Rekordkurs

Unicorn-BoomMilliarden-Start-ups ziehen wegen KI und Rüstung mehr Wagniskapital an

Deutschlands Milliarden-Start-ups, sogenannte Unicorns, erreichen einen Rekord: Bis Ende September flossen 2026 rund 8 Mrd. EUR Wagniskapital. Vor allem KI und Rüstung treiben die Entwicklung.

Milliarden-Start-ups erreichen einen Rekord: KI, Rüstung und steigendes Wagniskapital treiben die deutsche Gründerszene.
Milliarden-Start-ups erreichen einen Rekord: KI, Rüstung und steigendes Wagniskapital treiben die deutsche Gründerszene.

  • Bis Ende September 2026 entstanden zehn neue Milliarden-Start-ups; insgesamt zählt Deutschland nun 39 Unicorns.

  • Rund 8 Mrd. EUR Wagniskapital flossen 2026 bislang in Start-ups und damit mehr als im gesamten Vorjahr.

  • KI steht bei 53 % der befragten Start-ups im Zentrum des Produkts, zugleich steigen Investitionen in Rüstungsfirmen.

  • Schwächen bleiben bei der Finanzierung in der Breite sowie der Abhängigkeit von US-Investoren und US-Technologie.

Trotz schwacher Konjunktur wächst die Zahl der Milliarden-Start-ups in Deutschland. Bis Ende September 2026 flossen rund 8 Mrd. EUR Wagniskapital in Start-ups. Damit wurde bereits vor Ablauf des Jahres das Niveau des gesamten Vorjahres übertroffen. 2025 waren es etwa 7,5 Mrd. EUR.

Das geht aus dem „Deutschen Startup Monitor“ hervor, den der Startup-Verband in Berlin veröffentlicht. Grundlage sind eine Datenanalyse und die Befragung von gut 1.800 Wachstumsfirmen.

Warum gibt es mehr Unicorns?

Bis Ende September kamen zehn neue Start-ups mit einer Firmenbewertung von mindestens 1 Mrd. EUR hinzu. So viele neue Milliarden-Start-ups, sogenannte Unicorns, gab es dem Bericht zufolge seit 2021 nicht mehr. Insgesamt zählt Deutschland nun 39 Unicorns – ein Rekordwert.

Zu den bekannten Milliarden-Start-ups gehören der Online-Broker Trade Republic, die Smartphonebank N26 und das Softwareunternehmen Personio. Neu hinzugekommen sind 2026 unter anderem die Softwarefirma Osapiens, Neura Robotics und das Rüstungsunternehmen Stark Defense.

„Deutschland gründet wieder - in der Breite und auf einer starken technologischen Basis“, sagte Verena Pausder, Vorstandschefin des Startup-Verbands.

KI und Rüstung treiben das Wachstum

Ein Faktor für die Entwicklung sind steigende Investitionen in Rüstungsunternehmen. Firmen wie Quantum Systems und Helsing werben viel Geld von Investoren ein.

Ein weiterer Wachstumstreiber ist Künstliche Intelligenz. Für 53 % der befragten Start-ups steht KI inzwischen im Zentrum des Produkts. 2024 lag dieser Anteil noch bei 39 %. Gleichzeitig erleichtert die Technologie nach Angaben des Berichts Gründungen deutlich.

Damit prägen insbesondere technologieorientierte Geschäftsmodelle die aktuelle Entwicklung der deutschen Gründerbranche.

Wo liegen die Schwächen bei der Finanzierung?

Der Deutsche Startup Monitor zeigt zugleich deutliche Herausforderungen. Das investierte Kapital konzentriert sich stärker auf Unternehmen an der Spitze. „In der Breite dagegen liegt die Zahl der Finanzierungsrunden rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021.“

Entsprechend groß ist der Wunsch nach zusätzlichen heimischen Finanzierungsmöglichkeiten. Laut Umfrage fordern 89 % der Gründer mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa.

„Das verfügbare Kapital reicht für den Sprung an die Weltspitze nicht aus“, moniert Pausder.

Auch bei einem möglichen Börsengang richtet sich der Blick vieler Start-ups in Richtung USA. 62 % würden die USA bevorzugen, lediglich 27 % Deutschland. Bei digitalen Technologien zeigt sich ebenfalls eine starke Abhängigkeit: 64 % der Unternehmen setzen überwiegend oder vollständig auf US-Anbieter. Als Grund nennt der Bericht auch fehlende europäische Alternativen.

Startup-Verband fordert bessere Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung müsse ihre Start-up-Strategie umsetzen und Finanzierungen erleichtern, fordert Pausder. Zudem sollen Gründungen innerhalb der EU durch die neue Rechtsform EU Inc. vereinfacht werden.

Die Forderungen stehen damit neben einer Entwicklung, die beim investierten Kapital und bei der Zahl der Milliarden-Start-ups neue Höchststände zeigt, während die Zahl der Finanzierungsrunden in der Breite unter dem Niveau von 2021 bleibt.

Wie profitieren Start-ups von Hochschulen und Forschung?

Eine Stärke der deutschen Gründerbranche sieht der Startup-Verband in der Verbindung mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Jedes zweite Start-up beziehungsweise 51 % der befragten Unternehmen wird von Forschungseinrichtungen unterstützt.

Bei 59 % geht das Produkt aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen hervor. Hochschulen seien damit eine wichtige Säule des Start-up-Ökosystems, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Alexander Hirschfeld, Research-Experte beim Startup-Verband, sieht dennoch ungenutztes Potenzial: „Gemessen an der Qualität der deutschen Forschungslandschaft gründen daraus aber immer noch viel zu wenige.“

Warum verliert der Fachkräftemangel an Bedeutung?

Beim Fachkräftemangel hat sich die Einschätzung der Start-ups verändert. Nur noch 15 % der befragten Unternehmen sehen ihn als große Hürde. Zwei Jahre zuvor waren es noch 30 %.

Gleichzeitig planen 83 % der Start-ups, innerhalb der kommenden zwölf Monate neue Mitarbeiter einzustellen. Damit bleibt der Personalaufbau trotz der konjunkturellen Schwäche für einen großen Teil der befragten Wachstumsunternehmen auf der Agenda.

Was Sie zum Thema Milliarden-Start-ups wissen müssen

• Wie viele Milliarden-Start-ups gibt es in Deutschland? – Laut Deutschem Startup Monitor gibt es 2026 insgesamt 39 Milliarden-Start-ups und damit einen Rekordwert.

• Wie viele neue Milliarden-Start-ups kamen 2026 hinzu? – Bis Ende September entstanden zehn neue Start-ups mit einer Bewertung von mindestens 1 Mrd. EUR.

• Welche Rolle spielt KI für Milliarden-Start-ups? – KI ist ein wichtiger Wachstumstreiber. Bei 53 % der befragten Start-ups steht die Technologie im Zentrum des Produkts.

• Wie entwickelt sich das Wagniskapital für Milliarden-Start-ups? – Bis Ende September 2026 flossen rund 8 Mrd. EUR Wagniskapital in Start-ups, mehr als im gesamten Vorjahr.

• Welche Herausforderungen bestehen für Milliarden-Start-ups? – Der Bericht nennt unter anderem weniger Finanzierungsrunden in der Breite sowie eine starke Orientierung an US-Kapitalmärkten und US-Technologie.

Mit Material der dpa