Ergonomie

Die linke Hand liegt auf dem ergonomisch geformten Lenkrad und steuert, der rechte Arm auf einer Armlehne. Mit Daumen und Zeigefinger betätigt der Fahrer die integrierten Steuerhebel für Arbeits- und Zusatzhydraulik. - Bild: Linde MH

Mit der älter werdenden arbeitenden Bevölkerung rückt auch die Ergonomie des Arbeitsplatzes immer stärker in den Blickpunkt. Das gilt auch für den Sitzplatz im Gabelstapler. Die Hersteller dieser haben diesbezüglich einiges zu bieten und aktuell die Bedienung weiter vereinfacht. Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) betont immer wieder, wie wichtig Ergonomie bei Flurförderzeugen ist. Denn die Probleme, die zum Beispiel durch ungeeignete oder falsch eingestellte Sitze entstehen, machen sich häufig erst nach Jahren bemerkbar.

Benutzerfreundlich für mehr Gesundheit

„Ungünstige ergonomische Verhältnisse beim Bedienen dieser Geräte bedeuten erhöhte Belastungen von Rückenmuskulatur und Wirbelsäule“, erläutert BGHW-Projektleiter Frank Rokosch. Bandscheibenvorfälle und ständige Rückenschmerzen sind unter Umständen die langfristigen Folgen. Aber auch Ermüdungserscheinungen, Verspannungen und Konzentrationsstörungen können mit falschem Sitzen auf dem Flurförderzeug zusammenhängen.

Tue Gutes für Bandscheiben und Gelenke

Rokosch weiter: „Während heutige Technologien dem Fahrer viele Möglichkeiten für ein ergonomisches Arbeiten bieten, können Fahrer auch selbst etwas für ihre Bandscheiben und Gelenke tun: Indem sie beispielsweise mit reduzierter Geschwindigkeit über Unebenheiten im Boden fahren und lieber aus dem Gabelstapler aussteigen statt abspringen. Nachfolgend lesen Sie, was die Staplerhersteller in puncto Ergonomie derzeit zu bieten haben.“

Ergonomie, Stapler
Aufgrund der besonderen Kontur das OPX-Lenkrads wird der Fahrer unterstützt. So kann der Bediener das Lenkrad in allen Fahrsituationen perfekt umfassen – auch bei Rückwärtsfahrt. - Bild: Still

Still

„Für Still hat das Thema Ergonomie traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Denn ein Staplerfahrer oder Kommissionierer ist nur dann auf hohem Niveau und dauerhaft leistungsfähig, wenn ihm die Arbeit so leicht wie möglich gemacht wird. Die Funktionen moderner Flurförderzeuge sollen intuitiv, leicht und sicher genutzt werden können“, erklärt Jürgen Wrusch, Brand & Marketing Communications.

Denn gute Ergonomie hat einen direkten Einfluß auf die Leistungsfähigkeit der Fahrer. Damit spielt sie eine wichtige Rolle für effiziente Logistikprozesse und hohe Umschlagleistung. „Für die Entwicklung haben wir daher mehrere Spezialisten, die sich ausschließlich um die den Fahrer betreffenden Aspekte unseres umfangreichen Produktportfolios kümmern.“

Auch nach längerer Zeit im Lager arbeiten noch gesund sein

Wichtige Aspekte sind auch die Trends zu immer längeren Lebensarbeitszeiten und durchschnittlich größer werdenden Fahrern. „Beim neuen Still Elektrostapler RX 20 haben wir Wert gelegt, auf hohe Dämpfung der auf den Fahrer einwirkenden Schwingungen, zum Beispiel durch die Hartgummi-Elemente zwischen Chassis und Fahrerplatzmodul“, so Wrusch.

Angenehmer Arbeitsplatz für mehr Gesundheit

Der in seiner Klasse größte Fußraum ermöglicht auch größeren Fahrern eine entspannte und damit gesunde Arbeitsposition. Eine Vielzahl von individuellen Hydrau­likbedienungen sowie ein großes Display entlasten den Fahrer ebenfalls. Mithilfe des ergonomischen Joystick 4Plus lässt sich das Fahrzeug präzise steuern. Dabei informiert das neue Easy Control den Fahrer nicht nur über alle Fahrzeugparameter, sondern dank der menügeführten Steuerung und Favoriten-Tasten kann der Fahrer auch auf viele weitere Funktionen wie Fahr- und Hubprogramme zugreifen.

Benutzerfreundlichkeit zahlt sich aus

„Auch bei Kommissionierfahrzeugen ist die Ergonomie sehr wichtig. Hier haben wir bei unserem Still OPX zum Beispiel bei der Bedienung durch das neue Lenkrad Maßstäbe gesetzt. Aufgrund der einzigartigen Kontur des Still Easy-Drive-Lenkrads kann der Bediener das Lenkrad in allen Fahrsituationen perfekt umfassen, so dass mit einfachen Mitteln die Sicherheit erhöht wird und das sogar bei Rückwärtsfahrt“, beschreibt Wrusch.

Ergonomie, Stapler
Nur eine Möglichkeit von vielen für mehr Ergonomie: Ideal für kleinere oder größere Fahrer kann ein in der Höhe elektrisch einstellbarer Fußboden dem Fahrer das Leben erleichtern. - Bild: Toyota MH

Toyota MH

Bei der Entwicklung der Flurförderzeuge rückt der Fahrer beziehungsweise Bediener immer mehr in den Vordergrund. In der Entwicklungsabteilung für die Lagertechnik in Schweden steht Ergonomie stets im Fokus der Inge­nieure. „Gerade beim Schubmaststapler ist ein ergonomisch ausgerichteter Arbeitsplatz besonders wichtig“, erklärt Matthias Gnaas, Produktmanager Lagertechnik bei Toyota MH Deutschland.

Mitarbeiter freut sich über benutzerfreundliche Bedienung

„Der Arbeitsalltag auf dem Schubmaststapler bietet wenig Abwechslung. Der Fahrer verbringt circa 80 Prozent seiner Arbeitszeit auf dem Gerät und lagert Waren in bis zu 13 Meter Höhe ein und aus.“ Für den Bediener ergeben sich daraus besondere Belastungen im oberen Rücken, Schulter- und Nackenbereich, die häufig auch zur schnellen Ermüdung führen. Das sichere Arbeiten auf dem Schubmaststapler erfordert unbedingt eine störungsfreie Sicht auf Fahrwege, auf die Gabel sowie die Last beim Ein- und Auslagern.

Ergonomisches Sitzen auf dem Gabelstapler

Für eine gute Rundumsicht ist das Chassis des Schubmaststaplers so aufgebaut, dass der Fahrer in alle Richtungen optimal blicken kann. Weiterhin sitzt der Bediener quer zur Fahrtrichtung, damit er geschützt und sicher arbeiten kann. Das in der BT Reflex Baureihe serienmäßige Fahrerschutzdach mit fächerförmigen Stahlstreben bietet zudem beste Sicht und Schutz. Optional ist auf Kundenwunsch auch ein Glasdach aus Sicherheitsglas erhältlich.

Optimaler Arbeitgeber sorgt vor

Für die neue BT Reflex Baureihe setzten die Ingenieure deshalb auf ein innovatives Mast-Design. „Unser Anspruch war es, die Bauteile so anzuordnen, dass Stabilität und beste Durchsicht gegeben sind. Die Profile sind jetzt schmaler. Die Freihubzylinder- und Schlauchanordnung wurden in Bereiche gerückt, in denen sie die Sicht nicht behindern. So bieten wir nicht nur höhere Resttragfähigkeiten – der Bediener hat gleichzeitig eine verbesserte Mastdurchsicht, ohne in eine unnatürliche Haltung gezwungen zu werden“, erklärt Gnaas.

Ergonomie, Stapler
Effiziente Steuerung mittels Joystick: Das Design des Ergologic wurde nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über eine ergonomische Arbeitshaltung optimiert. Den Ausgangspunkt bildete die neutrale Körper­haltung, die der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit einnimmt. - UniCarriers

UniCarriers

UniCarriers hat die Steuerungsfunktionen seiner Gegengewichtsstapler einem ergonomischen Redesign unterzogen: Seit Mai ist der TX als erstes Modell mit dem erprobten Ergologic-Joystick erhältlich. Dieser ergänzt die bisherigen Steuerungsmöglichkeiten – Fingertipp, Kreuzhebel und mechanische Hebel – um eine vierte Alternative.

Der Joystick wurde nach höchsten ergonomischen Standards entwickelt und soll künftig für alle Geräte aus dem Frontstapler-Portfolio angeboten werden. Mit der Steuereinheit lassen sich alle Hydraulikfunktio­nen der Stapler mit minimalem Kraftaufwand ausführen. Damit verbessert UniCarriers die Ergonomie seiner Gegengewichtsstapler deutlich.

Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Mitarbeiter

Der multifunktionale Joystick bietet dem Fahrer eine komfortable Steuerungseinheit, die alle Funktionen der klassischen Bedienhebel abdeckt. Dazu gehören das Heben und Senken der Gabelzinken sowie der Seitenschieber und das Neigen des Hubmastes. Auf Wunsch stehen zusätzliche Funktionen zur Verfügung, wie das Senkrechtstellen des Mastes per Knopfdruck. Die Bewegungen, die der Anwender dazu mit dem Joystick ausführen muss, spiegeln die tatsächlichen Bewegungen des Staplers wider. Das macht die Bedienung besonders intuitiv und logisch.

Ergonomisches Sitzen in der Schwerelosigkeit

Das Design des Ergologic wurde nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über eine ergonomische Arbeitshaltung optimiert. Den Ausgangspunkt bildete die neu­trale Körperhaltung (Neutral Body Posture, NBP), die der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit einnimmt. Jede andere Haltung während des Schwebens erfordert Muskelanstrengungen. Die NBP wurde bereits von der NASA untersucht.

Ergologic-Joystick

Der Ergologic-Joystick ermöglicht es dem Bediener, in einer neutralen Körperhaltung zu arbeiten, in der er Arm, Hand und Finger in einer entspannten Position hält. Gelenke, Muskeln und Sehnen werden entlastet. Alle Hebel und Schalter lassen sich mit einer minimalen Bewegung der Finger bedienen. Häufige Arbeitsschritte, wie das Auslösen der Hebefunktion über den Joystick, werden durch starke Muskelgruppen im Arm ausgeführt. Auf diese Weise können Anwender auch sich wiederholende Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum ohne Ermüdungserscheinungen ausführen.

Richtig Sitzen im täglichen Einsatz

Die Wahrscheinlichkeit von Fehlzeiten durch das Repetitive-Strain-Injury-Syndrom (RSI-Syndrom), das bei wiederholten Be­lastungen auftritt, wird deutlich verringert. Weil Ergologic die wichtigsten Steuerungselemente in einer Bedieneinheit zentralisiert, ist es besonders einfach, mehrere Hydraulikfunktionen gleichzeitig auszuführen. Das reduziert die Material-Handling-Zeiten und senkt in der Folge auch die Betriebskosten für Unternehmer.

Ergonomie, Stapler
Der SC 6000 bietet trotz Vollkabine freie Sicht. Die Konstruktion des Staplers erlaubt zudem eine hervorragende Rundumsicht in alle Richtungen und erhöht so die Manövrierfähigkeit. Niedrige Einstiegshöhe und viel Kopf­freiheit erleichtern die Arbeit bei häufigem Ein- und Aussteigen. - Bild: Crown

Crown

„Unternehmen wählen Materialflusslösungen nicht nur nach ihrer Leistung aus, sondern mehr und mehr auch nach Ergonomie- und Sicherheitsaspekten. Der kundennahe Entwicklungsprozess und die enge Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren, sowie Sicherheits- und Ergonomieexperten sind Bestandteile der Produktphilosophie von Crown“, sagt Jörn Erdmann, Communications Manager Europe bei Crown. Deshalb beginnt der Gestaltungsprozess direkt am späteren Einsatzort der Stapler.

Senkung der Gesamtbetriebskosten

Vor der Konzeptentwicklung analysiert das multidisziplinäre Entwicklerteam über einen längeren Zeitraum hinweg die konkreten Bedürfnisse der Kunden, deren Anforderungen vor Ort und die Arbeitsprozesse der Bediener. „So können wir bereits in einem sehr frühen Stadium mögliche Lösungen für Produktivitätssteigerungen und Potenziale zur Senkung der Gesamtbetriebskosten aufzeigen“, betont Erdmann.

Der benutzerfreundliche Gabelstapler

Alle Schubmaststapler von Crown sind auf höchsten Bedienkomfort ausgelegt. Dafür sorgt beispielsweise der Crown-eigene, patentierte, seitlich versetzte Freisichtmast, der dem Nutzer eine unerreichte Übersicht bietet. „Auch der Fahrersitz bietet Features, die man sonst nur aus der automobilen Oberklasse kennt.

Beispielsweise ermöglicht die FlexBack-Rückenlehne durch die hochergonomische Form und die flexibel einstellbare Lordosen-Unterstützung ein ermüdungs- und schmerzfreies Sitzen auch bei der längsten Schicht“, stellt Erdmann dar. Optional ist für die ESR-Serie der exklusive, patentierte MoveSeat mit integrierter Kopfstütze erhältlich.

Ergonomiebewertung manueller Tätigkeiten in der Intralogistik mit Motion Capture

Das digitale Menschmodell zeigt, wo die Belastungen am Skelett am höchsten sind. - Bild: FRaunhofer IML

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML forscht in Kooperation mit dem Lehrstuhl Förder- und Lagerwesen FLW der Technischen Universität Dortmund an ­einer digitalen Lösung der Ergonomiebewertung in der Intralogistik – und zwar mit Motion Capturing. Mit Hilfe der Motion-Capture-Technik können menschliche Bewegungen digitalisiert und die Position im Raum erkannt werden. Hierbei werden sogenannte passive Marker auf einen Anzug befestigt, die durch ein Kamerasystem optisch erfasst werden können. Eine Software zeichnet die Daten auf und ermittelt die Bewegungspfade und Gelenkpositionen einer Person in Echtzeit, die in einem digitalen Menschmodell abgebildet werden (Abbildung rechts).

Mehr Gesundheit am Arbeitsplatz für den MItarbeiter

In der Forschungshalle des FLW ist eins der größten Motion-Capture-Systeme Europas installiert. Mit 38 Kameras werden auf einem weitläufigen Versuchsfeld intralogistische ­Tätigkeiten und Prozesse nachgestellt und untersucht. Mit der Motion-Capture-Technik können physische Belastungen des Menschen objektiv erfasst und anhand bestehender Normen zur Ergonomie bewertet werden. So kann zum Beispiel der Winkel des Schultergelenks während eines kompletten Kommissionierprozesses aufgezeichnet, digital abgebildet und ergonomisch beurteilt werden. Die Entwicklung dieser digitalisierten Methode soll zukünftig – neben den klassischen Screening-Verfahren zur Bewertung der Ergonomie – als Unterstützung dienen, manuelle Arbeitstätigkeiten in der Intralogistik objektiv und standardisiert zu begutachten.

Linde MH

„Das Thema Ergonomie und die weitere Verbesserung des Fahrerkomforts spielen bei jeder Neuentwicklung von Linde eine wichtige Rolle. Entsprechend gibt es einen ganzen Stab an Ingenieuren, die neue Ideen entwickeln und ihre technische Umsetzung voran­treiben. Und wir tun dies, um unseren Kunden noch produktivere Stapler anbieten zu können“, sagt Stefan Prokosch, Senior Vice President Productmanagement Industrial Trucks Counterbalance, Linde MH.

Benutzerfreundlichkeit im Betrieb beachten

Denn die Fahrzeugergonomie hat einen großen Einfluss auf die Personalkosten. Und diese wiederum haben großen Anteil an den Gesamtkosten beim Einsatz von Flurförderzeugen. Deshalb lohnt es sich für jeden Betreiber, seinen Fahrern einen qualitativ hochwertigen Fahrerarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. „Denn fühlt sich der Fahrer in seinem Cockpit wohl und braucht nur wenig Kraft, um das Gerät zu bedienen, ist er motiviert und bleibt länger konzentriert. Das sorgt für eine höhere Produktivität und senkt das Risiko von Unfällen. Zudem schützt ein ergonomischer Arbeitsplatz vor langfristigen Gesundheitsschäden, die beispielsweise durch Humanschwingungen hervorgerufen werden können“, gibt Prokosch zu erkennen.

Der Mensch im Flurförder-Fahrzeugpark

An erster Stelle stehe das ganzheitliche Bedienkonzept der Linde-Flurförderzeuge. Bestes Beispiel: die Linde-Frontstapler. „Der Fahrer nimmt auf dem Komfortsitz Platz, seine linke Hand liegt auf dem verstellbaren, ergonomisch geformten Lenkrad und steuert das Gerät, während sein rechter Arm auf einer breiten Armlehne ruht und er mit Daumen und Zeigefinger die integrierten Steuerhebel für Arbeits- und Zusatzhydraulik betätigt“, erläutert Prokosch. Über die beiden Pedale bestimmt er Fahrtrichtung und -geschwindigkeit, und zwar ohne die Füße umsetzen zu müssen oder einen Fahrtrichtungsschalter zu betätigen.

Stöße und Schwingungen vom Fahrer fernhalten

Die Anzeigeinstrumente befinden sich in Blickhöhe am Fahrzeugrahmen, die Schalterleiste in Griffweite, hinzu kommen Innenraumbeleuchtung und Ablagefächer sowie weitere Op­tionen wie Heizung, Klimaanlage und Radio. Stöße und Schwingungen werden vom Fahrer fern gehalten. Dafür sorgen die vom Chassis abgekoppelte Antriebsachse sowie die ebenfalls abgekoppelten, obenliegenden Neigezylinder, die auf den Hubmast wirkende Kräfte nach hinten ableiten.

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