Künstliche Intelligenz in der Automatisierung

Innovationen: Festo setzt auf KI und Offenheit

KI entwickelt sich für Festo zu einem zentralen Innovationstreiber. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Nachhaltigkeit und der globale Wettbewerb die Anforderungen. Ein Interview mit Dr. Elias Knubben, Leiter Forschung & Entwicklung.

Eines der größten Innovationsfelder dieses Jahrhunderts könnte Festo zufolge „Chem to Bio“ sein. Gemeint ist damit, dass chemische Prozesse durch biologische Verfahren ersetzt werden.
Eines der größten Innovationsfelder dieses Jahrhunderts könnte Festo zufolge „Chem to Bio“ sein. Gemeint ist damit, dass chemische Prozesse durch biologische Verfahren ersetzt werden.

Summary: Festo sieht künstliche Intelligenz und Digitalisierung als wesentliche Treiber künftiger Innovationen. Wie aus den Aussagen des Unternehmens hervorgeht, erhöhen zugleich der internationale Wettbewerb sowie neue biologische Produktionsverfahren den Innovationsdruck. Technologieoffenheit bleibt dabei ein zentrales Element der Unternehmensstrategie.

Innovationen haben bei Festo einen hohen Stellenwert. Verändert sich die Innovationsbereitschaft Ihrer Kunden derzeit angesichts der globalen Unsicherheiten und der Frage, wie sich die wirtschaftliche Lage weiterentwickelt?

Dr. Elias Knubben, Leiter Forschung & Entwicklung bei Festo.
Dr. Elias Knubben, Leiter Forschung & Entwicklung bei Festo.

Elias Knubben: Ja, das würde ich schon sagen. Ich sehe dabei zwei wesentliche Treiber: Der erste ist die künstliche Intelligenz. Diese Technologie eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten. Auch im Bereich der Automatisierung lassen sich viele Anwendungen mithilfe von KI verbessern.

Der zweite Treiber ist der verschärfte Wettbewerb, insbesondere mit asiatischen und chinesischen Unternehmen. Dadurch steigt die Notwendigkeit, sich durch technologischen Fortschritt von Lösungen abzuheben, die in anderen Teilen der Welt kostengünstiger produziert werden.

Wir haben es daher mit zwei Entwicklungen zu tun: Einerseits besteht ein hoher Druck, Innovationen voranzutreiben. Andererseits entstehen durch Technologien wie KI, aber auch durch Fortschritte in der Materialforschung, zahlreiche neue Chancen.

Sie haben die chinesischen Unternehmen schon angesprochen: Aus vielen Branchen hört man, dass chinesische Wettbewerber sehr schnell agieren. Müssen Sie bei der Entwicklungsgeschwindigkeit zulegen oder sind Sie bereits auf einem vergleichbaren Niveau?

Knubben: Geschwindigkeit ist schwer zu messen. Entscheidend ist letztlich, ob eine Lösung technologisch besser ist. Wie lange ihre Entwicklung dauert, hängt auch von ihrer Komplexität ab.

Fest steht: Die chinesischen Wettbewerber agieren mutig und bieten inzwischen eine gute Qualität. Wer mithalten möchte, muss sich anstrengen und schnell sein. Geschwindigkeit allein reicht jedoch nicht aus. Auch bei hoher Komplexität müssen Qualität und technischer Anspruch gewährleistet bleiben.

Der Anspruch ist also unverändert hoch. Unter diesen Rahmenbedingungen müssen Unternehmen schnell handeln. Geschwindigkeit ist deshalb immer relativ zu betrachten.

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Ein zentrales Innovationsfeld bei Festo ist die Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz dabei?

Knubben: KI kann in diesem Bereich auf zwei Ebenen helfen. Die erste betrifft die Effizienz. Es geht um die Frage, wie sich mit weniger Energie mehr erreichen lässt. In unserem Fall beispielsweise, wie Bewegungen schneller ausgeführt werden können und dabei weniger Energie verbrauchen. Künstliche Intelligenz kann hier helfen, die Regelgüte zu verbessern.

Der zweite Bereich ist die Digitalisierung. Wenn wir mehr über unsere Komponenten wissen, können wir sie gezielter einsetzen. Dazu gehören Fragen wie: Wie lange ist eine Komponente bereits im Einsatz? Wie viele Bewegungen hat sie ausgeführt? Und unter welchen Bedingungen wurde sie betrieben?

Solche Informationen lassen sich beispielsweise aus Stromverbräuchen oder Drehzahlmessungen ableiten. Auf dieser Grundlage können Produkte länger im Feld eingesetzt oder gezielt einem Refurbishment zugeführt werden.

Darin liegt großes Potenzial. Allerdings sind wir noch nicht an dem Punkt, an dem diese Möglichkeiten bereits umfassend genutzt werden. Sie bieten aber eine wichtige Perspektive für weitere Verbesserungen.

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Gibt es neben KI weitere zentrale Innovationstreiber oder steht KI derzeit klar im Mittelpunkt?

Knubben: Ich würde zunächst sagen, dass die Digitalisierung der wesentliche Treiber ist. Prozesse werden zunehmend digital abgebildet. Ob überall dort, wo KI draufsteht, tatsächlich auch KI enthalten ist, ist eine andere Frage.

Daneben geht es um neue Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich der Kreislaufwirtschaft. In den vergangenen Jahren haben wir beispielsweise häufig die Automatisierung von Bioreaktoren gezeigt. KI kann dabei einzelne Funktionen unterstützen. Die eigentliche Zielsetzung besteht jedoch darin, biologische Prozesse effizienter zu gestalten. Darin liegt ein sehr großes Innovationspotenzial.

Manche sagen, das vergangene Jahrhundert sei das Jahrhundert der Physik gewesen, in dem das Atom entdeckt und verstanden wurde. Dieses Jahrhundert könnte dagegen das Jahrhundert der Biologie werden. Mithilfe von KI verfügen wir heute über Werkzeuge und Möglichkeiten, biologische Prozesse besser zu verstehen.

Unser Ziel ist es, diese Prozesse effizienter, robuster und schneller zu machen. Das kann dazu beitragen, Rohstoffe CO₂-neutral herzustellen. Auch neue Lebensmittel, künstliches Fleisch, vegane Produkte, Pharmazeutika oder Kosmetika lassen sich auf diese Weise entwickeln und produzieren.

Dieses Feld wird unter dem Begriff „Chem to Bio“ zusammengefasst. Gemeint ist damit, chemische Prozesse durch biologische Verfahren zu ersetzen. Das könnte eines der größten Innovationsfelder dieses Jahrhunderts sein. Künstliche Intelligenz ist dafür ein wichtiger Enabler.

Festo versteht sich als technologieneutral und technologieoffen. Ist diese Offenheit angesichts der zahlreichen Veränderungen in der Industrie derzeit eher ein Vorteil oder ein Nachteil?

Knubben: In den meisten Fällen geht es für uns darum, eine Bewegung umzusetzen. Diese Bewegung kann auch darin bestehen, eine Flüssigkeit zu transportieren. Wie die Funktion technisch realisiert wird, ist für den Kunden in der Praxis meist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die gewünschte Funktion erfüllt wird.

Ob die Lösung elektrisch, pneumatisch, hydraulisch oder fluidisch umgesetzt wird, ist daher zunächst sekundär. Jede Technologie hat ihre Vor- und Nachteile. Unser Ziel ist es, für die jeweilige Anwendung die bestmögliche Lösung anzubieten.

Das ist auch eines unserer Alleinstellungsmerkmale. Weil wir mit Seamless Automation ein breites Technologiespektrum abdecken, können wir tatsächlich technologieoffen beraten. Wir müssen nicht zwangsläufig eine bestimmte Lösung verkaufen, nur weil wir diese beherrschen. Durch die Kombination von pneumatischer und elektrischer Automatisierung bieten wir das breiteste Portfolio an Hardware, Software und KI, um jede industrielle Bewegungsanforderung zu meistern.

Wir wählen wir aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die jeweils beste Lösung für unseren Kunden aus.

FAQ: Innovationen und Künstliche Intelligenz

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Festo? KI gilt als einer der wichtigsten Innovationstreiber und unterstützt unter anderem Automatisierung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Warum ist Künstliche Intelligenz für Nachhaltigkeit relevant? KI kann die Energieeffizienz verbessern und zusätzliche Informationen für einen längeren Einsatz oder ein Refurbishment von Komponenten bereitstellen.

Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz für Chem to Bio? KI unterstützt das Verständnis biologischer Prozesse und hilft dabei, diese effizienter, robuster und schneller zu gestalten.

Warum verfolgt Festo einen technologieoffenen Ansatz? Je nach Anwendung soll unabhängig von der eingesetzten Technologie die bestmögliche Lösung gewählt werden.

Welche weiteren Innovationstreiber nennt Festo neben Künstlicher Intelligenz? Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft sowie die Automatisierung biologischer Prozesse zählen zu den weiteren zentralen Innovationsfeldern.