USA treiben das Geschäft

Deutsche Exporte: China-Geschäft verliert an Schwung

Die deutschen Exporte haben nach fünf Wachstumsmonaten einen Dämpfer erhalten. Während das Geschäft mit den USA im Juli kräftig zulegte, gingen die Ausfuhren nach China deutlich zurück.

Im Exportgeschäft zeichnet sich die Tendenz zur Stabilisierung ab.
Die deutschen Exporte geraten unter Druck: Im Juli sinken die Ausfuhren um 0,8 %, das China-Geschäft gibt deutlich nach.

  • Die deutschen Exporte sanken im Juli gegenüber Juni kalender- und saisonbereinigt um 0,8 % auf 138,2 Mrd. EUR.

  • Besonders stark wuchsen die Ausfuhren in die USA mit 19,1 % gegenüber dem Vormonat.

  • Nach China wurden Waren für 5,6 Mrd. EUR exportiert, 9,5 % weniger als im Juni.

  • Chinas globale Exportoffensive verschärft zugleich die Konkurrenz für deutsche Anbieter.

Nach fünf Monaten Wachstum hat die deutsche Exportwirtschaft einen Rückschlag verzeichnet. Der kalender- und saisonbereinigte Wert der deutschen Exporte lag im Juli 0,8 % unter dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Nach vorläufigen Berechnungen wurden Waren im Wert von 138,2 Mrd. EUR ausgeführt.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich dagegen weiterhin ein deutliches Plus von 6,1 %. Auch die Importe nach Deutschland gingen zurück. Gegenüber Juni sanken sie um 5,7 % auf 116,9 Mrd. EUR. Dadurch erhöhte sich der Außenhandelsüberschuss deutlich auf 21,3 Mrd. EUR und erreichte den höchsten Stand seit August 2024.

BGA warnt vor einer fragilen Wirtschaftslage

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) bewertet die Entwicklung zurückhaltend. Die Zahlen zeigten, wie fragil die wirtschaftliche Lage weiterhin sei. Von einem stabilen Aufschwung könne keine Rede sein.

BGA-Präsident Dirk Jandura fordert: "Die deutsche Außenwirtschaft zeigt zwar weiterhin Widerstandskraft. Aber Widerstandskraft allein reicht nicht. Die Politik muss durch grundlegende Reformen den Standort stärken und die Unternehmen entlasten."

Zugleich warnt der Verband davor, den Vorjahresvergleich zu positiv zu interpretieren. Die Exportpreise lagen im Juli 4,2 % über dem Vorjahresniveau. Ein nominales Exportwachstum von 6,1 % bedeute daher nicht, dass die ausgeführte Warenmenge im selben Umfang gestiegen sei. Bei den Importen sei der Preiseffekt noch stärker. "Hinter guten nominalen Zahlen steckt also nicht automatisch entsprechend mehr Absatz."

Warum legen die deutschen Exporte in die USA zu?

Deutlich besser entwickelte sich das Geschäft mit den USA. Deutsche Unternehmen exportierten im Juli Waren im Wert von 14,4 Mrd. EUR dorthin. Das entspricht einem Zuwachs von 19,1 % gegenüber Juni und 28,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Ein Grund dafür war nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer das Inkrafttreten des Zollabkommens von Turnberry zwischen den USA und der Europäischen Union. Die Einigung gilt zunächst bis 2029 und begrenzt die Zölle für die meisten EU-Einfuhren in die USA auf 15 %. Dazu gehören auch Autos und Autoteile. Für europäischen Stahl und Aluminium werden dagegen 50 % fällig. Umgekehrt erhebt die EU auf US-Waren keine Zölle.

Der BGA verweist zudem auf eine zusätzliche US-Nachfrage nach deutschen Maschinen, Anlagen und Technologien. Als Treiber nennt der Verband die Reindustrialisierung der US-Wirtschaft sowie anhaltende Investitionen in KI-Anwendungen und Rechenzentren.

Deutsche Exporte nach China gehen deutlich zurück

Gegenläufig entwickelte sich das Geschäft mit China. Auch die deutschen Ausfuhren in die Europäische Union und nach Großbritannien waren rückläufig.

Nach China gingen im Juli Waren im Wert von 5,6 Mrd. EUR. Gegenüber Juni entspricht das einem Rückgang um 9,5 %. Gleichzeitig blieb China der größte Importeur nach Deutschland. Von dort kamen Waren im Wert von 15,2 Mrd. EUR, allerdings ebenfalls 7,5 % weniger als im Vormonat.

Wie Chinas Exportoffensive den Wettbewerb verschärft

Während die deutschen Exporte nach China nachgeben, baut die Volksrepublik ihre weltweiten Ausfuhren aus. Nach Angaben der Zollbehörde in Peking stiegen Chinas Exporte im August auf USD-Basis gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 %. Im Juli hatte das Plus bei 23,9 % gelegen.

Auch die chinesischen Importe legten im August um 28,2 % zu. Bei den Einfuhren aus Deutschland wurde dagegen ein Rückgang um 9,7 % registriert.

Chinas Handelsüberschuss summierte sich seit Januar auf 805,5 Mrd. USD, derzeit rund 693,6 Mrd. EUR. Im Jahr 2025 hatte China einen Rekordüberschuss von 1,2 Bio. USD erreicht. Zu den Verkaufsschlagern zählen unter anderem Autos und elektronische Bauteile für den Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz.

Handelsungleichgewicht bleibt auf der Agenda

Die USA und die Europäische Union fordern seit Längerem eine Korrektur des Ungleichgewichts im Handel mit China. Seit Ende Juni verhandelt die EU mit Peking über mögliche Lösungen. Bis Oktober sollen konkrete Ergebnisse vorliegen.

Auch Gespräche zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump sind vorgesehen. Trump hatte Xi im Mai während seiner Peking-Reise für den 24. September ins Weiße Haus eingeladen. China hat den Besuch bislang nicht bestätigt.

Die chinesische Exportoffensive ist zugleich eine Reaktion auf die schwache Konsumstimmung im eigenen Land, die auch deutsche Unternehmen belastet. "Was Unternehmen nach wie vor benötigen, ist eine kräftig anziehende Binnennachfrage", sagte Oliver Oehms, Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema deutsche Exporte wissen müssen

• Warum sind die deutschen Exporte im Juli gesunken? – Kalender- und saisonbereinigt gingen die Ausfuhren gegenüber Juni um 0,8 % zurück.

• Wie hoch waren die deutschen Exporte im Juli? – Der Wert der ausgeführten Waren belief sich nach vorläufigen Berechnungen auf 138,2 Mrd. EUR.

• Wie entwickeln sich die deutschen Exporte in die USA? – Sie stiegen gegenüber Juni um 19,1 % auf 14,4 Mrd. EUR und lagen 28,3 % über dem Vorjahresmonat.

• Wie entwickeln sich die deutschen Exporte nach China? – Die Ausfuhren nach China sanken gegenüber Juni um 9,5 % auf 5,6 Mrd. EUR.

• Welche Rolle spielt China für die deutschen Exporte? – Das Geschäft mit China schwächelt, während die Volksrepublik ihre eigenen globalen Exporte kräftig ausbaut und damit zunehmend auch deutschen Anbietern Konkurrenz macht.