Simulator-Dogfights

Unbemannter Kampfjet: Helsing-KI gewinnt Luftkämpfe gegen Menschen

Der unbemannte Kampfjet von Helsing nimmt Form an: Bei einer Demonstration in München gewann KI-Pilot Centaur mehrere simulierte Luftkämpfe gegen erfahrene menschliche Piloten.

Wie weit ist der unbemannte Kampfjet von Helsing? KI-Pilot Centaur gewinnt simulierte Luftkämpfe gegen erfahrene Piloten.
Wie weit ist der unbemannte Kampfjet von Helsing? KI-Pilot Centaur gewinnt simulierte Luftkämpfe gegen erfahrene Piloten.

  • Helsing entwickelt einen unbemannten Kampfjet, dessen KI-Pilot Centaur bei einer Demonstration in München mehrere simulierte Luftkämpfe gegen menschliche Piloten gewann.

  • Synthetisch erzeugte Trainingsumgebungen sollen die Entwicklung der KI deutlich beschleunigen.

  • Der erste Testflug des unbemannten Kampfjets ist für 2027 geplant.

  • Nach der Übernahme von Grob entwickeln dessen Ingenieure das elf Meter lange Flugzeug mit einem vorgesehenen Startgewicht von vier Tonnen.

Was kann der unbemannte Kampfjet bereits?

Der Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing meldet Fortschritte bei der Entwicklung seines unbemannten Kampfjets. Bei einer Demonstration für Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) in München trat die KI-gesteuerte Maschine in simulierten Luftkämpfen gegen menschliche Piloten an – und gewann nach Angaben des Unternehmens mehrere dieser Duelle.

„Was Sie in fünf, sechs Jahren auf die Beine gestellt haben, ist phänomenal“, sagte Wildberger bei der Vorführung. Helsing peilt den ersten Testflug des unbemannten Kampfjets für 2027 an.

Das 2021 gegründete Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 1.300 Menschen. Nach Firmenangaben sind das etwa siebenmal so viele Beschäftigte wie noch 2024.

KI-Pilot Centaur übernimmt die Steuerung

Technologisches Herzstück des unbemannten Kampfjets ist der KI-Pilot „Centaur“. Bei der Demonstration trat das System gegen zwei erfahrene Piloten an. Einer von ihnen war ehemaliger Bundeswehrflieger und langjähriger Testpilot, der andere früherer Pilot der mexikanischen Luftwaffe. Beide verloren in der Simulation mehrmals gegen Centaur, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Das KI-System kommt demnach nicht ausschließlich in Simulationen zum Einsatz. Helsing testet Centaur nach eigenen Angaben auch in echten Kampfflugzeugen.

Wie synthetische KI das Training beschleunigt

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielt das Training in synthetisch erzeugten Umgebungen. Nach Angaben von Helsing-Technikvorstand Robert Fink hat dieser Ansatz den Entwicklungsprozess stark beschleunigt.

Die Simulation ist dadurch nicht mehr ausschließlich auf Realdaten angewiesen, beispielsweise auf echte militärische Aufnahmen der Erdoberfläche, gegnerischer Flugzeuge sowie reale Wetter- und Windverhältnisse.

Was bedeutet „Neo Prime“?

Als „Neo Primes“ werden junge, softwarezentrierte Unternehmen bezeichnet, die mit etablierten Rüstungskonzernen konkurrieren. Anders als klassische Start-ups verstehen sie sich nicht mehr als kleine Neugründungen, sondern als Wettbewerber großer Rüstungsunternehmen. Helsing zählt sich selbst zu dieser Gruppe.

Stattdessen lassen sich Parameter wie Terrain, Tageszeit oder Sichtverhältnisse vorgeben. Die „synthetische KI“ erzeugt daraus entsprechende Trainingsumgebungen für das System.

„Dabei schrumpfen Jahrzehnte des Trainings auf wenige Minuten oder Stunden“, sagte Fink. Synthetic AI sei eine Variante der Künstlichen Intelligenz. „Im Hinblick auf Bilder und Sprache wird sie bereits erfolgreich und regelmäßig angewandt.“ Helsing hat diese Technologie nach eigenen Angaben auf militärische Anwendungen übertragen.

Helsing begrenzt Fähigkeiten der KI

Bei der Vorstellung betonte die Unternehmensführung zudem die technische Begrenzung der eingesetzten KI. Nach Angaben von Helsing verfügt die Software nicht über die Fähigkeit, aus ihrer begrenzten militärischen Umgebung auszubrechen und Schäden in externen Computersystemen anzurichten.

Der synthetischen Trainings-KI würden nicht sämtliche Fähigkeiten eines Computers zur Verfügung gestellt, erklärte Fink. Damit unterscheide sich der Ansatz nach Darstellung des Unternehmens von den in den Medien diskutierten AI-Modellen amerikanischer Start-ups.

Wie Grob den unbemannten Kampfjet mitentwickelt

Helsing bezeichnet sich inzwischen nicht mehr als Start-up, sondern als sogenannten Neo Prime. Damit sind softwarezentrierte junge Unternehmen gemeint, die mit etablierten Rüstungsunternehmen konkurrieren.

Bei einer Finanzierungsrunde im Juli nahm Helsing nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden USD von Investoren ein. Bereits im Juni 2025 hatte das Unternehmen den auf Leichtbauflugzeuge spezialisierten bayerischen Luftfahrtbetrieb Grob übernommen. Dessen Ingenieure entwickeln nun das eigentliche Flugzeug.

Für den unbemannten Kampfjet sind eine Länge von elf Metern und ein Startgewicht von vier Tonnen vorgesehen. Mit dem für 2027 geplanten ersten Testflug soll die Entwicklung den nächsten Schritt nehmen.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema unbemannter Kampfjet wissen müssen

• Was ist der unbemannte Kampfjet von Helsing? – Der unbemannte Kampfjet wird vom Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing entwickelt und soll von einem KI-Piloten gesteuert werden.

• Welche Rolle spielt KI beim unbemannten Kampfjet? – Herzstück des Systems ist der KI-Pilot Centaur, der bei einer Demonstration mehrere simulierte Luftkämpfe gegen menschliche Piloten gewann.

• Wie wird die KI für den unbemannten Kampfjet trainiert? – Helsing nutzt unter anderem synthetisch erzeugte Umgebungen, deren Parameter von Terrain über Tageszeit bis zu Sichtverhältnissen vorgegeben werden können.

• Wann soll der unbemannte Kampfjet erstmals fliegen? – Helsing plant den ersten Testflug für 2027.

• Welche technischen Daten hat der unbemannte Kampfjet? – Die Maschine soll elf Meter lang sein und ein Startgewicht von vier Tonnen haben.