Iran-Krieg und Energiepreise

Iran-Krieg: DIW sieht begrenzte Folgen für Wirtschaft

Der Iran-Krieg könnte die deutsche Wirtschaft nur leicht bremsen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet jedoch steigende Energiepreise und eine höhere Inflation.

Insgesamt würde die Erholung der deutschen Wirtschaft durch den Iran-Konflikt zwar gebremst, aber nicht gestoppt, sagt das DIW.

Summary: Das DIW sieht durch den Iran-Krieg nur begrenzte Folgen für die deutsche Konjunktur. Während das Wirtschaftswachstum kaum gebremst wird, könnten steigende Öl- und Gaspreise die Inflation spürbar erhöhen. Ein Eskalationsszenario würde jedoch stärkere wirtschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen.

Welche Folgen hat der Iran-Krieg für die deutsche Wirtschaft?

Der Iran-Krieg dürfte nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die deutsche Konjunktur nur moderat belasten. Zwar sorgen steigende Energiepreise für wirtschaftliche Unsicherheit, doch insgesamt bleibt der Effekt auf das Wachstum begrenzt. 

Unter der Annahme, dass der stärkste Preisschub bereits überstanden ist und Öl- sowie Gaspreise im Jahresverlauf nur moderat steigen, erwarten die Ökonomen lediglich eine leichte Belastung. Die Energiepreise könnten die Inflation um 0,4 Prozentpunkte erhöhen und das Wirtschaftswachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpfen.

„Insgesamt wird die Erholung der deutschen Wirtschaft damit zwar gebremst, aber nicht gestoppt“, schreibt das DIW. Wie aus der Analyse hervorgeht, rechnen die Wirtschaftsforscher damit, dass Energiepreise nicht dauerhaft stark steigen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher erklärte, das wahrscheinlichste Szenario sei, dass der aktuelle Preisanstieg temporär bleibe.

Warum fällt der Energiepreisschock geringer aus?

Der aktuelle Preisanstieg bei Öl und Gas liegt laut DIW deutlich unter den Ausschlägen während der Energiekrise der Jahre 2022 und 2023 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. „Deutschland ist heute weniger von fossiler Energie aus der Golfregion abhängig als damals von Gas und Öl aus Russland“, erklärt das Institut. 

Diese geringere Abhängigkeit reduziert die unmittelbaren Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft. Zu Wochenbeginn waren die Preise für Brent-Rohöl allerdings auf fast 120 USD je Fass gestiegen, bevor sie wieder nachgaben. Gleichzeitig hat sich der Gaspreis an den Börsen laut DIW nahezu verdoppelt.

Wie entwickeln sich Wachstum und Inflation?

Die deutsche Wirtschaft war im Jahr 2025 nur minimal gewachsen. Für das laufende Jahr erwartet das DIW nun ein Wachstum von 1,0 %. Impulse sollen vor allem von staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Rüstung ausgehen. Für das Jahr 2027 prognostizieren die Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 1,4 %.

Deutlich stärker könnten die Auswirkungen beim Preisniveau ausfallen. Die Inflation soll laut DIW im laufenden Jahr auf 2,4 % steigen. Für 2027 erwarten die Experten eine Teuerungsrate von 2,3 %. Im vergangenen Jahr lag die Inflation im Durchschnitt noch bei 2,2 %.

Ökonomen waren zuvor davon ausgegangen, dass die Inflation im aktuellen Jahr nur etwas über 2 % liegen würde.

Was passiert bei einer Eskalation des Iran-Kriegs?

Neben dem Basisszenario beschreibt das DIW auch ein deutlich negativeres Szenario. Sollte der Iran-Krieg weiter eskalieren, könnten die Energiepreise innerhalb von zwei Quartalen um mehr als die Hälfte steigen.

In diesem Fall müsste die Europäische Zentralbank laut DIW die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu begrenzen. Eine solche Zinserhöhung würde wiederum die wirtschaftliche Entwicklung bremsen.

Unter diesen Bedingungen könnte die Inflationsrate im Jahr 2026 auf 2,8 % steigen. Gleichzeitig würde die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozentpunkte unter dem Basisszenario liegen.

mit Material von dpa