VW-Werk Osnabrück vor Rüstungszukunft

VW-Werk Osnabrück: Rafael prüft Übernahme

Das VW-Werk Osnabrück könnte eine neue Rolle in der Rüstungsindustrie erhalten: Rafael spricht mit Volkswagen über eine mögliche Übernahme des Standorts. 

Der israelische Rüstungskonzern Rafael - im Bild der Stand des Unternehmens auf der ILA 2024 - möchte das Osnabrücker Volkswagen-Werk übernehmen.
Der israelische Rüstungskonzern Rafael - im Bild der Stand des Unternehmens auf der ILA 2024 - möchte das Osnabrücker Volkswagen-Werk übernehmen.

Summary: Rafael und Volkswagen führen Gespräche über das VW-Werk Osnabrück. Nach dem Auslauf der aktuellen Fertigung 2027 prüft VW Perspektiven für den Standort. Im Raum steht eine Produktion von Komponenten rund um das Flugabwehr-System Iron Dome.

Warum Rafael das VW-Werk Osnabrück übernehmen könnte

Der israelische Rüstungskonzern Rafael interessiert sich für das VW-Werk Osnabrück. Das bestätigte der CDU-Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt Gespräche zwischen Rafael und Volkswagen", sagte Ernst.

Das Werk von VW in Osnabrück aus der Luft gesehen.
Das Werk von VW in Osnabrück aus der Luft gesehen.

Nach aktuellem Stand würde nicht Rafael direkt, sondern die Deutschlandtochter Dynamit Nobel Defence, kurz DND, den Volkswagen-Standort übernehmen. Ernst war bis 2025 in führender Funktion für DND tätig, bevor er in den Bundestag wechselte. Informierte Kreise bestätigten die Information, über die auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet hatte.

Welche Rolle Iron Dome in Osnabrück spielen könnte

In Osnabrück sollen nach den bisherigen Informationen wohl keine Panzerfäuste gefertigt werden. Stattdessen geht es um Komponenten rund um das Flugabwehr-System "Iron Dome", das Rafael in Israel produziert.

Der frühere Rüstungsmanager Ernst vermutet, dass am Standort schwere Lastwagen und Abschussvorrichtungen entstehen könnten. DND ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet. Volkswagen erklärte, man prüfe weiterhin tragfähige Perspektiven für den Standort Osnabrück nach dem Auslauf der aktuellen Fertigung im Jahr 2027. Das Unternehmen stehe "im Austausch mit unterschiedlichen Marktakteuren".

Wer oder was ist Rafael?

Rafael ist ein israelischer Rüstungskonzern und Muttergesellschaft von Dynamit Nobel Defence. Das Unternehmen produziert in Israel das Flugabwehr-System Iron Dome. Über seine Deutschlandtochter DND führt Rafael Gespräche mit Volkswagen über eine mögliche Übernahme des VW-Werks Osnabrück. Dort könnten künftig Komponenten rund um Iron Dome entstehen.

Rheinmetall zeigte zunächst Interesse

Auch Rheinmetall hatte zunächst Interesse am VW-Werk Osnabrück bekundet. Der Panzer- und Munitionshersteller winkte später jedoch ab.

Damit rückt Rafael mit seiner deutschen Tochter DND stärker in den Fokus. Für Osnabrück wäre eine solche Lösung industriepolitisch bemerkenswert: Ein traditionsreicher Automobilstandort könnte teilweise in die Produktion für Wehrtechnik überführt werden.

Warum Ernst von einer Win-win-Situation spricht

Ernst bewertet die mögliche Übernahme des VW-Standorts durch Rafael und DND positiv. "Das ist eine Win-win-Situation", sagte der Christdemokrat. "Wir hätten israelisches Know-how in Deutschland und der israelische Staatskonzern hat eine Produktion, die nicht bedroht ist vom Krieg."

Positiv sei nach seiner Einschätzung außerdem, dass wohl zumindest ein Teil der Osnabrücker Belegschaft übernommen werden könnte. Derzeit arbeiten in der Fabrik rund 2.300 Menschen.

DND wächst durch hohe Nachfrage nach Wehrtechnik

Dynamit Nobel Defence hat seinen Firmensitz in Burbach in Nordrhein-Westfalen. Der Ukraine-Krieg sorgte bei dem Unternehmen für einen deutlichen Wachstumsschub. Nach Beginn des russischen Angriffs schnellte die Nachfrage nach Panzerfäusten nach oben.

Im Jahr 2024 erzielte DND mit rund 400 Beschäftigten eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 146 Millionen EUR. Das waren 10 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn verdoppelte sich auf 6,5 Millionen EUR. Aktuellere Zahlen sind bislang nicht veröffentlicht.

Zudem hat DND das Produktportfolio erweitert. In Kiel baut das Unternehmen einen Standort auf, an dem Militärfunkgeräte gefertigt und die dafür notwendige Software entwickelt werden sollen.

Was mit dem VW-Werk Osnabrück passiert

Volkswagen hatte das Werk Osnabrück im Jahr 2009 vom insolventen Auftragsfertiger Karmann übernommen. VW gehörte lange zu den wichtigsten Kunden des Cabriospezialisten.

Im kommenden Jahr läuft die Produktion des T-Roc-Cabriomodells aus. Einen Folgeauftrag aus dem Volkswagen-Konzern gibt es bislang nicht. Damit steht der Standort vor einer industriellen Neuordnung. Die Gespräche mit Rafael und DND könnten dafür eine mögliche Perspektive eröffnen, wie aus der Mitteilung und den bestätigten Informationen hervorgeht.

Kommentar: Meine Meinung

Die mögliche Übernahme des VW-Werks Osnabrück durch Rafael wäre kein gewöhnlicher Standortdeal. Sie würde sichtbar machen, wie sehr sich die Gewichte in der deutschen Industrie gerade verschieben. Wo bisher Autos gebaut wurden und die Fertigung ausläuft, könnten künftig Komponenten für Wehrtechnik entstehen. Wirtschaftlich wäre das eine pragmatische Lösung. Industriepolitisch wäre es ein deutliches Signal.

Für Volkswagen ginge es vor allem um einen Ausweg aus einer schwierigen Standortfrage. Osnabrück steht nach dem Auslaufen der T-Roc-Cabriofertigung ohne gesicherten Folgeauftrag da. Eine Übernahme durch Rafael beziehungsweise DND könnte den Konzern entlasten – und zumindest einem Teil der Belegschaft eine neue Perspektive geben.

Für Rafael wäre Osnabrück mehr als zusätzliche Produktionsfläche. Der Standort könnte Kapazität in Deutschland schaffen, israelisches Know-how mit deutscher Industriebasis verbinden und die Abhängigkeit von Fertigung in einem Kriegsumfeld verringern. Genau darin liegt der strategische Kern des möglichen Deals.

Aus einem VW-Problemfall könnte also ein Rüstungsstandort mit Signalwirkung werden. Ob daraus tatsächlich eine Erfolgsgeschichte wird, hängt jedoch an den Details: an Beschäftigung, Investitionen, Produktprogramm und politischer Akzeptanz. Schon jetzt zeigt der Fall, dass industrielle Transformation nicht nur elektrisch, digital oder klimaneutral verläuft. Sie wird zunehmend auch sicherheitspolitisch geprägt.

Stefan Weinzierl

Mit Material der dpa

FAQ: VW-Werk Osnabrück und Rafael

• Warum interessiert sich Rafael für das VW-Werk Osnabrück? – Rafael führt Gespräche mit Volkswagen über eine mögliche Übernahme des Standorts durch die Deutschlandtochter DND.

• Was könnte im VW-Werk Osnabrück künftig produziert werden? – Nach bisherigen Informationen könnten Komponenten rund um das Flugabwehr-System Iron Dome entstehen.

• Wann läuft die aktuelle Fertigung im VW-Werk Osnabrück aus? – Die Produktion des T-Roc-Cabriomodells läuft im kommenden Jahr aus.

• Wie viele Menschen arbeiten im VW-Werk Osnabrück? – Derzeit sind dort rund 2.300 Menschen beschäftigt.

• Welche Bedeutung hätte das VW-Werk Osnabrück für DND? – Der Standort könnte DND zusätzliche Produktionskapazitäten in Deutschland bieten.