Sicherheitsforschung mit Industrie-Fokus
Dual Use: Fraunhofer FKIE und MISI bündeln ihre Kräfte
Ein neuer Schulterschluss in Mitteldeutschland setzt Maßstäbe in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung. Fraunhofer FKIE und MISI starten eine Kooperation, die Wissenschaft, Industrie und Politik strategisch vernetzt.
Dual-Use-Technologien wie Drohnensysteme, Notstromlösungen und mobile Medizintechnik stehen im Fokus der Zusammenarbeit von MISI und Fraunhofer FKIE.
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Neue Allianz mit strategischer Wirkung
Eine Kooperation mit Signalwirkung: Das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) und das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE haben eine Vereinbarung zur engen Zusammenarbeit unterzeichnet. Im Fokus steht die Verteidigungs- und Sicherheitsforschung – mit klarer industrieller Ausrichtung.
Generalmajor a. D. Markus Kurczyk, Vorsitzender des MISI, und Prof. Dr. Christoph Igel, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer FKIE, gaben am 7. Januar 2026 in Leipzig und Wachtberg die Kooperation offiziell bekannt. Die Bündelung von Forschungskompetenz und industrieller Praxis soll die Wettbewerbsfähigkeit der Region Mitteldeutschland stärken und eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und industriellen Bedarfen schlagen.
„Mit der Kooperation schaffen wir eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und konkreten industriellen Bedarfen“, betonte Kurczyk. „Gerade bei Dual-Use-Technologien und kritischen Infrastrukturen braucht es verlässliche Partnerschaften. Ziel ist es, Forschung schnell in anwendbare Lösungen zu überführen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken.“
Fokus auf Dual-Use und kritische Infrastrukturen
Die Zusammenarbeit adressiert gezielt technologische Herausforderungen, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Kontext Relevanz besitzen. Dual-Use-Technologien wie Drohnensysteme, Notstromlösungen oder mobile Medizintechnik stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie Kommunikationsnetze, Verkehrswege und Logistiksysteme. Auch Themen der Versorgungssicherheit zählen zum gemeinsamen Arbeitsfeld.
Ein erklärtes Ziel der Kooperation ist der Aufbau von regionalen Informations- und Innovationsnetzwerken, die Akteure aus Industrie, Forschung und Politik verbinden. So soll eine systematische Entwicklung und Implementierung sicherheitsrelevanter Technologien ermöglicht werden.
Prof. Dr. Christoph Igel betonte: „Wir bringen unsere Expertise in der angewandten Sicherheits- und Verteidigungsforschung gezielt in die Zusammenarbeit ein. Im Verbund mit Industrie und weiteren Akteuren können wir Technologien entwickeln, die sowohl sicherheitsrelevant als auch zivil nutzbar sind – insbesondere dort, wo es um den Schutz und die Resilienz kritischer Infrastrukturen geht.“
Austauschformate für Wissenschaft und Wirtschaft
Fraunhofer FKIE und MISI planen die Einführung gemeinsamer Austausch-, Analyse- und Feedbackformate. Diese sollen die Anforderungen aus der Wirtschaft mit den Forschungskapazitäten in Einklang bringen. Dadurch entsteht eine praxisnahe Entwicklungsumgebung, die auf kurzfristige Umsetzungserfolge ebenso abzielt wie auf langfristige Innovationsstrategien.
Die Verbindung von Technologiekompetenz und marktorientierter Anwendung steht dabei im Vordergrund. Das Zusammenspiel soll mitteldeutsche Unternehmen in die Lage versetzen, schneller auf sicherheits- und verteidigungsrelevante Ausschreibungen zu reagieren und technologische Eigenständigkeit im europäischen Kontext zu stärken.
Fraunhofer FKIE: 60 Jahre Erfahrung an der Seite der Bundeswehr
Mit rund 650 Mitarbeitenden gehört das Fraunhofer FKIE zu den führenden Forschungsinstituten auf dem Gebiet der Verteidigungsforschung in Deutschland. Das Institut mit Hauptsitz in Wachtberg sowie weiteren Standorten in Bonn, Aachen und Leipzig fokussiert sich auf Schlüsselthemen wie „Software Defined Defence“, landbasierte Operationen und Cyberabwehr.
Besondere Expertise besteht in der Entwicklung von Führungssystemen (C2), Mensch-Maschine-Schnittstellen sowie in Fragen der Systemergonomie. Auch die Transformation ziviler Technologien für sicherheitsrelevante Anwendungen wird gezielt vorangetrieben.
„Das Fraunhofer FKIE ist Verteidigerinstitut durch und durch“, unterstrich Igel. „Mehr als 60 Jahre nationale und internationale Forschung, Technologie und Innovation an der Seite der Bundeswehr und gemeinsam mit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind unsere DNA.“
Diese DNA ergänze sich laut Igel optimal mit dem Anspruch des Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie: „Gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Institut für Sicherheitsindustrie wird das Fraunhofer FKIE von Leipzig aus einen wichtigen Beitrag zur Transformation von Industrie und Wirtschaft leisten.“
MISI als Plattform für industrielle Vernetzung
Das im September 2025 gegründete Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie positioniert sich als zentrale Markt- und Netzwerkplattform für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände aus der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft.
Ziel ist es, regionale Anbieter mit Bedarfsträgern wie Behörden, Betreibern und Beschaffungsstellen zu verknüpfen. So entsteht ein funktionales Ökosystem, das sowohl Marktzugang als auch technologische Entwicklung beschleunigt.
„Ohne industrielle Stärke und ohne Forschung gibt es keine Verteidigungsfähigkeit – und ohne regionale Wertschöpfung keine Akzeptanz“, erklärte General Kurczyk.
Mit Blick auf die neue Allianz sagte Igel: „Gerade weil sich die Kompetenzen und Fähigkeiten von MISI und FKIE so hervorragend ergänzen, ist dies eine einzigartige Chance für Mittel- und Ostdeutschland. Und wir wollen diese ab sofort gemeinsam nutzen.“
Mit Material des MISI
FAQ zur Kooperation von MISI und Fraunhofer FKIE
Wer hat die Kooperation ins Leben gerufen? - Die Zusammenarbeit wurde vom Mitteldeutschen Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) und dem Fraunhofer FKIE initiiert.
Was ist das Ziel der Partnerschaft? - Ziel ist die Stärkung der Verteidigungs- und Sicherheitsforschung mit Fokus auf Dual-Use-Technologien und kritische Infrastrukturen.
Welche Technologien stehen im Mittelpunkt? - Unter anderem Drohnensysteme, Notstromlösungen, mobile Medizintechnik sowie Kommunikations- und Versorgungssysteme.
Welche Rolle spielt das Fraunhofer FKIE? - Das FKIE bringt seine langjährige Expertise in der angewandten Verteidigungsforschung und Technologieentwicklung ein.
Was ist das MISI? - Das MISI ist eine Plattform zur Vernetzung von Industrie, Forschung und Behörden im Bereich Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft.
Welche Regionen profitieren von der Kooperation? - Der Fokus liegt auf Mitteldeutschland, insbesondere auf der Stärkung der industriellen Basis in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.