Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer öffnet berührungslos mit einer Handbewegung die Fahrertür des Brose Konzeptfahrzeugs. Kurt Sauernheimer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose Gruppe, erklärt ihm und VDA-Präsident Bernhard Mattes die Funktionsweise.

Auf ihrem Rundgang auf der diesjährigen IAA überzeugten sich Verkehrsminister Andreas Scheuer und der damalige VDA-Präsident Bernhard Mattes noch von der Innovationskraft von Brose. Jetzt steckt der Zulieferer in der Krise, will Millionen Einsparen und hierzulande Jobs streichen. - Bild: Brose

Welche Standorte vom Stellenabbau betroffen sind

Die 2.000 Jobs  in Deutschland will Brose bis Ende 2022 abbauen, wie der Zulieferer in einer Pressemitteilung erklärt. Im Wesentlichen seien die Standorte Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg betroffen. Darüber hinaus wird Brose die Fertigung von Schließsystemen von Wuppertal, wo derzeit rund 200 Mitarbeiter beschäftigt sind, verlagern.

Die Geschäftsführung sei entschlossen, in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern, "betriebsbedingte Kündigungen weitgehend zu vermeiden", wie es in dem Statement heißt. Zudem will der Zulieferer die Zahl der Auszubildenden ab dem kommenden Jahr um zehn Prozent reduzieren. 

Wie Brose mehrere hundert Millionen Euro sparen will

Der Stellenabbau ist Teil des Erneuerungsprogramms "Future Brose". Das Unternehmen will mehrere hundert Millionen Euro einsparen. Neben dem Stellenabbau will der Zulieferer bürokratische Abläufe vereinfachen und hierarchische Ebenen abbauen. 

Demgegenüber stehen die Qualifizierung und Umschulung von Mitarbeitern im Hinblick auf die Digitalisierung in Entwicklung, Verwaltung und Produktion. Dafür sucht Brose Software- und IT-Spezialisten.

Warum der Zulieferer so viele Jobs streichen muss

Der Automobilzulieferer nennt in seiner Pressemitteilung gleich eine ganze Reihe an Gründen für den Stellenabbau:

  • Der Wandel in der Automobilindustrie,
  • ein rückläufiger Markt insbesondere in China,
  • globaler Preisdruck,
  • sowie "interne Ursachen".

Des Weiteren sorge die "einseitige Klimadebatte" zulasten der Automobilindustrie für zusätzliche Unsicherheit. Steigende Personal- und Arbeitskosten gefährden laut Brose die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland produzierenden Unternehmen. Deswegen musste auch der fränkische Zulieferer massive Ergebniseinbrüche hinnehmen.

Das sagt die Brose-Geschäftsführung 

Kurt Sauernheimer, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht die Verantwortung für die missliche Lage auch im eigenen Haus. "Wir werden entschlossen handeln. Wir wollen die Qualität verbessern, zukunftsweisende Produktinnovationen entwickeln und Kosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Denn nur so können wir Aufträge erhalten, Wachstum erzielen und unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen", erklärt der Manager. Der globale Wettbewerb zwingt Brose - wie Sauernheimer erklärt - auch zur Verlagerung von Arbeit in Niedriglohnländer.

Bereits anlässlich des 100 jährigen Standortjubiläums in Coburg appellierte Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, an die Mitarbeiter: "Wir wollen wieder an die Eigenschaften eines Familienunternehmens anknüpfen, die uns in der Vergangenheit ausgezeichnet haben und die der Grund unseres außerordentlichen Erfolgs gewesen sind. Dazu haben wir das größte Erneuerungsprogramm in der Unternehmensgeschichte angestoßen." 

Geschäftsjahr 2018 für Brose nicht zufriedenstellend

Das Unternehmen entwickelt und fertigt mechatronische Systeme für Fahrzeugtüren und -sitze sowie Elektromotoren und Elektronik, unter anderem für Lenkung, Bremsen, Getriebe und Motorkühlung.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Brose 26.000 Mitarbeiter in 23 Ländern. Die sich abschwächende Konjunktur in der Automobilbranche beeinträchtigte die Geschäftsentwicklung der Brose Gruppe bereits im vergangenen Jahr.

So hat der Zulieferer im Jahr 2018 mit rund 6,3 Milliarden Euro einen Umsatz knapp unter Vorjahresniveau erwirtschaftet. Das Ergebnis lag allerdings deutlich unter den Erwartungen. Der Umsatz im ersten Quartal 2019 lag 5 Prozent unter Vorjahr. Gleichzeitig ist das Ergebnis signifikant eingebrochen, wie der Zulieferer damals in einer Pressemitteilung erklärte.

Wer sind die Umsatz-Riesen unter den Automobilzulieferern?

Brose ist mit seinem Milliarden-Umsatz und seinen tausenden Mitarbeitern ein Schwergewicht unter den Automobilzulieferern. Zu den Top 10 in Sachen Umsatz zählen die Franken allerdings nicht.

Folgendes Ranking zeigt die größten Automobilzulieferer nach Umsatz:

  • Platz 10: Unter die Top 10 schafft es Faurecia mit einem Umsatz von rund 20,18 Milliarden Euro im Jahr 2017. Seit der Gründung 1997 hat sich Faurecia zu einem bedeutenden Akteur der weltweiten Automobilindustrie entwickelt. Das Unternehmen betreibt rund 300 Standorte, darunter 35 F&E-Zentren und beschäftigt 122.000 Mitarbeiter in 37 Ländern. Faurecia hat seine Technologiestrategie auf Lösungen für den smarten Fahrzeuginnenraum und nachhaltige Mobilität ausgerichtet.  – Bild: Faurecia

    Platz 10: Unter die Top 10 schafft es Faurecia mit einem Umsatz von rund 20,18 Milliarden Euro im Jahr 2017. Seit der Gründung 1997 hat sich Faurecia zu einem bedeutenden Akteur der weltweiten Automobilindustrie entwickelt. Das Unternehmen betreibt rund 300 Standorte, darunter 35 F&E-Zentren und beschäftigt 122.000 Mitarbeiter in 37 Ländern. Faurecia hat seine Technologiestrategie auf Lösungen für den smarten Fahrzeuginnenraum und nachhaltige Mobilität ausgerichtet. – Bild: Faurecia

  • Platz 9: Michelin. Das Unternehmen erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von gut 21,96 Milliarden Euro. Firmengründer Edouard Michelin gilt als Erfinder des demontierbaren Luftreifens, dem Vorgänger aller heutigen Reifen. Michelin produziert heutzutage jedes Jahr über 190 Millionen Reifen; der leichteste wiegt weniger als 200 Gramm, der schwerste mehr als 5 Tonnen. – Bild: Michelin

    Platz 9: Michelin. Das Unternehmen erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von gut 21,96 Milliarden Euro. Firmengründer Edouard Michelin gilt als Erfinder des demontierbaren Luftreifens, dem Vorgänger aller heutigen Reifen. Michelin produziert heutzutage jedes Jahr über 190 Millionen Reifen; der leichteste wiegt weniger als 200 Gramm, der schwerste mehr als 5 Tonnen. – Bild: Michelin

  • Platz 8: Bridgestone/Firestone. Auf dem achten Platz liegt ebenfalls ein Reifenhersteller. Das Unternehmen machte 2017 einen Umsatz von circa 22,46 Milliarden Euro. Die Bridgestone Corporation hat ihren Hauptsitz in Tokio, Japan. Seit knapp 90 Jahren ist der Reifenhersteller am Markt. – Bild: Volkswagen

    Platz 8: Bridgestone/Firestone. Auf dem achten Platz liegt ebenfalls ein Reifenhersteller. Das Unternehmen machte 2017 einen Umsatz von circa 22,46 Milliarden Euro. Die Bridgestone Corporation hat ihren Hauptsitz in Tokio, Japan. Seit knapp 90 Jahren ist der Reifenhersteller am Markt. – Bild: Volkswagen

  • Platz 7: Hyundai Mobis. Das koreanische Unternehmen erwirtschaftete 2017 gut 27,41 Milliarden Euro. Der Automobilzulieferer entwickelt unter anderem Technologien für das autonome Fahren. – Bild: Hyundai Mobis

    Platz 7: Hyundai Mobis. Das koreanische Unternehmen erwirtschaftete 2017 gut 27,41 Milliarden Euro. Der Automobilzulieferer entwickelt unter anderem Technologien für das autonome Fahren. – Bild: Hyundai Mobis

  • Platz 6: Aisin. Das 1949 gegründete japanische Unternehmen machte 2017 einen Umsatz von rund 28,43 Milliarden Euro. An dem Automobilzulieferer ist unter anderem Toyota beteiligt. – Bild: NAIAS

    Platz 6: Aisin. Das 1949 gegründete japanische Unternehmen machte 2017 einen Umsatz von rund 28,43 Milliarden Euro. An dem Automobilzulieferer ist unter anderem Toyota beteiligt. – Bild: NAIAS

  • Platz 5: Magna. Gut 32,51 Milliarden Euro setzte der Automobilzulieferer im Jahr 2017 um. Magna fertigt in 348 Produktionsbetrieben und betreibt 91 Produktentwicklungs-, Engineering- und Vertriebszentren in 28 Ländern. Mehr als 174.000 Mitarbeiter sind rund um den Globus für das Unternehmen tätig. – Bild: Magna

    Platz 5: Magna. Gut 32,51 Milliarden Euro setzte der Automobilzulieferer im Jahr 2017 um. Magna fertigt in 348 Produktionsbetrieben und betreibt 91 Produktentwicklungs-, Engineering- und Vertriebszentren in 28 Ländern. Mehr als 174.000 Mitarbeiter sind rund um den Globus für das Unternehmen tätig. – Bild: Magna

  • Platz 4: ZF Friedrichshafen. 33,53 Milliarden Euro betrug der Umsatz des Automobilzulieferers vom Bodensee im Jahr 2017. Auf dem Bild zu sehen:  Ein 8-Gang-Automatgetriebe, das ZF ab 2022 im Werk Saarbrücken fertigen wird. Der Zulieferer erhielt von BMW einen zweistelligen Milliardenauftrag für dieses Produkt. – Bild: ZF

    Platz 4: ZF Friedrichshafen. 33,53 Milliarden Euro betrug der Umsatz des Automobilzulieferers vom Bodensee im Jahr 2017. Auf dem Bild zu sehen: Ein 8-Gang-Automatgetriebe, das ZF ab 2022 im Werk Saarbrücken fertigen wird. Der Zulieferer erhielt von BMW einen zweistelligen Milliardenauftrag für dieses Produkt. – Bild: ZF

  • Platz 3: Denso. Unter die Top 3 schafft es dieses japanische Unternehmen. 36,42 Milliarden Euro setzte Denso im Jahr 2017 um. Sadahiro Usui (im Bild) ist  Präsident und CEO von Denso International Europe.  – Bild: Denso

    Platz 3: Denso. Unter die Top 3 schafft es dieses japanische Unternehmen. 36,42 Milliarden Euro setzte Denso im Jahr 2017 um. Sadahiro Usui (im Bild) ist Präsident und CEO von Denso International Europe. – Bild: Denso

  • Platz 2: Continental. 44,01 Milliarden Euro Umsatz machte dieser Automobilzulieferer im Jahr 2017.  Im Bild: Der Prototyp von Sono Motors. Der E-Fahrzeug-Hersteller setzt für sein Elektroauto auf den Elektroantrieb von Conti. – Bild: Continental

    Platz 2: Continental. 44,01 Milliarden Euro Umsatz machte dieser Automobilzulieferer im Jahr 2017. Im Bild: Der Prototyp von Sono Motors. Der E-Fahrzeug-Hersteller setzt für sein Elektroauto auf den Elektroantrieb von Conti. – Bild: Continental

  • Platz 1: Bosch. Die Nummer 1 der Automobilzulieferer stammt aus Baden-Württemberg. 47,38 Milliarden Euro setzte der Zulieferer im Jahr 2017 um. Bosch arbeitet unter anderem an Lösungen für das automatisierte Fahren. – Bild: Bosch

    Platz 1: Bosch. Die Nummer 1 der Automobilzulieferer stammt aus Baden-Württemberg. 47,38 Milliarden Euro setzte der Zulieferer im Jahr 2017 um. Bosch arbeitet unter anderem an Lösungen für das automatisierte Fahren. – Bild: Bosch

Automobilzulieferer: Wie es um die Branche steht

Automobilzulieferer leiden derzeit unter der weltweit rückläufigen Neuwagenproduktion. Dennoch investieren sie Millionen Euro in ihre Anlagen. Nur so können sie den Strukturwandel der Autobranche meistern. 

Der Strukturwandel fordert die Zulieferer der Branche zu einer Zeit heraus, in der sie ohnehin massiv unter Druck stehen. Deutsche Autobauer verkauften in Europa 2018 neun Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr. In den USA sank der Absatz um 13 Prozent, in China immerhin um vier, meldet der Verband der Automobilindustrie, VDA. Da die Automobilzulieferer 80 Prozent der Wertschöpfung eines Neuwagens erbringen, treffen die Rückgänge sie genauso hart wie die Fahrzeughersteller.

Die Zulieferer der Konzerne trifft dies mitten im tiefgreifendsten Strukturwandel in der Geschichte der Automobilindustrie. Vor allem das autonome Fahren, neue Mobilitätsdienstleistungen wie Car Sharing und Ride Hailing sowie strengere Anforderungen an den Kohlendioxidausstoß der Fahrzeuge verändern die Branche.

Branchenexperte: "Automobilzulieferer müssen sich umstellen"

„Für Automobilzulieferer bedeutet das, dass sie ihr Produktportfolio an den Wandel anpassen, wenn nicht grundlegend umstellen müssen“, erklärt Dr. Manfred Dangelmaier, Leiter des Bereichs Wissenstransfer am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), in diesem Hintergrundreport zur Lage der Automobilzulieferer.

Dabei profitieren Hersteller von Systemen für die Elektromobilität massiv von dieser Entwicklung. Wie die Unternehmensberatung Deloitte berechnet hat, wächst der Markt für Batterien und elektrische Antriebsmodule bis 2025 um über 1.000 Prozent auf 81 Milliarden Euro. Der für  Verbrennungsmotoren und Getriebe schrumpft dagegen um ein Drittel auf  39 Milliarden Euro.

E-Autos: Das sind die wichtigsten Absatzmärkte

Bild: Pixabay

Die weltweite Nachfrage nach E-Autos ist 2018 um 2,1 Millionen Einheiten gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland bleibt die Nachfrage jedoch weiterhin unterdurchschnittlich. Welche Absatzmärkte am wichtigsten sind zeigt dieses Ranking.

Hella, Conti, Schaeffler: Auch andere Zulieferer bauen Stellen ab

Brose ist bei weitem nicht der einzige Zulieferer, der jetzt Stellen streicht. Auch der Scheinwerferhersteller Hella setzt beim Personal den Rotstift an. Die Mitarbeiterzahl am Stammwerk in Lippstadt soll um 200 auf etwa 1.100 gesenkt werden, wie die Firma bereits Mitte dieses Jahre mitteilte.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental will sich ebenfalls mit einem weitreichenden Umbauprogramm gegen die aufziehende Branchenkrise stemmen. Mit tausenden Stellenstreichungen in weniger zukunftsträchtigen Bereichen, möglichen Verkäufen und dem Ausbau von Elektromobilität und Software will Konzernchef Elmar Degenhart gegensteuern und die Kosten senken. Weltweit dürften bis 2023 rund 15.000 Jobs von Veränderungen betroffen sein, davon 5.000 in Deutschland, teilte der Dax-Konzern Ende September mit.

Auch Schaeffler will deutschlandweit Stellen abbauen. Es geht um 1.300 Jobs. Betroffen ist nicht nur die Automotive-, sondern auch die Industriesparte. Im Höchstadter Werk ist die Unsicherheit deshalb groß. An diesem Dienstag (15.10.2019) hat der Betriebsrat Flugblätter verteilt und wehrt sich gegen den Stellenabbau, wie das Portal "InFranken" berichtet. 

Analysten sehen Autoindustrie in der Gewinnkrise

Nicht nur die Zulieferer müssen sparen, auch die Automobilhersteller sind in der Gewinnkrise. "Die weltweite Autoindustrie befindet sich in einer Absatz- und Gewinnkrise, die derzeit noch in erster Linie konjunkturell bedingt ist", sagt EY-Analyst Constantin Gall gegenüber dem Statistik-Portal Statista.

Derzeit, so Gall weiter, würden alle großen Absatzmärkte schrumpfen - "das führt zu einem stärkeren Preisdruck und zu rückläufigen Margen. Hinzu kommen hohe Investitionen in Bereichen wie Autonomes Fahren und Elektromobilität." 

Einen guten Überblick zur Gewinnentwicklung der Autobauer bietet folgende Infografik von Statista.

Infografik über die Gewinnentwicklung der weltweiten Automobilindustrie
Quelle: Statista

Ranking: Die 10 wertvollsten Autobauer der Welt 2018

Ob Porsche, BMW und Mercedes oder Chevrolet, Toyota und Audi - diese Automarken kennt man auf der ganzen Welt. Doch welcher Automobilhersteller hat den höchsten Markenwert? Das verrät dieses Ranking!