Energiewende-Barometer: Warum Firmen Deutschland meiden
Das Energiewende-Barometer 2026 zeigt wachsenden Druck auf den Standort Deutschland: Hohe Energiekosten bremsen Investitionen, schwächen die Wettbewerbsfähigkeit und treiben Produktionskapazitäten ins Ausland.
Das Energiewende-Barometer 2026 zeigt: Hohe Energiekosten bremsen Investitionen und setzen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland zunehmend unter Druck.peterschreiber.media - stock.adobe.com
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Summary: Rund 3.100 Unternehmen bewerteten im Juni 2026 für das Energiewende-Barometer der IHK-Organisation die Auswirkungen der Energiewende. Hohe Energiekosten führen vor allem in der Industrie zu verschobenen Investitionen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Ein wachsender Anteil der Betriebe prüft zudem, wirtschaftliche Aktivitäten in Deutschland einzustellen.
Warum verschlechtert sich das Energiewende-Barometer?
Hohe Energiekosten entwickeln sich für immer mehr Unternehmen zur Belastungsprobe. Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten wandern ins Ausland ab und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gerät unter Druck. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Barometer der IHK-Organisation hervor. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von rund 3.100 Unternehmen aller Branchen und Regionen im Juni 2026.
Die Energiewende als solche stellen die Betriebe dabei nicht infrage. Das Ziel der Klimaneutralität wird grundsätzlich unterstützt. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen eine Klimapolitik, die Transformation und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbindet. Nach Einschätzung vieler Betriebe besteht hier erheblicher Handlungsbedarf.
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Besonders energieintensive Unternehmen sehen sich steigenden Belastungen gegenüber. Internationale Krisen und anhaltende strukturelle Schwächen des Standorts verschärfen die Situation zusätzlich.
In den vergangenen zwölf Monaten sind die Energiekosten weiter gestiegen. 49 % der Unternehmen berichten von höheren Strompreisen. Bei Wärme, insbesondere Gas und Heizöl, verzeichnen 67 % gestiegene Kosten.
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Entsprechend verschlechtert sich das Energiewende-Barometer, das die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung erreicht der Wert 2026 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 nur noch minus 11,5 Punkte.
Besonders kritisch fällt die Bewertung in Industrie und Handel aus. Beide Branchen kommen auf minus 22 Punkte. Während Industrieunternehmen unmittelbar unter den hohen Energiekosten leiden, schlagen diese im Handel vor allem indirekt über höhere Material-, Transport- und Logistikkosten durch. Gleichzeitig schwächt die sinkende Kaufkraft vieler Verbraucherinnen und Verbraucher die Nachfrage.
Wie unterscheiden sich die Regionen?
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Regional ergibt sich ein differenziertes Bild. In Norddeutschland werden die Auswirkungen der Energiewende teilweise positiver bewertet. Dort entwickeln sich erneuerbare Energien zunehmend selbst zu einem Wirtschaftsfaktor.
Anders sieht die Entwicklung in West-, Süd- und Ostdeutschland aus. In diesen Regionen hat sich die Bewertung gegenüber dem Vorjahr verschlechtert, wie aus der Mitteilung hervorgeht.
Hohe Energiekosten bremsen Investitionen
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Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Ausgaben für die eigenen Kernprozesse, weil hohe Energiekosten die finanziellen Spielräume einschränken. Auch Klimaschutzmaßnahmen sowie Forschungs- und Innovationsprojekte werden vertagt.
In der Industrie ist diese Zurückhaltung besonders ausgeprägt. 35 % der Betriebe geben an, eigentlich notwendige Investitionen aufgrund der hohen Energiekosten aufzuschieben.
Die Kostenbelastung wirkt sich zudem direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. Mehr als 40 % der Unternehmen sehen ihre Marktposition durch ungünstige Kostenstrukturen geschwächt. In der Industrie sind es sogar rund zwei Drittel.
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Warum wächst die Gefahr der Deindustrialisierung?
Parallel zu den verschobenen Investitionen setzen sich Betriebsschließungen fort. Rund 20 % aller Unternehmen prüfen, ob sie ihre wirtschaftliche Tätigkeit in Deutschland einstellen, beziehungsweise haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet oder umgesetzt.
In der Industrie liegt dieser Anteil bei 40 %. Unter großen Industrieunternehmen betrifft dies sogar fast 60 % der Betriebe. Damit wächst laut Energiewende-Barometer die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung.
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Die Entwicklung zeigt, wie stark Energiekosten inzwischen nicht nur laufende Prozesse, sondern auch strategische Standort- und Investitionsentscheidungen beeinflussen.
Unternehmen fordern politische Gegenmaßnahmen
Vor diesem Hintergrund befürworten viele Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung der Energieinfrastruktur und einen beschleunigten Ausbau der Netze. Auch eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom findet Zustimmung.
Kritischer sehen die Betriebe zusätzliche Belastungen durch regulatorische Vorgaben oder steigende CO₂-Kosten. Die Diskussion über die Reform des europäischen Emissionshandels zeigt zugleich, dass die wirtschaftlichen Folgen der Transformation stärker in den Fokus rücken. Damit gewinnt auch die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung.
Das Energiewende-Barometer
• Was zeigt das Energiewende-Barometer 2026? – Das Energiewende-Barometer zeigt eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Wert liegt 2026 bei minus 11,5 Punkten.
• Wie belastet das Energiewende-Barometer die Industrie? – 35 % der Industriebetriebe verschieben notwendige Investitionen wegen hoher Energiekosten. Rund zwei Drittel sehen ihre Marktposition geschwächt.
• Welche Standortfolgen zeigt das Energiewende-Barometer? – 40 % der Industriebetriebe prüfen eine Einstellung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit in Deutschland oder haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet beziehungsweise umgesetzt.
• Welche Maßnahmen werden laut Energiewende-Barometer gefordert? – Viele Unternehmen befürworten eine stärkere Energieinfrastruktur, einen schnelleren Netzausbau sowie niedrigere Steuern und Abgaben auf Strom.