KI-basierte 3D-Wahrnehmung bringt autonome Robotik näher an den industriellen Alltag. Roboception sieht darin einen Hebel für robuste Prozesse, kürzere Integration und mehr Produktivität.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
Ein Industrieroboter mit 3D-Kamera von Roboception demonstriert KI-basierte Bildverarbeitung für flexible Fertigungs- und Logistikanwendungen.Anastasia Shvachko
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Summary: Roboception-Mitgründer Dr.-Ing. Michael Suppa beschreibt, wie KI-basierte 3D-Wahrnehmung industrielle Robotik in Fertigung und Logistik verändert. Im Fokus stehen robustere Bildverarbeitung, weniger Parameter-Tuning, synthetische Trainingsdaten und Effizienzsteigerungen von 30 bis 40 %. Auswirkungen zeigen sich bei Integration, Qualitätsprüfung, Datenhoheit und neuen föderierten Geschäftsmodellen.
Lange
Zeit war die Robotik darauf programmiert, einfache, repetitive Bewegungen
auszuführen. Sie hat gelernt zu greifen, doch nun steht sie an der Schwelle zu
einer neuen Evolutionsstufe: Sie lernt zu verstehen. Dr.-Ing. Michael Suppa,
Mitgründer und Geschäftsführer der Roboception GmbH, sieht in der KI-basierten
3D-Wahrnehmung den entscheidenden Hebel, um autonome Systeme in die Breite der
industriellen Anwendung zu bringen. Es geht dabei längst nicht mehr um
theoretische Zukunftsvisionen, sondern um die Realisierung konkreter
Produktivitätseffekte in der Fertigung und Logistik.
Das
Ende des klassischen Parameter-Tunings
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Die
Art und Weise, wie Automatisierungsprojekte heute umgesetzt werden, unterliegt
einem fundamentalen Wandel. Der zentrale Unterschied zur herkömmlichen
Herangehensweise liegt im Abschied vom klassischen Parameter-Tuning. Früher war
es üblich, eine Anlage in Betrieb zu nehmen und sie anschließend in mühsamer
Kleinarbeit feinjustieren zu müssen. Heute bildet das Modell bereits einen
Großteil dieser Anforderungen ab. Dr. Suppa betont, dass dies zwei unmittelbare
Konsequenzen für die Praxis hat: „Erstens können wir mit deutlich weniger
Parametern arbeiten. Zweitens werden Systeme robuster gegenüber Varianzen.“
Dieser
Paradigmenwechsel führt dazu, dass Anwender nicht mehr gezwungen sind, jedes
einzelne Bauteil bis ins kleinste Detail zu spezifizieren. Stattdessen arbeitet
die moderne Bildverarbeitung mit abstrahierten Kategorien. Ein Werker muss dem
System nicht mehr erklären, dass es exakt dieses eine, hochspezifische Bauteil
erkennen soll. Es genügt die Information: „Ich habe Bleche“ oder „Ich habe
Tüten“. Das System versteht diese Kategorien und ist in der Lage, die Objekte
entsprechend zu identifizieren.
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Die
Balance zwischen Generalisierung und Präzision
KI-gestützte 3D-Bildverarbeitung erkennt und klassifiziert gemischte Produkte in einer Transportkiste für automatisiertes Greifen.Roboception
Technisch
verbirgt sich hinter dieser Vereinfachung eine komplexe Herausforderung, die
Michael Suppa als Spannungsfeld zwischen Generalisierung und Präzision
beschreibt: Ein System soll einerseits möglichst viele Varianten abdecken, was
eine hohe Generalisierung erfordert. Andererseits benötigt die Robotik für
einen sicheren Greifprozess eine extrem genaue Lageschätzung. Diese beiden
Anforderungen stehen sich zunächst diametral entgegen. Je generischer ein
Modell entworfen ist, desto schwieriger wird es in der Regel, exakte Positionen
im Raum zu bestimmen.
Die
Lösung für dieses Dilemma liegt im Training der Modelle. Hierbei kommen
verstärkt synthetische Daten zum Einsatz, die häufig auf Basis von CAD-Modellen
generiert werden. Durch diese Methode lassen sich sehr gezielt Trainingsdaten
erzeugen, die die Modelle so auslegen, dass sie sowohl die nötige Robustheit
als auch die erforderliche Präzision aufweisen.
Deep
Learning ist dabei von zentraler Bedeutung: Es ermöglicht den Systemen, mit
einer Vielzahl impliziter Parameter zu arbeiten, ohne dass diese explizit von
einem Experten eingestellt werden müssen. Besonders in der Bildverarbeitung
spielt diese Technologie ihre Stärken aus, da die Datenstruktur vorhandener
Bilder hervorragend zu den Architekturen neuronaler Netze passt. Ein
signifikanter Vorteil zeigt sich bei Oberflächen, die klassische Verfahren oft
vor unlösbare Probleme stellen: transparente, spiegelnde oder stark variierende
Objekte. Während herkömmliche Algorithmen hier einen enormen Tuning-Aufwand
erfordern würden, erweisen sich KI-basierte Ansätze als deutlich
unempfindlicher.
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Effizienzsteigerung
durch Verlagerung der Wertschöpfung
In
realen industriellen Anwendungen lassen sich laut Suppa Effizienzsteigerungen
von 30 bis 40 Prozent erzielen. Dieser Zuwachs resultiert zum einen aus der
verbesserten Performance der Bildverarbeitung selbst, zum anderen aber massiv
aus verkürzten Integrationszeiten. Der Aufwand für die Integration hat sich
spürbar verschoben. Lag die Hauptarbeit früher am Ende des Projekts beim
mühsamen Einrichten der Anlage vor Ort, investieren Unternehmen heute mehr Zeit
in die Vorbereitung und das Training der Modelle. Die eigentliche
Inbetriebnahme läuft dadurch nicht nur schneller, sondern auch wesentlich
stabiler ab.
In
der Qualitätsprüfung ergeben sich ebenfalls neue Spielräume. Aufgaben wie die
Defekterkennung, die früher extrem aufwendig zu parametrisieren waren, lassen
sich effizienter lösen. Automatisierung bietet hier zudem einen echten
Qualitätsgewinn, da die menschliche Aufmerksamkeit bei monotonen Prüfaufgaben
erfahrungsgemäß schnell nachlässt.
Parallel
dazu verändert sich das Gesicht der Anbieterlandschaft. Ursprünglich stark in
der Hardware verwurzelt, verschiebt sich die Wertschöpfung bei Unternehmen wie
Roboception immer deutlicher in Richtung Software. Sensoren werden
„intelligenter“ und die Lösungen zunehmend hardwareoffen gestaltet. Für die
moderne Software ist es zweitrangig, wie das benötigte RGB-Bild und das
Tiefenbild erzeugt werden – ob durch Stereo-Kameras, strukturiertes Licht oder
Time-of-Flight-Systeme. Die Auslieferung der Software als Container ermöglicht
zudem eine flexible Integration in unterschiedliche IT-Umgebungen, wie etwa
Edge-Plattformen, und adressiert gleichzeitig wachsende Anforderungen an die
IT-Sicherheit und neue regulatorische Vorgaben.
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Föderierte
Ökosysteme und die Zukunft der Datenhoheit
Für
die Zukunft der Automatisierung werden föderierte Konzepte eine Schlüsselrolle
einnehmen. Mehrwert entsteht künftig verstärkt im Zusammenspiel verschiedener
Akteure, wobei die Wahrung der Datenhoheit oberste Priorität hat. In
föderierten Ökosystemen bleiben Daten beim jeweiligen Eigentümer und werden
lediglich über definierte Schnittstellen zugänglich gemacht. Dieser dezentrale
Ansatz unterscheidet sich fundamental von großen, zentralisierten
Plattformen.
Daraus
ergeben sich neue Geschäftsmodelle, wie etwa zeitlich gestaffelte
Zugriffskontrollen. Integratoren, Endkunden und Instandhalter nehmen dabei
unterschiedliche Rollen ein und benötigen zu jeweils anderen Zeitpunkten
Zugriff auf die Systeme. Auch das Onboarding für kleinere Unternehmen wird
erleichtert, da Eintrittshürden in globale Wertschöpfungsketten sinken. Sogar
das Teilen von Daten kann wirtschaftlich attraktiv werden: Wer Daten zur
Verbesserung von Modellen bereitstellt, könnte künftig von günstigeren
Konditionen profitieren.
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Von
der Logistik bis zur Produktion: Die Technologie in der Praxis
Dass
die Technologie den Kinderschuhen von Pilotprojekten entwachsen ist, zeigen
zahlreiche Praxisbeispiele aus der Intralogistik und Produktion. In der
Logistik geht es primär um das Handling von Post- und Paketobjekten – eine
Umgebung mit extrem hoher Varianz bei gleichzeitigem Zeitdruck. Auch das
Verpacken am Ende einer Linie, bei dem Produkte effizient in Transportbehälter
geladen werden müssen, ist ein klassisches Einsatzgebiet. In der Produktion
stehen Anwendungen wie Kitting oder die Maschinenbeladung im Fokus, wo Roboter
flexibel mit unterschiedlichen und teils unbekannten Objekten umgehen müssen.
Aktuell
vollzieht sich die Entwicklung hin zu prozessspezifischen Modellen. Allgemeine
KI-Modelle können zwar Objekte erkennen, doch für eine echte Automatisierung
ist das nicht ausreichend. Es bedarf einer präzisen Lokalisierung im
spezifischen Kontext eines industriellen Prozesses. In den nächsten drei bis
fünf Jahren wird sich laut Dr. Suppa entscheiden, welche dieser Ansätze und
technischen Standards sich dauerhaft durchsetzen werden.
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Fest
steht: Die technologische Basis ist vorhanden. Bei KI-basierter Robotik geht es
im Kern um das synergetische Zusammenspiel von Daten, Prozessen und
Systemarchitekturen. Für Unternehmen ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen,
sich intensiver mit der Integration dieser Möglichkeiten in die eigenen Abläufe
zu beschäftigen. Die Werkzeuge stehen bereit – es gilt nun, sie sinnvoll und
produktiv einzusetzen.
FAQ: KI-basierte 3D-Wahrnehmung in der Robotik
Was bedeutet KI-basierte 3D-Wahrnehmung in der Robotik? – Sie beschreibt den Einsatz von KI und 3D-Bildverarbeitung, damit Roboter Objekte nicht nur erfassen, sondern im Prozesskontext präzise lokalisieren und handhaben können.
Warum reduziert KI-basierte 3D-Wahrnehmung das Parameter-Tuning? – Modelle übernehmen viele Anforderungen bereits im Vorfeld, sodass weniger manuelle Feinjustierung notwendig ist und Systeme robuster gegenüber Varianten werden.
Welche Rolle spielen synthetische Daten für KI-basierte 3D-Wahrnehmung? – Synthetische Daten, häufig aus CAD-Modellen erzeugt, helfen beim gezielten Training robuster und präziser Modelle.
Wo wird KI-basierte 3D-Wahrnehmung bereits eingesetzt? – Einsatzfelder liegen in Intralogistik und Produktion, etwa beim Paket-Handling, Verpacken, Kitting und bei der Maschinenbeladung.
Welche Effekte hat KI-basierte 3D-Wahrnehmung auf die Integration? – Laut Vorlage können Effizienzsteigerungen von 30 bis 40 % entstehen, vor allem durch bessere Bildverarbeitung und verkürzte Integrationszeiten.