Grob bei Auftragseingang mit Herausforderungen

Grob zwischen Wachstum und strukturellem Druck

Der Auftragseingang bei Grob steht im Spannungsfeld globaler Unsicherheiten. Verschobene Projekte, geopolitische Einflüsse und neue Marktstrategien prägen die laufenden Geschäfte.

Auf der Hausmesse hat Grob seine Portal-Baureihe vorgestellt, die sich besonders für Anwendungen in der Energietechnik, im Werkzeug- und Formenbau sowie für weitere anspruchsvolle Branchen eignet. Die GP1350 im Bild ist für die unterschiedlichsten Fertigungsaufgaben konzipiert.
Auf der Hausmesse hat Grob seine Portal-Baureihe vorgestellt, die sich besonders für Anwendungen in der Energietechnik, im Werkzeug- und Formenbau sowie für weitere anspruchsvolle Branchen eignet. Die GP1350 im Bild ist für die unterschiedlichsten Fertigungsaufgaben konzipiert.

Summary: Grob erzielt 1,6 Mrd. EUR Auftragseingang, trotz massiver Verschiebungen und Stornierungen. Nordamerika wächst, Europa bleibt stabil, Asien wird komplexer. Diversifizierung, Automatisierung und Strukturmaßnahmen prägen die Strategie.

Die industrielle Welt fühlt sich derzeit an wie eine Fahrt auf Sicht - oder, wie es Christian Grob, Aufsichtsratsvorsitzender der Grob-Werke, formuliert, wie eine „Nebelfront“, die vor einem liegt. Aufträge werden verschoben, Märkte verändern sich und geopolitische Faktoren greifen immer stärker in die industrielle Wertschöpfung ein.

Vor diesem Hintergrund zeigte sich Vertriebsvorstand Christian Müller mit dem Ergebnis zufrieden: Mit einem Auftragseingang von 1,6 Mrd EUR im Geschäftsjahr 2025/26 hat der Maschinenbauer sein Ziel erreicht.

Es hätte Müller zufolge aber auch locker über zwei Mrd EUR liegen können. Wenn Anfragen und Projekte nicht verschoben und storniert worden wären. Demnach haben Kunden Projekte im Wert von 950 Mio EUR um durchschnittlich zwölf Monate verschoben. Aufträge im Wert von rund 550 Mio EUR wurden gar gestrichen. „Das Schieben machen die Kunden in der Elektromobilität im Moment relativ gerne und relativ oft“, erklärte Müller auf der Jahrespressekonferenz.

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Amerika weiter mit Wachstum – Europa stabil

Regional verteilt sich der Auftragseingang weiterhin auf die drei Kernmärkte Amerika (USA, Kanada, Mexiko), Europa und Asien. Während Europa vergleichsweise stabil bleibt, aber bei Investitionen zurückhaltender agiert, entwickelt sich Nordamerika zum Wachstumstreiber. Dort wird weiterhin investiert – allerdings mit veränderten Schwerpunkten.

Statt Elektromobilität sorgt aktuell vor allem das klassische Antriebsgeschäft für Impulse. Müller spricht in diesem Zusammenhang von einem „V8-Revival in Nordamerika“, das dem Unternehmen zusätzliche Projekte beschert habe.

Asien bleibt ein stabiler Faktor, wobei insbesondere China und Indien relevant sind. Gleichzeitig erschweren geopolitische Eingriffe zunehmend das Geschäft. Neue Exportregularien in China etwa führen dazu, dass bestimmte Maschinen derzeit nicht mehr ohne Weiteres nach Indien oder Japan geliefert werden können. Ein Umstand, der die globale Produktionslogik spürbar verändert. Der indische Standort wird deshalb derzeit aus Mindelheim und vom brasilianischen Standort aus beliefert.

Breites Portfolio als strategischer Vorteil

In dieser Gemengelage zahlt sich dem Grob-Management zufolge die strategische Aufstellung des Familienunternehmens aus. Das Unternehmen bewegt sich bewusst zwischen zwei Welten: der klassischen Zerspanung und der Montage- beziehungsweise Automatisierungstechnik. So können Schwächen in einem Bereich durch Stärken im anderen ausgeglichen werden können.

Besonders deutlich wird das im Universalmaschinengeschäft. Während der Markt insgesamt rückläufig ist, konnte Grob hier zulegen und den Auftragseingang um 22 % steigern. Ein wesentlicher Treiber ist die Nachfrage nach flexiblen 5-Achs-Bearbeitungslösungen, insbesondere aus der Luft- und Raumfahrt. Der Bereich Aerospace konnte so die fehlenden Aufträge aus der Autoindustrie ausgleichen, so Müller.

Neue Maschinen für neue Märkte

Es zeigt sich also: Grob will sich unabhängiger von zyklischen Branchen wie der Automobilindustrie machen und erschließt gezielt neue Anwendungsfelder. Die auf der Hausmesse vorgestellte neue Portalmaschine ist ein Beispiel dafür. Damit will das Familienunternehmen Anforderungen aus der Energietechnik, dem Werkzeug- und Formenbau sowie aus anspruchsvollen Industrien wie Aerospace oder Defence adressieren.

„Unsere Strategie ist klar: Wir erweitern unser Maschinenportfolio gezielt, um neue Maschinen und Technologien und somit neue Märkte zu erschließen“, erklärte CEO German Wankmiller.

Parallel dazu entstehen neue Maschinenkonzepte für kleinere Bauteile sowie Lösungen für Zukunftsfelder wie Robotik oder Drohnentechnologie.

Vom Maschinenbauer zum Automatisierer

Mindestens ebenso wichtig ist die zweite strategische Säule: Automatisierung. Grob versteht sich zunehmend nicht mehr nur als Maschinenbauer sondern als Anbieter kompletter Produktionssysteme. Maschinen, Robotik, Intralogistik und Software wachsen zu integrierten Lösungen zusammen.

Mit Systemen wie Cosera, robotergestützten Handlinglösungen und mobilen Transportsystemen entsteht ein durchgängiger Ansatz, der Produktion nicht nur effizienter, sondern auch robuster gegenüber Schwankungen machen soll.

Strukturelle Anpassungen am Standort Mindelheim

Trotz der Diversifizierung des Portfolios, zeigen sich auch bei Grob Herausforderungen im operativen Geschäft – insbesondere am Standort Mindelheim. Der Rückgang der Elektromobilität, der teilweise wegfallende asiatische Markt und zusätzliche Belastungen durch Handelshemmnisse führten dort zu einer spürbaren Unterauslastung.

Das Familienunternehmen reagierte mit Kurzarbeit in einigen Bereichen. Strukturelle Anpassungen und ein sozialverträglicher Stellenabbau von rund 400 Arbeitsplätzen sollen die Kostenbasis anpassen. Gleichzeitig wird versucht, Fremdleistungen stärker durch eigene Mitarbeitende zu ersetzen. Dafür gibt es ein Qualifizierungsprogramm.

Während sonst rund 100 Auszubildende bei Grob angefangen haben, sollen es im neuen Geschäftsjahr 60 sein. Man habe auch Probleme, Auszubildende zu finden, so das Grob-Management.

CFO Wolfram Weber spach von notwendigen strukturellen Maßnahmen, die möglichst über Fluktuation und freiwillige Programme umgesetzt werden sollen.

Wachstum auf Sicht

Trotz dieser Einschnitte bleibt die finanzielle Basis solide. Eine Eigenkapitalquote von über 30 % und ein positives Jahresergebnis geben dem Unternehmen den nötigen Handlungsspielraum.

Für das laufende Geschäftsjahr plant Grob mit einem Auftragseingang von 1,7 Mrd EUR. Aber: „In der heutigen Sicht kann man eigentlich bloß auf Sicht fahren“, so Christian Grob.

FAQ zur Lage bei Grob

Wie hoch ist der Auftragseingang Grob im Geschäftsjahr 2025/26?

Der Auftragseingang liegt bei 1,6 Mrd. EUR.

Warum bleibt der Auftragseingang Grob unter Potenzial?

Verschobene Projekte im Wert von 950 Mio. EUR und Stornierungen von 550 Mio. EUR belasten das Ergebnis.

Welche Märkte treiben den Auftragseingang Grob?

Nordamerika ist Wachstumstreiber, Europa stabil, Asien bleibt relevant, aber komplexer.

Welche Strategie verfolgt Grob beim Auftragseingang?

Diversifizierung, neue Märkte und Automatisierung sollen Schwankungen ausgleichen.

Wie entwickelt sich der Auftragseingang Grob künftig?

Für das kommende Jahr werden 1,7 Mrd. EUR erwartet, bei weiterhin hoher Unsicherheit.