Ein Schweißer bei der Metallverarbeitung

Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt meldeten Unternehmen aus der Metallverarbeitung- und Produktion 2018 mehr Insolvenzen. Auch der Zahlungsverzug ist um einiges höher. - Bild: Pixabay

Die Unternehmen der deutschen Metallbranche (Produktion und Verarbeitung) lagen 2018 sowohl bei der Insolvenzrate als auch bei dem Zahlungsverzug höher als der branchenübergreifende Bundesdurchschnitt. Das ergaben Untersuchungen von Creditsafe. Nur die Überschuldungsrate liegt unter dem Durchschnitt.

Immer mehr Unternehmen der Metallbranche gehen pleite

Die Insolvenzrate sticht bei den Zahlen am stärksten hervor: Sie ist mit 1,32 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Rund 520 Unternehmen waren es, die im Jahr 2018 Insolvenz anmelden mussten. Dabei ist Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland, in dem die höchste Insolvenzrate von 2,43 Prozent der Unternehmen aus der Metallverarbeitung und -produktion verzeichnet wurde, die wenigsten Insolvenzen in der Branche verzeichnete das Bundesland Sachsen mit 0,67 Prozent.

Nicht nur im Vergleich mit dem branchenübergreifenden Durchschnitt ist die Insolvenzrate hoch, auch im Vergleich mit dem Vorjahr. 2017 meldeten in der Branche lediglich 0,85 Prozent der Betriebe eine Insolvenz an.

Überschuldung ist häufigster Grund für eine Insolvenz

Ein negatives Eigenkapital ist einer der häufigsten Gründe für eine Insolvenz: Bei rund zwei Dritteln aller Insolvenzen wird eine Unternehmensüberschuldung als Ursache angegeben. Führt eine Überschuldung zu einer Zahlungsunfähigkeit, muss unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb von drei Wochen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein beantragt werden.

Rund 10,35 Prozent aller Betriebe aus der Metallverarbeitung und -produktion sind überschuldet, weisen also ein negatives Eigenkapital aus. Die Überschuldungsquote liegt somit aber noch unter dem Bundesdurchschnitt von 14 Prozent.

Umsatz-Ranking: Die Top 20 des deutschen Maschinenbaus 2017

Die Managementberatung Oliver Wyman und Produktion präsentieren die 20 erfolgreichsten Unternehmen im deutschen Maschinen- und Anlagenbauer 2017. Hier geht es zum Umsatz-Ranking.

Die Grafik zeigt die Verschuldung der Metallbranche im zu anderen Industrien in Deutschland
Creditsafe hat mehr als 3,4 Millionen Unternehmen aus Deutschland untersucht, davon rund 39.000 aus der Metallverarbeitung und -produktion. Der Branchencheck Metallindustrie zeigt, dass besonders die Insolvenzen in der Branche vergleichsweise hoch sind. - Quelle: Creditsafe; Bild: Pixabay/Produktion

Am stärksten betroffen in der Metallindustrie sind Betriebe aus Berlin. Hier waren im letzten Jahr 14,71 Prozent aller Unternehmen der Branche überschuldet. Die wenigsten betroffenen Firmen gab es mit 5,67 Prozent dagegen in Thüringen.

Schlechte Zahlungsmoral in der Metallbranche

Vor allem kleine Unternehmen und solche mit geringen Auftragsmargen sind auf einen pünktlichen Zahlungseingang angewiesen. Eine schlechte Zahlungsmoral der Kunden kann für diese Betriebe geschäftsschädigend sein und im schlimmsten Falle zu einer Insolvenz führen.

Daher sind die Zahlen zum Zahlungsverzug besonders für Kunden der Metallindustrie alarmierend. Denn während Unternehmen aller Branchen 2018 ihre Rechnungen etwa 5,1 Tage nach dem Zahlungsziel beglichen, ließen sich Betriebe in der Metallverarbeitung und –produktion mehr Zeit und beglichen ihre Forderungen durchschnittlich etwa eine Woche zu spät – dies geht aus den hinterlegten Zahlungserfahrungen in der Datenbank von Creditsafe hervor.

  • Wadan

    Platz 10: Wadan-Werften - Im Zuge der Finanzkrise sinkt ab 2008 die globale Nachfrage nach neuen Schiffen. Die Wadan-Werften in Rostock und Warnemünde geraten dadurch in die Verlustzone. Am 5. Juni 2009 müssen sie Insolvenz anmelden. Igor Jussufow, Sohn eines russischen Ministers, erwirbt die Werften für 40,5 Millionen Euro durch die zu diesem Zweck gegründete Nordic Yards in Oslo. Für 1200 der 2700 Mitarbeiter gibt Jussufow eine Beschäftigungsgarantie ab. - Bild: Pixabay

  • Hertie

    Platz 9: Hertie - Finanzielle Probleme ihres britischen Hauptinvestors Dawney, Day and Hilco Ltd. brechen im Juli 2008 der 1882 gegründeten Kaufhauskette Hertie das Genick. Die 3200 Beschäftigten der 55 Warenhäuser stehen auf der Straße. Eine Rettung der Kaufhäuser gilt als aussichtslos. - Bild: Pixabay

  • Karmann

    Platz 8: Karmann - Als Karmann 2007 seine wichtigsten Kunden, Daimler und Audi, verliert, hat der Auftragsfertiger Probleme, Anschlussaufträge zu gewinnen. Im April 2009 meldet das Osnabrücker Traditionsunternehmen Insolvenz an. Bis dahin hatte Karmann Cabrio für Mercedes und Audi gefertigt. Volkswagen und Automobilzulieferer wie Magna International und Webasto übernehmen nach der Insolvenz große Teile von Karmann. Viele der 3500 Mitarbeiter können weiterbeschäftigt werden. - Bild: Pixabay

  • Qimonda

    Platz 7: Qimonda - Im Januar 2009 ordnet das Amtsgericht München die Insolvenz der Qimonda AG an, nachdem ein Rettungsversuch mit staatlicher Unterstützung gescheitert war. Fabriken in München, den USA und Portugal schließen. Am Standort Dresden setzt Infineon die Fertigung fort. Der Münchner Konzern hatte 2004 seine Speicherchipsparte in die spätere Qimonda AG ausgegliedert. Diese verschläft den Umstieg auf neue sparsame Produktionsverfahren in der Branche und gerät in die Verlustzone. - Bild: Pixabay

  • Walter Bau

    Platz 6: Walter Bau - Die Krise der deutschen Bauwirtschaft in den neunziger Jahren bricht der Walter Bau AG im Februar 2005 das Genick. Das Unternehmen hatte zu lange an verlustreichen Projekten festgehalten, sein profitables Auslandsgeschäft vernachlässigt und fehlerhaft bilanziert. Die Deutsche Bank weigert sich schließlich, weiter für die Geschäfte des Unternehmens zu bürgen. Weitere Banken kündigen ihre Kredite. Walter kann keine Aufträge mehr annehmen. 6900 Mitarbeiter verlieren ihren Job. - Bild: Pixabay

  • Air Berlin

    Platz 5: Air Berlin - Als sich Großaktionär Etihad Airways weigert, Air Berlin weiter finanziell zu unterstützen, meldet die Airline am 15. August 2017 Insolvenz an. Nach jahrelanger Misswirtschaft ist das Unternehmen mit über 1,14 Milliarden Euro verschuldet. Ob die 8400 Beschäftigten ihren Job verlieren, oder künftig bei Lufthansa, easyjet, Condor oder Niki Lauda arbeiten, entscheidet sich nach der Bundestagswahl am 24. September. Dann verhandeln die Gläubiger über die Übernahmeangebote der vier Airlines. - Bild: Air Berlin

  • Woolworth

    Platz 4: Woolworth - Im April 2009 macht die Warenhauskette Woolworth mit einem Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt am Main Schlagzeilen. Gut 9300 Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Das Unternehmen kann aber umstrukturiert werden. Die neugegründete Woolworth Deutschland GmbH führt 160 der 310 Filialen fort. Im Mai 2010 übernimmt die Holding von KiK-Gründer, Stefan Heinig, die Gesellschaft. Die Modekette NKD übernimmt weitere 71 Woolworth-Filialen. - Bild: Woolworth

  • Praktiker

    Platz 3: Praktiker - Am 10. Juli 2013 erklärt sich die Baumarktkette Praktiker für überschuldet und zahlungsunfähig. Tags drauf stellt sie Insolvenzantrag. Eine Umstrukturierung sowie die Übernahme der profitablen Baumarkttochter Max Bahr durch Konkurrent Globus scheitern. In Deutschland gehen rund 20.000 Arbeitsplätze verloren. Die Praktiker-Filialen in Polen, Ungarn, der Ukraine und Griechenland übernehmen verschiedene Investoren. - Bild: A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

  • Schlecker

    Platz 2: Schlecker - Im Februar 2012 kann Schlecker Forderungen in Höhe von 655 Millionen Euro nicht mehr bedienen. Im Juni beschließen die Gläubiger, die Drogeriekette zu zerschlagen. Sie sehen keine Möglichkeit, das Familienunternehmen an einen Investor zu verkaufen. Knapp 35000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Seit März 2017 müssen sich Firmengründer Anton Schlecker und seine Familie wegen Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten. - Bild: WIKImaniac - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

  • Arcandor

    Platz 1: Arcandor - Mitte 2009 kann der Handelskonzern Arcandor 650 Millionen Euro Schulden nicht mehr bedienen. Die AG und die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle sind insolvent, nicht aber die Reisesparte, Thomas Cook. Besonders belastend sind die Monatsmieten der Kaufhäuser in Höhe von 23 Millionen Euro. Sie fließen zum Teil an einen Fonds, an dem Ex-CEO Thomas Middelhoff beteiligt ist. Er wird später wegen Untreue verurteilt. Die Sanierung des Konzerns scheitert. Nur die Thomas Cook Group lässt sich veräußern. Insgesamt verlieren 52000 Mitarbeiter ihre Jobs. - Bild: Arcandor

Die Wirtschaftsauskunftei Creditsafe hat für die Erhebung der Branchenchecks mehr als 3,4 Millionen Unternehmen aus Deutschland untersucht, davon rund 39.000 aus der Metallverarbeitung und -produktion. Die Untersuchungen stützen sich dabei auf Daten aus öffentlichen Quellen, wie dem Handelsregister und dem Bundesanzeiger, Insolvenzbekanntgaben, Amtsblätter oder Gewerbeämter.

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