Kampf gegen Bedrohungen der Zukunft
Rheinmetall und MBDA gründen Laserwaffen-JV
Ein neuer Akteur für Laserwaffen formiert sich im Rüstungsmarkt: Rheinmetall und MBDA bündeln ihre Kräfte für eine Zukunftstechnologie, die längst Realität ist.
Der Laserwaffen-Demonstrator von Rheinmetall und MBDA während der Testphase zur See.
Rheinmetall)
Hochenergielaser im Fokus europäischer Rüstungsstrategien
Rheinmetall und MBDA haben am 5. Januar 2026 die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Entwicklung, Produktion und Integration von bodengebundenen laserbasierten Hochenergiewaffensystemen bekannt gegeben. Ziel ist es, die Fähigkeiten beider Unternehmen zu bündeln, um gemeinsam eine führende Rolle bei der Bereitstellung solcher Systeme für die Bundeswehr und andere europäische Streitkräfte einzunehmen.
Das neue Gemeinschaftsunternehmen firmiert unter dem Namen Laser Joint Venture GmbH. Die Anteilsverhältnisse sind zu gleichen Teilen aufgeteilt: Rheinmetall und MBDA halten jeweils 50 Prozent. Die Eintragung des Joint Ventures ins Handelsregister sowie die kartellrechtliche Genehmigung stehen noch aus.
Zielgerichtete Bündelung von Kompetenzen
Die Vereinbarung wurde nach Zustimmung der entsprechenden Gremien beider Unternehmen unterzeichnet. Der Firmensitz der neuen Gesellschaft wird Ottobrunn sein, mit einer weiteren Betriebsstätte in Unterlüß. Diese Standorte sind nicht zufällig gewählt – sie bilden bereits heute Kompetenzzentren der jeweiligen Unternehmen im Bereich moderner Waffensysteme.
Die Partner sehen in der Gründung einen entscheidenden Schritt zur industriellen Umsetzung einer richtungsweisenden Technologie. In der offiziellen Mitteilung heißt es: „Mit dem neuen Unternehmen schaffen Rheinmetall und MBDA einen zentralen Integrator für laserbasierte Hochenergiewaffensysteme. Gemeinsam bringen beide Partner die hierfür notwendigen Fähigkeiten mit: MBDA ist Spezialist für die Integration von Waffensystemen in das Gefechtsfeldmanagement, Rheinmetall verfügt über das notwendige technologische Know-how zur Entwicklung und Herstellung von laserbasierten Hochenergie-Komponenten sowie über das erforderliche Systemverständnis.“
Von Technologie-Demonstratoren zum Einsatzsystem
Bereits im Sommer 2022 hatte Rheinmetall in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und der Deutschen Marine eine Demonstration mit einem Hochenergielaser durchgeführt. Damals wurde ein Demonstrator an Bord der Fregatte „Sachsen“ integriert.
Der Zweck war klar: die Einsatzreife laserbasierter Waffen unter realitätsnahen Bedingungen zu prüfen. Die Ergebnisse waren wegweisend für die nun folgende Gründung des Joint Ventures.
„Die Integration eines Hochenergielasersystems an Bord einer deutschen Fregatte war ein bedeutender Meilenstein“, betont die Mitteilung. „Diese erfolgreiche Demonstration ist ein zentraler Treiber für die Gründung des neuen Unternehmens.“
Ein strategischer Schritt für Europas Verteidigungsindustrie
Das neue Unternehmen versteht sich nicht nur als Lieferant von Schlüsseltechnologien, sondern auch als Systemintegrator mit europäischem Fokus. Laserwaffen gelten als vielversprechende Antwort auf Bedrohungen durch Drohnen, Artilleriegeschosse und Raketen. Ihre Einsatzgeschwindigkeit, Präzision und die Fähigkeit zum weitgehend lautlosen Einsatz bieten taktische Vorteile – insbesondere in urbanen und asymmetrischen Konfliktszenarien.
Die Fähigkeit, Hochenergielaser in bestehende und künftige Plattformen zu integrieren, wird als strategisch entscheidend angesehen. Dies umfasst sowohl stationäre Systeme als auch mobile Plattformen auf Land- oder Seebasis.
Mit dem Gemeinschaftsunternehmen entsteht nun ein zentraler Ansprechpartner für laserbasierte Waffenlösungen in Europa – mit dem klaren Ziel, souveräne europäische Technologien bereitzustellen und dabei die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu minimieren.
Politische Unterstützung und Marktpotenzial
Die Gründung der Laser Joint Venture GmbH kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die europäische Verteidigungspolitik zunehmend auf gemeinsame Fähigkeiten und technologische Souveränität setzt. Die europäische Union forciert Programme zur gemeinsamen Rüstungsentwicklung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an effektiven Lösungen zur Abwehr neuer Bedrohungen exponentiell.
Die Partner gehen davon aus, dass das Joint Venture mittelfristig auch an EU-geförderten Projekten teilnehmen wird. Der Fokus liegt zunächst auf der Bundeswehr als Hauptauftraggeber – mit der klaren Perspektive, das Angebot auf europäische Streitkräfte auszuweiten.
Die Technologie von Rheinmetall und MBDA soll in künftigen Ausschreibungen als bevorzugte Lösung eingebracht werden.
Synergien aus Erfahrung und Infrastruktur
Mit der Wahl der Standorte Ottobrunn und Unterlüß bündeln die Unternehmen vorhandene Kompetenzen. MBDA Deutschland betreibt in Ottobrunn bereits eine Reihe von Entwicklungseinrichtungen im Bereich Lenkflugkörper und Effektorenintegration. Rheinmetall verfügt in Unterlüß über umfangreiche Test- und Produktionskapazitäten sowie jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Waffensystemen.
Die neue Gesellschaft profitiert somit nicht nur von technologischem Know-how, sondern auch von eingespielten Strukturen, die eine rasche Skalierung ermöglichen. Die Partner sprechen von einer „schlagkräftigen industriellen Plattform für den Technologievorsprung Europas im Bereich laserbasierter Verteidigungssysteme“.
Rückblick und Ausblick
Die Gründung des Laser Joint Ventures stellt einen markanten Wendepunkt in der Entwicklung laserbasierter Waffensysteme in Deutschland und Europa dar. Nach mehr als einem Jahrzehnt technologischer Vorbereitung und erfolgreichen Demonstrationen kommt nun die nächste Phase – die Industrialisierung.
Die Erfahrungen aus Projekten wie dem Hochenergielaser-Demonstrator auf der Fregatte „Sachsen“ bilden die Basis für marktreife Systeme. Auch die enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr wird fortgesetzt – mit dem Ziel, erste Einsatzsysteme innerhalb der kommenden Jahre auszuliefern.
Die Laser Joint Venture GmbH positioniert sich damit als ein Schlüsselakteur in einem Zukunftsmarkt, der sicherheits- und technologiepolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Mit Material von Rheinmetall
FAQ zum Laserwaffen-JV von Rheinmetall und MBDA
Was ist das Ziel des Joint Ventures von Rheinmetall und MBDA? - Entwicklung, Produktion und Integration von bodengebundenen Hochenergielaser-Waffensystemen für die Bundeswehr und europäische Streitkräfte.
Wie sind die Anteile an dem Joint Venture verteilt? - Rheinmetall und MBDA halten jeweils 50 Prozent der Anteile.
Was war der Auslöser für die Gründung des Joint Ventures? - Die erfolgreiche Demonstration eines Hochenergielasers auf der Fregatte „Sachsen“ im Jahr 2022.
Welche Rolle spielt die Bundeswehr? - Die Bundeswehr ist derzeit Hauptauftraggeber und Partner bei der Weiterentwicklung und Erprobung der Technologie.
Wird das System auch in anderen Ländern eingesetzt? - Ziel ist die Ausweitung auf weitere europäische Streitkräfte sowie mögliche Beteiligung an EU-Projekten.