiterbildung der Mitarbeitenden - einen Kulturwandel. Denn wenn Prozesse zunehmend datengetrieben, KI-gestützt und autonomer werden, verändern sich auch Rollen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten im Werk.

Für den Industriestandort Deutschland liegt darin eine große Chance. Erlangen zeigt, dass Hightech-Produktion hierzulande möglich ist – wenn Unternehmen bereit sind, tiefgreifend zu transformieren, Softwarekompetenz mit Produktionswissen zu verbinden und Nachhaltigkeit als operative Führungsgröße zu verstehen. Genau darüber muss der Maschinenbau jetzt sprechen. Und genau deshalb gehört diese Diskussion an einen Produktionsstandort.

Industrial Metaverse in Erlangen

• Was bedeutet Industrial Metaverse in Erlangen? – Das Industrial Metaverse beschreibt dort die digitale Simulation, Prüfung und Optimierung realer Prozesse, Produkte und Anlagen vor der physischen Umsetzung.

• Warum investiert Siemens in das Industrial Metaverse in Erlangen? – Siemens will den Standort zu einem Technologiecampus für Leistungselektronik, Digitalisierung und Industrial Metaverse weiterentwickeln.

• Welche Rolle spielt das Industrial Metaverse für die Produktion? – Es soll Entwicklungs- und Produktionsprozesse schneller, sicherer und effizienter machen und digitale Zwillinge, KI sowie Shopfloor-Prozesse verbinden.

• Wie hängt das Industrial Metaverse mit Nachhaltigkeit zusammen? – In Erlangen werden Gebäude virtuell geplant und simuliert, Materialien wiederverwendet und der Technology Campus in Richtung Null-Emissionen-Standort entwickelt.

• Warum ist das Industrial Metaverse für den Maschinenbau relevant? – Es zeigt, wie Digitalisierung, KI, digitale Zwillinge und Robotik produktionswirksam eingesetzt werden können, um Qualität, Flexibilität und Produktivität zu verbessern.